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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Zeitgenössische Kunst im Wiener Dorotheum – zumindest eine Million ist drin

Lasst Glitzerstaub rieseln!



Man müsste ja eigentlich vor Neid erblassen, wenn man aus deutschsprachigen Landen hinüber nach Amerika schaut und sieht, welche Zigmillionenbeträge dort für einzelne Kunstwerke der zeitgenössischen Kunst in Serie auf den großen Auktionen in New York herausspringen. Da werden für die Ersteigerer Auktionsgebühren fällig, in die hierzulande ganze Gegenwartskunstauktionen mitunter mehrfach hineinpassen. Doch es hilft nichts, die dicken Fische schwimmen einfach über den Großen Teich, und Europa muss sich mit den kleineren begnügen. Doch zumindest einstellige Millionenpreise sind auch auf den hiesigen Frühjahrsversteigerungen für zeitgenössische Kunst drin, und vielleicht klappt es damit ja auch mal für ein einzelnes Objekt.


So schickt sich das Wiener Dorotheum in seiner kommenden Versteigerung an, im besten Fall ein rundes Milliönchen für ein „Concetto Spaziale“ Lucio Fontanas aus dem Jahr 1957 zu erlösen, bei dem der Meister die Leinwand ganz in Schwarz bedeckte, dann ein wenig Gelb drüberstreute, ein paar Löcher hineinbohrte und schließlich noch Glitzerstaub rieseln ließ. In sein großes Konzept der Raumkunst, der Befreiung der Malerei von der zweidimensionalen, begrenzten Fläche, das er in der unmittelbaren Nachkriegszeit in mehreren Manifesten niederlegte, ist dieses Werk stilistisch einzuordnen, auf dessen Etikett ein Schätzpreis von 700.000 bis 1 Million Euro steht.

Fontana und weitere Wahl- oder Heimatitaliener bilden auch sonst einen großen Schwerpunkt auf der Veranstaltung am 20. Mai. Sie gehörten ja in der Nachkriegszeit zu den originellsten Vertretern der weltweiten Avantgarde mit ihren Leinwänden, die nicht mehr nur – und manchmal eigentlich gar nicht richtig – bemalt sind, sondern sich durch allerlei Eingriffe in die Tiefe oder Höhe auszudehnen hatten. Paolo Scheggi war da einer der jüngsten, 1940 geboren und schon 1971 wieder von dieser Welt geschieden. Gleichwohl hinterließ er ein beachtliches Œuvre, aus dem das Dorotheum mit den jeweils dreischichtigen Leinwandobjekten „Zone Riflesse“ von 1965 in Weiß mit ovalen Öffnungen (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR) und der Rhombenform „Intersuperficie curca“ von 1966 in Schwarz gleich zwei repräsentative Arbeiten zu präsentieren vermag (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Vergleichbar arbeitete Dadamaino, die eigentlich Eduarda Maino hieß, wenn sie 1958 drei vertikale Lochreihen in eine schwarze Leinwand bohrte (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR) oder 1960 in der ebenfalls mit „Volume“ betitelten weißen Leinwand zwei große eiförmige Öffnungen ausschnitt (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Der ebenfalls 1930 geborene Enrico Castellani ist nicht weniger bezeichnend für diese Epoche, er spannte seine meist monochromen Stoffe auf Holzgitter, die sich von hinten in die eigentlich ebene Fläche bohren. „Superficie grigia“ ist eines dieser Werke, datiert 1991 und auf genau einem Quadratmeter sich erstreckend (Taxe 180.000 bis 280.000 EUR). Ganz ähnlich der im vergangenen Jahr verstorbene Agostino Bonalumi mit einem horizontal strukturierten „Bianco“ samt diagonaler Einkerbung für 80.000 bis 120.000 Euro. Als Bildhauer hat sich Arnaldo Pomodoro in dieser Zeit für Erhebungen und Vertiefungen interessiert und sie in seiner Bronze „Scatola“ 1960/61 stark rhythmisiert (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Auch Lucio Fontana selbst ist noch mehrmals mit von der Partie, unter anderem mit einem weiteren seiner in den Raum ausgreifenden Stücke aus dem Jahr 1955. Hier streute er einige Steine auf eine Leinwand, durchlöcherte sie und färbte das Ganze überwiegend schwarz ein (Taxe 550.000 bis 750.000 EUR). Weitere Italiener sind Giuseppe Capogrossi mit seinem „Superficie“ Nummer 718 von 1950/51, auf dem sein charakteristisches gabelförmiges Zeichen unter dicken schwarzen Übermalungen fast verschwindet (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), und Alberto Burri, der 1954 einige farbige oder bemalte Stofffetzen und etwas Goldblatt zu einer kleinen, aber feinen poetischen Komposition von nur 22 Zentimetern Breite zusammenstellte (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Überhaupt geht es sehr mediterran zu auf dieser Auktion. Aus aller Herren Länder um das schöne Meer herum kommen die Künstler, aus Spanien etwa Luis Feito mit einer pastosen dunklen Malerei „No 111“ von 1959, die mit ihren Erhebungen an eine Mondlandschaft erinnert (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), aus Griechenland Jannis Spyropoulos mit der wieder ganz informell anmutenden, tektonisch geschichteten Leinwand „Alfios“ in Braungelb-Tönen (Taxe 45.000 bis 65.000 EUR) oder aus Libyen der freilich italienischstämmige Mario Schifano mit „Boccioni 1“, das 1966 mit einer kopflosen Männergestalt und dem Namenszug auf die italienischen Futuristen der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg rekurriert (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Auch Jannis Kounellis hat sich mit seinem weißen Karton „Segnali“ von 1960 eingefunden, auf dem er den Betrachten dreimal den Buchstaben „S“ in Schwarz signalisiert (Taxe 24.000 bis 32.000 EUR).

Etwas konservativere Naturen, die sich eher die klassische Malerei erwärmen können, werden sich vielleicht für Ilya Kabakov interessieren. Sie müssen freilich damit rechnen, dass sich ihnen die Bedeutung seines „Mädchens mit Waage, 1972“ aus dem Jahr 2002 nicht unmittelbar erschließt. Ist der 1933 geborene Russe doch ein Meister der im Gewand altmeisterlicher Technik verborgenen Konzeptkunst (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Yan Pei-Ming gibt sich in seinem „Invisible Man“ von 1997 ebenfalls als ein zunächst der Tradition verpflichteter Ölmaler zu erkennen, der den Betrachter mit einem vorerst ganz abstrakt erscheinenden und nur bei näherem Hinsehen aus dem Schwarz-Weiß sich herausschälenden Kopfbildnis konfrontiert (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR).

Unverwechselbar eine Schöpfung des gebürtigen Iren Sean Scully sind die längs und quer gestapelten rechteckigen Farbbahnen in dem 1992/96 datierten Großformat „Lucia“, das er diesmal vornehmlich in grauen und beigefarbenen Tönen gehalten hat (Taxe 600.000 bis 900.000 EUR). Ferner stehen einige Berühmtheiten der Pop Art parat, Andy Warhol beispielsweise mit dem Siebdruck einer mittelgroßen „Marilyn“ von 1967 in schreiendem Grün-Gelb-Rot, eines von 250 Exemplaren (Taxe 75.000 bis 90.000 EUR), oder der Umrisszeichnung von Lesley Frowick, im späten Lebensjahr 1985 mit Grafitstift zu Papier gebracht (Taxe 42.000 bis 48.000 EUR), und Tom Wesselmann mit dem in Emaillack gefassten Aluminiumschnitt des Frauenaktes „Monica in half slip“ auf weit überlebensgroßem Zwei-Meter-Breitformat von 1986 für 150.000 bis 250.000 Euro. Eine Art Popsurrealismus aus amerikanischen Mythen, Alltagsszenen, Comic- und Filmfragmenten entwickelte ab den 1950er Jahren William Nelson Copley, wofür seine Malerei zweier überlagerter Szenen aus dem Jahr 1989 steht (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Auf die Alltagswelt bezogen sich auch die Künstler des Nouveau Réalisme, etwa Arman, der 1966 in „Hay Pierrot!“ eine zertrümmerte Gitarre in Kunststoff eingegossen hat (Taxe 85.000 bis 120.000 EUR). Yves Klein steuert ein kleines Objekt bei, den im typischen tiefdunklen Blau getränkten Schwamm, den er auf einem Metallstab als „Eponge bleue“ präsentiert (Taxe 75.000 bis 95.000 EUR). Konzeptkunst par excellence sind die Zahlenreihen Roman Opalkas, mit denen er den Lauf der Zeit in seinem Leben sichtbar machte. Das Dorotheum kann aus diesen unendlich gedachten Reihen das Detail 2875545 bis 2878714 in Tusche auf Papier für 35.000 bis 45.000 Euro anbieten. Zeichnerischen Minimalismus gibt es auch von Sol LeWitt in einem Blatt vom 6 Juli 1972, dessen Titel genau beschreibt, was der Künstler gemacht hat: „Straight lines from the left side and not straight lines from the top“ (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR).

Bemerkenswert geringen Anteil am Hochpreissegment haben auf dieser Auktion die Deutschen und Österreicher. Immerhin besteht die Chance, dass sich dadurch vielleicht die Aufmerksamkeit für Ludwig Wilding erhöht, einen wenig bekannten Vertreter der hierzulande ja ohnehin nicht allzu ausgeprägt gepflegten Op Art, der 1927 im pfälzischen Grünstadt zur Welt kam und 2010 in Buchholz bei Hamburg starb. Über ein schwarz-weißes, schachbrettartiges Muster hat Wilding 1962 in engsten Abständen zahlreiche Kunststoffschnüre gespannt, so dass sich dem Betrachter ein für die Augen auf Dauer schwer zu verkraftendes optisches Verwirrspiel bietet (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Zum hundertsten Geburtstag im vergangenen Februar gratulieren die Bieter Karl Otto Götz hoffentlich mit 70.000 bis 100.000 Euro für das informelle „Chytt“ aus dem Jahr 1959. Thomas Scheibitz scheint sich in seiner Leinwand „GP 62“ von 2003 der italienischen Avantgarde anschließen zu wollen; doch ist das Loch darauf nicht ausgeschnitten, sondern nur gemalt (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).

Ungegenständliches dominiert auch die österreichische Spitzenofferte, unter anderem eine weitgehend monochrome Leinwand ohne Titel von Heimo Zobernig, bei der nur die Schmalseiten des Keilrahmens blau bemalt sind (Taxe 45.000 bis 60.000 EUR), oder Altmeister Josef Mikl mit einer „Landschaftsebene mit Blau“ von 1985/86 auf drei mal zwei Metern für 40.000 bis 60.000 Euro. Letzteres Bild könnte von Arbeiten des knapp eine Generation älteren Max Weiler inspiriert sein, der selbst die Naturerinnerung „2 Ockerberge“ von 1974 beisteuert (Taxe 80.000 bis 130.000 EUR). Entfernt an eine Landschaft mit schneebedeckten Bergen über grüner Au erinnert zudem eine unbetitelte Leinwand Herbert Brandls aus dem Jahr 2003. Auch diese ist riesig: Fünf Meter misst das Werk in der Breite, die Hälfte in der Höhe (Taxe 100.000 bis 130.000 EUR). Eine nette Rechenaufgabe mit verschiedenen geometrischen Quadratkästchen hat Günter Brus 1971 seinem Kollegen Otto Muehl gewidmet, der selbst mit der Leinwand „AA Parabel. Kinderaufwachsen“ von 1976 präsent ist. Hier hat er programmatisch seine linken Ideen zur Kindeserziehung aus der Kommune „AAO: Aktionsanalytische Organisation“ einem konservativen Erziehungsstil gegenüber gestellt (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Ob er sich selbst immer so daran gehalten hat?

Die Auktion beginnt am 20. Mai um 18 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog listet die Objekte unter www.dorotheum.com.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



16.05.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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20.05.2014, Zeitgenössische Kunst

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