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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Alte und Neuere Meister bei Sotheby’s in Paris

Neue Magdalena



Artemisia Gentileschi, Maria Magdalena

Artemisia Gentileschi, Maria Magdalena

Diese Maria Magdalena will so gar nicht dem gängigen Darstellungstypus entsprechen. Sie hält kein Kreuz oder Salbgefäß in Händen, stützt sich nicht auf einen Totenkopf, weint nicht und verzehrt sich nicht voller Reue. Vielmehr hat ihr Artemisia Gentileschi etwa Befreites und Erlöstes mitgegeben. Die sitzende junge Frau hat ihren Kopf nach hinten geworfen, das Hemd ist ihr von der Schulter gerutscht, und mit ihren geschlossenen Augen scheint sie sich, einer freudigen Begegnung zu erinnern, vielleicht an Jesus am Ostermorgen, der Maria Magdalena laut Johannesevangelium als erste die Botschaft seiner Auferstehung kund tat. Jedenfalls hat die selbstbewusste Malerin des italienischen Barock eine einfache, aber dennoch selbstbewusste junge Frau in subtiler Psychologisierung auf die Leinwand gebracht, die durch ihr feines Wesen und die ungewöhnliche Ausstrahlung überzeugt. Mit einer Schätzung von 200.000 bis 300.000 Euro gehört Gentileschis Gemälde aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu den Höhepunkten der Auktion „Tableaux et Dessins Anciens et du XIXe siècle“ bei Sotheby’s in Paris.


Eine konventionellere, wenn ebenfalls ein wenig erotische Maria Magdalena hat Gentileschis Florentiner Malerkollege Giovanni Martinelli geschaffen. Die Heilige wird von ihrem Attribut, dem Totenkopf, begleitet, gibt etwas von ihren Brüsten frei und nimmt den Betrachter in den Blick (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Erotik wollte auch Giuseppe Cesari mit seinem Gemälde „Susanna und die beiden Alten“ vermitteln. Die nackte Schönheit sitzt kämmend bei ihrer Toilette an einem Renaissancebrunnen, während die beiden gierigen Alten hinter einer Mauer hervorlugen (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Jean-Baptiste-Marie Pierre griff dafür auf die antike Mythologie zurück und lässt über die nackte „Danaé“ den Goldregen herabkommen, während der lüsterne Zeus schon in Gestalt des Adlers zu ihren Füßen hockt (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). In eleganteren Gestalteten tut dies auch Jean Marc Nattier in seinem „Urteil des Paris“ mit der zentralen Rückenfigur der Venus (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Bis auf wenige Ausnahmen, etwa einen obligatorischen „Turmbau zu Babel“ von Hendrick van Cleve III, Caspar Netschers liebevolles Portrait zweier Kinder in einem Garten (Taxe je 40.000 bis 60.000 EUR) oder das bunte Tiergewimmel vor der Arche Noah von Jacob Savery II (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), haben die Franzosen am 26. Juni das Sagen. Das beginnt schon in der späten Renaissance mit Frans Pourbus d.J., der ab 1609 vielbeschäftigter Hofmaler in Paris war und in dieser Funktion das jugendliche Portrait der 1602 in Fontainebleau geborenen Élisabeth de Bourbon, der späteren Ehefrau des spanischen Königs Philipp IV., schuf (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Zu den frühen namentlich bekannten Malerinnen gehört neben Artemisia Gentileschi auch die 1610 in Paris geborene Louise Moillon, die mit ihrer Stilllebenkunst hohes Ansehen genoss. Ihre Schale mit Aprikosen, die von zwei Pfirsichen und einer geöffneten sowie unversehrten Pflaume auf Tischplatte begleitet wird, überzeugt durch ihre schlichte, unaufdringliche Art (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Mit mehr Dramatik arbeiten da Jean-Baptiste Oudry in seinem Stillleben „Retour de chasse aux lièvres et au gibier“ von 1716 (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR) oder Anne Vallayer-Coster in ihrem Gemälde gleichen Themas aber schon in frühromantischem Gestus (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Die teuersten Gemälde der Auktion sind der galanten Rokokomalerei verpflichtet und stammen von François Boucher. 1764 legte er in seiner dekorativen Malweise zwei junge Frauen an einem Waldbrunnen mit zwei Ziegen bei der „Lecture de la lettre“ nieder (Taxe 350.000 bis 500.000 EUR), und auch drei Jahre später beschäftigte er sich mit einer Pastorale, für die er auf fast formatgleicher Leinwand wiederum zwei heranwachsende Mädchen mit zwei Kindern, Schaf und Katze bei einem Waldhaus bannte (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Zur Galanterie des französischen Adels passen zudem François-Hubert Drouais’ jeweils im Oval gemalte Mademoiselle Betzy beim Rosenschneiden und ihr kleiner Begleiter, der mit einem Nest und jungen Vögeln spielt. Als Gegenstücke hat auch Jean-François de Troy seine beiden figurenreichen und lebhaften Szenen aus der Geschichte des griechischen Sagenhelden Jason angelegt (Taxe je 120.000 bis 180.000 EUR). Pierre Subleyras’ kleine und sicher ausgeführte Ölstudie mit einer Geißelung Christi steht in direktem Zusammenhang mit dem vollendeten Gemälde in Musée Ingres in Montauban (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Während Nicolas Lancret voller Dramatik eine Tigerjagd in orientalischen Gefilden spielen lässt (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), schildert Hubert Robert 1785 auf kleinem Format eine junge Frau voller Kummer, die in einem Park samt antikem Rundtempel sogar von ihrem Hund und einer Taube bemitleidet wird (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Typischer für das Œuvre des Klassizisten sind seine beiden leicht ruinösen Brückendarstellungen mit Wäscherinnen und einfachem Volk für bis zu 120.000 Euro. Einem eher ungewöhnlichen Thema widmet sich Nicolas-Antoine Taunay in bester klassizistischer Manier mit seinem Stehgreiftheater der commedia dell’arte „Parade avec Pierrot, Scapin et Arlequin“ (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Erotisch wird es wieder bei seinem bekannteren Zeitgenossen Louis-Léopold Boilly, der in „Rêverie pendant la toilette“ eine junge Frau in einem Zimmer bei der Statuette eines Liebespaares mit halb entblößter Brust zeigt (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Damit ist das Angebot schon in der Kunst des 19. Jahrhunderts angekommen. Als malender Alexandre Dumas weist sich der 1772 in Paris geborene Louis-Philippe Crépin aus. In seinen beiden wilden historistischen Seeschlachten „Le combat du ‚Lys’ et de la ‚Gloire’ contre le ‚Cumberland’“ von 1827 und „Scène d’abordage, probablement le combat de la ‚Bayonnaise’ contre l’ ‚Embuscade’“ wird nur so geschossen, das die Fetzen fliegen, und die Seeleute führen sogar waghalsige Stunts aus (Taxe 80.000 bis 120.000 und 40.000 bis 60.000 EUR). Als Philhellene und Verehrer der Antike reiste Louis Dupré, Hofmaler Jérôme Bonapartes in Kassel, 1819 nach Griechenland und portraitierte dort den selbst als Maler dilettierenden Athener Konsul Louis François Sébastien Fauvel an dessen Staffelei auf einer Veranda mit Blick auf die majestätisch thronende Akropolis (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Auch der Romantiker Louis Boulanger konnte sich für die Griechen begeistern und verewigte zwei von ihnen, martialisch aufgerüstet mit allerlei Waffen, in klassischer Tracht (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Als Freund des Schriftstellers Victor Hugo schuf Boulanger einige Illustrationen zu dessen Werken. Doch auch Hugo betätigte sich als Zeichner und entsendet die beiden Tuscheblätter eines dichten Waldstücks unter dem Titel „Nox“ von 1847 für 8.000 bis 12.000 Euro sowie die nicht ganz so experimentelle Ansicht des Mäuseturms bei Bingen im Rhein für 40.000 bis 60.000 Euro in die Auktion.

Dem Thema Pferd sind die nächsten Bilder gewidmet. Als Portrait eines einzelnen Tieres ist Théodore Géricaults „Cheval gris ou l’Aly“ leuchtend vor dem dunklen Stallhintergrund gedacht (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR), während Jean-Baptiste Camille Corots „Cheval gris pommelé“ von 1833 eher als Studie aufzufassen ist (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Bei Henri Auguste d’Ainecy Montpezats „Promenade de l’Empereur Napoléon III et e l’Impératrice au bois de Boulougne“ spielen die Pferde fast die Hauptrolle (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), und auf Paul-Albert Girards Gemälde „Le peloton des étendards des Cent-Gardes revenant de la revue sur les Champs-Elysées“, das Kaiser Napoléon III. in Salon des Jahres 1869 erwarb, schreiten sie als schwarze Schönheiten einher (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Über eine Repräsentationskunst hinaus geht Jean-François Raffaëlli in seinem Bild „Les berges de al Seine prés de Paris“, das in realistischer Manier die Hässlichkeiten der frühen Industrieansiedlungen in Umfeld der französischen Metropole an einem fahlen Tag präsentiert (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Im Gegensatz dazu steht Paul César Helleus „Portrait de madame Helleu à l’ombrelle“, der mit der Verve eines Impressionisten seine ganz in Weiß gekleidete Ehefrau in Untersicht mondän auf einem Landungssteg gemalt hat (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Symbolistisch wird es mit Edgard Maxences Gouache „Femme de profil lisant“ in einer den Präraffaeliten verpflichteten überzeitlichen Bildsprache (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) und den schemenhaft aus einem braunen Farbmeer auftauchenden Gestalten „Ruth et Booz erdormis“ des Einzelgängers Eugène Carrière (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Zuletzt haben dann noch einige Italiener das Wort. Emilio Longoni und Carlo Fornara steuern jeweils mehrere Beispiele ihrer pointillistischen Malweise bei, darunter Fornaras „Aratura in Argentina o La conquista della terra“ als Sinnbild der gestalteten Hand des Menschen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), und von dem Impressionisten Federico Zandomeneghi, der sich letztendlich in der Kunsthauptstadt Paris, stammt die Rückenansicht einer jungen schönen Frau in einem stark gemusterten Kleid vor unbestimmten Hintergrund (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR).

Kontakt:

Sotheby’s Paris

76, rue du Faubourg Saint-Honoré

FR-75008 Paris

Telefon:+33 (01) 53 05 53 05

Telefax:+33 (01) 47 42 22 32



25.06.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Théodore Géricault, Cheval gris ou l’Aly

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Taxe: 150.000 - 200.000 EURO

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François Boucher, La lecture de la lettre, 1764

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Taxe: 350.000 - 500.000 EURO

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Federico Zandomeneghi, Profil de jeune femme (La modella)

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Taxe: 200.000 - 300.000 EURO

Losnummer: 118

Eugène Carrière, Ruth et Booz erdormis

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Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Losnummer: 141

Henri Auguste d’Ainecy Montpezat, Promenade de l’Empereur Napoléon III et e l’Impératrice au bois de Boulougne

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Taxe: 80.000 - 120.000 EURO

Losnummer: 95

Paul-Albert Girard, peloton des étendards des Cent-Gardes revenant de la revue sur les Champs-Elysées

Paul-Albert Girard, peloton des étendards des Cent-Gardes revenant de la revue sur les Champs-Elysées

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Losnummer: 96

Nicolas Lancret, La chasse au tigre

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Taxe: 60.000 - 80.000 EURO

Losnummer: 53

Frans Pourbus d.J., Portrait en buste d’Elisabeth de France

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Taxe: 60.000 - 80.000 EURO

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Jean-François Raffaëlli, Les berges de al Seine prés de Paris

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Jacob Savery II, Die Arche Noah

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Taxe: 60.000 - 80.000 EURO

Losnummer: 9

Nicolas-Antoine Taunay, Parade avec Pierrot, Scapin et Arlequin

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Losnummer: 63

Jean-Baptiste-Marie Pierre, Danaé

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Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

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