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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Kunst des 19. Jahrhunderts mit viel Fortune bei Grisebach in Berlin

Ein gutes Händchen



Max Liebermann, Schafherde, 1888

Max Liebermann, Schafherde, 1888

Hohe Zuschlagsquoten, eine Reihe kräftiger Wertsteigerungen und sogar den höchsten Preis der insgesamt viertägigen Auktionsreihe – das waren einige der erfreulichen Ergebnisse der Versteigerung von Kunst des 19. Jahrhunderts bei Grisebach in Berlin. 460.000 Euro für Max Liebermanns 1888 datierte, realistisch-impressionistische „Schafherde“ lagen sogar um 10.000 Euro höher als der Zuschlag für eine Skulptur Eduardo Chillidas bei den einen Tag später aufgerufenen „Ausgewählten Werken“, die sonst eigentlich immer für die hohen Hammerpreise zuständig sind, diesmal aber ein wenig schwächelten. Darüber hinaus reüssierte Meister Liebermann mit seiner Ölstudie einer bügelnden Frau samt Kind in einem Interieur aus dem Jahr 1884 bei 102.000 Euro. Beide Zuschläge lagen deutlich über den Taxen. Das galt auch für Franz von Stucks skurrile Szene „Faun und Nymphe“ – letztere wird von Ersterem gierig verfolgt – aus der Zeit vor 1893. Statt bei 50.000 bis 70.000 Euro schlug der Hammer hier erst bei 180.000 Euro aufs Pult.


Den Vogel schoss aber Hanns Pellars „Sinnliche Nacht“ von 1912 ab. Das betont, fast derb erotische Bild mit stark orientalischem Einschlag entzieht sich jedem entwicklungsgeschichtlich angelegten Qualitätsstandard, sondern kann eigentlich nur aus seiner eigenartigen Atmosphäre heraus wirken – und spielte dennoch den Auktionsrekord von 145.000 Euro ein (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Mit solchen Steigerungen und einer losbezogenen Verkaufsrate von knapp 80 Prozent konnte Grisebach am 28. Mai gut 2,9 Millionen Euro umsetzen und damit die bisher erfolgreichste Auktion dieser Sparte seit ihrer Einführung 2011 durchführen. Als weiteres symbolistisches Urgestein und Vertreter der Lebensrefom im frühen 20. Jahrhundert trat Fidus, alias Hugo Höppener, mit fünf Positionen an, die alle ihrer Anhänger fanden. Auf die erste Stelle seiner Zeichnungen und Illustrationen hoben die Kunden einen Fries auf Papier, auf dem unzählige nackte Mädchen große, blassblau leuchtende Kugeln vorantreiben. Statt 1.800 Euro spendierten sie dafür 8.000 Euro.

Erhabene Landschaften mit mehr oder weniger beiläufiger Personenstaffage kamen aus der Reihe der älteren Künstler besonders gut an. An erster Stelle ist hier Joseph Anton Kochs spätklassizistische „Landschaft mit Apoll unter den Hirten“ aus der Zeit um 1836 und damit einem der letzten Lebensjahre des Deutschrömers zu nennen, die von 140.000 bis 180.000 Euro auf 250.000 Euro kletterte. In Deutschland jedenfalls wurde offenbar noch nie so viel für ein Gemälde Kochs bezahlt. 68.000 Euro waren ebenfalls ein unerwartet stolzes Gebot für August Kopischs rot-gelbe Seelandschaft mit Segelschiff und Delphinen vor untergehender Sonne aus der Zeit um 1826/28. So verführerisch leuchtet die Natur auch in Neapel, wo das Bild entstanden sein muss, nur an besonderen Tagen (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Bei 65.000 Euro dicht dahinter landete Thomas Fearnleys gegenüber dem Naturphänomen selbst noch übersteigerte Abkonterfaktur der bizarren Felsformation des Arco naturale auf Capri von circa 1833 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

19.000 Euro gab es für Friedrich Prellers d.Ä. „Brandung an der Felsküste“ unter dramatischem Gewitterhimmel von 1838 (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), die anvisierten unterem 25.000 Euro für Georg Heinrich Crolas biedermeierliche Jagdgesellschaft an einem bayerischen See aus demselben Jahr und 46.000 Euro für Oswald Achenbachs fast schon impressionistische Straßenszene vor dem römischen Trevibrunnen von 1876 (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Auch ein bisschen Mittelalterromantik durfte es für Grisebachs Kundschaft sein, wie Carl Georg Hasenpflugs „Klostergang zu Walkenried“ mit einem Selbstbildnis des zeichnenden Künstlers aus dem Jahr 1839 für 35.000 Euro bewies (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Die untere Grenze von 30.000 bis 40.000 Euro schaffte Franz Ludwig Catels um 1813/18 festgehaltener Blick über den Tiber an den Hügeln Roms vorbei auf die Kuppel von St. Peter in der Ferne. Zwei zarte Bleistiftzeichnungen Caspar David Friedrichs mit einer Ansicht der „Rügischen Küste bei Göhren“ vom Juli 1806 und einer Impression aus der Sächsischen Schweiz von 1813 erlösten mit 60.000 Euro und 40.000 Euro jeweils die untere Taxe. Wohl wegen ihrer frappierenden Modernität – man könnte fast an den Expressionismus denken – wurde Carl Fredrik Hills schnelle Farbskizze eines Gebirges mit 4.500 Euro bedacht (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).

Mitten in die Berliner Intellektuellenszene der Vormärz-Zeit hinein führt Eduard Magnus’ Doppelbildnis der Schwestern Elisa Antonia Luise und Pauline Casper, die mit der legendären Schriftstellerin und Salonnière Rahel Varnhagen von Ense eng verwandt waren. Magnus wiederum firmierte seinerzeit als einer der führenden Portraitisten. Die um 1840 geschaffene Leinwand verbesserte sich von 12.000 bis 15.000 Euro auf 25.000 Euro. In den ionischen Portikus von Karl Friedrich Schinkels gerade erst fertiggestelltem Museum am Lustgarten stellte sich etwa um dieselbe Zeit ein weiter nicht bekannter Künstler namens C. T. Gregorovius und warf von dort durch den Säulenwald hindurch einen Blick auf das gegenüberliegende Berliner Schloss. Das feine Aquarell wurde zu einem der Überraschungshit auf der Auktion, als es von 1.000 bis 1.500 Euro auf 17.500 Euro schoss.

Ein gutes Händchen und den sicheren Blick des Kenners bewies einst der frühere Direktor der Bremer Kunsthalle Günter Busch, als er seiner Sammlung zwei kleine Ölbilder unbekannter Künstler aus dem deutschen und dem dänischen Raum hinzufügte. Beide jetzt aus dem Nachlass Buschs offerierten Arbeiten erzielten, obgleich ihre Schöpfer nach wie vor nicht identifiziert sind, mit 34.000 Euro für die unvollendete Ansicht von Terracina unter südlicher Sonne und 22.000 Euro für eine Frau am Fuße eines Hügel zur Sommerszeit weit mehr als erwartet. Auch die mit Busch-Provenienz ausgestattete, kleine impressionistische Ölstudie mit dem Abendhimmel über Paris von Gustave Courtois um 1900 zog von 1.000 Euro deutlich auf 8.000 Euro an. Noch häufiger kamen solche vermeintlich kleinen Werke groß heraus, etwa eine dichte Pflanzenstudie des Wieners Josef Selleny, die sich von 3.500 bis 4.500 Euro auf 28.000 Euro verbesserte, oder zwei mehr oder weniger weit gediehene Landschaftsaquarelle aus Italien von Victor Paul Mohn und Friedrich Salathé für 11.500 Euro und 12.000 Euro (Taxen zwischen 2.000 und 4.000 EUR).

Den französischen Vorimpressionismus vertrat Jean-Baptiste Camille Corot mit seinen duftig gemalten „Arbres tordus sur une crête (Soleil couchant)“ aus den späten 1860er Jahren für 85.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Auf deutscher Seite beeindruckten Gotthardt Kuehls offenbar etwas ratloses „Paar am Teetisch“ aus den späten 1880er Jahren für 28.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) und Adolph von Menzel mit mehreren seiner lebensnahen Figurenstudien im Rahmen der veranschlagten Preisen bis zu 19.000 Euro, die für ein 14jähriges Mädchen im Profil um 1875/80 bewilligt wurden (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Österreich wiederum ging mit Carl Schuchs nüchterner Ansicht eines eigentlich nicht besonders fotogenen Stauwehrs im Südtiroler Prags von 1877 ins Rennen. Hier reichte es zur unteren Schätzung von 40.000 Euro.

England sah in dieser Zeit das merkwürdige künstlerische Treiben der Präraffaeliten. Einer der weniger bekannten Künstler dieser Gruppierung ist Simeon Solomon, der nach anfänglichen Erfolgen aufgrund seiner Verurteilung als Homosexueller 1873 von der künstlerischen Bildfläche verschwand und 1905 verarmt in London starb. Aus seinem Todesjahr stammt eine Studie mit den Köpfen eines Mannes und einer Frau, die sehnsuchtsvoll gen Himmel blicken. Sie wurde mit 12.000 Euro honoriert (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Als Vorkämpfer der Präraffaeliten darf Dante Gabriel Rossetti gelten. Gegen 1881 schuf er in Rötel und schwarzer Kreide das Bild „Isabella and the Pot of Basil“ als Illustration zu einem gleichnamigen Gedicht von John Keats. Auch hier wurde – wie erfreulicherweise so häufig auf dieser Auktion – mit 41.000 Euro weitaus mehr bezahlt, als Grisebach mit mindestens 8.000 Euro zu hoffen gewagt hatte.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



09.06.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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