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Die Albertina in Wien widmet sich dem Schaffen Joan Mirós und stellt den Spanier als großen Poeten in der Kunst des 20. Jahrhunderts vor

Von der Erde zum Himmel



Ende August dieses Jahres wurde bekannt, dass 85 Gemälde von Joan Miró aus dem Besitz der Banco Português de Negócios (BPN) nun doch versteigert werden sollen. BPN war in der Finanzkrise wegen ihrer horrenden Verluste verstaatlicht und mit Steuergeldern gerettet worden. Trotz massiver Proteste der Bevölkerung und verschiedener Institutionen wurden die Werke nicht als Kulturerbe eingestuft und dürfen nun außer Land gebracht werden. Christie’s hatte den Wert der Sammlung mit rund 37 Millionen Euro beziffert und sie als eine der umfassendsten und eindrucksvollsten Kollektionen des spanischen Künstlers bezeichnet, die jemals zur Versteigerung gekommen sind.


Mit dem Verkauf der Werke soll die portugiesische Staatskasse gefüllt werden. Eine Entscheidung, die trotz der finanziellen Misere Portugals schwer nachvollziehbar ist, da die Privatbank mit Steuergeldern gerettet wurde und die Bevölkerung, so wurde seitens der Oppositionsparteien argumentiert, ein Recht auf die Miró-Werke habe, die in einem staatlichen Museum ausgestellt werden sollten. BPN hatte die Werke Mirós 2003 und 2006 nach Presseberichten für 34 Millionen Euro aus einer Privatsammlung in Japan erworben und in Portugal nie öffentlich gezeigt. Nun ist zu befürchten, dass wichtige Werke, darunter „Femmes et Oiseaux“ von 1968 für immer in private Sammlungen gelangen und der Öffentlichkeit entzogen werden.

Joan Miró selbst war der Gedanke an kommerzielle Verwertbarkeit zeitlebens fern gewesen“, betonte Klaus Albrecht Schröder, der Direktor der Albertina in Wien, anlässlich der Eröffnung einer großen Retrospektive zum Werk des Spaniers. Unter dem Titel „Miró – Von der Erde zum Himmel“ präsentiert das Haus etwa 100 Arbeiten – Gemälde, Papierarbeiten, Plastiken und Objekte des großen Katalanen. Die Exponate decken rund sechs Jahrzehnte ab, angefangen von frühen Arbeiten wie „Gemüsegarten mit Esel“, einem Gemälde, das der junge Miró 1918 als 25jähriger fertigte, bis zu der im Jahr 1981 entstandenen Folge von Aquatintaradierungen, die er in seinem „Lapidarium – Buch über die Eigenschaften von Steinen“ zwei Jahre vor seinem Tod publizierte.

Sein Leben lang bediente sich Joan Miró der Ikonografie der mediterranen Welt, in die er hineingeboren worden war, der Bildsprache seiner Heimat Kataloniens. Die Realität des heimatlichen Bodens sollte der Bezugpunkt werden, dem er stets verbunden war. Die fortwährende Beschäftigung mit ihr veranlasste Miró, Landschaften und Bildmotive auf eine unverwechselbar eigenständige Weise zu beschreiben. Der eher stille, schweigsame und zurückgezogen lebende Künstler, legte wenig Wert auf gesellschaftliche Ereignisse und Zusammenkünfte. Seine Konzentration und Hingabe galt der eigenen künstlerischen Arbeit. „Joan Miró gehörte zu den Magiern, deren Taten oft lächerlich erschienen, weil sie einen seltsamen Ton und eine Aura hatten, als ob sie von ganz woanders her kämen“, äußerte sich Michel Leiris 1926 über den Freund, der 1920 seine Sachen packte und Barcelona verließ, um sich in Paris den Dadaisten und Surrealisten um André Breton, Paul Éluard und Louis Aragon anzuschließen. Miró war begeistert von der Stadt: „Dieses Paris hat mich vollkommen wachgerüttelt. Ich fühle mich regelrecht geküsst.“

Durch seinen Ateliernachbarn André Masson lernte er Max Jacob und Antonin Artaud kennen, beobachtete Robert Desnos’ Traum- und Hypnoseexperimente und begeisterte sich für die Dichtung von Paul Éluard und Péret, die eine kosmische und fantastische Welt zeichnen. Geprägt von diesen Einflüssen wandte sich Miró bald jäh von seinen dingmagischen und detaillierten Bilderzählungen ab, obwohl er ihnen seine ersten Erfolge verdankte. Ernest Hemingway erwarb den 1921/22 entstandenen „Bauernhof“, ein Gemälde, das Miró selbst als Schlüssel zum Verständnis seines Lebenswerks bezeichnete. In diesem Bild vereinte Miró seinen realistischen Zugang zur Wirklichkeit mit dem Poetisch-Fantastischen. Er transformierte seine präzisen Beobachtungen in eine überwirkliche Bildwelt.

Die intensive Auseinandersetzung mit der Poesie im Kreise seiner Pariser Freunde ließ Miró seine realistische Malerei überdenken. Um 1923 vollzog er einen radikalen Wandel, „zerbrach die kubistischen Gitarren“ und schrieb rückblickend auf diese Zeit: „Es gelang mir, den Kontakt zur Wirklichkeit zu verlieren.“ In Bildern wie „Katalanischer Bauer mit Gitarre“ von 1924 oder „Spanische Tänzerin“ von 1924 entwickelte er eine vollkommen neue Bildkonzeption mit der für ihn nun typischen fantastisch-rätselhaften Zeichensprache. Die sichtbare Welt verwandelte Miró fortan in ein poetisches Universum aus wundersamen Zeichen und rätselhaften Symbolen. „Die einfachsten Dinge“, erklärte er, „bringen mich auf Ideen… Ein Faden allein, kann eine ganze Welt in Gang setzen.“ Damals entdeckte Miró auch die „Écriture automatique“, die Sprache des Unbewussten, die es ihm ermöglichte, außerbildliche Erfahrungen wiederzugeben, weg vom Gegenständlichen und hin zu einer Malerei der Empfindung und Emotion.

Die gleiche Faszination für alle Dinge und Wesen ebenso wie die zahlreichen Impulse, die Joan Miró durch sein abwechselndes Leben auf dem Land und in der Stadt erlebte, bedingten die Vielschichtigkeit seines künstlerischen Schaffens. Die Wiener Ausstellung führt nahezu chronologisch durch das Werk des Malers, kontrastiert die humoristischen Züge seiner Kunst mit dem tragisch Wortkargen seines Naturells, folgt seinen Reisen zwischen dem Landhaus in Montroig und der Ruhe des damals noch unberührten Mallorca und dem visuell und akustisch überwältigenden sowie intellektuell bereichernden städtischen Leben in Paris und Barcelona. Sie stellt dem „katalanischen Bauern“ den Denker und den Philosophen Miró gegenüber, das Mystische seines Werks dem Bodenständigen und Naturbezogenen seiner Kunst und widmet sich Mirós Œuvre ebenso bedacht unter dem Gesichtspunkt seines politischen Engagements.

Miró trug stets Sorge, sich keinem politischen und künstlerischen Lager allzu eindeutig zu verpflichten. So wurde er zwar als Surrealist anerkannt, nahm an deren Treffen teil und war in gemeinsamen Ausstellungen vertreten. Tatsächlich aber war Miró niemals offizielles Mitglied der Surrealistengruppe, er unterzeichnete keine ihrer Proklamationen und distanzierte sich immer wieder von den strengen Doktrinen ihre Anführers Breton. Ebenso wehrte sich Miró gegen die Vereinnahmung als sozialistischer Realist oder Kommunist und später gegen die Ehrbezeugungen der Franco-Regierung. Miró war schwer zu fassen und das wollte er offenbar auch sein. Nur selten ließ er sich auf politische Aussagen ein: mit jenem Plakat beispielsweise, das 1937 mit dem Slogan „Aidez l’Espagne“ mit der zum kommunistischen Gruß gereckten Faust zur Hilfe im Spanischen Bürgerkrieg aufrief. Ein Statement, das in der Wiener Schau leider fehlt.

Das, was Miró suchte, wenn er sein poetisches Vokabular aus Nasen und Augen, Sternen und Spiralen, Mündern und Genitalien in entfernten Landschaften und schließlich frei schwebenden, monochromen Hintergründen fliegen ließ, beschrieb er selbst mit dem Begriff der „unbewegten Bewegung“, „etwas, das dem entspricht, was man die Beredsamkeit des Schweigens nennt… oder die Musik der Stille“. Mirós Botschaften, die manchem so naiv erscheinen, sind daher mehrdeutig, vielschichtig, nicht leicht konsumierbare Heiterkeit. Dies zu zeigen, Mirós Arbeiten von ihrem Image als vielfach reproduzierte Dekorationsobjekte zu befreien und sie des oft erhobenen Vorwurfs der bloßen Verspieltheit zu entheben, gelingt der Wiener Ausstellung allemal.

Jene Arbeiten, mittels derer Miró seinen Zorn gegen die Kommerzialisierung der Kunst auszudrücken suchte, wie die fünfteilige Serie „Toiles brûlées“, die verbrannten Leinwände aus dem Jahr 1973, oder sein im selben Jahr entstandener Nachruf auf die Studentenunruhen vom Mai 1968, in dem wilde Graffiti, Handabdrücke und zerlaufende Farbkleckse auf der Leinwand explodieren, sind in Wien jedoch nicht zu sehen. Mit Werken wie „Frau vor Sonne I“ von 1974 oder „Figur“ von 1979, einem Gemälde, das Miró als 86jähriger malte, demonstriert die Ausstellung vor allem die Kontinuität seiner Bildsprache, mittels derer er – auch wenn die Palette dunkler und das Format größer wurde - die Realität weiterhin in ein System von Farben und Formen zu transferieren suchte.

Miró bestand auf der Freiheit der Phantasie. Ihm gelang es Bilder zu malen, die die Vorstellungskraft befruchten. Er erfand Zeichen, die dank ihrer nicht genauen Festlegbarkeit der Wirklichkeit einen Raum geben. Es sind Zeichen, die von der Dichtkunst ebenso getragen sind, wie von Musik, täglichen Spaziergängen, dem Geräusch knarrender Räder und dem Spektakel am Himmel. Sein Ziel war die Vermittlung einer Botschaft, deren Wirkung eine große Bandbreite der Menschheit erreicht. Darin ist er ungleich politischer, als in seinen raren Statements zum Weltgeschehen. Und dass das so bleibt, daran wird auch der portugiesische Ausverkauf nichts ändern.

Die Ausstellung „Miró – Von der Erde zum Himmel“ ist bis zum 11. Januar 2015 zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 11,90 Euro mit verschiedenen Ermäßigungsstufen. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei. Der Katalog kostet in der Ausstellung 29 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



12.10.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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