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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Impressionisten und Moderne mit guten, aber wenigen überragenden Ergebnissen bei Sotheby’s in New York

Nicht alle Frauen überzeugten



Die Frauen hatten das Sagen in der Abendversteigerung von Impressionisten und klassischer Moderne bei Sotheby’s in New York – zwar nicht was den Schöpfer, aber wohl doch was die thematische Wahl angeht. Kein anderes Sujet kam so häufig vor, wie das Frauenbild. Weder die Landschaft noch das Stillleben, die anderen beiden Hauptgattungen der Auktion, ragten zahlenmäßig an die Beschäftigung mit dem anderen Geschlecht vor allem bei den Künstlern der Moderne heran. Von den dreizehn Kunstwerken, die allein von Pablo Picasso in der Auktion versammelt waren, hatten neun mit der holden Weiblichkeit zu tun. Man hätte sich geradezu eine Bildergalerie seiner verschiedenen Frauen und Geliebten zusammenstellen können. Schon mit dem ersten Los der Veranstaltung ging es los. Auf Picassos schwarz-weißem Gemälde „Composition avec femme aux cheveux mi-longs“ vom 21. Januar 1930 lassen sich zwar verzogen dargestellte Gestalten gerade noch ausmachen; dass es sich bei dem Gesicht mit dem strähnigen Pagenschnitt in der rechten Bildhälfte aber um Marie-Thérèse Walter handelt, hatte ihr Geliebter nur verschlüsselt dargelegt: In den Umrissen des Kopfes lassen sich ihre Initialen „M T“ lesen.


Doch es geht noch weiter. Die spitzkantigen geometrischen Formen auf der linken Seite entschlüsseln die Experten als bedrohliches Profil von Picassos damaliger Ehefrau Olga, und in der Bildmitte turnt ein gelenkiger „Akrobat“, der als Alter Ego für Picasso selbst steht und zwischen den beiden Frauen jonglieren muss. Soviel chiffrierte Liebesgeschichte des Jahrhundertmalers honorierten die Bieter mit einem satten Wertzuwachs. Angesetzt mit 900.000 bis 1,2 Millionen Dollar kletterte das Gemälde aus dem Nachlass des polnisch-schweizerischen Kunsthändlers Jan Krugier, der es direkt bei des Malers Enkelin Marina Picasso erworben hatte, auf 1,9 Millionen Dollar. Auch im Hauptwerk der Auktion, dem Siebenpersonenstück „Le Sauvetage“ von 1932, hatte Pablo Picasso seine große Geliebte Marie-Thérèse versteckt. Auch um diese Strandszene mit Ballspielern, Schwimmern und der Rettung eines Ertrinkenden gab es einiges Gerangel bei Sotheby’s, bis ein amerikanischer Sammler bei 28 Millionen Dollar die Oberhand behielt und damit die untere Schätzung wie auch den Wert von 13,2 Millionen Dollar des letzten Auktionsauftritts im Mai 2004 verdoppelte.

Noch weitere Male trat Marie-Thérèse Walter auf. Mit ihrem typischen Profil gab sie sich in dem „Portrait de Marie-Thérèse“ von 1932 leicht zu erkennen und überzeugte die Kunden, für das pastellfarbene Gemälde 4,2 Millionen Dollar zu spendieren (Taxe 3 bis 4 Millionen USD). Das gelang ihr bei dem knolligen „Tête de Marie-Thérèse“ in kräftigen Konturlinien und starkfarbigen Feldern dann nicht mehr. 15 bis 20 Millionen Dollar für Picassos Werk von 1932/34 waren dann einfach zuviel. Auch die anderen Frauen in Picassos Leben taten sich schwer: Weder die etwas großmütterliche Erscheinung von Françoise Gilot mit Haarknoten in einem Korbsessel von 1953 (Taxe 8 bis 12 Millionen USD), noch Jacqueline Roque in „Femme assise dans une fauteuil, buste“ vom Mai 1963 stießen bei den Bieter auf Gefallen (Taxe 7 bis 9 Millionen USD). Erst ihre abstrahierte Gestalt in „Femme dans un rocking-chair“ mit den langen schwarzen Haaren brachte wieder Leben in den Auktionssaal und verabschiedete sich bei 5,5 Millionen Dollar (Taxe 2 bis 3 Millionen USD). Neben den Frauenbildern hatte Picasso noch das helle frühe kubistische Stillleben „Guitare, verre, bouteille de Vieux Marc“ von 1912 für 4,65 Millionen Dollar (Taxe 5 bis 7 Millionen USD) oder den düsteren Nachfolger „Vase de fleurs et compotier“ von 1943 für 6 Millionen Dollar zur oberen Schätzgrenze zu bieten.

Die Zustimmung zu den Frauen war auch bei den andern Künstlern der Auktion gemischt. So durften sich die beiden jungen trainierenden Balletteusen in „Deux danseuses assises“ von Edgar Degas aus dem Jahr 1896 über taxgerechte 4,5 Millionen Dollar freuen, während ihre älteren, etwas verkniffen blickenden Kolleginnen bei der „Conversation“ von 1895 wieder ihre Heimreise antreten mussten (Taxe 3,5 bis 5 Millionen USD). Marc Chagalls nackte „Danseuse“ auf einer frühen Gouache aus dem Jahr 1911, mit Krugier-Provenienz ausgezeichnet, erreichte 650.000 Dollar (Taxe 400.000 bis 600.000 USD). Etwas höher lagen die Werte dann wieder bei Henri Matisse. Sein Interieurbild mit einer lesenden „Femme en jaune“ vor bunter blumengeschmückter Tapete aus dem Jahr 1923 spielte 7,5 Millionen Dollar ein (Taxe 9 bis 15 Millionen USD), und auch des Meisters Assistentin Henriette Darricarrère beim Malen im Atelier in Südfrankreich blieb mit 17 Millionen Dollar unter den anvisierten 20 bis 30 Millionen Dollar hängen.

Die Frauen von Alberto Giacometti bereiteten dann weniger Probleme und spielten die jeweiligen Erwartungen ein, die einzeln stehende, überlängte „Femme de Venise V“ von 1956/58 aus der Sammlung Krugier 7,7 Millionen Dollar (Taxe 6 bis 8 Millionen USD), die mit 52 Zentimetern Höhe halb so große „Nu debout“ von 1955/64 gute 5,2 Millionen Dollar (Taxe 3,5 bis 4,5 Millionen USD) und die mit dem Entstehungsjahr 1962 späte Büste „Annette IV“ 2,9 Millionen Dollar (Taxe 3 bis 5 Millionen USD). Daneben trat Giacometti aber auch mit vier Männern an, die er als kleine, vereinzelte Figuren auf einer leeren Fläche um eine fest verwurzelte Frau laufen ließ. „La Place“, die erste mehrfigurige Arbeit aus dem Jahr 1948, wanderte für 11,5 Millionen Dollar nach Asien ab (Taxe 12 bis 18 Millionen USD). In der Gattung Skulptur redeten noch Auguste Rodins Standbild der nackten, schamhaft in sich verschränkten „Eva“ aus den Jahren 1900/01 bei 4,2 Millionen Dollar (Taxe 4 bis 8 Millionen USD) und Jacques Lipchitz’ kubistisch abstrahierte Marmorfigur „Femme Assise“ von 1916/71 bei 800.000 Dollar mit (Taxe 600.000 bis 800.000 USD).

Bezaubern konnte Amedeo Modiglianis schnell auf die Leinwand gebrachte „Jeune femme à la collerette“. Bei dem Gemälde von 1915 sprangen 2,1 Millionen Dollar heraus (Taxe 1 bis 1,5 Millionen USD). Lumpen ließen sich zudem nicht die beiden ausschintthaften weiblichen „Deux figures et une fleur“ auf einer Leinwand Fernand Légers aus dem Jahr 1949 mit 5,5 Millionen Dollar (Taxe 3 bis 5 Millionen USD). Als seltener Gast auf Abendauktionen betrat der 1841 in Venedig geborene Federico Zandomeneghi, der seit 1874 in Paris lebte und sich dort den Impressionisten anschloss, in New York das Parkett und musste sich mit seiner ins Gras hingestreckten „Femme allongée“ in raffiniertem Kolorit aus Violett, Weiß und Grün auch nicht verstecken. Das um 1890 gemalte Werk erreichte mit 760.000 Dollar den Taxrahmen.

Mit 2,3 Millionen Dollar konnte die unterkühlt und monumental ins Bild gerückte „La Dormeuse (Kizette) I“ von Tamara de Lempicka aus dem Jahr 1933 ihre Erwartungen von 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar dann nicht ganz erfüllen, ebenso Pierre-Auguste Renoirs junger Halbakt bei der „Toilette“ am bunt schillernden Ufer eines Gewässers von 1885 mit 3 Millionen Dollar (Taxe 4 bis 6 Millionen USD). Überhaupt keine neuen Freunde fanden Pierre Bonnards 1909 datierter Akt „Femme à la commode“ (Taxe 3 bis 5 Millionen USD) und Joan Mirós „Femme, oiseau“ aus dem Jahr 1972, während eine weitere dieser halb surrealen und halb kindlichen Figurenkompositionen aus dem Nachlass der 2012 verstorbenen Diane Bouchard 7 Millionen Dollar einheimste (Taxe je 4 bis 6 Millionen USD). Zur Auktion gelangte Alexej von Jawlenskys fauvistisch angehauchtes Frauenbildnis gar nicht erst. Das Gemälde von circa 1912/13 war zurückgezogen worden.

Und welcher Nicht-Frauen-Maler trug zum Ergebnis der Auktion von 219 Dollar und damit 77 Prozent der Schätzpreissumme bei? An erster Stelle ist hier Claude Monet zu nennen. Das dichte, fast schon abstrakte Farbgewirr seines Gartens in Giverny mit dem „Pont japonais“ von 1918/24 beeindruckte zu 14 Millionen Dollar (Taxe 12 bis 18 Millionen USD), ebenso seine diesige Küste „Sur la falaise à Pourville“ von 1882 zu 7,2 Millionen Dollar (Taxe 5 bis 7 Millionen USD) und seine unspektakuläre Ansicht der Fassade der „Cathédrale de Rouen“ von 1892 noch zu 3,4 Millionen Dollar (Taxe 2 bis 3 Millionen USD). Als impressionistischer Landschafter war zudem Alfred Sisley mit der duftig blauen Flussbiegung „Les Carrières à Veneux au soleil – le matin“ von 1880 bei 3,2 Millionen Dollar erfolgreich (Taxe 2 bis 3 Millionen USD), als fauvistischer Pierre Bonnard mit seinem weiten Blick über die „Paysage du Cannet“ um 1925 bei 1,7 Millionen Dollar (Taxe 1 bis 1,5 Millionen USD) und als expressionistischer Ernst Ludwig Kirchners mit der für die Davoser Zeit charakteristischen Bergwelt „Im Sertigtal“ in grün-violetter Farbigkeit von etwa 1925 bei 750.000 Millionen Dollar (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen USD). Aus Deutschland war zudem Max Beckmann mit seinem breitformatigen Stillleben „Frühstückstisch (blau)“ von 1934 für hohe 850.000 Dollar zugegen, der inhaltlich in Balthus und seiner „Nature morte“ mit Weinglas, Brot und Obstkorb bei 600.000 Dollar einen Partner fand (Taxen zwischen 350.000 bis 500.000 USD).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Sotheby’s New York

1334 York Avenue (at 72nd Street)

US-NY 10021 New York

Telefon:+1 (212) 606 70 00

Telefax:+1 (212) 606 71 07



15.05.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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07.05.2014, Impressionist & Modern Art Evening Sale

Bei:


Sotheby's

Bericht:


Picassos Frauen

Kunstwerk:

Federico Zandomeneghi, Femme allongée, um 1890
Federico Zandomeneghi, Femme allongée, um 1890

Kunstwerk:

Claude Monet, Sur la falaise à Pourville, 1882
Claude Monet, Sur la falaise à Pourville, 1882

Kunstwerk:

Alfred Sisley, Les Carrières à Veneux au soleil – le matin, 1880
Alfred Sisley, Les Carrières à Veneux au soleil – le matin, 1880

Kunstwerk:

Amedeo Modigliani, Jeune femme à la collerette, 1915
Amedeo Modigliani, Jeune femme à la collerette, 1915

Kunstwerk:

Ernst Ludwig Kirchner, Im Seritgtal, um 1925
Ernst Ludwig Kirchner, Im Seritgtal, um 1925

Kunstwerk:

Pierre-Auguste Renoir, La Toilette, 1885
Pierre-Auguste Renoir, La Toilette, 1885







Claude Monet, Sur la falaise à Pourville, 1882

Claude Monet, Sur la falaise à Pourville, 1882

Taxe: 5.000.000 - 7.000.000 USD

Zuschlag: 7.200.000,- USD

Losnummer: 10

Amedeo Modigliani, Jeune femme à la collerette, 1915

Amedeo Modigliani, Jeune femme à la collerette, 1915

Taxe: 1.000.000 - 1.500.000 USD

Zuschlag: 2.100.000,- USD

Losnummer: 62

Claude Monet, Le Pont japonais, 1918/24

Claude Monet, Le Pont japonais, 1918/24

Taxe: 12.000.000 - 18.000.000 USD

Zuschlag: 14.000.000,- USD

Losnummer: 28

Ernst Ludwig Kirchner, Im Seritgtal, um 1925

Ernst Ludwig Kirchner, Im Seritgtal, um 1925

Taxe: 800.000 - 1.200.000 USD

Zuschlag: 750.000,- USD

Losnummer: 56

Auguste Rodin, Eve, 1881

Auguste Rodin, Eve, 1881

Taxe: 4.000.000 - 8.000.000 USD

Zuschlag: 4.200.000,- USD

Losnummer: 26

Alfred Sisley, Les Carrières à Veneux au soleil – le matin, 1880

Alfred Sisley, Les Carrières à Veneux au soleil – le matin, 1880

Taxe: 2.000.000 - 3.000.000 USD

Zuschlag: 3.200.000,- USD

Losnummer: 9

Edgar Degas, Deux danseuses assises, 1896

Edgar Degas, Deux danseuses assises, 1896

Taxe: 3.000.000 - 5.000.000 USD

Zuschlag: 4.500.000,- USD

Losnummer: 42

Pierre-Auguste Renoir, La Toilette, 1885

Pierre-Auguste Renoir, La Toilette, 1885

Taxe: 4.000.000 - 6.000.000 USD

Zuschlag: 3.000.000,- USD

Losnummer: 44

Federico Zandomeneghi, Femme allongée, um 1890

Federico Zandomeneghi, Femme allongée, um 1890

Taxe: 700.000 - 1.000.000 USD

Zuschlag: 760.000,- USD

Losnummer: 11




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