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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Zeitgenössische Kunst bei Christie’s in New York: die Milliarde ist bald voll

Rekorde, Rekorde, Rekorde



Dass die Milliarde angepeilt werden würde, war klar, dass es jetzt aber so schnell gehen würde, hätte man nun auch wieder nicht gedacht. Doch es scheint nur noch eine Frage der Zeit: Das New Yorker Auktionshaus Christie’s hat vom 12. bis 14. Mai zwar nicht mit einer einzigen Auktion, aber mit einer einzigen eng zusammenhängenden Auktionsserie genau 975.178.500 US-Dollar umgesetzt und damit ein Ergebnis erzielt, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellte und doch nicht völlig überraschend kam. Denn das Besondere hatte sich quasi angekündigt: dass es nämlich die Zeitgenossen werden würden, für die diese gigantischen Beträge bezahlt würden und die schon seit Jahren auf der Überholspur sind. Die klassischen Modernen dagegen landeten diesmal wirklich abgeschlagen – in beiden großen Auktionshäusern Christie’s in Sotheby’s waren die Resultate hier in diesem Frühjahr eher durchschnittlich.


Inzwischen scheint sich auch so etwas wie eine engere Gegenwartskunst herauskristallisieren zu wollen. Denn ob etwa die alten Abstrakt-Expressiven wie Pollock, Rothko & Co. wirklich noch zeitgenössisch sind, ist ja durchaus die Frage. Christie’s begann also sein Programm am Abend des 12. Mai nicht – wie sonst gern – mit einer großen Suite aus prominentem Privatbesitz, sondern mit Kunst junger bis ganz junger Künstler, die – Warhol, Kelley, Kippenberger und Basquiat mal ausgenommen – auch alle noch leben und nichtsdestoweniger schon einige Millionen auf dem Buckel haben. Die Rechnung der Auktion „If I live I’ll see you Tuesday“ ging glänzend auf, die 36 überwiegend für ein junges Publikum gedachten Arbeiten schlugen fast ausnahmslos an. Nicht weniger als vierzehn neue Auktionsrekorde kamen dabei heraus, unter anderem für alte Hasen wie On Kawara mit dem konzeptuellen Datumsbild „May 1, 1987“ in Schwarz-Weiß für 3,6 Millionen USD (Taxe 3 bis 4 Millionen USD), Thomas Schütte mit der Monumentalskulptur „Große Geister Nr. 6“ von 1996 für 4,6 Millionen Dollar (Taxe 3,5 bis 4,5 Millionen USD), Glenn Ligon mit dem hochformatigen Textbild „Untitled #1 (Second Version)“ samt Verweisen auf seine Identität als Schwarzer von 1990 für 2,2 Millionen Dollar (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen USD) und Richard Prince mit der „Nurse of Greenmeadow“, einer seiner Krankenschwestern von 2002, für 7,5 Millionen Dollar (Taxe 7 bis 9 Millionen USD).

Kaum dreißig, kratzt Alex Israel bereits an der Millionenmarke mit 850.000 Dollar für sein über vier Meter breites Kitschhimmelsbild „Sky Backdrop“ von 2012 (Taxe 200.000 bis 300.000 USD). Der nur wenig ältere Dan Colen hat diese Grenze nun überschritten und platzierte sich mit 2,6 Millionen Dollar für das nach Zeichentrickfilmvorlagen in Öl gemalte, leicht surreal anmutende Kerzenstillleben „Boo Fuck’n Hoo“ von 2006 deutlich höher (Taxe 2 bis 3 Millionen USD). Der 1975 geborene Joe Bradley, den unter anderem Saatchi in seinem Programm hat, reüssierte mit der abstrakten Komposition „Blonde“ von 2011 bei 800.000 Dollar (Taxe 500.000 bis 700.000 USD). Runde 3 Millionen Dollar genau in der Mitte der Schätzung erzielte Wade Guytons großformatiger Tintenstrahldruck „Untitled (Fire, Red/Black U)“ von 2005, dessen Rekord aber nur zwei Tage bis zur Auktion von Stoheby’s hielt. Der gleichaltrige Michael Riedel, deutscher Konzeptkünstler und ehemals Meisterschüler Hermann Nitschs an der Städelschule in Frankfurt, musste sich noch mit 250.000 Dollar für eine unbetitelte Kreis- und Balkenarbeit mit der immer wiederkehrenden Buchstabenfolge „td bgcolor“ begnügen; doch auch dies ist eine neue Höchstmarke (Taxe 80.000 bis 120.000 USD).

Selbst der Mittzwanziger Louis Eisner steht bereits auf der Liste der internationalen Stars. Sein „Big Head (Void)“, eine abstrakte graue wolkige Leinwand à la Richter oder Graubner, erreichte wie alle anderen genannten Werke ebenfalls einen neuen Auktionsrekord, was angesichts der geringen Anzahl seiner bislang auf diesem Wege verkauften Werke nicht ungewöhnlich ist. Stattlich ist allerdings der Preis von 110.000 Dollar (Taxe 40.000 bis 60.000 USD). Den Höchstpreis der Session räumte aber Martin Kippenberger ab. Sein Selbstbildnis als nur in Unterhose bekleidete, beleibte Sitzfigur mit durch einen blauen Luftballon verhängtem Gesicht von 1988 steigerte sich von 9 bis 12 Millionen Dollar auf starke 16,5 Millionen Dollar. Dahinter folgte bei 10,5 Millionen Dollar Peter Doigs unwirklich schillernde Vorstadtlandschaft „Road House“ von 1991 – auch dies ein neuer Auktionsrekord (Taxe 9,5 bis 11,5 Millionen USD).

Den Löwenanteil an der knappen Milliarde hatten mit fast 745 Millionen Dollar aber trotzdem die „Alten“ zeitgenössischen Meister am Abend des 13. Mai. Hier kamen so viele Zigmillionenwerte heraus, dass die Top Ten-Liste bei 21 Millionen Dollar für Christopher Wools Schriftbild „If You“ von 1992 schon endete (Taxe 20 bis 30 Millionen USD). Die übrigen lassen sich teilweise nur aufzählen: 26 Millionen Dollar für Gerhard Richters graublau irisierendes „Abstraktes Bild Nummer 712“ von 1990 (Taxe 22 bis 28 Millionen USD), 30 Millionen Dollar für Jeff Koons’ mit Bourbon gefüllten Güterzug „Jim Beam – J.B. Turner Train“ aus silbern glänzendem Edelstahl von 1986 – man nahm diese Werte auch in New York regelrecht gelassen zur Kenntnis (Taxe 25 Millionen USD). Neue Auktionsrekorde waren damit nicht verbunden, nicht einmal mit den 31 Millionen Dollar, die Jean-Michel Basquiats wildes Portrait des Boxers Muhammed Ali als zorniger nackter Rebell mit Krone aus dem wichtigen Jahr 1981 einbrachte (Taxe 20 bis 30 Millionen USD). Doch immerhin mit der Papierarbeit eines nicht minder grimmigen Kopfes von 1983 konnte Basquiat bei 6,5 Millionen Dollar eine zumindest medienbezogene Höchstmarke aufstellen (Taxe 6 bis 8 Millionen USD).

Als stark erwiesen sich einmal mehr die abstrakten Expressionisten, zwei der drei höchsten Beträge gingen in diese Richtung: Rekordträchtige 75 Millionen Dollar räumte Barnett Newmans schwarz-weißes Vertikalstreifenbild „Black Fire I“ von 1961 ab (Taxe 50 Millionen USD), 59 Millionen Dollar – kein Rekord – schaffte Mark Rothkos unbetiteltes Farbfeldbild in Violett und schwer definierbarem Schwarz-Rot auf gelb-orangefarbenem Grund von 1952 (Taxe 40 bis 60 Millionen USD). Clyfford Still war mit seiner farblich an Spaghettieis erinnernden Nummer „PH-1033“ aus dem späten Jahr 1976 bei 15,5 Millionen Dollar dabei (Taxe 15 bis 20 Millionen USD). Manchmal war man aber auch vor Enttäuschungen nicht gefeit, etwa bei Jackson Pollocks ebenfalls schwarz-weiß gehaltener, surreal-abstrakter „Number 5, 1951“ mit dem Untertitel „Elegant Lady“, die statt 12 bis 18 Millionen Dollar nur 10 Millionen Dollar einspielte. Nicht zuletzt der deutsche Energieriese E.ON, aus dessen Kunstsammlung das Werk stammte, dürfte sich gewundert haben. Das Bild wurde sogar von einer 1960 geschaffenen wilden Abstraktion von Joan Mitchell überholt, die mit 10,5 Millionen Dollar der 1992 verstorbenen Künstler eine neue Höchstmarke bescherte.

Fast enttäuscht schien man auch vom Ausgang der Versteigerung der „Three Studies for a Portrait of John Edwards“, die Francis Bacon gegen Ende seines Lebens 1984 von seinem letzten Favoriten angefertigt hatte. Die drei jeweils knapp zwei Meter hohen Ganzfigurenbilder des auf einem Barhocker sitzenden Mannes sollten wohl so um die 75 Millionen Dollar bringen, endeten aber schon bei 72 Millionen Dollar. Auch Bacons Aktinterieur „Figure Turning“ von 1962 verließ schon zur unteren Schätzung von 20 Millionen Dollar den Saal. Umso heftiger wurde um Andy Warhols „White Marilyn“ gerungen, die mit ihrer Entstehung 1962 ganz am Anfang der Pop Art steht. Großgalerist Larry Gagosian nahm wohl recht gern die Summe von 36,5 Millionen Dollar für das auf 12 bis 18 Millionen Dollar geschätzte, eher kleinformatige Stück entgegen. Denn kurz vorher hatte er bereits Warhols farbig überarbeiteten rassendiskriminierenden Zeitungsausschnitt „Race Riot“ von 1964 erworben und dafür 56 Millionen Dollar auf den Tisch blättern müssen (Taxe 50 Millionen USD).

An den Anfang der Auktion hatten die Experten eine Reihe älterer Arbeiten aus der Kollektion des Industriellen- und Sammlerehepaares Lindy and Edwin Bergman gestellt, die teilweise noch aus dem früheren 20. Jahrhundert stammten. Der irgendwo zwischen Konstruktivismus und Surrealismus anzusiedelnde Joseph Cornell gehörte ganz erkennbar zu ihren Favoriten, wurde mit seinen setzkastenartigen poetischen Schöpfungen mehrmals aufgerufen und kam damit auf bis zu 6,8 Millionen Dollar für die „Medici Slot Machine“ von 1943 (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen USD). Ziemlich gut schloss auch Alexander Calders „Poisson volant“ von 1957 aus schwarzem Stahl ab: Auf den Rekord von 23 Millionen Dollar verdoppelte sich der Preis für das Mobile eines fliegenden schwarzen Fisches. Als dritten Rekordhalter hatte die Bergman Collection noch Lucas Samaras mit seiner „Box #102“ aus dem Jahr 1977 zu bieten. Die bunte, mit Farbstiften gefüllte und bemalte sowie mit Papier collagierte Holzschatulle, die ihr Äußeres mit unzähligen Stecknadeln zu verteidigen weiß, spielte 230.000 Dollar ein (Taxe 80.000 bis 120.000 USD).

Eine weitere hochkarätige Sammlung war die des Geschäftsmanns Philip Schrager, die mit Willem de Koonings wilder Farbschmiererei „Untitled XXXI“ von 1977 für 18,75 Millionen Dollar (Taxe 8 bis 12 Millionen USD) und minimalistischen Arbeiten von Brice Marden und Robert Ryman im mittleren einstelligen Millionenbereich vor allem wieder Abstraktes zu bieten hatte. Bei den Zigmillionenpreisen fielen manche Rekorde dann kaum mehr ins Gewicht, etwa die 3,6 Millionen Dollar für Robert Gobers klinisch reine Wandskulptur eines Waschbeckens unter dem Titel „The Silent Sink“ von 1984 (Taxe 2 bis 3 Millionen USD), die 1,2 Millionen Dollar für Salvatore Scarpittas sich kreuzende ockerfarbene Stoffbandagen „The Corn Queen“ von 1959 (Taxe 600.000 bis 800.000 USD) oder die 1,5 Millionen Dollar für Martin Puryears wundervoll schlichte Wandarbeit einer hölzernen senkrechten Schlaufe von 1989 (Taxe 600.000 bis 800.000 USD).

Auch die Kunst deutscher Maler wurde eher geschäftsmäßig abgehandelt, so die 7,5 Millionen Dollar für Sigmar Polkes Punkterasterbild „Familie II“ von 1966 (Taxe 7,5 bis 9,5 Millionen USD), die 1,4 Millionen Dollar für Gerhard Richters fotorealistisch-verschwommene Malerei einer gleichaltrigen „Säbelantilope“ (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen USD) oder die 900.000 Dollar für Martin Kippenbergers Abstraktion „Nieder mit Casablanca vierfach signiert“ von 1984 (Taxe 700.000 bis 1 Million USD). Dass Anselm Kiefers fast sechs Meter breite Materialschlacht „Beschwert sind die östlichen Himmel mit Seidengewebe“, eine Landschaft nach einem Gedicht Paul Celans von 2004, bei 2 bis 3 Millionen Dollar dann überhaupt keinen Abnehmer fand, gleicht schon einer Sensation.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s Rockefeller Center

20 Rockefeller Plaza

US-10020 New York

Telefon:+1 (212) 6362000

Telefax:+1 (212) 6362399

E-Mail: info@christies.com



23.05.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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