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Dezidiert politisch geht es in der Schau „Zehntausend Täuschungen und hunderttausend Tricks“ im Wiener 21er Haus zu. Dafür hat der Young Arab Theatre Fund aus Brüssel über 40 Künstler und Künstlerinnen zusammengebracht, die sich mit systematischer Intoleranz, Neokolonialismus, dem Aufleben nationalistischer Ressentiments oder Antieinwanderungsgesetze auseinandersetzen

Gleiche Rechte für Alle



„Meeting Points“ heißt das Festival für zeitgenössische Kunst aus dem arabischen Raum, das derzeit in Wien Station macht. Mit „Zehntausend Täuschungen und hunderttausend Tricks“ knüpft das 21er Haus an die lange Tradition der Wiener Festwochen-Ausstellungen an diesem Ort an. Die Schau ist Teil des Konzepts „Meeting Points 7“, der siebten Ausgabe eines vom Young Arab Theatre Fund organisierten Projekts, das in Form einer sich wandelnden Wanderausstellung im Verlauf eines Jahres in sieben Städten auf drei Kontinenten gezeigt wird. In jeder Stadt – neben Wien waren das auch Zagreb, Antwerpen, Kairo, Hongkong, Beirut und Moskau – variiert die explizit politische Schau ihren Fokus, setzt sich mit Formen des Kolonialismus und Neokolonialismus auseinander, mit der Rolle, die die Mittelklasse in den Revolutionen der verschiedenen Weltregionen spielt, oder mit unterschiedlichen Strategien, sich gegen Unterdrückung zur Wehr zu setzen.


Das Projekt passt gut zur aktuellen Linie des Wiener Festwochenprogramms, das mit der Öffnung hin zu anderen Kunstformen neben Theater, Tanz und Musik auch Ausstellungen, Installationen, eine Filmreihe sowie Debatten, Vorträge, Diskussionen und eine Vermittlungsserie mit Workshops präsentiert. Der Titel des Projekts „Zehntausend Täuschungen und hunderttausend Tricks“ ist ein Zitat aus „Die Verdammten dieser Erde“, einem Buch des revolutionären Philosophen Frantz Fanon aus dem Jahr 1961 über die Befreiung Algeriens von der französischen Kolonialherrschaft. Die Ausstellung, die etwas mehr als 40 verschiedene künstlerische Positionen vorstellt, erkundet eine Reihe miteinander verwobener Themen: die Rolle, die die Mittelschicht heute fast überall in Revolten einnimmt, die Formen des Neokolonialismus, der Konterrevolution und der Vereinnahmung sowie die verschiedenen Strategien, die gegen Unterdrückung eingesetzt werden. Neuere Arbeiten zeitgenössischer Künstler- und FilmemacherInnen werden dabei mit historischen Positionen, darunter auch einige Arbeiten aus der Sammlung des 21er Hauses und des Belvederes, kontrastiert.

Den Anfang macht die 1985 geborene spanische Künstlerin Daniela Ortiz, die in ihrer 2012 entstandenen Serie „Maids rooms“ die Lebensbedingungen von Hausmädchen ausgehend von den 1930er Jahren untersucht, indem sie die architektonische Entwicklung von Familienhäusern der Oberschicht in Lima verfolgt. Viele der Häuser wurden in renommierten Architekturmagazinen vorgestellt und als Meisterwerke moderner und progressiver Architektur gepriesen; doch die Räume für das Hauspersonal wurden immer kleiner. Ein einfacher Vergleich des Hauptschlafzimmers mit dem für die Haushaltshilfe eingeplanten Wohnraumes zeigt die auf Ausbeutung beruhenden Ungleichheiten und lädt dazu ein, einen Blick hinter die eleganten Oberflächenstrukturen der „kultivierten Klasse“ zu werfen.

Das ungleiche Prinzip von „Servant und Master“ thematisiert auch der 1968 in Casablanca geborene Hicham Benohoud. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten schleuste der Künstler Esel in die Wohnzimmer der marokkanischen Mittel- und Oberschicht. Benohouds Folge großformatiger Farbfotografien durchbricht die Grenzen zwischen den nebeneinander bestehenden, aber sich kaum berührenden Teilen der marokkanischen Gesellschaft, stellt die Ansicht vom „richtigen Platz“ in der Gesellschaft infrage und verweist auf die verbreitete Missachtung der täglichen Arbeit, die erforderlich ist, um das Funktionieren eines „normalen Haushalts“ zu gewährleisten.

Die Überschreitung von tradierten weiblichen Verhaltensnormen und Handlungsmustern ist wiederum Thema der 1977 geborenen türkischen Künstlerin Nilbar Güres. In ihren großformatigen Fotografien fragt Güres beispielsweise nach der Bedeutung gleichgeschlechtlicher Liebe in einer patriarchal geprägten Gesellschaft, nach dem eng umrissenen, klar definierten gesellschaftlichen Rahmen für Frauen und thematisiert geschlechtliche und kulturelle Identitäten. Scheinbar alltägliche Ereignisse, wie zum Beispiel die großformatige, 2010 entstandene und „Breasts from the Çirçir Series“ betitelte Fotografie, werden von Güres wie filmische Standbilder inszeniert. Die provokant eingesetzten Gesten der beiden Frauen, die selbstbewusst und sich gegenüberstehend posieren, werden allerdings erst über die Kenntnis des kulturellen Hintergrundes sichtbar.

Mit inszenierten Provokationen arbeit auch die Kroatin Sanja Ivekovic. Ihre Fotos im Stil von Werbeaufnahmen zeigen die feministische Soziologin Jana Šarinic, wie sie mit einer Perlenkette in der Hand versucht, die Grußgesten jugoslawischer Partisaninnen auf kleineren Archivfotos nachzuahmen. Die Zeichnungen der russischen Künstlerin Victoria Lomasko wiederum widmen sich im Stil der grafischen Bildreportage den verborgenen Umständen, Details und Konflikten rund um die staatliche Dauerverfolgung von selbst in Russland weniger bekannten Aktivistinnen und Anti-Putin-Demonstranten sowie dem weltberühmten Schauprozess rund um die russischen Aktivistinnen von Pussy Riot, der im Frühjahr und Sommer 2012 in Moskau stattfand.

In Kooperation mit dem Belvedere wurde die Ausstellung auch um einige heimische Positionen erweitert. Die 1971 in Teheran geborene und heute in Wien lebende Künstlerin Ramesch Daha zeigt Arbeiten aus ihrer Werkserie „Unlimited History“ von 2013/14. Ausgangspunkt waren Erinnerungen von Dahas Großmutter an die Teheran-Konferenz der Anti-Hitler-Koalition aus dem Jahr 1943, die die Künstlerin zum Anlass für eine intensive Recherche zum geschichtspolitischen Kontext genommen hat, den sie bald auf die Entstehung der Transiranischen Eisenbahn fokussierte. Dieses für die Industrialisierung des Landes strategisch wichtige Prestigeprojekt wurde zwischen 1927 und 1939 unter wesentlicher Beteiligung von Ingenieuren aus Nazideutschland umgesetzt. Daha thematisiert diese weitgehend unbekannte Verbindungslinie mithilfe von dokumentarischem Material, für das sie verschiedene Übersetzungen findet: Ihre Frottagen, Collagen, Zeichnungen und Gemälde kombinieren die historischen Schlagzeilen mit gegenwärtigen Bildern von Fotojournalistinnen.

Die 1947 ebenfalls in Wien geborenen Künstlerin Lisl Ponger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Konstruiertheit von (kultureller) Identität, den oft stereotypen Vorstellungen und Wahrnehmungen des „Anderen“ und damit verbundenen Fragen bildlicher Repräsentation. Während sie bereits im Frühjahr des Jahres in der Wiener Secession ihr lang gehegtes Vorhaben eines „Museums für fremde und vertraute Kulturen“, kurz „MuKul“, realisieren konnte und mit „The Vanishing Middle Class“ eine vom Verschwinden bedrohte Bevölkerungsgruppe möglichst facettenreich zu erfassen und dokumentieren versuchte, geht Ponger auch in ihren beiden Beiträgen für „Meeting Points“ auf das politische Potential von Bildern ein. Die zwei gezeigten Triptychen „Gute Nacht, Dogmatismus“ und „Gleiche Rechte für Alle“, beide aus dem Jahr 2008, thematisierten die wohl bedeutendsten politischen Umbrüche der Neuzeit: die bürgerliche Französische Revolution und die proletarische Kommunistische Revolution sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen Utopien. „Gleiche Rechte für Alle“ hält einen Moment des Bruches fest: aufgenommen auf einer Treppe im Garten von Versailles, repräsentieren die kostümierten Protagonistinnen die überkommene aristokratische Elite. Ihnen hält die Künstlerin die titelgebende Forderung entgegen, die an ein zentrales, bislang uneingelöstes Ideal der Französischen Revolution erinnert und vor allem nachdrücklich dessen Relevanz in der Gegenwart markiert.

Die Ausstellung „Meeting Points 7: Zehntausend Täuschungen und hunderttausend Tricks“ ist bis noch zum 31. August zu sehen. Das 21er Haus hat mittwochs und donnerstags von 11 bis 21 Uhr, freitags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5,50 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren ist er kostenlos.

Kontakt:

21er Haus

Arsenalstraße 1

AT-1030 Wien

Telefon:+43 (01) 795 577 00

Telefax:+43 (01) 79 557 136

E-Mail: info@21erhaus.at



11.08.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


10.05.2014, Meeting Points 7: Zehntausend Täuschungen und hunderttausend Tricks

Bei:


Österreichische Galerie Belvedere

Künstler:

Daniela Ortiz

Künstler:

Hicham Benohoud

Künstler:

Sanja Ivekovic

Künstler:

Victoria Lomasko

Künstler:

Ramesch Daha

Künstler:

Lisl Ponger

Künstler:

Nilbar Güres










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