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Das Badische Landesmuseum Karlsruhe würdigt Max Laeuger anlässlich seines 150. Geburtstags

Naturromantiker und Idealist



Max Laeuger, Plakat für Kammergarnspinnerei Merkel & Kienlin Esslingen, 1894

Max Laeuger, Plakat für Kammergarnspinnerei Merkel & Kienlin Esslingen, 1894

Was wäre das Leben ohne die weibliche Natur. Die bezaubernde junge Frau mit Blütenkranz im dunkelbraunen Haar und hellrotem Kleid unterhalb des weit entblößten Oberkörpers tritt als Schäferin ins Bild. Sinnend und sinnlich krault sie ein Schaf, das ebenso wie der Schäferstab in ihrer rechten Hand in die Schriftzone der Lithografie ragt. Erst hier erschließt sich die Werbung für Strickgarne der Esslinger Kammgarnspinnerei Merkel & Kienlin, deren stattliche Gebäude im dunstigen Hintergrund verschwimmen. Der Künstler Max Laeuger wagte mit dem Entwurf 1894 Sensationelles. Er arbeitete in unmittelbarer Bildsprache mit Emotionen, nicht mit Symbolen, beschrieb den Hautkontakt mit der Wolle als angenehm, ja sogar erotisch, bewarb eher das Ausgangsmaterial als das eigentliche Fabrikat. Ähnlich agierte Laeuger im Folgejahr bei einem Entwurf für die Stuttgarter Pianofabrik Schiedmayer, bei dem Produkt und Produktionsstätte zugunsten einer Lyra spielenden, mit Lorbeerkranz bekrönten antiken Schönheit ganz wegfallen.


Beide Plakate werden aufgrund ihrer revolutionären Gestaltung zu den ersten modernen im deutschen Sprachraum gezählt. Frauen, weibliche Akte und Porträts gehören zum kontinuierlichen Motivschatz des eher als Keramiker bekannten süddeutschen Künstlers Max Laeuger. Schon das erste und älteste Exponat der Jubiläumsausstellung des Badischen Landesmuseums, die Porträtstudien einer androgynen Frau von 1879, verweist darauf. Feminines durchzieht alle Sparten, und davon gibt es bei Laeuger viele. Er betätigte sich als Zeichner, Maler, Grafiker, Keramiker, Innenausstatter, Haus- und Gartenarchitekt, Glasmaler, Textilgestalter und Pädagoge. Die bislang größte Gesamtschau anlässlich seines 150. Geburtstages im Karlsruher Landesmuseum weitet sich aus zu einem ansehnlichen Parcours durch ein vielseitiges, rund 400 Exponate umfassendes Schaffenspanorama, gegliedert in zwölf dezent farblich hinterlegte Abschnitte.

Wer war dieser zurückgezogene, werkmäßig recht individuell verortete Künstler? Der als Maximilian Joseph Läuger am 30. September 1864 in Lörrach Geborene trat 1880 in die Karlsruher Kunstgewerbeschule ein und wurde gleich nach der Ausbildung 1884 ebendort als Lehrer angestellt. 1892/93 studierte er an der Pariser Académie Julian Aktmalerei und schrieb seitdem seinen Namen mit „ae“. Nach der Berufung auf eine Professur für Zeichnen an der Kunstgewerbeschule Karlsruhe 1894 wechselte er vier Jahre später an die dortige Technische Hochschule als Professor für Figurenzeichnen und Dekorieren. Neben seiner Lehrtätigkeit war er über Jahrzehnte hinweg in vielen Sparten der angewandten Künste produktiv tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sich Laeuger in sein selbst entworfenes Haus in Lörrach-Tüllingen zurück, wo er am 12. Dezember 1952 verstarb.

Max Laeuger gilt als Naturromantiker, als Idealist, der auf ein harmonisches Miteinander mit seiner Umgebung bedacht war. Zahlreiche Bleistift-, Aquarell- und Tuschezeichnungen – in teils virtuoser Kombination verschiedener Techniken – mit Landschaften, Blumen, Tieren oder Früchten zeigen dies ebenso wie Skizzen von seinen zahlreichen Reisen, die ihn nach Paris, Rom, Florenz, Venedig, Nordafrika, England oder Norwegen führten. Besonders hier löst er sich vom detailversessenen Historismus. Hauptsächlich bei Entwürfen für Speisekarten, Diplomurkunden oder Buchillustrationen werden die zeittypischen, additiv in den Raum gesetzten, architektonisch korrekten Segmente offenbar. Die neun Monate in Paris bewirken einen Quantensprung in der künstlerischen Entwicklung. Von den vielen tausenden Grafiken verkauft Laeuger nie etwas, erst nach seinem Tod gelangen Teile in den Kunsthandel. Erster großer Blickfang in der Karlsruher Ausstellung ist ein riesiges Triptychon in Öl, geschaffen für das Musikzimmer einer Schweizer Villa. Auf den Öltafeln spielen in arkadischer Landschaft entblößte Frauen Musikinstrumente.

Obwohl kein ausgebildeter Keramiker, bereichert Max Laeuger das Genre mit neuen Impulsen. Experten sehen ihn als führenden Vertreter Deutschlands auf diesem Gebiet, ja sprechen ihm Weltgeltung zu. Gleich mehrere Abschnitte widmen sich diesem Schaffenszweig, der sich in zwei große Phasen unterteilt. Von 1897 bis 1914 führen die Tonwerke Kandern seine Entwürfe aus. Für Vasen, Teller oder Krüge sind 738 Modelle belegt, ferner 320 Serienmodelle für Baukeramiken wie Fliesen, Brunnen oder Öfen. Musterkataloge stellen einzelne Varianten vor, die insgesamt gesehen sich gut verkaufen. Um sich vor Imitationen zu schützen, lässt Laeuger seine Werke mit der Pressmarke „MLK“ gesetzlich schützen. Auf vielen Jugendstilauktionen bilden seine Stücke bis heute ein verlässliches Kontingent.

Hinsichtlich der Bemalungen knüpft er an seine Zeichenkünste an. Lebendig und prägnant teils unter Einbeziehung des Zufallsprinzips beherrschen landschaftliche und florale Motive diesen Sektor. Laeuger sieht in der Keramik an sich eine besondere Nähe zwischen Kunst und Natur. Ein beträchtlicher Erfolg ist ihm auf der Pariser Weltausstellung 1900 beschieden, auf der er mit einem großen Kaminbild das Motiv eines Rehs im Wald präsentiert. Dieses beliebte Sujet, ein weiterer Blickfang in der Ausstellung, variiert der Künstler auch für die Innenausstattung der Karlsruher Brauereigaststätte „Zum Moninger“, für die er zudem ein Dutzend großformatiger Fliesenbilder mit Städteansichten kreiert.

In einem zweiten Schaffensabschnitt von 1916 bis 1944 fertigt er um die 5000 Keramiken in seiner eigenen Karlsruher Werkstatt, die Laeuger in der ehemaligen Großherzoglichen Majolika-Manufaktur in der Hoffstraße 7 aufbaut. Im Unterschied zu Kandern greift er hier auch selbst zum Ton und entwickelt sich zum Plastiker. Laeuger verlegt sich auf eine unikate, aber genau kalkulierte Produktion kundenorientierter Serialität. Wie dies funktioniert, zeigen fünf plastische Köpfe derselben Serie, denen er durch unterschiedliche Bemalung den Wert eines Unikats verleiht. Kannen und Schalen in derben Formen und dicken, blasigen, türkisfarbenen Glasuren, Figuren, bei denen weibliche Gestalten dominieren, sowie das seit 1923 vielfältig variierte Motiv des Elefanten gehören zum Repertoire seiner Keramikwerkstatt.

Laeuger führt sein Atelier in eigener Verantwortung. Als Zwischenhändler hat er die Majolika-Manufaktur eingebunden, die ihm bis zu 40 Prozent des Verkaufswertes zahlt. Um seine eigene Keramikwerkstatt finanzieren zu können, liefert Max Laeuger von 1921 bis 1929 zudem Entwürfe für Serienmodelle an die Majolika-Manufaktur. Damit sichert sie sich die Mitarbeit des inzwischen bedeutendsten Kunstkeramikers in Deutschland. In der Form und im Dekor orientiert sich Laeuger anfänglich stark an den erfolgreichen Keramiken für die Tonwerke Kandern. Ab 1925 folgen zeitgemäße Modelle. Laeuger verknüpft nun seine Neigung zu persischer Keramik mit moderner Formensprache und Funktionalität. Er entwirft Reihen türkisblau und andersfarbig glasierter Vasen und Schalen mit abstrakten, geometrischen Reliefdekoren. Aber auch die Elefanten nimmt die Manufaktur in ihr Programm auf. Ein separates Kapitel thematisiert diese persischen, chinesischen und japanischen Einflüsse. Inspiriert von Reisen übernimmt Laeuger östliche Kompositionsprinzipien und Farben wie Kobaltblau, Türkisgrün und Manganschwarz sowie biomorphe Darstellungen.

Wie sehr Laeuger auch als Innenarchitekt Reputation genießt, bezeugen Teilnahmen an der Weltausstellung 1904 im amerikanischen St. Louis oder Brüssel 1910, auf denen er seine schlichten, flächenbezogenen, überwiegend profillosen Möbel präsentieren kann. Die 1905 für den Juristen Eduard Dietz geschaffene Wohnungseinrichtung zeigt darüber hinaus die Nähe zur britischen Arts and Crafts-Bewegung, der sich Laeuger verbunden fühlt. Bewusst flächenhafte Gestaltungen weisen auch seine Glasfenster auf, von denen er viele für Bauten des bekannten Karlsruher Architekturbüros Curjel & Moser entwirft. Die aus Bleiruten gebildeten Binnenstrukturen wählt der Künstler so, dass der Eindruck leuchtender, starkfarbiger Mosaike entsteht.

Weitere Ausstellungsstationen widmen sich Leistungen auf dem Feld des Bauens, auch wenn Laeugers Wettbewerbsteilnehmen überwiegend ernüchternd ausgehen. Zu den formal reduzierten, an klassizistischen Vorbildern angelehnten Landhäusern und Villen konzipiert er große Grünanlagen. Die von ihm gestaltete „Große Gartenbau-Ausstellung“ in Mannheim 1907 bildet den Auftakt zu einem weiteren Schaffensgebiet. Übersichtlichkeit, Geometrie und mauerartige Hecken verdeutlichen die Anlehnung an architektonische Prinzipien. Die „Wasserkunst Paradies“ in Baden-Baden, 1922/25 am Hang des Friedrichsberges angelegt, zählt auf diesem Feld ebenso zu seinen großartigen Schöpfungen wie die ebendort 1907/11 an der Lichtentaler Allee realisierte „Gönner-Anlage“. Am Ende der Ausstellung im Badischen Landesmuseum steht eine kurze Würdigung des Pädagogen und Lehrmeisters Laeuger, der kein Theoretiker war, sondern sich auch hier pragmatische Praxisnähe zu eigen machte.

Das Werk von Max Laeuger, einem der großen universell arbeitenden Künstler seiner Zeit, stellen Kunsthistoriker auf eine Stufe mit dem Schaffen etwa von Peter Behrens, Henry van de Velde oder Joseph Maria Olbrich. Allerdings kämpfte Laeuger nicht um Stile, bewegte sich gern in einem „gesicherten“ Umfeld und entwickelte in der jeweiligen Sparte ein angemessenes Formgefühl. Das universelle, utopische wie totalitäre „Gesamtkunstwerk“ war ihm fremd. Trotzdem kann man ihn zu den bedeutenden Universalisten rechnen. Dass die Bandbreite seines Œuvres und seine großartigen Leistungen mit der Karlsruher Ausstellung mehr aus dem Schatten der Geschichte heraustreten, bleibt ein wünschenswertes Anliegen.

Die Ausstellung „Max Laeuger. Gesamt Kunst Werk“ ist bis zum 5. Oktober zu besichtigen. Das Badische Landesmuseum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an der Museumskasse 24,90 Euro kostet.

Kontakt:

Badisches Landesmusem Karlsruhe

Schloss

DE-76131 Karlsruhe

Telefon:+49 (0721) 926 65 14

Telefax:+49 (0721) 926 65 37

E-Mail: info@landesmuseum.de



03.08.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


28.06.2014, Max Laeuger. Gesamt Kunst Werk

Bei:


Badisches Landesmusem

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Max Laeuger, Plakat für Kammergarnspinnerei
 Merkel & Kienlin Esslingen, 1894
Max Laeuger, Plakat für Kammergarnspinnerei Merkel & Kienlin Esslingen, 1894

Variabilder:

Max Laeuger in seinem Garten in Lörrach-Tüllingen, um 1950
Max Laeuger in seinem Garten in Lörrach-Tüllingen, um 1950

Variabilder:

Max Laeuger, Blühender Rosenbaum, 1892/1950
Max Laeuger, Blühender Rosenbaum, 1892/1950

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Max Laeuger, Stehender Akt, Paris 1893
Max Laeuger, Stehender Akt, Paris 1893

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in der Ausstellung „Max Laeuger. Gesamt Kunst Werk“
in der Ausstellung „Max Laeuger. Gesamt Kunst Werk“

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in der Ausstellung „Max Laeuger. Gesamt Kunst Werk“
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Variabilder:

Max Laeuger, Keramikreliefs, um 1900
Max Laeuger, Keramikreliefs, um 1900







Max Laeuger in seinem Garten in Lörrach-Tüllingen, um 1950

Max Laeuger in seinem Garten in Lörrach-Tüllingen, um 1950

Max Laeuger, Blühender Rosenbaum, 1892/1950

Max Laeuger, Blühender Rosenbaum, 1892/1950

Max Laeuger, Stehender Akt, Paris 1893

Max Laeuger, Stehender Akt, Paris 1893

in der Ausstellung „Max Laeuger. Gesamt Kunst Werk“

in der Ausstellung „Max Laeuger. Gesamt Kunst Werk“

in der Ausstellung „Max Laeuger. Gesamt Kunst Werk“

in der Ausstellung „Max Laeuger. Gesamt Kunst Werk“

Max Laeuger, Keramikreliefs, um 1900

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Max Laeuger, Fünf Köpfe, um 1929/30

Max Laeuger, Fünf Köpfe, um 1929/30

Max Laeuger, Modell der „Gönner-Anlage“ an der Lichtentaler Allee in Baden-Baden, 1907-1909

Max Laeuger, Modell der „Gönner-Anlage“ an der Lichtentaler Allee in Baden-Baden, 1907-1909

Max Laeuger, Rückwand eines Wandbrunnens, um 1903

Max Laeuger, Rückwand eines Wandbrunnens, um 1903

Max Laeuger, Korbsessel, 1910

Max Laeuger, Korbsessel, 1910

Max Laeuger, Jugendstilfliese, um 1900

Max Laeuger, Jugendstilfliese, um 1900

Max Laeuger, Gönner-Anlage, Baden-Baden 1907-1911

Max Laeuger, Gönner-Anlage, Baden-Baden 1907-1911

Max Laeuger, Villen- und Wasserkunstanlage Paradies, Baden-Baden 1922-1925

Max Laeuger, Villen- und Wasserkunstanlage Paradies, Baden-Baden 1922-1925




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