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Anlässlich des Starts der Manufaktur Hutschenreuther vor 200 Jahren feiern Selb und Hohenberg das Jubiläum der Porzellanproduktion in Oberfranken

Harte kleinkünstlerische Appetitanreger



August Billmann, Nashornvogel, 1918

August Billmann, Nashornvogel, 1918

Nach den Reminiszenzen auf die 300jährige Porzellanerzeugung in Sachsen im Jahr 2008 und zahlreichen Ausstellungen anlässlich der 250jährigen Porzellanherstellung in Thüringen 2010 ziehen nun die Franken nach. Denn im Jahr 1814 etablierte der aus Thüringen nach Hohenberg an der Eger umgesiedelte Carolus Magnus Hutschenreuther in der Dienstwohnung seines Schwiegervaters auf der örtlichen Burg eine Porzellanmalerei. Das zu dekorierende Weißporzellan importierte er aus der alten Heimat. Nahebei aufgespürte Kaolinvorkommen und reichlich Brennholz liefernde Wälder versprachen eine so gute Rohstoffsituation, dass Hutschenreuther nach erteilter Konzession 1822 nicht nur weiter verarbeiten, sondern auch selbst produzieren konnte.


Viele weitere Firmengründungen folgten in der Gegend zwischen Coburg und Weiden. In der einstigen Direktorenvilla von C.M. Hutschenreuthers Unternehmen eröffnete 1982 das Deutsche Porzellanmuseum. Hier bieten sich dem Besucher facettenreiche Einblicke in die Vielfalt der in Oberfranken entstandenen Produkte. Pfeifenköpfe und henkellose Schalen für den Kaffeegenuss, so genannte „Türkenbecher“, verweisen gleich am Anfang auf die auf Massen und den Export ausgerichtete Produktion. Einen wichtigen Markt boten die USA. Der Geschmack der Amerikaner allerdings unterschied sich gravierend vom heimischen. Pastelltonige Fondfarben, eine Überfülle plastischer Dekors und üppige Goldstaffage demonstrieren die speziell auf diesen Gusto zugeschnittenen, schwülstig aufgedunsenen Formen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lag ein Schwerpunkt auf Haushaltsporzellanen sowie begeleitend dazu auf Artikel für die gehobene Käuferschicht. Auch um französischen Konkurrenten Paroli zu bieten, wurden viele Geschirre in Formen des Neorokoko gestaltet, wie Teile des Services „Sanssouci“ zeigen. Der wirtschaftliche Aufschwung verlangte in den 1870er Jahren ein gesetzlich verankertes Urheberrecht und Markenschutz. Feste Kennzeichnungen der Hersteller in der Form von Bodenmarken wurden üblich. Ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts entwickelten sich Messen und Weltausstellungen zu wichtigen Präsentationsplattformen. Vor allem die 1851 startenden Weltausstellungen erwiesen sich als wirkungsmächtige Werbeschauen mit internationaler Resonanz. Großen Wert maßen Produzenten der Präsentation von Luxuswaren bei. Eindrucksvoll belegt dies die auf der Pariser Weltausstellung 1900 vielfach bewunderte, von Rosenthal aufgelegte, von Hermann Hidding entworfene Schauvase „Huldigung der Künste“. Erste Anfänge zur Gründung von Kunstabteilungen setzten um 1900 ein.

Im weiteren Verlauf gestaltet sich die Auswahl von rund 2000 Stücken wie ein Gang durch die Entwicklungsphasen der Kunst im „zierlichen Kleinen“. Nach dem Ersten Weltkrieg dominierte zunächst Bewährtes in historisierenden Fassungen bei oft weiß belassenen Serviceformen und dezenter Farbigkeit. Erst Mitte des Jahrzehntes traten neue Modelle hinzu. Barock- und Rokokoformen signalisieren zu Beginn der 1930er Jahre im Art Déco eine Popularität althergebrachter Spielarten, ergänzt zeitgleich durch die Klarheit und Schlichtheit funktionalistischer Tendenzen. Die „Gute Form für jeden Tag“ war ein Leitgedanke der Zeit, dem besonders der Entwerfer Hermann Gretsch Ausdruck verlieh. Im Anschluss charakterisieren plumpe Erzeugnisse, naturalistischer Nippes und heroisierende Geschenkartikel die Jahre nach 1933.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das alte Repertoire zunächst weiter in Gebrauch, bevor aus Kugel oder Oval entwickelte Muster zu einem freieren Spiel überleiteten. Bunte, teils durch Reisen in den Süden angeregte Schöpfungen wurden beliebt. In den 1960er Jahren gewann der Bauhaus-Gedanke an Bedeutung. Große geometrische Elemente, Farbdekors in Orange, Braun, warmen Rottönen auf minimalistischen Formen beherrschten den Duktus der 1970er Jahre. Hinsichtlich künstlerischer Soloschöpfungen besetzte die Firma Rosenthal eine Vorreiterrolle. Den Documenta-Gründer Arnold Bode engagierte man, um ein Kunstprogramm in Porzellan umzusetzen. 1968 legte das Unternehmen eine Reihe mit 34 Arbeiten von 23 Künstlern auf; mit dabei waren Henry Moore oder Lucio Fontana.

Das Porzellandesign der 1980er Jahre stand unter den Vorzeichen von Kreationen gefeierter Modeschöpfer. Neben günstigen Serienkollektionen sorgte die Gruppe Memphis mit Ettore Sottsass und Matteo Thun mit auffälligen Gestaltungen für Aufsehen, die in einer Zeit des Wohlstandes das Design stark in den Vordergrund rückten. Lieferungen an prominente Fürstenhäuser, an den Vatikan oder Staatsgeschenke bestreiten einen separaten Ausstellungsblock, dessen Exponate erstaunlich wenig Korrespondenz zu den vorherrschenden Tendenzen aufweisen.

Die letzten 25 Jahre ab 1989 führt die Dependance im ehemaligen Fabrikgebäude der Firma Jacob Zeidler in Selb vor Augen. Nach der Wiedervereinigung 1989 fand sich die bayerische Porzellanindustrie plötzlich in Europas Mitte wieder. Neue Märkte, neue Billigkonkurrenzen, Marktbereinigungen, Geschäftsschließungen und Firmenfusionen führten zu nachhaltigen Veränderungen in der Porzellanindustrie. Von über 25.000 beschäftigten „Porzellinern“ im Jahr 1991 sank deren Zahl auf 3.721 im vergangenen Jahr. Dass rund zwei Drittel des europäischen Porzellans heute aus Bayern kommt, ist neuen Wegen im kreativen Sektor zu danken.

Im Porzellanikon in Selb löst sich der epochenorientierte Gang durch die Ausstellung zugunsten von Themenbereichen und Spotlights auf. Unter dem Motto „Design als Innovationstreiber“ wählte eine Fachjury die markantesten Kreationen aus den letzten 25 Jahren aus. In schaufensterartigen kleinen Kojen werden pro Jahr je zwei Produkte präsentiert, hinter denen Großfotos einprägsam die maßgeblichen innovativen Bestandteile betonen. Allerdings: Bei der Auswahl von Beispielen der jüngsten Jahre ist viel Beliebigkeit zu spüren, hier hätte man sich mehr Courage gewünscht, eventuell auch mal neben dem Trend zu liegen.

Ein abschließender Ausstellungsteil hoch unter dem Dach spricht in „Tischlandschaften“ Trends und stilistische Tendenzen der jüngeren Zeit an, etwa den von Villeroy & Boch in den 1980er Jahren aufgezogenen Landhausstil, der bis weit ins Folgejahrzehnt zum Leitmotiv der deutschen Porzellanbranche avancierte. Erdtöne, ruhige Formen und weiche Gestaltungen strahlen Ruhe, Wärme und Gediegenheit aus. Mitte der 1990er Jahre bricht eine neue Üppigkeit aus. Firmen suchen die enge Zusammenarbeit mit Künstlern und Designern, Rosenthal mit Gianni Versace oder die Firma Heinrich mit Paloma Picasso. Die neue, repräsentative, zuweilen recht aufgedunsene Richtung verbindet Schönheit mit kräftiger farblicher Opulenz unter betonter Verwendung von Gold. Ende der 1990er Jahre erzeugen Kundenwünsche nach Individualität eine Vielfalt an Pogrammen. Dieser „Hodge Podge“ mündet in mannigfache Porzellane für Speisegewohnheiten verschiedener Kulturen.

Aspekte wie Nachhaltigkeit, leichte, bruchsichere, stapelbare Restaurant- und Hotelporzellane, Inklusionsporzellane mit dicken Henkeln, großen Öffnungen, weiten Rundungen und kontrastreichen Farben überführen zu mehr puristischen Tendenzen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Strenge Linien, strahlende Klarheit, formale Reinheit in modischem Weiß und sparsamen Farbakzenten korrespondieren mit neu aufgelegten Servicen bekannter Klassiker wie Wilhelm Wagenfeld oder Hermann Gretsch. Besonders dieser Teil führt die Besucher direkt in die aktuelle Porzellanproduktion hinein und bietet ein sinnliches Erlebnis. Mit dem schon recht fließenden Übergang zu werbenden Messeauftritten oder Schaufensterdekorationen verlässt dieser Abschnitt allerdings auch schon den musealen Kontext. Doch alles in allem bleibt der Eindruck einer fundierten, variantenreichen und spannenden Ausstellung, die nicht unintelligent vermittelt, wie Porzellan zum Glanzstück wird.

Die Ausstellung „Porzellan für die Welt. 200 Jahre Porzellan der bayerischen Fabriken“ ist noch bis zum 30. November zu sehen. Das Porzellanikon in Hohenberg an der Eger und in Selb hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt für beide Ausstellungsteile 6,50 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Gesamtausstellung erscheint ein zweibändiger Katalog: Band I zum ersten Teil in Hohenberg kostet an der Museumskasse 34,90 Euro; Band II wird im Herbst veröffentlicht.

Porzellanikon – Staatliches Museum für Porzellan
Schirndinger Straße 48
D-95691 Hohenberg an der Eger

Telefon: +49 (0)9233 – 77 22 11
Telefax: +49 (0)9233 – 77 22 18

Kontakt:

Porzellanikon - Staatliches Museum für Porzellan

Werner-Schürer-Platz 1

DE-95100 Selb

Telefon:+49 (09287 ) 918 000

Telefax:+49 (09287) 918 00 30

E-Mail: info@porzellanikon.org



07.09.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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