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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s in Paris

Der Maler und sein Freund



Amedeo Modigliani, Portrait de Paul Alexandre, 1911/12

Amedeo Modigliani, Portrait de Paul Alexandre, 1911/12

„In den Jahren zwischen 1907 und 1912 war ich mit Ihrem Bruder Amedeo sehr vertraut. Von 1912 bis 1913 war unsere Freundschaft weniger eng, aber er besuchte mich trotzdem recht oft. Nach Juli 1914 habe ich ihn nicht mehr gesehen, da ich den ganzen Krieg über in der Armee an der Front zubrachte. Als ich 1919 zurückkehrte, musste ich mein Leben erst wieder in Ordnung bringen, und die Ereignisse wechselten sich so schnell ab, dass ich Ihren Bruder nicht mehr sah.“ Das schrieb Paul Alexandre im Herbst 1924 an Amedeo Modiglianis Schwester Margherita nach Florenz. Viel Zeit bleib dem Freund auch nicht mehr, Amedeo aufzusuchen. Denn als der Maler am 25. Januar 1920 in Paris starb, war der Erste Weltkrieg gerade einmal ein gutes Jahr vorbei. Doch diese sieben Jahre zuvor, von 1907 bis zu seiner Einberufung im Jahr 1914, war Paul Alexandre der Vertraute, Mentor und Mäzen von Amedeo Modigliani. Die beiden Männer verband eine tiefe geistige Freundschaft, und sie genossen die täglichen Gespräche über Malerei, Poesie, Literatur und Philosophie. Als Modiglianis einziger Kunde in dieser Zeit erwarb Alexandre fast 500 Zeichnungen und ein Dutzend Gemälde.


Eines dieser Werke ist jetzt das prominente Hauptstück der Auktion „Art Impressionniste & Moderne“ bei Sotheby’s in Paris. Hier steht Modiglianis’ meisterhaftes Porträt von Paul Alexandre aus den Jahren 1911/12 zum Verkauf. In seiner typischen Malweise hat Amedeo Modigliani den Arzt und Freund in überlängter Gestalt in einem nicht näher bestimmbaren Raum eingefangen. Die stilisierten, facettierten Gesichtszüge und das subtile Farbschema, eine Mischung aus Schiefer-Blau, grünen und rotbraunen Tönen, spiegeln den Einfluss von Paul Cézanne wider. Das Portrait entstand kurz nach dem Tod der Mutter von Paul Alexandre in dumpfen Tönen, durchdrungen von einer leichten Melancholie.

Auch die Provenienz dieses Gemäldes ist herausragend. Denn seit seiner Entstehung befand es sich im Besitz Alexandres und nach seinem Tod im Jahr 1968 in dem seiner Nachkommen. Nun kommt das Portrait erstmals auf den Markt, und angesichts seiner Bedeutung scheint der Wert mit 5 bis 8 Millionen Euro recht günstig angesetzt. Liegt doch der aktuelle Auktionsrekord bei 61,5 Millionen Dollar. Die Erben Paul Alexandres trennen sich noch von weiteren vier Werken Modiglianis, und wieder ist der Freund und Mäzen prominent in Szene gesetzt, diesmal auf einer ebenfalls eleganten Kreidezeichnung des Jahres 1909 (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Dazu treten dann noch zwei weibliche Aktstudien zu Preisen zwischen 18.000 und 40.000 Euro und der im März 1913 mit blauer Kreide gezeichnete, hieratische „Tête de cariatide surmontée d’architecture“ für 120.000 bis 180.000 Euro.

Moderne Kunst

An zweiter Stelle rangiert in der Auktion am 4. Juni Pablo Picasso und seine recht schnell auf die Leinwand gepinselten „Peintre et son modèle“. Das häufig behandelte Thema datiert auf den 13. und 14. November 1964 und damit in Spätwerk des Jahrhundertkünstlers, der damals gegen das Sterben angemalt hat (Taxe 2,2 bis 2,8 Millionen EUR). Für das Malen braucht man ein Atelier; einen Blick in das seinige, das sich Picasso 1955 in der Villa „La Californie“ in Cannes eingerichtet hatte, gewährt er uns in einem Ölbild aus dem Jahr 1956 (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR). Seiner lebenslangen Liebe zu allem Weiblichen ist die Zeichnung „Nu debout et nu assis“ in kräftigen Formen aus dem Jahr 1970 geschuldet (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Auch zwei von Picassos Frauen melden sich zu Wort. Da ist zuerst Dora Maar mit einem großnasigen Portrait ihres Geliebten aus dem Jahr 1938, in dem sie sich dem Stil Picassos bis aufs I-Tüpfelchen anpasst (Taxe 220.000 bis 280.000 EUR). Später trat dann Françoise Gilot in Picassos Leben; auch in ihren drei Zeichnungen, darunter die ihrer schlafenden Tochter Paloma von 1951 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), macht sich der Einfluss des großen Meisters bemerkbar.

Die bekannten Maler aus Kubismus und Surrealismus prägen ferner die Versteigerung. Aus floralen und baulichen Versatzstücken hat Léopold Survage 1917 die bunt zusammengewürfelte geometrische Landschaft „Le Mont Agel“ bei Monaco konstruiert (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Von Fernand Léger ist die Studie „Le Café“ mit zwei kraftvollen Arbeitern in Gouache aus dem Jahr 1955 im Angebot (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR), von Georges Braque eine „Nature morte aux cerises“ von 1936, bei der die Gegenstände ohne strenge Perspektive flächig vor gemusterten Tapeten und Stoffen angeordnet sind (Taxe 600.000 bis 800.000 EUR). Zu diesem Preis listet der Katalog zudem Yves Tanguys surreale weite Wüste, die seit 1942 mit amorphen Formfindungen bestückt ist. Etwas mehr muss man für Joan Mirós dunkle, diesmal eher bedrohliche „Personnage, oiseau“ einkalkulieren. Auf der mit Ölfarbe und Gouache erstellten Papierarbeit aus dem Jahr 1976 stehen 1 bis 1,5 Millionen Euro.

Noch gewalttätiger geht es bei Óscar Domínguez’ kubistisch vereinfachtem „Muerte de un torero“ von 1956 (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR) und den geschundenen Gestalten in André Massons Gemälde „Pygmalion“ von 1938 zu (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Das Unheil scheint auch aus Max Ernsts dunklem „Amazon Forest“ von 1964 hervorzukriechen (Taxe 100.000 bi 150.000 EUR). Die mit Perlen geränderten Augen und der Mund einer Frau, schwebend im Himmel, regen in René Magrittes Gouache der „Shéhérazade“ aus dem Jahr 1947 hingegen eher zum Schmunzeln an (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR). Dem Weiblichen hat sich auch Francis Picabia in dem fast realistisch-kitschigen „Portrait d’une blonde“ verschrieben und damit um 1942/43 die Schauspielerin Madeleine Sologne gemeint (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Der schnelle Stilwandler Picabia hat rund fünf Jahre später das Profil eines menschlichen Gesichts mit wenigen Farbstrichen gemalt und es ironisch mit „Avarice de la nature“, „Geiz der Natur“, betitelt (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). Leckerbissen sind vier Arbeiten von Salvador Dalí, in denen er 1962 seine Ideen mit Robert Descharnes in surrealistischen, oft mythologischen Fotografien umsetzte (Taxen bis 30.000 EUR).

Bei Félix Vallotton schätzt man die nüchterne, distanzierte Schilderung der Realität, auch bei seinen Frauenakten, wie der „Petite baigneuese assise sur le sable“ von 1911 (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). In seiner schlichten, für voluminöse Formen bekannten Bildsprache hat Fernando Botero 1969 ein Stillleben mit vier roten Zwiebeln, zwei Fliegen und einem Messer auf die Leinwand gebracht (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Die Skulpturensuite ist nicht groß und beginnt mit Arbeiten aus dem Jugendstil, so Auguste Rodins „Minotaure“ von 1883, der eben einer Frau nachstellt (Taxe 110.000 bis 150.000 EUR), oder dem sechs Jahre jüngeren Körperfragment „Grand torse d’Adam“ von Emile-Antoine Bourdelle (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). In Deutschland weitgehend unbekannt ist Pablo Gargallo, in seiner Heimat Spanien zählt er zu den wichtigsten Bilderhauern der Moderne; für seine Bedeutung spricht die kubistisch aufgefasste Bronze „Petit cheval de cirque“ von 1932. Der posthume Guss aus dem Jahr 1975 ist für 30.000 bis 40.000 Euro zu haben.

Zeitgenössische Kunst

Da tut sich Germaine Richier im deutschen Sprachraum schon etwas leichter. Auf die große Bildhauerin des Existenzialismus macht nach Bern derzeit die Kunsthalle Mannheim aufmerksam. In der Versteigerung mit zeitgenössischer Kunst bei Sotheby’s ist sie mit zwei ihrer Zwitterwesen prominent vertreten, der Heuschrecken-Frau „La Mante – Grande“ von 1946 (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR) und dem ebenfalls schlanken „Don Quichotte“ von 1950/51, der eben aus zwei Baumästen emporzuwachsen scheint (Taxe 500.000 bis 600.000 EUR). Preislicher Höhepunkt der Abendauktion am 3. Juni ist indes Nicolas de Staëls große, querformatige „Composition“ grauer, gestaffelter und ineinander verzahnter Farbflächen von 1950, die mit einer Schätzung von 2,5 bis 3,5 Millionen Euro in die Spitzenliga der Staël-Preise aufsteigen will. Günstiger wird es bei ihm mit dem abstrakten Stillleben „Verre et pinceau“ vor schwarzem Hintergrund von 1954 mit 400.000 bis 600.000 Euro.

Bis auf wenige Ausnahmen, darunter Andy Warhols popiges Portrait „An American Lady: Kay Fortson“ im Quadrat von 1976 (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR) oder Sam Szafrans wirres, teils surreales „Atelier, rue de Crussol“ von 1968/71 (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR), ist der Katalog nur mit ungegenständlicher, zumeist gestischer Malerei bestückt. Mit Staël vergleichbar arbeitet Serge Poliakoff in seiner „Composition abstraite“ von 1964 aus bunten Farbpuzzleteilen (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR), während der Japaner Kazuo Shiraga 1969 die Farbe in wilden roten, weißen und ockerfarbenen Bahnen auf die Leinwand bringt (Taxe 1 bis 1,5 Millionen EUR). Mit asiatischen Wurzeln ist zudem der Chinese Zao Wou-Ki zugegen, der sich in den mit Datum betitelten Ölgemälden „16.4.62“ und „18.9.65“ in abstrakten Landschaftserinnerungen ergeht (Taxe 1 bis 1,5 Millionen und 350.000 bis 450.000 EUR). Auch bei Joseph Simas „Paysage gris ciel bleu horizontal“ von 1960 bleibt nur noch ein vager Eindruck einer Naturgegebenheit zurück (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Für die lyrische Abstraktion stehen zudem Cy Twomblys locker mit Kreide und Öl gekritzelte „Ides of March“ von 1962 (Taxe 2 bis 3 Millionen EUR) und Antoni Tàpies’ „Ovale gris-violet“ mit leichter ovaler Perforierung von 1958 (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Pierre Alechinsky geht da in seiner gleich hoch bewerteten „Paysage impressionné“ von 1959 kraftvoller und energischer vor. Während Roberto Matta in „Dimension démesurée (Soleil à qui sait réunir)“ von 1959 Formelemente ungestüm um einen Himmelskörper herumwirbeln lässt (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), baut Maria Helena Vieira da Silva 1969 ihre grau-weiße Leinwand „Tôt le matin“ tektonischer auf (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). Neben einer großen roten Farbfläche erkennt man in Miquel Barcelós Mischtechnik „Les Figues et l’Eau“ von 1986 auch wieder die im Titel genannten Gegenstände: einen Wasserkrug und einige Feigen (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR).

Kontakt:

Sotheby’s Paris

76, rue du Faubourg Saint-Honoré

FR-75008 Paris

Telefon:+33 (01) 53 05 53 05

Telefax:+33 (01) 47 42 22 32



02.06.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Amedeo Modigliani, Paul Alexandre vu de trois quarts, la main
 gauche dans le poche, 1909
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Amedeo Modigliani, Femme nue debout de trois quarts, 1908
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Amedeo Modigliani, Tête de cariatide surmontée d’architecture, 1913

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Amedeo Modigliani, Femme nue assise de trois quarts

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Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

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Amedeo Modigliani, Paul Alexandre vu de trois quarts, la main gauche dans le poche, 1909

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Taxe: 200.000 - 300.000 EURO

Zuschlag: 420.000,- EURO

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Pablo Gargallo, Petit cheval de cirque, 1932

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Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

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Emile-Antoine Bourdelle, Grand torse d’Adam, 1899

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Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 50.000,- EURO

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Amedeo Modigliani, Femme nue debout de trois quarts, 1908

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Taxe: 18.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 24.000,- EURO

Losnummer: 11

Félix Vallotton, Petite baigneuese assise sur le sable, 1911

Félix Vallotton, Petite baigneuese assise sur le sable, 1911

Taxe: 120.000 - 180.000 EURO

Losnummer: 47




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