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Die Albertina in Wien verhandelt Michelangelo Antonionis Filmklassiker „Blow-Up“ und seine Beziehungen zu Fotografie und bildender Kunst

Abstrakter Mord



„Manche Menschen sind Stierkämpfer, manche Politiker. Ich bin Fotograf.“ So lautet die Selbstbeschreibung von Thomas, dem charismatischen Hauptdarsteller des 1966 entstandenen Films „Blow-Up“ von Michelangelo Antonioni. In London gedreht, wurde die Geschichte des Modefotografen, der in einem Park zufällig einen Mord aufnimmt, zu einem Klassiker, der nicht nur Film-, sondern auch Foto- und Kunstgeschichte geschrieben hat. Die Bedeutung und die ungebrochene Begeisterung, die Antonionis filmisches Meisterwerk hervorruft, hat die Albertina in Wien bewogen, eine großartige Ausstellung zusammenzustellen, die der bemerkenswerten Bandbreite der in „Blow-Up“ behandelten Themen nachspürt.


Kuratiert von Walter Moser, unternimmt die Ausstellung den Versuch, die Fotografie als zentrales inhaltliches Thema des Films vor Augen zu führen. Ein mutiges Unterfangen, verlieren Filme doch meist ihre Faszination, sobald sie im musealen Ambiente gezeigt werden. Nicht so hier: Gegliedert in fünf Kapitel, präsentiert die in die Dunkelheit eines Kinosaals versetzte Ausstellung die vielfältigen und differenzierten Bezüge zwischen Film und Fotografie und ermöglicht einen prägnanten Querschnitt durch die fotografischen Strömungen der 1960er Jahre.

„Blow-Up“ erzählt die Geschichte eines erfolgreichen Londoner Modefotografen, gespielt von David Hemmings, der gelangweilt von der Oberflächlichkeit der Modewelt an einem Bildband mit Sozialreportagefotografien arbeitet. In einem Park macht er heimlich Bilder eines Liebespaars. Beim Entwickeln und Vergrößern der Bilder – englisch blow up – in der Dunkelkammer erkennt Thomas, dass er zum zufälligen Zeugen eines Mordes wurde. Aber je mehr er das Foto vergrößert, um dem Verbrechen auf die Spur zu kommen, desto verschwommener wird das Gezeigte. Das Foto wird immer abstrakter, zeigt seine Körnung und verdeutlich einzig die Materialität des Mediums – aber keine Leiche. Michelangelo Antonioni entlarvt die Fotografie und lässt das Medium, das angeblich die Realität wie kein anderes wiedergibt, grandios scheitern.

Als Entree in die Filmwelt Antonionis beginnt die Ausstellung mit der berühmten Szene im Park. Meisterhaft gelingt es bereits dieser kurzen Sequenz, den Besucher in die stille Atmosphäre des sommerlichen Parks hineinzuziehen, die durch das Rauschen der Bäume intensiviert wird. Thomas zielloses Streifen, seine wachsende Erregung, als er das Liebespaar entdeckt und heimlich fotografiert, die Wut der Frau, die den Fotografen entdeckt, die Bilder zurückfordert und ihn aus Verzweiflung in die Hand beißt – all das passiert in weniger als fünf Minuten und zeigt auf grandiose Weise jene Dynamik, die sich ergibt, wenn sich die Linse der Kamera zwischen den Blick des Fotografen und die Wirklichkeit schiebt. Der Blick, der den Fotografen und das Paar in eine Beziehung setzt, ist voyeuristisch. Thomas wird zum pro-filmischen Stellvertreter des Regisseurs, bedient an seiner statt die Kamera und setzt so den Akt des Sehens in Szene.

Um sowohl die Figur als auch die beiden Arbeitsfelder von Thomas – Modefotografie und Sozialreportage – authentisch zu schildern, orientierte sich Michelangelo Antonioni an realen britischen Fotografen seiner Zeit, recherchierte minutiös deren Tätigkeiten, Lebensgewohnheiten und Behavoir und verwendete sogar deren Arbeiten für seinen Film. Antonioni integrierte Modefotos von John Cowan ebenso wie Reportagefotos von Don McCullin, wobei letzterer die Fotos anfertigte, welche Thomas im Film vergrößert, um dem vermeintlichen Mordfall auf die Spur zu kommen. Cowan und McCullin wurden ebenso wie der Paparazzo Tazio Secchiaroli eingeladen, persönlich an dem Film mitzuarbeiten. Die Wiener Ausstellung dokumentiert diese enge Zusammenarbeit anhand zahlreicher Film-Stills sowie Fotos, die Antonioni eigens für den Film produzieren ließ und setzt sie überzeugend mit anderen Künsten in Bezug. Laufbilder, Fotos und Kunstwerke vervollständigen ein stimmungsvolles Bild des Swinging London der 1960er Jahre und belegen mit Bildern von Supermodells wie Veruschka von Lehndorff, kreischenden Beatles-Fans, bunt angemalten Häuserfassaden und einem Gitarren zertrümmernden Jeff Beck von den Rockband Yardbirds die Popularität der Avantgarde.

Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung gilt Antonionis Interesse an bildender Kunst, eine Neugier, die er bereits 1964 durch seinen Film „Il Deserto Rosso“ deutlich machte. Dessen abstrakte Kompositionen sind an der Malerei Mark Rothkos angelehnt. Eine künstlerische Referenz dieser Art wird in „Blow-Up“ etwa darin ersichtlich, dass etwa der britische Künstler Ian Stephenson als Vorbild für die Figur des Nachbarn von Thomas, eines Malers namens Bill, diente. Zudem stammen Bills Gemälde aus Stephensons Hand. Sie zeigen abstrakte Motive, die Antonioni im Film mit den stilistisch verwandten Blow-ups vergleicht. Dass Antonionis Meisterwerk auch für die heutige Kunst nach wie vor bedeutsam ist, zeigt die Ausstellung beispielhaft mit Arbeiten von John Hilliard, Kohei Yoshiyuki oder Gábor Ösz.

Im fünften und letzten Teil der Ausstellung verhandelt die Schau die Schlussszene des Films: im Park trifft Thomas auf eine Gruppe Pantomimen, die er bei ihrem imaginären Tennisspiel beobachtet. Als der unsichtbare Tennisball über den Zaun des Platzes fliegt, beteiligt sich Thomas an dem Spiel der Pantomimen und gibt vor, den Ball vom Rasen aufzuheben und zurückzuwerfen. Die Kamera folgt der Flugbahn des unsichtbaren Balls. Hier gelingt Michelangelo Antonioni ein genialer Coup: die radikale Abstraktion. Das Motiv wird nicht wie in den Blow-Ups abstrakt oder unscharf dargestellt, sondern es verschwindet völlig. Mit seiner überraschenden Schlussszene konstatiert der Kommunist Antonioni, der sich von der glitzernden Kulturindustrie nicht blenden ließ, dass die bildliche Realität spezifischen Wahrnehmungen und immer auch einer visuellen Konstruktion durch Medien zugrunde liegt. „Blow-Up“ wurde sein kommerziell erfolgreichster Film.

Die Ausstellung „Blow-Up. Antonionis Filmklassiker und die Fotografie“ ist bis zum 17. August zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 11,90 Euro mit verschiedenen Ermäßigungsstufen. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei. Der Katalog kostet 29 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



27.07.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


30.04.2014, Blow-Up - Antonionis Filmklassiker und die Fotografie

Bei:


Albertina

Bericht:


Tour de Belgique

Künstler:

Michelangelo Antonioni










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