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Eine „erhellende“ Ausstellung zeigt in Naumburg deutsche Positionen sakraler Glasmalerei aus den letzten 40 Jahren im engen Dialog mit der Architektur

Kraftvoll strahlende Bilder



Am Zugang der Vorhalle des Naumburger Domes steht ein Engel zum Empfang bereit. Die das Geistige verkörpernde Gestalt erscheint als lichte gläserne Raummodulation. Die für ihre experimentellen Leistungen bekannte Glaskünstlerin Hella Santarossa pointiert den Ort mit ihrer plastischen Assemblage „Engel“, einem von vier geplanten Fenstern für den Chorraum der romanischen Kirche in Wertlau bei Zerbst. Zwischen zwei auf Abstand gerahmten farblosen Glasscheiben hat sie lange vertikale und scheinbar willkürlich eingestreute Farbsplitter arrangiert. Trotz federleichter und spontaner Anmutung beruht das Ensemble auf streng komponierten Vorstudien. Mit zwei plastisch hervortretenden roten Flügeln tritt der Engel in dieser Glascollage als Lichtwesen in den Raum, schlank, elegant, abstrakt, umfangen von der prismatischen Brillanz des Glasbruchs. Santarossas Versuchen setzt der Wiesbadener Karl-Martin Hartmann eher Traditionelles gegenüber. Der Schüler von Johannes Schreiter an der Frankfurter Städelschule und studierte Biologe wurde mit feinen Kompositionen bekannt, die an mikro- und makrokosmische Strukturmodelle erinnern. Flächenbetont und unter – wenn auch reduziertem – Einsatz des Bleinetzes erforscht er auf eher klassische, aber eigene Weise feinsinnig Dimensionen des Ornaments.


Schon die ersten Exponate der ungewöhnlichen Ausstellung „Glanzlichter“ im Naumburger Dom signalisieren die Herausforderung der Glasmaler, sich im Spannungsfeld von Licht, Raum, Technik und Thema zu bewegen. Vielleicht weniger autonom als andere Disziplinen des Abbildens, hält die „Malerei im Ausnahmezustand“ dennoch eine Vielzahl spannender Lösungen bereit. Die weit ausgreifende Naumburger Schau stellt sie in großer Breite vor. Fast 160 Arbeiten von 35 Künstlern wurden für das aufwendige Unterfangen vereint und stellen wichtige Positionen zeitgenössischer sakraler Glasmalerei aus den letzten vier Jahrzehnten vor. Der Parcours verläuft durch ein Ensemble im und um den Naumburger Dom als Nukleus sowie Korrespondenzorte: die Marienkirche am Dom, das Domschatzgewölbe, die Ägidien- und Johanneskapelle, aber auch durch den Merseburger Dom, die Klosterkirche Schulpforte, das Kloster Memleben und die Stadtkirche St. Marien in Freyburg. Nicht wie üblich in Leuchtkästen montiert, präsentieren sich die Glasfenster überwiegend integrativ in den Sakralbauten, wo sie ihre Wirkungsmacht unter Beweis stellen müssen.

Im Naumburger Dom sind vornehmlich klassische Techniken präsent, deren gemeinsamer Nenner eine starke Farbigkeit, traditionelle Materialien und mosaikartig verbleite Fenster sind. Tiefe Farbgestaltungen herrschen in der Krypta vor. Den Probescheiben Gerhard Richters für sein Südquerhausfenster im Kölner Dom kann der Besucher nah gegenübertreten, ebenso Imi Knoebels Muster für die Chorumgangskapellen der Kathedrale von Reims. Unpersönlich im Sinne serieller Aleatorik hat Richter seinen Entwurf realisiert; sein minimalistisches „Pixelfenster“ aus über 11.500 Quadraten gilt als Höhepunkt einer Traditionsreihe aus Rasterbildern. Im Gegensatz zu Richters Aufgeräumtheit schuf Knoebel eine vitale farbenprächtige Komposition in temperamentvollen spitzen Scherbenzuschnitten und setze die traditionelle Verbleiung als grafisches Gestaltungsmittel gezielt ein. Markus Lüpertz gestaltete für die Kölner Kirche St. Andreas kraftvolle Sujets, deren zeichnerische Quintessenz vom Bleiriss unterstützt wird.

Beiseite gestellt sind Arbeiten jüngerer Künstler, etwa von David Schnell, der fantastische Landschaften mit stark räumlich-illusionistischen Charakter unter anderem in Form eines neokonstruktivistischen Waldstücks kreiert. Die Wienerin Xenia Hausner betreibt dagegen akribische Transformationen von Tafel- zu Glasbildern. Ihr fotografisch, zuweilen filmisch anmutender Inszenierungsstil zwingt in ihren figurativen, erzählenden „Malerfenstern“ traditionelle Malerei ins Glas. Der junge, in Esslingen geborene Glasmaler Julian Plodek entwarf für die evangelische Kirche im nahegelegen Schraplau in Siebdruck auf Floatglas bearbeitete Rundbogenscheiben mit fotorealistischen Sujets. Die Halbfigurenporträts erwecken Assoziationen an Märtyrerviten und verschwimmen hinter rasterartigen Perforierungen.

Von der Krypta ausgehend durchzieht der Dialog aus bekannten und weniger geläufigen, traditionellen und experimentellen Beispielen die gesamten Räumlichkeiten. Einer großen Fensterbahn von Lüpertz’ Kreuzigungsfenster aus St. Andreas stellten die Kuratoren im Ostchor das eher von sparsamen Farbakzenten ausgezeichnete Probefeld Günter Grohs’ gegenüber. Dunkelfarbig, teils finster und dicht abstrakt ornamentiert erscheint der archaisch anmutende Patinacharakter fast wie ein Protest gegen visuelle Glätten einer vom digital erzeugten Medienbild ausgehenden Ästhetik, die auch vor der Glasmalerei nicht Halt macht. Während in der Turmschatzkapelle Hella Santarossa einen Soloauftritt mit kompliziert fragilen Materialverbünden bestreitet, steht mitten in der darunter liegenden Johanneskapelle eine Mustertafel mit Probestücken für das Züricher Großmünster. Aus Verschmelzungen hat der gelernte Glasmaler Sigmar Polke zarte farbige Ereignisse geschaffen, wobei er genial Motive mittelalterlicher Buchmalerei aufgriff und verfremdete. Unscheinbar, spröde, jenseits von Expressionismus und Minimalismus, vollendete er die Figurationen kurz vor seinem Tod.

Wie selbstverständlich fügen sich Neo Rauchs für die St. Elisabethkapelle im Jahr 2006 geschaffene Fenster in den Rundgang ein. Seinen erzählenden Figurationen sind leuchtende, zwischen Informellem und Konstruktivem oszillierende Schraffurenfenster vorangestellt. Marie-Luise Dähne vollendete sie unlängst für die St. Marienkirche in Zerbst-Ankuhn. In der gegenüber liegenden Evangelistenkapelle entwickeln die schmalen, fast wie Schießscharten anmutenden Rundbogenöffnungen von Jochem Poensgen eine ungewöhnlich subtile Dynamik. Dazu verhelfen die fein gewobenen Texturen in den Scheiben des Düsseldorfers. Lukas Derow setzt mit kraftgespannten, ins Magische tendierenden Vermischungen unter Verwerfung des traditionellen Bleinetzes im Dom nochmals individuelle Akzente.

Die Summe seines künstlerischen Schaffens fasste der 2011 verstorbene Ludwig Schaffrath in seinem Zyklus „Schwanengesang“ zusammen. Seine fantasievollen, anthropomorph-embryonalen Formationen leiten in die Marienkirche über, vor der ein lineares Objektfenster von Bernhard Huber steht. Max Uhligs expressiv verästeltes Probefeld für die Magdeburger St. Johanniskirche oder die aus der Handzeichnung geborenen, von skizzenhaften Schwankungen und spontanen Brüchen gekennzeichneten Entwürfe von Hubert Spierling stehen hier ganz unter dem alles beherrschenden „Naumburger Triptychon“ von Kim En Joong in der Apis. Die mit dem Fortschreiten der Technik möglich gewordene Malerei mit Schmelzfarben auf großen Glasflächen erlaubt nun auch in diesem Medium große Gesten und weite koloristische wie formale Schwünge, die den Chor in Beschlag nehmen.

Keinesfalls versäumen sollte der Besucher den Blick in die unmittelbar benachbarte Kapelle der Ägidienkurie. Radikal in der Formensprache sowie wirkungsmächtig bedient sich der 1930 geborene Johannes Schreiter der amerikanischen Farbfeldmalerei der 1960er Jahre. Meist nur ein Farbklang je Fenster, verbindet er die Komposition mit seinem Markenzeichen, der frei schweifenden Linie. In der nahe gelegenen Johanniskapelle des Domfriedhofs beeindruckt nochmals David Schnell mit intensiv farbigen, in dicken Schichten aufgebauten Gläsern, deren Zerklüftungen eine tiefenräumliche Wirkung sowie Dramatik und Kontemplativität zugleich auslösen.

In der hochgotischen Klosterkirche Pforta sind in Anlehnung an die für Zisterzienserorden typischen Grisaillen monochrome Arbeiten ausgestellt. Wilhelm Buschulte, Georg Ettl, Sebastian Pless oder Jürgen Drewer gelingen anspruchsvolle gestalterische Lösungen, die ihre Raumwirkung durch Konzentration auf wenige elementare Farb-, Licht- und Materialkomponenten gewinnen. Im Merseburger Dom wurden neue glasmalerische Arbeiten baufest montiert, die in Beziehung mit den von Charles Crodel im Jahr 1948 geschaffenen Hauptapsisfenstern treten, den ersten Glasfenstern der frühen Nachkriegsjahre in einer deutschen Domkirche. Hier wie auch an allen anderen Ausstellungsorten begegnet man den durch Grisaille-Farbigkeit und reicher malerischer Binnenstruktur ausgezeichneten Fenstern von Thomas Kuzio, dessen Werke Experten zu den besten Leistungen der Glasmalerei der Gegenwart zählen. Zu den Highlights der Ausstellung gehören seine meditativ ruhigen Fenster in der Freyburger Stadtkirche St. Marien. Der wandhaften Festigkeit und Geschlossenheit des romanischen Querhauses antwortet Kuzio mit erdfarben bis golden leuchtenden Schichtungen. Der ruhige, von leichten farbigen Einsprengseln durchzogene Aufbau überführt den Raum in eine Sphäre andachtsvoller Haltung.

Die Ausstellung „Glanzlichter. Meisterwerke zeitgenössischer Glasmalerei im Naumburger Dom“ ist noch zum 2. November zu besichtigen. Sie hat täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Begleitbuch erschienen, das an der Kasse 10 Euro kostet.

Kontakt:

Naumburger Dom

Domplatz 16/17

DE-06618 Naumburg

Telefon:+49 (03445) 23 01 120

www.glanzlichter2014.de



13.07.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


01.06.2014, Glanzlichter. Meisterwerke zeitgenössischer Glasmalerei im Naumburger Dom

Bei:


Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz

Bericht:


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