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Das Architekturzentrum in Wien thematisiert das gerechte Bauen für eine bessere Welt

Think Global, Build Social



Emilio Caravatti, Matteo Caravatti und Sarah Trianni, Schule Djinindjebougou, Djinindjebougou, Mali, 2006-2007

Emilio Caravatti, Matteo Caravatti und Sarah Trianni, Schule Djinindjebougou, Djinindjebougou, Mali, 2006-2007

Konträr zum Anspruch der großen Stararchitekten, die mit immer neuen Superlativen Aufmerksamkeit erregen, lässt sich seit einigen Jahren ein Trend beobachten, der sich der Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung zeitgenössischer Architektur widmet. Laut UNO-Habitat steht aktuell zwei Milliarden Menschen weltweit kein menschengerechter Wohnraum zur Verfügung. Es stellt sich daher die drängende Frage, welche Lösungen die Architektur für jene Teile der Bevölkerung zu bieten hat, denen der Zugang zu einer gut gestalteten Umwelt derzeit verwehrt ist. Vor drei Jahren, kurz nach dem Zusammenbruch des Wohnungsmarktes in den USA, erfuhr die Ausstellung „Small Scale, Big Change. New Architectures of Social Engagement“ im New Yorker Museum of Modern Art große Beachtung. Sie setzte sich für ein Umdenken weg vom immer luxuriöseren Bauen und hin zum sozial Machbaren ein.


Nun machte sich das Architekturzentrum Wien (AzW) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Architekturmuseum Frankfurt an eine Neubearbeitung des Themas. „Think Global, Build Social“ lautet der Titel der ambitionierten Schau, die derzeit im Wiener Architekturzentrum zu sehen ist. Andres Lepik, der bereits die New Yorker Ausstellung kuratierte, entschied sich für Beispiele einer alternativen, sozial engagierten Architektur, die versucht, mit möglichst geringem finanziellen Aufwand, aber viel Eigeninitiative und Kreativität die Lebensbedingungen in weniger privilegierten Regionen der Welt zu verbessern.

Im Zentrum der Ausstellung stehen 22 internationale Projekte, die in den vergangenen zehn Jahren realisiert wurden. Sie alle werden nicht allein ästhetischen Ansprüchen gerecht, sondern haben den jeweiligen Ort, an dem sie errichtet wurden, nachhaltig verändert. Unter den Positionen finden sich die faszinierenden Schulbauten, die die ecuadorianischen Architekten von Al Borde Arquitectos mit einfachsten Mitteln und unter Mitwirkung der Bevölkerung aus Bambus und Stroh errichten ließen, und das von Peter Rich Architects entworfene Kultur- und Geschichtszentrum in Johannesburg, eine eindrucksvolle Ziegelsteinarchitektur, die sich mit ihren Gewölben wie eine Hügellandschaft in die Umgebung einbettet.

Weitere Bauten sind ein Zentrum für Frauen, das Hollmén Reuter Sandman Architects in Senegal bauten, oder ein Schulungszentrum für Zimtarbeiter in Thailand des norwegischen Büros Tyin Tegnestue Architects. Von dem in Burkina Faso geborenen, heute in Berlin lebenden Architekten Diébédo Francis Kéré stammt das Projekt „Schulbausteine für Gando“. Vorgestellt wird eine Schule in Kérés Heimatdorf Gando, für deren Errichtung er traditionelle Techniken und Materialien einsetzte und für die der Architekt mit dem renommierten Aga Kahn Award ausgezeichnet wurde. Quartier- und Sportzentren in dicht besiedelten Randgebieten großer Städte baut der in Zürich lehrende, meist aber in Südafrika lebende Österreicher Hubert Klumpner mit seinem Team Urban Think Tank. In einem Barrio von Caracas entstand auf engstem Raum eine Sportanlage mit übereinander gestapelten Hallen. Die Bewohner der Umgebung und die künftigen Nutzer wurden von Anfang an in den Planungsprozess einbezogen, um deren Gewohnheiten zu reflektieren.

Wie man in Europa unkomfortable Wohnhochhäuser attraktiv umbauen kann, zeigen die französischen Architekten Druot, Lacaton & Vassal. In Saint-Nazaire und Bordeaux erweiterten sie die Apartments großer Wohnblöcke aus den 1970er Jahren mit nur wenigen Eingriffen. Mittels Terrassen oder Balkonen erhalten die Wohnungen relativ kostengünstig mehr Raum und vor allem mehr Licht und werden dadurch lebenswerter. Ebenfalls in Frankreich agierten die Aktivierungsstrategen vom Atelier d’architecture autogérée, die in ihrem 2006 initiierten Projekt „Passage 56“ zusammen mit Bewohnern des 20. Pariser Arrondissements eine städtische Brache in eine ökologische Oase verwandelten. Alle Projekte, die die Ausstellung vorstellt, eint der Vorsatz, dass die Architekten und Initiativen sich lange vor Ort und mit einer in die Zukunft gerichteten Perspektive engagieren, die auch die Bevölkerung einbindet.

Thematisch sind die ausgewählten Bauten nach fünf Kapiteln geordnet: Material, Wohnen, Partizipation, Kultur und Design-Build-Programme, Projekte, die in Zusammenarbeit und unter praktischer Baubeteiligung von Studenten errichtet wurden. Ergänzt wird die Ausstellung im AzW durch ein weiteres Kapitel, das sich dem globalen Denken und sozialen Bauen mit österreichischer Beteiligung widmet. Der größte Anteil österreichischer Projekte stammt vom Verein s2arch, der 2004 vom Grünen-Politiker Christoph Chorherr gegründet wurde und inzwischen 42 Projekte in Südafrika realisiert hat.

Die Wiener Ausstellung überzeugt mit ihrer klaren und gleichzeitig kostensparenden Präsentation ebenso wie mit dem materialreichen, in Form einer Zeitschrift gestalteten Katalog. Es ist zu hoffen, dass die vorgestellte Thematik nicht allein als Nischentätigkeit für engagierte Architekten verstanden wird, sondern Auftakt zu einer grundsätzlichen Neubetrachtung der gesellschaftlichen Aufgaben und Möglichkeiten von Architektur sein könnte. Nicht zuletzt könnten auch die Studenten ein anderes Berufsbild kennenlernen. Denn wenn man beim Bauen selbst Teil eines Prozesses ist, hört das Einzelkämpfertum automatisch auf.

Die Ausstellung „Think Global, Build Social! – Bauen für eine bessere Welt“ ist bis zum 30. Juni zu sehen. Das Architekturzentrum Wien hat täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Zur Ausstellung erscheint eine Ausgabe der Zeitschrift „arch+“.

Kontakt:

Architekturzentrum Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 522 31 15

Telefax:+43 (01) 522 31 17

E-Mail: office@azw.at



27.05.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Emilio Caravatti, Matteo Caravatti und Sarah Trianni, Schule
 Djinindjebougou, Djinindjebougou, Mali, 2006-2007
Emilio Caravatti, Matteo Caravatti und Sarah Trianni, Schule Djinindjebougou, Djinindjebougou, Mali, 2006-2007










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