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Anlässlich der Vollendung des Aschaffenburger Schlosses Johannisburg vor genau 400 Jahren würdigt erstmals eine Ausstellung den ebendort tätigen Bildhauer Hans Juncker

Architektur und Plastik in vollendeter Symbiose



Hans Juncker, Johann Schweikard von Kronberg, 1614

Hans Juncker, Johann Schweikard von Kronberg, 1614

Vom richtigen Blickwinkel aus mutet die Lage schon ein wenig märchenhaft an. Hoch über der Aschaffenburger Mainschleife, gestützt von einer 13 Meter emporragenden Mauer, thront unübersehbar einer der imposantesten Schlossbauten der europäischen Renaissance. Als Machdemonstration mit Fernwirkung konzipiert, entfaltet Schloss Johannisburg bis heute seinen Zauber. Das Wahrzeichen der Stadt gilt als Inbegriff einer ideal konzipierten Renaissanceresidenz im deutschen Sprachraum. Vor genau 400 Jahren nach Plänen des Straßburger Architekten Georg Ridinger vollendet, ist sie aufs engste verwachsen mit den bauplastischen Arbeiten des als schon früh als „Wunderkind“ klassifizierten Bildhauers Hans Juncker. Besonders ihm gilt eine Jubiläumsschau im Schloss, die mit neuen Forschungsergebnissen aufwartet.


Zunächst stehen Aspekte der Schlossbaugeschichte im Vordergrund. Eine Tuschezeichnung aus dem beginnenden 16. Jahrhundert gibt Aufschluss über den um 1220 errichteten, aber 1552 gebrandschatzten mittelalterlichen Vorgängerbau. Hier residierte ab 1540 zeitweilig der kunstsinnige Kardinal Albrecht von Brandenburg, der bedeutende Künstler wie den Maler Matthias Grünewald nach Aschaffenburg holte. Auf den Trümmern wurde ab 1605 im Auftrag des Mainzer Erzbischofs, Kurfürsten und Reichskanzlers Johann Schweikard von Kronberg der majestätische Neubau erreichtet. Eindrucksvoll sollte das Schloss den weitreichenden Einfluss des Bauherrn unterstreichen, der den Kurfürsten als Wahlgremium des deutschen Königs vorsaß.

Stattliche vier Ecktürme, starke Mauern, tiefrote Sandsteinverkleidung mit pittoresken Band- und Beschlagwerk prägen die neue, breit gelagerte Vierflügelanlage. Lediglich der Bergfried des Vorgängerbaus wurde aus Traditionsverbundenheit in den Nordwestflügel integriert. Passend zum zehnjährigen Bischofsjubiläum am 17. Februar 1614 konnte Johann Schweikard von Kronberg seine bevorzugte Zweitresidenz einweihen. Am selben Tag fand auch die Weihe der Schlosskirche statt, dessen Patrozinium, zugleich auch das der mittelalterlichen Burg sowie des Namenspatrons des Bischofs, auf den gesamten Bau übertragen wurde.

Letzte erhaltene Baurechungen aus dem Jahr 1619 belegen, dass rund 900.000 Gulden an Baukosten angefallen waren. Historische Pläne und Fotografien gewähren in der Ausstellung Einblicke in die Fürsten- und Kaisergemächer, Gemälde zeigen die Wirkmacht der neuen Landmarke. Aufgrund der klassizistischen Neuausstattung unter Friedrich Karl Joseph von Erthal Ende des 18. Jahrhunderts blieb nur noch wenig Inventar der Erstausstattung erhalten, darunter ein von Roll- und Flechtwerk fast schon manieristisch überladenes Teil einer Wandverkleidung. Nach dem Ende des Mainzer Kurstaates 1803 und der Zuschlagung zu Bayern vor genau 200 Jahren ging das Schloss 1814 in den Besitz der bayerischen Könige über, die es zeitweilig als Residenz nutzten. Ab 1918 diente dem Freistaat Bayern als neuem Eigentümer das Ensemble als Behörden- und Museumssitz.

Was von dem so stolzen Schloss 1945 übrig blieb, stellt ein Modell in bedrückender Weise vor. Noch kurz vor Kriegsende bewirkten verheerende Bombardierungen in der zur „Festung“ erklärten „Frontstadt“ stärkste Zerstörungen. Hartnäckige Verteidigung und ein Gefechtsstand im Schloss beschädigten es so schwer, dass der Wiederaufbau zunächst fraglich schien. Nur noch Fassadenteile standen. Ab 1954 wurden zunächst die Außenfronten originalgetreu rekonstruiert. Ab 1964 konnten in Etappen einzelne Flügel mit neuer Innenaufteilung eröffnet werden, darunter rekonstruierte Räume, bestückt mit ausgelagertem Mobiliar, das Stadtmuseum, eine Dependance der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sowie die Hofbibliothek. Erst 1999 beendeten letzte Maßnahmen den Abschluss des Wiederaufbaus. Bis 2020 wird der Freistaat Bayern weitere 21 Millionen Euro in die energetische und sicherheitstechnische Aufrüstung sowie die Fassadensanierung investieren.

Figürlichen Bauplastiken des Vortores und das nunmehr Hans Juncker sicher zuzuschreibende Große Schlosswappen an der Substruktionsmauer verweisen schon auf dessen kongeniales Schaffen am Bau. Diesem widmen sich folgende Abschnitte der Aschaffenburger Ausstellung. Umfangreiche Forschungen und Restaurierungen im Vorfeld des Jubiläums gestatteten es nun erstmals, das bildhauerische Schaffen von Hans Juncker zu würdigen. Sein Hauptwerk – Hochaltar und Kanzel in der Schlosskirche – bilden den Höhepunkt und Abschluss des Ausstellungsparcours.

Nur sehr wenige schriftliche Zeugnisse existieren über den 1582 vermutlich in Walldürn im Odenwald geborenen und 1624 oder kurz danach wohl in Aschaffenburg verstorbenen Spross einer mainfränkischen Künstlerfamilie. Daher muss jede Präsentation zu Juncker fragmentarisch bleiben. In Aschaffenburg steht die Erklärung von Zusammenhängen, die Korrespondenz zu Werken seines Bruders Zacharias und das Herausarbeiten stilistischer Entwicklungen im Zentrum. Vermutlich erhielt Hans seine Ausbildung bei seinem Vater Michael Juncker. Mit diesem und dem älteren Bruder Zacharias Juncker (1578-1665) ist die gemeinsame Ausführung des Prachtkamins im Festsaal von Schloss Weikersheim verbürgt. Hans Juncker wird ein rasanter Aufstieg zugeschrieben. Schon mit 16 Jahren schuf er 1598 den Hochaltar in der Pfarrkirche St. Laurentius in Darstadt bei Würzburg. Den Kunsthistoriker Leo Bruns animierte Junckers extrem früher Sinn für Komposition und Konfiguration sowie handwerkliches Geschick dazu, vom frühreifen „Wunderkind“ zu sprechen. In der Ausstellung vermitteln große Leuchtdisplays diese Altäre und weitere Arbeiten dem Besucher.

Gut dokumentiert, weil durch Rechnungen belegt, sind Hans Junckers Werke für die Aschaffenburger Stiftskirche St. Peter und Alexander. Von dem zwischen 1617 bis 1620 hierfür ausgeführten Magdalenenaltar hat sich die bislang einzige entdeckte Entwurfszeichnung Junckers erhalten. Bildthemen und Steinsorten sind hierauf genau vermerkt. Auch der Vertrag und Abrechnungen existieren noch. Den Archivalien kann man entnehmen, dass wegen der vertragswidrigen Verwendung schwarzer, marmorierter Steine anstatt des vereinbarten roten Alabasters eine Kürzung des Lohnes um 20 Gulden erfolgte. Der von 1622 bis 1626 ausgeführte Walldürner Heiligblutaltar, Hauptwerk seines Bruders Zacharias, wird dialogisch diesem gegenüber gestellt. Epitaphen, Architekturfragmente, Figuren, darunter Evangelisten oder Engel, rahmen einige Hauptwerke.

Zu den Neuentdeckungen gehören rekonstruierte Grabmäler, wie das nach 1599 für den Kanoniker Andreas Weber geschaffene. Deren nach Teilzerstörungen 1945 geborgene und eingelagerte Reliefplatten wurden erst vor wenigen Jahren in magazinierten Transportkisten wiederentdeckt. Die Auswahl der Exponate schließt mit einigen Mutmaßungen über das Nachwirken Junckers und seiner vermutlich größeren Werkstatt. Erstmals zu sehen ist das 1628 ausgeführte und nunmehr aus originalen Bruchstücken restaurierte Kerpen-Denkmal, wobei die Wissenschaftler weniger die Ritterfigur, mehr jedoch das Kruzifix Junckers Werkstatt zuschreiben.

Mit dem Hochaltar und der Kanzel wartet die Ausstellung in der Schlosskirche mit dem Kernœuvre Hans Junckers auf. Bewegt und kraftvoll, vor Dynamik und Eleganz bestechend sowie detailverliebt und sorgfältig ausgearbeitet, erstrahlt die Ausstattung nach jahrzehntelangen Restaurierungen in ungewohnter Ausdrucksstärke. Neben dem Portal gelten Kanzel und Hochaltar als die herausragende bildhauerische Leistung deutscher Renaissancekunst. Pointiert setzte Hans Juncker Kontraste ein. Das architektonische Gerüst des Stockwerkaufbaus formte er aus rotem, grauem und schwarzem Lahnmarmor. Alles Weitere besteht aus Alabaster. Der für seine schimmernde Lichtdurchlässigkeit berühmte und damit göttliche Reinheit symbolisierende Alabaster fand bei 31 vollplastischen Skulpturen sowie Reliefs mit weiteren fast 150 Figuren Verwendung. In exzellent bearbeiteten Oberflächen hat Juncker akribisch die Stofflichkeiten ausgearbeitet, die jedwede Bemalung erübrigen. Die Passion Christi mit der Kreuzigung im Zentrum und die Auferstehung als krönender Abschluss bilden Schlüsselszenen des komplexen Reliefprogramms.

In der rechten Seitennische hat Juncker den Bauerherrn selbst inszeniert; Johann Schweikard von Kronberg trägt auf seiner rechten Hand das Schlossmodell. Die Dramatik und Bewegung der Figuren verweisen ebenso auf die heraufziehende Barockzeit wie Tendenzen zur Auflösung des festen Gefüges zugunsten schwebender, übergreifender Prinzipien. Der schwungvolle Aufbau, die starke Gewichtung der Figuren, die narrativen Bezüge oder die Engel oder Putten, die die Übergänge zwischen einzelnen Teilen fließend modellieren, sind Kennzeichen für das Einfließen des Frühbarock in Junckers Kunst. Eine speziell konzipierte Lichtinstallation in Verbindung mit Erläuterungen lässt nun Details und übergreifende Zusammenhänge konkret aufleben.

Wie ein großer Kelch steht die Kanzel an der hofseitigen Wand. In klassischer Vollständigkeit und perfekter Abfolge verkörpert das Pogramm aus Aposteln, Propheten, Evangelisten und Kirchenvätern die Verkündigung der christlichen Lehre. Neun vollplastische Statuetten und gleichfalls aus Alabaster gefertigte Reliefplatten mit ihren Szenen unterstreichen Junckers bestechende handwerkliche Präzision. Das mehr raumgreifende Streben nach rundplastischen Ausformungen erweist sich auch hier als Vorbote des Barock.

Nach Jahrzehnten der Restaurierung bleibt die Kapelle nun ständig für die Öffentlichkeit zugänglich. Vom Schlosshof her betritt sie der Besucher durch das Portal, das Hans Juncker als Triumphbogen gestaltet hat. Kannelierte, mit Beschlagwerk verzierte Säulenpaare flankieren den Türbogen und tragen einen Sprenggiebel, wiederum barocke Vorboten. Ein Relief mit der Taufe Christi sowie eine Madonnenstatue bekrönen den Bogen. Besonders rechteckige Rollwerkkartuschen gelten als Charakteristikum nordalpiner, speziell niederländischer und deutscher Renaissancekunst. Über Druckgrafiken italienischer und niederländischer Meister seinerzeit weit verbreitet, dienten diese sicherlich auch Hans Juncker als Anregung für seine Arbeit. Das elegante, ausgewogen proportionierte Portal soll aber nicht nur auf das Innere einstimmen, sondern auch zum Eintritt in die Glaubenswelt auffordern.

Die Ausstellung „Wunderkind. Der Bildhauer Hans Juncker“ ist bis zum 7. September zu sehen. Das Schloss Johannisburg hat täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Hirmer Verlag erschienen, der im Schlossmuseum 29,80 Euro kostet, sowie eine Monografie zur Schlosskapelle für 14,90 Euro.

Kontakt:

Schlossmuseum Aschaffenburg

Schlossplatz 4

DE-63739 Aschaffenburg

Telefon:+49 (06021) 386 740

Telefax:+49 (06021) 386 74 30

www.schlossjubilaeum-aschaffenburg.de



19.06.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Hans Juncker, Johann Schweikard von Kronberg, 1614
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Hans Juncker, Portal der Aschaffenburger Schlosskapelle, 1618
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Ansicht von Schloss Johannisburg
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Blick in den Hof von Schloss Johannisburg
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Hans Juncker Nachfolger, Denkmal für Johann Walter von Kerpen, 1628

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Georg Brönner, Kriegsruine des Schlosses Johannisburg 1945/47

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Hans Juncker, Portal der Aschaffenburger Schlosskapelle, 1618

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Blick in den Hof von Schloss Johannisburg

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Jacobus Storck, Mainlandschaft mit Schloss Johannisburg, um 1675

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Teil einer Wandverkleidung des Schlosses Johannisburg, um 1610/20

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Zacharias Juncker d.Ä., Segnender Gottvater, um 1610

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Hans Juncker, Kanzelkorb in der Aschaffenburger Schlosskapelle, 1614-1619

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Hans Juncker, Hochaltar der Schlosskapelle Aschaffenburg, 1614

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Hans Juncker, Engelskopf, 1618

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Hans Juncker, Magdalenenaltar, 1617/20

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