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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Internationales Design und Kunst nach 1945 bei Quittenbaum in München

Nicht gemütlich



Kantig, eckig, hart – so kommt Stefan Zwickys Betonsessel von 1980 daher. Auf menschliche Bedürfnisse nach Sitzkomfort, einem ansprechenden Äußeren, geschweige denn Gemütlichlicht nimmt das Konstrukt keine Rücksicht. Dabei hat es mit Le Corbusiers Sessel „LC 2“ von 1928 doch ein illustres Vorbild. Aber vielleicht will der 1953 geborene Züricher Architekt und Designer Zwicky den mit „Grand confort, sans confort, dommage à Corbu“ betitelten Sessel auch nur als eine humorvolle und hintergründige Hommage an den großen Architekten der Moderne verstanden wissen, der sich ja selbst mit so einigen megalomanischen Wohnprojekten wie der Unité d’Habitation nicht nur Freunde machte. Beide Sessel stehen sich in Quittenbaums kommender Designauktion gegenüber, und es wird sich zeigen, ob die Kunden des Münchner Versteigerers eher Le Corbusiers klassischer, weicher Version aus altrosa lackiertem Stahlrohr und senfgelbem Leder den Vorzug geben, oder doch bei dem steinernen, fast schon skulpturalem Exemplar von Zwicky zugreifen. Einen preislichen Unterschied gibt es zudem. Das Paar von Le Corbusier ist wie sein typengleiches Dreiersofa auf 2.500 bis 3.000 Euro taxiert, Zwickys epreuve d’artiste auf 15.000 bis 20.000 Euro.


Gerade an den Stühlen und Sesseln lassen sich die Entwicklungen und Formensprachen im Design des 20. Jahrhunderts gut ablesen. Die Verbindung von skulpturalen Qualitäten und ergonomisch funktionalen Aspekten prägen die Sitzskulpturen aus Schichtholz des amerikanischen Designers David Delthony. Wie organische Skulpturen stehen sein unikates Schaukelobjekt von 1983 (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR) und sein Sessel um 1985 im Raum (Taxe 2.200 bis 2.500 EUR). Auch auf Jean Prouvés aus Holz, Aluminium und Stahlrohr zusammengefügten Armlehnstuhl „Visiteur Kangourou FV 22“ von 1948 fehlen die Auflagen, um sich gemütlich darauf niederzulassen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Die Niederländerin Dinie Besems hat sich in ihrem Atelier umgesehen und 2000 aus Abfall und Reststoffen wiederum in Schichtbauweise zwei Stühle in streng geometrischen und kantigen Formen geschaffen (Taxe je 1.200 bis 1.500 EUR). Gaetano Pesces „Greene Street Chair“ von 1984 tritt mit seinen vier kleinen Füßen wie ein hochgewachsener Tausendfüßler auf (Taxe 1.000 bis 1.200 EUR), und für ihren Sessel „Vermelha“ von 1993/98 haben die Brüder Fernando und Humberto Campana ein zotteliges Wesen aus unzähligen Schlaufen roten Baumwolltaus adaptiert (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).

Während Shiro Kuramatas bekannter Sessel „How high the moon“ von 1986 in seinem Maschengeflecht auf Streckmetall technoid daherkommt (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR), spielt Tom Dixon langer schlanker Freischwinger „Bolide“ von 1988 mit den organischen Materialien Peddigrohr und Papierkordeln (Taxe 1.200 bis 1.500 EUR). Klassischer wird es mit Norman Cherners filigranem Armlehnstuhl „Cherner Chair“ von 1957 mit weit ausschwingender Schlaufenlehne (Taxe 1.800 bis 2.200 EUR), Charles Eames’ Schaukelstuhl „RAR“ aus schwarzem Kunststoff auf braunen Birkenholzkufen von 1950/53 (Taxe 2.000 bis 2.200 EUR) oder den beiden Freischwinger „B 34“ von Marcel Breuer aus dem Jahr 1928 mit unterschiedlichen Bezügen über dem Stahlrohrgestell (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Eine Suite hat Quittenbaum der Gattung Hocker gewidmet, die von Otto Schulz’ mondänem Lederexemplar um 1920 (Taxe 1.800 bis 2.000 EUR) über die dreibeinigen, nüchternen Holzmodelle von Charlotte Perriand für Schätzungen zwischen 800 und 2.000 Euro bis zu Hubert Matthias Sanktjohansers Hocker „T1“ reicht, der sich auf eine Höhe von nur einem Zentimeter zusammenfalten lässt (Taxe 250 bis 300 EUR).

Aber nicht nur Sitzgelegenheiten umfasst das Angebot. Ein markantes Objekt ist Mario Cerolis Bett „bocca della verità“ aus der Serie „mobili nella valle“, das er 1971 für die Firma Poltronova aus Kiefernholz gestaltete. Das Kopfteil des Bettes ist nach dem Vorbild der berühmten antiken Reliefscheibe „Mund der Wahrheit“ gefertigt, die sich seit dem 17. Jahrhundert in der Vorhalle der Kirche Santa Maria in Cosmedin in Rom befindet. Einer mittelalterlichen Legende zufolge verliert jeder seine Hand, wenn er diese in den Mund legt und dabei nicht die Wahrheit spricht. Während man in Rom seine Wahrheit kostenlos überprüfen lassen kann, verlangt Cerolis Bett 6.000 bis 7.000 Euro. Das Schlafzimmer ergänzt Annibale Oste mit seinem quadratischen Schrank „Formopera K11“ von 2003, dessen Holzkastenkonstruktion viele kleine vernickelte Bronzequadrate vorgeblendet sind (Taxe 9.000 bis 11.000 EUR). Mimmo Paladino ist für die „Credenza Bianca – Battaglia di San Romano“ von 2010 verantwortlich, die Paolo Uccellos Gemälde von 1438 rezipiert und in seine symbolhaft verschlüsselte Bildsprache überführt (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR). Dazu passt gut Ettore Sottsass’ funktionsloses Totem „Minaretto“ von 1995 (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR).

Mariano Fortuny y Madrazo war ein Universalkünstler und als Maler, Bildhauer, Modedesigner, Architekt, Innenarchitekt, Ingenieur und Erfinder tätig. Auf sein Konto geht auch die große Stehleuchte von 1907 mit ihrem runden Fotografenschirm und dem indirekten Licht, die in den 1980/90er Jahren bei Pallucco in Rom mit dem Namen „Fortuny“ nochmals reediert wurde (Taxe 1.800 bis 2.200 EUR). Für das rechte Licht sorgen zudem Serge Mouille mit seiner schwarzen spinnenartigen Stehleuchte „Three-armed floor lamp“ von 1952 (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR) oder Max Sauze mit der futuristischen runden Deckeleuchte „Orion“ von 1967 aus überlappenden Aluminiumlamellen (Taxe 1.800 bis 2.000 EUR). Im Schlafzimmer könnte man auch gut Egon Eiermanns sachlichen Holzparavent mit sandfarbenem Segeltuch gebrauchen, um dahinter so manche Unordnung verschwinden zu lassen (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Dieser rationalen Haltung begegnet Florian Borkenhagen mit seinem Rollenschrank „E.G.O. Kosmos“ aus recyceltem Holz, Thermometer und Voltmessgerät von 1994/95, der Ideen Galileo Galileis aufgreift und schon fast individuelle Züge trägt (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Da sich Borkenhagens Schaffen an der Schnittstelle von Kunst zu Design bewegt, eröffnet es den Übergang zum zweiten Auktionsteil, der der Kunst nach 1945 gewidmet ist. An erster Stelle steht hier Jan Tarasins „Sytuacja II“ mit mehreren horizontal angeordneten Reihen verschiedener Ziffern, Buchstaben und Rechenarten. Auch in diesem abstrakten Ölgemälde von 1981 geht der Pole dem Begriff des Horizonts nach, der für ihn der wichtigste Begleiter im menschlichen Leben war (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Als Reminiszenz zum 90sten Geburtstag von Fritz Koenig am vergangenen Freitag kann Quittenbaum mit der Bronze „Kleine Säulenkaryatide“ von 1968 für 4.000 bis 5.000 Euro aufwarten. In seinem Multiple „Roger“ von 1990, der weißen Holzreplik eines der ersten Mobiltelefone, nimmt Martin Kippenberger eine Gesellschaft aufs Korn, die an solchen Statussymbolen hängt. Denn wer sich damals kein teueres Handy leisten konnte, griff zu einer Attrappe (Taxe 5.500 bis 6.500 EUR). Während Lori Hersberger in seinen beiden vertikalen Farbverläufen aus der Serie „Russian Roulette“ von 2000 auf die Abstraktion setzt (Taxe je 2.500 bis 2.700 EUR), liebt Richard Klingshirn die fotorealistische Malerei und macht sich in seinem poppigen Interieur „Must have“ von 2013 mit Kussmundsofa, Warhols Marilyn-Verschnitt und zwei Möpsen über das nachäffende Konsumverhalten der Deutschen und letztlich auch ein wenig über Quittenbaum lustig. Denn der Münchner Versteigerer würde auch mit diesen Objekten handeln.

Die Auktion beginnt am 24. Juni um 15 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum 23. Juni zu unterschiedlichen Zeiten möglich, der Katalog im Internet unter www.quittenbaum.de abrufbar.

Kontakt:

Quittenbaum Kunstauktionen

Theresienstraße 60

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 273 702 125

Telefax:+49 (089) 273 702 122

E-Mail: info@quittenbaum.de



23.06.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Veranstaltung vom:


24.06.2014, Design - Kunst nach 1945

Bei:


Quittenbaum Kunstauktionen

Bericht:


Teure Plastikröhrchen

Kunstwerk:

Tom Dixon,
 Chaise Longue „Bolide“, 1988
Tom Dixon, Chaise Longue „Bolide“, 1988

Kunstwerk:

Tom Dixon, Vier Stühle „Banana“, 1988
Tom Dixon, Vier Stühle „Banana“, 1988

Kunstwerk:

Shiro Kuramata, Sessel „How high the moon“, 1986
Shiro Kuramata, Sessel „How high the moon“, 1986

Kunstwerk:

David Delthony,
 Sessel, um 1985
David Delthony, Sessel, um 1985

Kunstwerk:

Pierre Jeanneret, Tagesbett „Chandigarh“, 1957/58
Pierre Jeanneret, Tagesbett „Chandigarh“, 1957/58

Kunstwerk:

Charles Eames, Lounge Chair „670“ mit Ottoman „671“, 1956
Charles Eames, Lounge Chair „670“ mit Ottoman „671“, 1956







Marcel Breuer, Zwei Armlehnsessel „B34“, 1928

Marcel Breuer, Zwei Armlehnsessel „B34“, 1928

Taxe: 2.000 - 2.500 EURO

Losnummer: 135

Max Sauze, Zwei Tischleuchten, um 1970

Max Sauze, Zwei Tischleuchten, um 1970

Taxe: 500 - 600 EURO

Losnummer: 493

Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand, Zwei Sessel „LC 2“, 1928

Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand, Zwei Sessel „LC 2“, 1928

Taxe: 2.500 - 3.000 EURO

Zuschlag: 3.000,- EURO

Losnummer: 460

Ettore Sottsass, Fünf Skulpturen „Mini-Totem“, 1998

Ettore Sottsass, Fünf Skulpturen „Mini-Totem“, 1998

Taxe: 4.000 - 4.500 EURO

Zuschlag: 3.500,- EURO

Losnummer: 286

Le Corbusier, Charlotte Perriand und Pierre Jeanneret, Zwei Armlehnsessel „LC1“, 1928

Le Corbusier, Charlotte Perriand und Pierre Jeanneret, Zwei Armlehnsessel „LC1“, 1928

Taxe: 2.000 - 2.500 EURO

Zuschlag: 2.000,- EURO

Losnummer: 461

Mimmo Paladino, Anrichte „Credenza Bianca-Battaglia adi San Romano”, 2010

Mimmo Paladino, Anrichte „Credenza Bianca-Battaglia adi San Romano”, 2010

Taxe: 3.500 - 4.000 EURO

Losnummer: 287

Tom Dixon, Vier Stühle „Banana“, 1988

Tom Dixon, Vier Stühle „Banana“, 1988

Taxe: 800 - 1.000 EURO

Zuschlag: 600,- EURO

Losnummer: 403

Charlotte Perriand, Hocker, 1938

Charlotte Perriand, Hocker, 1938

Taxe: 1.500 - 1.800 EURO

Zuschlag: 1.200,- EURO

Losnummer: 425

Dinie Besems, Stuhl „11 22 33 44 77“, 2000

Dinie Besems, Stuhl „11 22 33 44 77“, 2000

Taxe: 1.200 - 1.500 EURO

Zuschlag: 1.100,- EURO

Losnummer: 406

Charles Eames, Vier Sessel „LCM“ und Tisch „LTM“, 1946

Charles Eames, Vier Sessel „LCM“ und Tisch „LTM“, 1946

Taxe: 1.800 - 2.000 EURO

Losnummer: 338

Marcel Breuer, Tisch „Piscator M 40“, 1926

Marcel Breuer, Tisch „Piscator M 40“, 1926

Taxe: 1.800 - 2.000 EURO

Losnummer: 132

Jean Prouvé, Armlehnsessel „Visiteur Kangourou FV 22“, 1948

Jean Prouvé, Armlehnsessel „Visiteur Kangourou FV 22“, 1948

Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 25.000,- EURO

Losnummer: 470




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