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Die Ausstellung „Von Liebermann bis Nolde“ im Hamburger Ernst Barlach Haus präsentiert Haupt- und Nebenfiguren des deutschen Impressionismus

Befreiende Experimente auf Papier



Max Liebermann, Monte Oliveto (Dächer in Florenz), 1902

Max Liebermann, Monte Oliveto (Dächer in Florenz), 1902

„Der Impressionismus ist in Frankreich ein eigenständiger Stil“, sagt Ulrich Luckhardt, Kurator der Ausstellung „Von Liebermann bis Nolde. Impressionismus in Deutschland auf Papier“, im Hamburger Ernst Barlach Haus. „In Deutschland ist er es nicht. Es sind unterschiedliche künstlerische Standpunkte. Die Künstler in Deutschland wagen, sich vom Akademischen und dem Realismus zu lösen hin zu neuen Farb- und Formfindungen.“ Rund 150 Arbeiten überwiegend auf Papier von 13 Künstlern geben jetzt einen Überblick über das Aufkommen des Impressionismus in Deutschland im ausgehenden 19. Jahrhundert und seine weitere Entwicklung im frühen 20. Jahrhundert.


Die sehenswerte, von Luckhardt gemeinsam mit Dagmar Lott-Reschke kuratierte Ausstellung versammelt nicht nur Arbeiten der drei Hauptvertreter des deutschen Impressionismus Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt. Es ist vielmehr eine Schau der Entdeckungen: Atmosphärisch aufgeladene Berliner Straßenszenen des weniger bekannten Malers Lesser Ury, noch nie ausgestellte Bleistiftzeichnungen des Liebermann-Freundes Thomas Herbst, experimentelle Radierungen von Anna Gerresheim, die in der Künstlerkolonie Ahrenshoop lebte, oder Farbradierungen des in Hamburg tätigen Arthur Illies konfrontieren den Betrachter mit weitgehend noch zu entdeckenden Positionen. Zwischen den mal skizzenhaften, mal ausgefeilten Experimenten auf Papier setzen Fotoarbeiten des zu Unrecht selten gezeigten Piktorialisten Heinrich Kühn starke Akzente. Der Dresdner gehört zu den großen Entdeckungen der Schau. Er spielt in seinen mit selbst erfundenen Drucktechniken wie Gummigravüre oder Leimdruck auf Papier transferierten Fotografien souverän mit Schärfe und Unschärfe, unterschiedlichen Tonwerten und Formauflösungen.

Die weitgehende Konzentration der Ausstellung auf das Medium Papier liegt in der Tatsache begründet, dass sich der deutsche Impressionismus im Gegensatz zu Frankreich, wo er sich fast ganz auf die Malerei konzentriert, vor allem in den Papierarbeiten entwickelte. Max Liebermann kam 1886 in der Berliner Privatsammlung Bernstein erstmals mit Werken der französischen Impressionisten in Kontakt. Sie müssen ihn tief beeindruckt haben, denn er begann daraufhin selbst, Renoir und Monet zu sammeln. In Hamburg ist er jetzt mit luftigen Strandszenen und Landschaftsdarstellungen vertreten. „Die Radikalität, die er sich im Pastell traut, traut er sich in der Ölmalerei nicht“, stellt Ulrich Luckhardt fest und ergänzt: „Was Liebermann und die deutschen Impressionisten auf ihren Papierarbeiten machen, gibt es in Frankreich nicht.“

Den Schlusspunkt der Schau bilden einige klar Richtung Abstraktion tendierende Aquarelle Emil Noldes aus der kurzen impressionistischen Phase im Werk des später führenden Expressionisten. Die aus dem Jahre 1908 datierenden Werke zeigen stark farbig gehaltene Bäume, die nahezu am Zerfließen sind. Eine abstrakte Unbestimmbarkeit, die durch die Saugkraft des Papiers und den direkten, unmittelbaren Auftrag der Wasserfarbe zu Stande kommt.

Ulrich Luckhardt und Dagmar Lott-Reschke ist es gelungen, den künstlerischen Vorwärtsdrang und die Experimentierfreude der teils bekannten, teils erst noch zu entdeckenden deutschen Impressionisten herauszuarbeiten. Ulrich Luckhardt betont denn auch die Notwendigkeit dieser Ausstellung: „Der deutsche Impressionismus ist das Missing Link zwischen der Akademiemalerei im 19. Jahrhundert und der Moderne.“

Die Ausstellung „Von Liebermann bis Nolde. Impressionismus in Deutschland auf Papier“ ist bis zum 21. September zu sehen. Das Ernst Barlach Haus hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Der 224seitige Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet in der Ausstellung 29,80 Euro, im Buchhandel 35 Euro.

Kontakt:

Ernst Barlach Haus

Baron-Voght-Straße 50a

DE-22609 Hamburg

Telefon:+49 (040) 82 60 85

Telefax:+49 (040) 82 64 15



06.07.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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29.06.2014, Von Liebermann bis Nolde - Impressionismus in Deutschland auf Papier

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Anna Gerresheim, Mondschein über lichtem Wald mit
 Graben (Aufgehender Mond), um 1895
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Max Liebermann, Monte Oliveto (Dächer in Florenz), 1902
Max Liebermann, Monte Oliveto (Dächer in Florenz), 1902

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Christian Rohlfs, Acker und Allee (Herbstlandschaft), 1899
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Lovis Corinth, Blumen auf blauem Tischtuch, 1922
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Anna Gerresheim, Mondschein über lichtem Wald mit Graben (Aufgehender Mond), um 1895

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Christian Rohlfs, Acker und Allee (Herbstlandschaft), 1899

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Lovis Corinth, Blumen auf blauem Tischtuch, 1922

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Max Liebermann, Allee mit Reitern, um 1911

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Lesser Ury, Märkischer See bei Sonnenuntergang, um 1900

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Anna Gerresheim, Mond (über Buschgehölz), um 1903

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Heinrich Kühn, Wiese mit Bäumen, 1897

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Heinrich Kühn, Stillleben. Blumen in Vase, um 1914

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Thomas Herbst, Knicklandschaft mit Holzgestell, um 1900

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Thomas Herbst, Kartoffelbuddler, um 1890

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Max Liebermann, Strandszene in Nordwijk, 1908

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