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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Karl der Große in Aachen

Vater Europas



Karlsbüste

Karlsbüste

Nur eine Handvoll an Jahren während seiner fast ein halbes Jahrhundert umfassenden Regierungszeit schaffte er es, nicht auf Feldzug zu sein. An seinen Händen klebte das Blut der viertausend Hingerichteten von Verden, er führte Eroberungskriege gegen die Sachsen und Langobarden, die Awaren und Mauren, war ein Machtpolitiker großen Stils und ebenso berechnend wie brutal – und doch ist Karl der Große als ein Herrscher in die Geschichte eingegangen, zu dem die Menschen bis heute aufschauen. Ob in der politischen Geschichte oder den Wissenschaften, in der Kunst oder dem kulturellen Austausch zwischen Zeiten und Völkern: in jeder Hinsicht gilt die Herrschaft Karls des Großen zwischen 768 und 814 als ein Wendepunkt im Werden Europas. Der Internationale Karlspreis zu Aachen erinnert bis heute an den „großen“ Karl und sein – langfristig allerdings für viele Jahrhunderte gescheitertes – Projekt, das in Stämme zersplitterte Europa unter eine gemeinsame Herrschaft zu zwingen.


Anlässe und Beweggründe gibt es in der Tat genügend, um an diesen Herrscher und seine Zeit zu erinnern, die wie ein Monolith aus der Geschichte des frühen Mittelalters hervorragen und die „Dark Ages“ der ausgehenden Völkerwanderungszeit beendeten. Die Faszination des Betrachters ist dieser Hochblüte der Karolingerzeit schon allein des kulturellen Transfers wegen sicher – eines Begriffs, der jenseits allen modischen Gebrauchs doch ziemlich genau eines ihrer wesentlichen Merkmale beschreibt. Sowohl in zeitlicher als auch in räumlicher Hinsicht sind es vor allem die Zeugnisse des Austauschs mit der griechisch-römischen Antike und mit den Kulturen des Ostens, insbesondere Byzanz, und die dank der schriftlichen Quellen und der erhaltenen Realien so deutlich sichtbare Grenzüberschreitung des König-Kaisers über seine Tätigkeit als Feldherr und Herrscher hinaus in Kunst und Wissenschaft, die diese Zeit bis heute lebendig halten.

Einen besseren Anlass als dieses Jahr, Karl zu feiern, kann es kaum geben, jährte es sich doch heuer zum 1200. Mal, dass der allmählich auf die siebzig zugehende Kaiser im Januar 814 in seiner Lieblingspfalz zu Aachen seine Augen für immer schloss. Und auch der Ort der Jubiläumsveranstaltung könnte kaum ein anderer und besserer sein als eben Aachen selbst. Dementsprechend viel geboten ist dem Besucher derzeit in der westlichsten Großstadt Deutschlands: Gleich drei Häuser beteiligen sich an der monumentalen Ausstellung „Karl der Große. Macht – Kunst – Schätze“, die noch bis Ende September ein möglichst umfang- und facettenreiches Bild jener Epoche und ihres Hauptprotagonisten präsentieren möchte.

Mittelalter-Ausstellungen haben ja im Moment Hochkonjunktur. Ob 2011 die Salier in Speyer, Otto der Große 2012 in Magdeburg oder die Christianisierung Europas 2013 in Paderborn, stets waren es umfangreiche Gesamtschauen auf zentrale Epochen der europäischen Geschichte. Ein Gesamtüberblick über den ins Rampenlicht gerückten Zeitraum ist dabei fast obligatorisch. So widmet sich auch in Aachen der Ausstellungsteil „Orte der Macht“ im Krönungssaal des Rathauses eingehend den politischen Verhältnissen und den wirtschaftlichen Grundlagen der Karolinger. Ausgewählte archäologische Zeugnisse vermitteln ein Bild der Bautätigkeit Karls, neben Aachen wird nicht zuletzt mittels neuer 3-D-Visualisierung die nur in Resten bis heute erhaltene Pfalz zu Ingelheim vorgestellt.

„Verlorene Schätze“ erwarten den Besucher in der unweit vom Rathaus gelegenen Domschatzkammer. Noch immer gehört der Aachener Domschatz zu den bedeutendsten im deutschsprachigen Raum, doch in früheren Jahrhunderten war der Bestand an Preziosen aus der Karolingerzeit noch weitaus größer. Vieles wurde im Lauf der Geschichte zerstört, verkauft, verschleudert, teils noch im späten 19. Jahrhundert schnöde zu Geld gemacht. Einiges haben die Ausstellungsmacher jetzt für die drei Monate Laufzeit der Schau zurückgeholt und in die Sammlung integriert, die ansonsten unverändert zu besichtigen ist. Darunter finden sich zwei Emailplatten vom Armreliquiar, das zu Karls politisch motivierter und daher bis heute nicht unumstrittener Heiligsprechung 1165 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa gestiftet wurde.

Der großartigste Teil der Ausstellung ist „Karls Kunst“ im neu eröffneten Centre Charlemagne, das im Dreieck zwischen Rathaus, Schatzkammer und Münster seinen Platz in einem großzügigen Neubau erhalten hat. Hierher haben es Schätze geschafft, die man sonst nie woanders als an ihren angestammten Plätzen antrifft. Der Tassilokelch beispielsweise gehört dazu, der 788 von Bayernherzog Tassilo – vor seiner Absetzung übrigens durch Karl den Großen – spätestens gestiftet wurde und seither mit erst einer Unterbrechung immer im oberösterreichischen Stift Kremsmünster aufbewahrt wird, oder das aus der Pariser Bibliothèque Nationale hergeliehene Godescalc-Evangelistar aus den frühen 780er Jahren, eine nicht zuletzt für die Entwicklung des Bildes in der Kunstgeschichte ungemein wichtige Inkunabel der Buchmalerei, oder schließlich das Lorscher Evangeliar, das erstmals seit langem in seinen gemalten und in Elfenbein geschnitzten Hauptbestandteilen wieder vereint in Aachen zu bewundern ist.

Besonders hier, in dieser nur 31 Spitzenexponate karolingischen Kunstschaffens umfassenden Schau, wird die großartige Leistung Karls als Impulsgeber für die gesamte weitere Kulturentwicklung Europas auf der Schwelle vom Früh- zum Hochmittelalter deutlich. Er mag Berater gehabt haben, klügere, intellektuellere Persönlichkeiten mögen eigentlich das geistige Leben an seinem Hof getragen und geprägt haben, und wir kennen die überlieferte Anekdote, der Kaiser habe noch in fortgeschrittenem Alter das Schreiben zu lernen versucht und es dabei doch nur zu mäßigen Erfolgen gebracht – die Schirmherrschaft über all diese Entwicklungen hat aber doch er übernommen und mit offenbar glücklicher Hand gestaltet. Dieses bahnbrechende Verdienst ist bleibend und kann Karl nicht abgesprochen werden, trotz der brutalen Kriege und der mitunter barbarischen Strafmaßnahmen, die die Kehrseite der Politik Karls des Großen bilden.

Die Ausstellung „Karl der Große. Macht – Kunst – Schätze“ in Aachen läuft bis zum 21. September. Geöffnet ist sonntags bis mittwochs von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis samstags von 10 bis 21 Uhr. Der Eintritt in alle drei Sektionen beträgt 14 Euro, ermäßigt 10 Euro. Einzeln sind 6 Euro oder ermäßigt 4 Euro je Ausstellungsteil zu entrichten. Begleitend erschienen sind drei Publikationen, die zusammen 59 Euro oder einzeln zwischen 24 und 29 Euro kosten, sowie mehrere Kurzführer.

Kontakt:

Stadt Aachen

Rathaus

DE-52058 Aachen

Telefon:+49 (241) 432-0



30.08.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Armreliquiar
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Tassilokelch, nach 763 und vor 788
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 Jahrhundert
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Silberbehälter für das verlorene Gemmenkreuz, Rom, zwischen 817 und
 824
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Godescalc-Evangelistar, Hofschule Karls des Großen, 781-783
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Fibel von Dorestad, um 800
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Armreliquiar

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Tassilokelch, nach 763 und vor 788

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Soissons-Evangeliar, Hofschule Karls des Großen, Anfang 9. Jahrhundert

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Silberbehälter für das verlorene Gemmenkreuz, Rom, zwischen 817 und 824

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Einband des Lorscher Evangeliars, um 810

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Godescalc-Evangelistar, Hofschule Karls des Großen, 781-783

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Fibel von Dorestad, um 800

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Symbol des Evangelisten Johannes, 1. Viertel 9. Jahrhundert

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Missale des Altars der 11.000 Jungfrauen, Aachen (?), 2. Hälfte 15. Jahrhundert

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Lotharkreuz

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Fragment vom Krönungsgewand des Richard von Cornwall, Deutschland (?), 2. Hälfte 13. Jahrhundert

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Karlsschrein – Ansicht Stirnseite

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Elfenbeinkästchen, Niedersachsen (?), 1. Hälfte 11. Jahrhundert

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