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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Bis in die Antike reicht diesmal das Angebot beim Kinsky zurück und versammelt bis zur Moderne angewandte und freie Kunst

Ägyptische Schönheit



Mumienportrait einer jungen Dame, Ägypten, 1. Hälfte 2. Jahrhundert n. Chr.

Mumienportrait einer jungen Dame, Ägypten, 1. Hälfte 2. Jahrhundert n. Chr.

Ein Gemälde, das beinahe 2.000 Jahre alt ist, kommt selten auf dem Auktionsmarkt vor. Das Kinsky in Wien kann ein solches in seiner kommenden Versteigerung offerieren und ist auf das Mumienporträt einer schönen jungen Ägypterin besonders stolz. Solche Bildnisse von Verstorben aus der ägyptischen Oberschicht sind eine Kombination von authentischem Porträt und idealisiertem Erinnerungsbild und wurden den Toten über die erste Schicht der eingewickelten Leichname auf die Gesichter gelegt, um ihnen die Auferstehung zu gewährleisten. Heute sind nur rund 900 Mumienporträts bekannt. Der Großteil der Bilder wurde in den Nekropolen des Fayum gefunden. Aufgrund des trockenen ägyptischen Klimas sind die Bilder oft sehr gut erhalten, selbst die Farben wirken meist noch frisch. Die mit Eitempera bemalte Holztafel aus der ersten Hälfte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts kann auch mit einer prominenten Provenienz aufwarten. Befand sich die junge Dame mit der Hochsteckfrisur, den großen schwarzen Augen, der Perlenkette und dem stolzen Blick im Besitz des österreichischen Kaufmanns Theodor Graf, der am Ende des 19. Jahrhunderts als erster den Wert dieser Bilder aus der Wüste erkannt und mit 330 Mumienportraits eine der größten Sammlungen dieser griechisch-ägyptischen Totenbildnisse aufgebaut hatte. Beispiele daraus befinden sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien.


Gemälde Alter Meister

Das Kinsky hat das Mumienporträt aber nicht zu den Gemälden Alter Meister gestellt, sondern in seiner kommenden Auktionsrunde beim Kunsthandwerk und den Antiquitäten eingeordnet. Am 25. Juni eröffnet es dort diesen Auktionsteil und soll 35.000 bis 70.000 Euro einspielen. Die teuerste Position der zweitägigen Versteigerung verbirgt sich aber bei den Alten Meistern. Es ist eine fein ausgeführte Vedute des Canal Grande in Venedig mit Santa Maria della Salute als Blickfang. Die Experten des Kinsky nehmen dafür einen Künstler aus dem Umfeld Bernardo Bellottos in Anspruch und wollen 150.000 bis 300.000 Euro sehen. Drei Altarbilder der Renaissance stehen am zeitlichen Beginn der Offerte. In die Jahre um 1520/25 datiert die Holztafel einer thronenden Muttergottes mit dem Jesusknaben auf den Schoß, die von einem kirchlichen Würdenträger als Stifter des Werks angebetet werden. Dahinter soll ein Künstler aus dem Umkreis des Tiroler Renaissancemalers Sebastian Scheel stehen (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Als gesichert gilt die Autorenschaft Pieter Coecke van Aelsts für eine bislang unbekannte Anbetung der Hirten um 1527/40, die vor einer Architekturkulisse der Renaissance spielt und den Blick auf eine Landschaft freigibt (Taxe 35.000 bis 70.000 EUR). In einer Kreuzigung Christi entdeckt Ludwig Meyer vom Münchner Archiv für Kunstgeschichte eine schwäbische Voralpenlandschaft und einen Hinweis auf den Bodensee und verortet die Tafel von etwa 1530 daher bei einem oberschwäbischen Meister (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR).

Die Kunst der Barockzeit dominiert die Auktion. Aus der reichen Produktion der Antwerpener Maler gibt es eine mit Blumen geschmückte Steinkartusche von Jan van Kessel d.Ä., in deren Mitte das Christuskind auf einem von zwei Engel getragenen Herzen thront (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR), Josse de Mompers auf Kupfer gemalte und wunderbar verblauende Landschaft mit dem Gang nach Emmaus um 1595 (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR) oder eine Waldlandschaft mit einer Allegorie auf die Reichhaltigkeit der Erde, bei der sich um 1620 die Hände von Frans Francken II und Abraham Govaerts ineinander verwoben haben (Taxe 40.000 bis 80.000 EUR). Bei ihrer etwa gleichaltrigen Kupfertafel „Apoll und die Musen am Berg Parnass“ holten sie sich sogar noch Alexander Keirincx als dritten Maler an Bord (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Arnold Frans Rubens, über den wenig bekannt und der wohl nicht mit seinem berühmteren Namensvetter verwandt ist, entwickelte auf kleiner Holztafel einen figurenreichen Karneval auf dem Platz einer südlichen Stadt (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR).

Paul de Vos stammte aus einer Künstlerfamilie in der Nähe von Antwerpen und spezialisierte sich auf Tier- und Jagdmalerei. Auch seine beiden Katzen, die in einer Speisekammer mit einem angeketteten Hund um die saftigen Fleischstücke streiten, gehören in dieses Genre (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). Von Antwerpen zog Pauwels Franck nach Venedig und arbeitete in der Werkstatt Jacopo Robustis. Auf dem Weg zwischen beiden Städten entdeckte er Verona; die Bischofsstadt legte er etwas idealisiert bei Gewitterstimmung nieder (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). Godfriedt van Bochoutt war in Brügge tätig. Als eines der frühesten seiner wenigen gesicherten Werke gilt das Stillleben mit Rosen, Perlenkette, Flöte, Noten, Leuchter, Büchern und Taschenuhr von 1659 (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). In die nördlichen Niederlande weisen dann Jan Hackaerts Landschaft mit Wasserfall und einer Jagdgesellschaft in mildem Licht, David Vinckboons’ d.Ä. derbe Bauernszene „Der Nesträuber“ (Taxe je 15.000 bis 30.000 EUR) oder Quiringh Gerritsz van Brekelenkams Kücheninterieur mit zwei Frauen und Kindern bei der Zubereitung der Mahlzeit (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR).

Teuerster Italiener ist Giovanni Battista Salvi mit seiner anmutigen Darstellung der Madonna mit dem schlafenden Jesusknaben an der Brust und zwei Engeln aus dem römischen Hochbarock (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR). Stilistisch noch in etwas älteren, vor allem flämischen Bahnen bewegt sich Sebastiano Venturas Flusslandschaft mit der Bekehrung des heiligen Hubertus von 1622 (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). Wegen seiner Größe von knapp einem Meter diente die Leinwand mit dem heiligen Joseph und Johannes dem Täufer von Gaspare Diziani wohl als Altarbild für eine Privatkappelle in Venedig (Taxe 8.000 bis 15.000 EUR). Die österreichische Kunst hat Stephan Kesslers großformatiges Gemälde „Der Einzug Kleopatras in Rom“ um 1680 mit einer bühnenhaften Häuserkulisse (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR) oder Franz Christoph Jannecks feinmalerische Pendants mit Kreuzabnahme und Grablegung Christi zu bieten, die nach ihrem letzten erfolglosen Auftritt im Kinsky im November 2013 nun wieder zusammen mit auf 30.000 bis 60.000 Euro reduzierter Taxe versteigert werden. Den zeitlichen Abschluss der alten Meister markieren zwei Arbeiten des Klassizismus: Joseph Anton Kochs Aquarell einer sturmgepeitschten Landschaft mit Philemon und Baucis vor Zeus und Hermes aus dem Jahr 1814 (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR) und Friedrich Heinrich Fügers zartes Halbbildnis einer Dame um 1810 (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR).

Malerei des 19. Jahrhunderts

Mit dem Biedermeier setzt das 19. Jahrhundert ein und nennt als Beispiele etwa Josef Lauers Rosenstrauß, der an einem Bach liegt und von einer Kohlmeise beäugt wird (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR), Anton Hartingers Stillleben mit dicht gefüllten Rosen in einer Glasvase von 1836 (Taxe 7.000 bis 14.000 EUR) oder Josef Danhausers Osterbild „Noli me tangere“ mit dem schönen auferstandenen Christus und Maria Magdalena als kniender Rückenfigur von 1833 (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Wie bei Jan van Kessel umranken auch bei Pauline von Koudelka-Schmerling drei frische Blumenbouquets seit 1838 ein neugotisches Steinrelief mit einer Nische samt Madonnendarstellung (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Während Josef Mössmer seine Flusslandschaft mit markant aufragendem Felsen 1824 ruhig und friedvoll gestaltet (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR), entwickelt Johann Nepomuk Rauch in seinen „Kämpfenden Stieren in Campagnalandschaft“ von 1843 mit den zusätzlich umherspringenden Ziegen und Hunden ein wildes Treiben (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR).

Für die Problematik des Arbeitermilieus interessierte sich ab den späten 1840er Jahren Johann Baptist Reiter. Auch in der um 1860 entstandenen „Zeitungsleserin“ portraitiert er ein Küchenmädchen, das sich kurz niedergelassen hat und in der Zeitschrift „Der Wanderer“ blättert. Ironischerweise berichtete dieses Blatt immer wieder kritisch über Reiters Kunst (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Als Figurenmaler treten zudem Friedrich von Amerling mit dem Portrait der halbentblößten „Luise Nowak als Lautenspielerin“ von 1873, Hans Makart mit einem jungen Akt bei der hässlichen, alten „Wahrsagerin“ von 1868 (Taxe je 25.000 bis 50.000 EUR) und Franz von Defregger mit seinem realistisch aufgefassten Tiroler Bauern mit Hut von 1898 an (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Der 1836 in Montpellier geborene Franzose Émile Villa weist sich dann in seiner kecken Genreszene zweier Damen am Balkon mit ihren Rokokokleidern als Historist aus (Taxe 35.000 bis 70.000 EUR).

Ein eigener kleiner Abschnitt ist den Landschaften der Münchner Malerschule gewidmet. Die idyllischen Szenen am See, die Wintervergnügen, die Tätigkeiten bei der Feldarbeit oder die dörflichen Ausschnitte greifen sowohl Züge der alten niederländischen Malerei, als auch des modernen Realismus auf. Die Gemälde, die zumeist auf einen mittleren vierstelligen Betrag taxiert sind, stammen von Anton Doll, Karl Stuhlmüller, Adolf Stademann, Fritz van der Venne, Josef Willroider und seinem Bruder Ludwig Willroider oder Josef Wopfner. Hier schließen sich die österreichischen Maler mit impressionistischen Ansätzen an: Eugen Jettel mit seiner Heimkehr einer Schafherde bei frühem Mondaufgang um 1890 (Taxe 23.000 bis 40.000 EUR), Rudolf Ribarz mit einer holländischen Kanallandschaft samt einigen Kopfweiden und Gänsen von 1896 (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR) oder Theodor von Hörmann mit seinen ungarischen Landleuten an einem „Ziehbrunnen bei Gödöllö“ um 1883/84 (Taxe 45.000 bis 90.000 EUR).

In südliche Küstengegenden entführen dann Emil Jakob Schindler in seinem studienhaft gemalten Kloster San Giacomo bei Ragusa von 1888 (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR) oder Alfred Zoff zur milden „Abendsonne über Chioggia“ (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Als Orientmaler treten diesmal Adolf Schreyer mit seinen drei arabischen Reitern an, die eben ein flaches Flussbett durchwaten (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR), und Alphons Leopold Mielich mit seiner figuren- und gefäßereichen Marktszene vor den Toren einer afrikanischen Stadt (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Wohl in der Ukraine hat der 1842 in Kiew geborene Vladimir Donatovitch Orlovsky sein Motiv einer überschwemmten silbergrünen Flussniederung mit drei Reihern gefunden (Taxe 30.000 bis 60.000 EUR). Noch in ganz klassisch akademischen Bahnen bewegt sich Carl Moll in seinem brauntonigen Stillleben mit Fasan, Austern, Quitten und Zinngeschirr von 1893; von der späteren Farbfreude des damals 32jährigen Malers ist noch nichts zu sehen (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR).

Moderne Kunst

Am 24. Juni ist der dritte Teil der Auktionsrunde der Kunst der klassischen Moderne und ihrer Nachfolger in der Gegenwart vorbehalten. Die bekannten Namen punkten diesmal vor allem als Zeichner, so Gustav Klimt mit der Studie zum Bildnis von Margaret Stonborough-Wittgenstein von 1904/05 oder seinem perspektivisch ungewöhnlichen „Baby im Steckkissen“ von 1917/18 (Taxe je 25.000 bis 50.000 EUR) und Egon Schiele mit der teils bunten Skizze „Duftige Landschaft“ von 1915 aus der Sammlung Viktor Fogarassy (Taxe 70.000 bis 140.000 EUR). Interessante Blätter stellen aber auch Ludwig Heinrich Jungnickel mit einer expressiv kauernden Frau, Rudolf Wacker mit dem pausbackigen Kopf eines schlafenden Kindes, Anton Kolig mit mehreren männlichen Akten (Taxe je 1.500 bis 3.000 EUR), Albin Egger-Lienz mit einem detailreich gezeichneten Bauernhaus um 1884 (Taxe 3.500 bis 7.000 EUR) und Herbert Boeckl mit Stadtansichten aus Paris und London für bis zu 7.000 Euro. Von Boeckl stammen zudem die zarten Aquarelle von München und einer schon abstrakten Landschaft in den Karawanken (Taxe je 8.000 bis 16.000 EUR).

Malerisch hat die Moderne etwa Alfons Waldes Tiroler Wirtshaus um 1920 mit seinen typisierten, gesichtslosen Gestalten oder Franz Sedlaceks unheimliches Stadtbild mit unbedeutend kleinen Menschen vor der bedrohlich aufragenden dunklen Bergen zu bieten (Taxe je 35.000 bis 70.000 EUR). Während Felix Albrecht Harta 1908 in seinem Portrait einer vornehm gekleideten Dame noch dem bürgerlichen Repräsentationsbedürfnis des 19. Jahrhunderts nachkommt (Taxe 3.000 bis 6.000 EUR), stellt Broncia Koller-Pinell in ihrem gedankenverlorenen sitzenden Frauenakt um 1905 die auf sich geworfene nackte Existenz des Menschen in den Mittelpunkt (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Noch expressiver und gespenstischer geht Erwin Stolz um 1925/30 bei seinem „Kopf“ und den „Harlekinen“ ans Werk. Die beiden bunten Papierarbeiten sollen zwischen 1.500 bis 2.500 Euro und 4.000 bis 6.000 Euro einbringen. Von pointillistischen Ideen beeinflusst zeigt sich Rudolf Junk in seiner grün-violetten Ansicht von Stift Melk aus dem Jahr 1906 (Taxe 3.000 bis 6.000 EUR). In einer gesteigerten Farbigkeit hat zudem Robert Kohl 1932 sein buntes „Blumenstillleben in einem Gmundner Keramikkrug“ geschaffen. Mit einigen stürzenden Perspektiven malte Ernst Huber 1919 einen Wiener Fußballplatz, wohl den Sportclub-Platz in Dornbach, in sattem Grün (Taxe je 10.000 bis 20.000 EUR).

In die unmittelbare Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg datieren zwei monochrom braune, menschenleere Straßenfluchten von Innsbruck. Mit den fast schwarzen Fenstern und Laubgängen lässt Wilhelm Nikolaus Prachensky 1946 die Häuser wie Totenköpfe den Betrachter anblicken (Taxe je 10.000 bis 20.000 EUR). Einen starken Kontrast dazu bildet die farbintensive und -frohe Malerei der Tirolerin Gerhild Diesner, die dieses Mal mit einer blauen Blumenvase vor sonnengelber Wand von 1969 (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR) und dem leuchtend orangefarbenen Herbstbild aus dem Innsbrucker Hofgarten von 1970 begeistern kann (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Höhere Preise in der Nachkriegskunst verlangen zudem Gerhart Frankls etwas unsicheres Portrait von Charlotte Wilson von 1958 (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR), Anton Lutz’ recht helle, fast weiße Sicht auf den Attersee mit einem Badesteg in Parschallen von 1969 (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR), Leopold Birstingers demgegenüber wieder farbtrunkenes ländliches Motiv aus Pulkau um 1970 (Taxe 7.000 bis 14.000 EUR) oder Karl Starks neoexpressive „Abendstimmung in Drautal“ von 1981 (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR).

Antiquitäten

Der 25. Juni ist dem alten und neuen Kunsthandwerk vorbehalten und wird um 16 Uhr mit dem ägyptischen Mumienportrait eröffnet. Dieses Alter erreicht sonst kein Objekt der Auktion. Zeitlich folgen Stücke aus dem 15. Jahrhundert, wie ein spätgotisches Vortragekreuz, das aus feuervergoldetem Kupfer wohl in Italien gefertigt wurde (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR). Aus dem Deutschland des 17. Jahrhunderts stammt ein hellgrüner Kuttrolf mit dem in sich gedrehten Hals (Taxe 7.000 bis 14.000 EUR), aus Sachsen zwei Vierkantflaschen, die mit Blumenzier und Wappen in Emailfarben bemalt und auf die Jahre 1664 sowie 1666 datiert sind (Taxe 6.500 bis 12.000 EUR). Die Glasofferte wartet zudem mit einem böhmischen Humpen von 1614, auf dem Christus als segnender Salvator einhergeht (Taxe 8.000 bis 16.000 EUR), sowie mit mehreren bunten Flaschen aus dem süddeutschen und alpenländischem Raum auf, wie einem blauen Branntweinfass um 1700 (Taxe 6.000 bis 12.000 EUR), einer gleichaltrigen dunklen bernsteinfarbenen Rippenflasche (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR) oder einer kleinen Kugelflasche aus weißem Milchglas mit blauen verzogenen Diagonalfäden (Taxe 6.000 bis 12.000 EUR). Teuerste Gläser des Biedermeier sind für jeweils 5.000 bis 10.000 Euro ein Ranftbecher Anton Kothgassers mit der Darstellung des Wiener Stephansdoms und ein rotbrauner Lithyalinbecher aus dem Atelier Friedrich Egermanns mit der goldenen Aufschrift „Erinnerung“. Der Historismus feiert seine Höhepunkte etwa mit einem Deckelpokal, der für J. & L. Lobmeyr überbordend mit Motiven aus dem „Triumphzug Kaiser Maximilians I.“ bemalt ist (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR).

Die kleine Keramikabteilung hat etwa einen Gmundner Fayencekrug in Birnform mit dem zärtlichen heiligen Antonius von Padua in einer Kartusche aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu bieten (Taxe 3.000 bis 6.000 EUR). Beim Silber muss man wieder etwas tiefer in die Tasche greifen. Für mindestens 15.000 Euro erhält man dann aber auch einen Tiroler Deckelhumpen von 1581, der dicht mit Beschlagwerk, drei die Lebensalter symbolisierenden Köpfen und einem plastisch geformten, Posaune blasenden Jüngling geschmückt ist (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR), für 30.000 bis 60.000 Euro zwei wohl Nürnberger Kredenzen von 1628 mit Ranken, Blumenvasen, Rollwerk und vor allem zwei Allianzwappen, oder für 25.000 bis 50.000 Euro einen Passauer Deckelhumpen von Ende des 17. Jahrhunderts, der umlaufend von einer figurenreichen Schlachtenszene zwischen Christen und Türken bestimmt wird.

Für den Porzellanfreund hält der Katalog eine prächtig mit Blumen bemalte und mit grünen Asthenkeln staffierte Deckelvase um 1750 oder ein klassizistisches Tête-à-tête mit Kauffahrteiszenen vor 1784 aus der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur Wien bereit (Taxe je 10.000 bis 20.000 EUR), für den Skulpturenfreund eine „Trauernde Maria“ um 1510/15 mit bewegtem Faltenwurf wohl von dem Landshuter Meister Hans Leinberger (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR) und für den Kunstkammerfreund ein wohl deutsches Tragebesteck der Renaissance im Köcher mit Silbereinfassung an einem Silbergürtel (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Ein kleiner Erdglobus des Nürnberger Kupferstechers und Kartografen Johann Georg Klinger von 1805 stände jeder Gelehrtenbibliothek gut an (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR), ein achtflammiger Deckenlüster mit Frauenbüsten von Josef Ulrich Danhauser um 1815 spendet in dem Büchersaal auch für nächtliches Arbeiten genügend Licht (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR), und für den passenden Wandschmuck sorgt eine flämische Tapisserie um 1700 mit dem klassischen Herrscherthema „Die Huldigung Alexanders und Parmenions durch Darius“ (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR).

Jugendstil

Den mit „Jugendstil“ betitelten Katalog mit angewandeter Kunst des 20. Jahrhunderts dominieren die bekannten österreichischen Entwerfer der Moderne. Otto Prutschers Neigung zum Dekorativen macht ein Tee- und Kaffeeservice von 1919/20 deutlich. In einer Anverwandlung barocker Formen hat er die Wandung mit Kanneluren überzogen, die ein bewegtes Licht- und Schattenspiel erzeugen, für die Ausgüsse und Standringe sich ein dichtes Blumendekor ausgedacht und als Knäufe florale Elfenbeinknospen eingesetzt (Taxe 40.000 bis 80.000 EUR). Rund 10.000 Euro mehr muss man für einen Spiegelrahmen Dagobert Peches von 1922 mit durchbrochen gearbeiteter, filigraner Bekrönung einplanen. Sterne und Pflanzenranken, die Lieblingsmotive Peches, finden sich zudem auf einer dreimal horizontal eingezogenen Messingvase der Wiener Werkstätte von 1922/23 (Taxe 8.000 bis 16.000 EUR).

Neben zwei silbernen Tafelaufsätzen in runder und quadratischer Gestalt für bis zu 25.000 Euro stellt Josef Hoffmann diesmal eine siebenteilige Schreibtisch- und Rauchgarnitur, deren geometrische Grundformen er um 1908/12 extravagant mit Perlrochenhaut überziehen ließ (Taxe gesamt 16.000 bis 33.000 EUR). Auch Maria Likarz arbeitete für die Wiener Werkstätte; ihr ist eine blaue Emaildose mit dem Bildfeld einer galanten Szene auf einer Bühne um 1920 zugeschrieben (Taxe 2.000 bis 4.000 EUR). Um den Schmuck kümmern sich in der Auktion Josef Maria Auchentaller mit einer silbernen Gürtelschnalle um 1900 in Form einer Tulpenblüte aus grünem und blauem Email (Taxe 1.500 bis 3.000 EUR) oder Otto Prutscher mit einem goldenen Anhänger von 1909, der die geometrischen Schmucksteine aus Lapislazuli und Malachit mit Geraden, Voluten und Kugeln einfasst (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR).

Die skulpturalen Arbeiten, darunter ein kämpfender Steinbock von Franz Barwig d.Ä. aus hellbraun patinierter Bronze von 1911 (Taxe 3.500 bis 7.000 EUR) und vor allem George Minnes expressiver Jünglingsakt „Der große Kniende“ von 1898/1903 für 30.000 bis 60.000 Euro, leiten zu den Glaswaren über. Hier haben sich zuerst die Produkte der Firma Johann Lötz Witwe aus der böhmischen Kleinstadt Klostermühle versammelt. Je extravaganter ihre Gestalt, desto höher die Preise; so muss man für eine gelbe Vase mit drei gewellten Henkeln und blauen Streifen, auf der der Dekor „Cytisus“, also „Goldregen“, in Form silberngoldener Flecken herniederträufelt, mit 9.000 bis 16.000 Euro kalkulieren. Den Einfluss Gustav Klimts auf die Produkte von Lötz Witwe macht zudem eine gedrungene, mehrfach eingedrückte Vasenform mit langem schlankem Hals deutlich, die goldene Kringel und purpurrote Tupfen vereint (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR). In diese Preiskategorie ordnen sich auch zwei Soufflé-Vasen Emile Gallés in kugeliger Gestalt mit Rhododendronblüten oder in Zylinderform mit Clematisblüten sowie ein frühes Exemplar von 1896/97 ein. Hier hat Gallé das farblose Glas in Rotbraun und Gelb überfangen, zerplatzte Silberfolien appliziert, den Grund motivisch geätzt und mit verblühendem Grindkraut in Emailfarben bemalt (Taxe 6.500 bis 13.000 EUR). Teuerstes Objekt bei den Franzosen ist indes Gabriel Argy-Rousseaus Tischlampe „Foliage“ mit stilisierten Blättern und Rosenblüten von 1923 für 10.000 bis 20.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 24. Juni um 15 Uhr mit der Klassischen Moderne; um 16:30 Uhr stehen die Bilder des 19. Jahrhunderts auf dem Programm, um 18 Uhr die Alten Meister. Am 25. Juni sind ab 16 Uhr die Antiquitäten an der Reihe, um 18 Uhr folgt der Jugendstil. Die Besichtigung ist noch bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.imkinsky.com.

Kontakt:

im Kinsky - Kunst Auktionen GmbH

Freyung 4

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 532 42 00-9

Telefon:+43 (01) 532 42 00

E-Mail: office@imkinsky.com



23.06.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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24.06.2014, Klassische Moderne - Bilder des 19. Jahrhunderts - Alte Meister - Antiquitäten - Jugendstil / Design

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im Kinsky - Kunst Auktionen

Bericht:


Venedig von seiner besten Seite

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