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Für seine neue Serie hat Thomas Ruff das Forschungszentrum Jülich mit seinen Riesenrechnern bemüht. Die Ergebnisse seiner Computerfotogramme sind nun erstmals im S.M.A.K in Gent zu sehen

Bildwelten der deutschen Supergehirne



Fotografie hat mit Licht zu tun, weshalb der Begriff „Lichtbild“ nicht von ungefähr entstanden ist. Dieses Wort hat allerdings schon so viel Staub angesetzt, wie beispielsweise das daraus abgeleitete „Lichtspielhaus“, das heute kaum jemand mehr mit Kino verbinden würde. So ist es doch ein wenig ungewöhnlich, dass das das Stedelijk Museum voor Actuele Kunst in Gent seine Schau über den Fotokünstler Thomas Ruff mit „Lichten“ überschrieben hat. Sowohl im Niederländischen als auch im Deutschen wird dieser Begriff unterschiedlich gebraucht. Erhellen, Helligkeit und Enthüllen sind nur einige Assoziationen. Denn es stellt sich schon die Frage, wie viel Licht Thomas Ruff für seine am Computer erstellten virtuellen Kunstbilder überhaupt noch braucht.


Der junge deutsche Kurator Martin Germann hat die Personale in engem Kontakt mit Thomas Ruff für das S.M.A.K im belgischen Gent erarbeitet und in fünf Serien schlüssig dessen künstlerische Entwicklung aufgezeigt. Mit im Boot war Gregor Jansen von der Kunsthalle in Düsseldorf, der die Ausstellung ab September übernehmen wird. Spektakulär daran ist, dass Thomas Ruff zwei komplett neue Werkgruppen aus dem Jahr 2014 präsentiert und dabei für seine Fotogramme das Supercomputing Center in Jülich mit ins Boot holte. Denn er musste sich die Frage stellen: Was macht man, wenn die sechs PCs und drei Macs zu Hause nicht ausreichen, um die jüngsten Ideen umzusetzen? Etwa für seine Neuinterpretationen alter Projekte von Man Ray und László Moholy-Nagy. Sie versuchten, Bilder ohne Kamera in der Dunkelkammer entstehen zu lassen, indem sie Gegenstände auf lichtempfindlichem Papier arrangierten und belichteten.

Thomas Ruff wollte diese Technik ins 21. Jahrhundert überführen. Mit seinen hauseigenen Computern hätte er für ein Bild mindestens ein halbes Jahr gebraucht, und das Ergebnis wäre keine hundertprozentige Auflösung, und dazu noch in Farbe. Was tun? Durch ein Gespräch mit Robert Fleck, dem ehemaligen Intendanten der Bundeskunsthalle Bonn, kam er auf die Idee, sich um Rechenzeit im Forschungszentrum Jülich zu bewerben. Dort stehen Deutschlands Supergehirne, seit 2013 auch der Supercomputer „Juqueen“, der so schnell ist wie etwa 100.000 PCs. Aber dieser Computer sollte es für Thomas Ruff nicht sein.

„Juropa“ – Jülich Research on Petaflop Architectures – so die Abkürzung für den Superrechner, verfügt über 52 Terabyte. In Jülich ist er in einer gigantischen Halle aufgebaut. Aber er ist nicht allein, und alle, die dort stehen erzeugen immensen Lärm, da sie ständig heruntergekühlt werden müssen. Wenn man diese Halle betritt, dann sieht man keinen Monitor, keine Tastatur, keinen Menschen. Höchstens einmal einen Techniker, der irgendwelche Platten wechselt. Normalerweise nutzen Physiker, Chemiker oder Biologen die Anlage und lassen dort komplizierte Formeln errechnen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Computerzentrums hat nun ein Künstler sich an Jülich gewandt. Da für „Juropa“ eine gründliche Aufrüstung anstand, konnten die Tests mit den Künstlerdaten eine ungewöhnliche Herausforderung sein.

Bei Ruffs neuartigen und abstrakten Fotogrammen, die mit denen er das klassische Schwarz-Weiß, die Dunkelkammer und das Fotopapier aufgab, fielen große Datenmengen an. Der Künstler verwendete im Schnitt drei virtuelle Lichtquellen pro Fotogramm; bei einer Bildgröße von 2,20 Meter mal 1,64 Meter entsteht so ein Datenvolumen von 18 Terabyte. „Diese virtuelle Dunkelkammer“, so Thomas Ruff, „hat für mich drei Vorteile: die Bilder sind nicht auf die Größe des Fotopapiers beschränkt, am Computer kann ich schnell und einfach Gegenstände sowie Lichtquellen verändern, und es entstehen im Gegensatz zur analogen Welt farbige Fotogramme.“ 20 Bilder mit einer Auflösung von bis zu 23.500 mal 17.600 Pixeln sind in Jülich errechnet worden. Das Ergebnis sieht man zum ersten Mal im S.M.A.K in Gent.

Neben diesen Super-Fotogrammen zeigt die Genter Ausstellung frühe Werke. Der Meisterschüler von Bernd und Hilla Becher hat in seinen Anfängen noch die Prägung durch seine Lehrer in sein Schaffen eingebracht. Sein häusliches Umfeld im Schwarzwald, wo Ruff 1958 zur Welt kam, hat er in einer Serie verarbeitet, die den Wohnstil der 1950er beleuchtete und in seiner Reduzierung auf das Wesen eines Raumes hindeutete. Nachdem die meisten Wohnungen seiner Verwandten und Bekannten in den 1980er Jahren renoviert wurden, stellte er diese Serie 1983 ein.

Fasziniert von der Welt der Sterne, wollte Ruff eigentlich Astronom werden. Von 1989 bis 1992 produzierte er seine Bilder „Sterne“, mehr oder weniger abstrakt. Fasziniert von schwarzen Flächen mit vielen weißen Punkten, brauchte er eine Grundlage, mit deren Hilfe er solche Bilder erstellen konnte. Kurzerhand erwarb er Kopien des 600 Negative umfassenden Archivs des European Southern Observatory in Garching bei München. Hierbei handelt es sich um ein Konvolut wissenschaftlicher Aufnahmen des Sternenhimmels der südlichen Hemisphäre, die in den Anden mit einem Spezialteleskop aufgenommen wurden. Sie dienten Ruff als Ausgangsmaterial für seine Sternenhimmel. Sein erster Schritt in Richtung Wissenschaft war getan.

Doch der Künstler Thomas Ruff, der sich selbst nicht mehr als Fotograf bezeichnet, war und ist ein politischer Mensch. Während des Golfkrieges, als Bilder quasi eins zu eins in geheimnisvollem Grünton über den Bildschirm schossen, da mit einem Nachtsichtgerät betrachtet, erwachte Ruffs Interesse für diese Technik. Die Möglichkeit, Unsichtbares sichtbar zu machen, verwirklichte ein Restlichtverstärker, den er an seiner Kleinbildkamera befestigte. Die ersten Bilder schoss er aus dem Fenster seines Ateliers in den Hinterhof und entwarf so rätselhafte Szenarien, die ein vertrautes Umfeld fremd und beunruhigend erscheinen ließen. All diese Nachtaufnahmen, ebenso die Interieurs, sind kleine Formate. Die Sterne, Portraits und Fotogramme sind dagegen Riesenbilder.

Im Zwischenraum – nicht nur vom Format her betrachtet – bewegen sich Ruffs „Negative“, die er seit Beginn dieses Jahres herstellt. Sie sind quasi ein „Nebenprodukt“ der mit „phg“ betitelten Fotogramme. Während der Vorbereitung zu den Fotogrammen nahm er sich immer wieder Negative vor, die er in Positive übertrugt, eigene, aber auch einige von Man Ray und Moholy-Nagy. Dadurch entdeckte er, dass die fotografische Wirklichkeit in der kompositorischen Gestaltung des Negativs viel prägnanter ist als beim Papierabzug. In der Folge nahm sich Ruff historische Aufnahmen aus den Bereichen Aktfotografie, Architekturfotografie, Interieurs, Portraits oder Landschaftsfotografie als Grundlage und schuf daraus eine Reminiszenz an das Negativ des 19. Jahrhunderts. Der Blauton der Bilder prägt das Negativ, und die Erfahrung mit der Entwicklung der Fotogramme erlaubte ihm, eine ausgewogene Hell-Dunkel-Verteilung zu erzeugen.

In der parallelen Ausstellung eines Teils der Kunstsammlung des S.M.A.K. werden seine großformatigen Portraits gezeigt, die Thomas Ruff in den 1980er Jahren zu seinem Durchbruch im deutschen und internationalen Kunstbetrieb verhalfen. Nun ist der Fotograf zum Wissenschaftler und Künstler geworden, der sich mit Hilfe von beantragter Rechenzeit einer neuen Aufgabe gestellt hat. Lichtbrechungen von transparenten Gegenständen erzeugen eine neuartige „Buntfarbigkeit“, wie Robert Fleck es im Katalogtext beschreibt. Diese „Buntfarbigkeit“ geht über das hinaus, was eine Kamera, sei sie analog oder digital, aufnehmen kann. Durch die Umrechnung im Supercomputer materialisiert sich das Bild und wird nun den Blicken des Betrachters ausgesetzt. Manches Bild erinnert in Struktur und Farbigkeit an Kirchenfenster, manche wirken so, als seien sie gemalt. Mit der Fotokamera und natürlichem Licht hat haben die Fotogramme nichts mehr zu tun. Ruffs prächtige Bilder sind vielmehr die künstlerische Antwort auf ein virtuelles Zeitalter.

Die Forscher aus Jülich, die zur Ausstellungseröffnung nach Gent fuhren, waren auf das Ergebnis gespannt. Denn noch nichts von dem, was sie mit „Juropa“ berechnet hatten, hatten sie bisher gesehen. Auch der Kontakt zum Künstler erfolgte per Rechner oder Telefon. Die virtuelle Welt wird nur dann konkret, wenn es um Kosten geht, und diese sind hier nicht entstanden. Denn „Juropa“ war auf dem Prüfstand für ein Nachfolgemodell. Die Erfahrungen, die die Jülicher Experten wie Wolfgang Frings mit dieser ungewöhnlichen Anfrage und der daraus resultierenden Aufgabe gemacht haben, haben „Juropa“ einen Schritt weiter in die Zukunft geschoben. Und Thomas Ruff stellt sich die Frage, wie es ohne Jülich und vielleicht auch ohne Licht weitergehen soll.

Die Ausstellung „Thomas Ruff – Lichten“ ist bis zum 24. August zu sehen. Das Stedelijk Museum voor Actuele Kunst hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 2 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos. Der Katalog kostet 24,80 Euro.

Kontakt:

Stedelijk Museum voor Actuele Kunst - S.M.A.K.

Citadelpark

BE-9000 Gent

Telefon:+32 (09) 240 76 01

Telefax:+32 (09) 221 71 09

E-Mail: info@smak.be



06.07.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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Veranstaltung vom:


17.05.2014, Thomas Ruff | Lichten

Bei:


Stedelijk Museum voor Actuele Kunst

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Manipuliertes Sehen

Bericht:


Substrate einer Bilderflut

Variabilder:

Thomas Ruff im
 S.M.A.K.
Thomas Ruff im S.M.A.K.

Künstler:

Thomas Ruff







Thomas Ruff im S.M.A.K.

Thomas Ruff im S.M.A.K.




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