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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Deutschlands prominentester Umschlagplatz für Bauideen würdigt mit einer attraktiven Geburtstagsschau seinen Spiritus Rector Heinrich Klotz

Deutsches Architekturmuseum feiert dreißigsten Geburtstag



Blick in die „Wunderkammer“ mit rund 140 von Heinrich Klotz erworbenen Gegenständen

Blick in die „Wunderkammer“ mit rund 140 von Heinrich Klotz erworbenen Gegenständen

Ohne das glühende Engagement Einzelner würden viele Institutionen nicht existieren. Als Walter Wallmann, Oberbürgermeister von Frankfurt, und sein Kulturdezernent Hilmar Hoffmann in den 1970er Jahren eine Kulturoffensive starteten, war Heinrich Klotz der richtige Mann zur rechten Zeit. Dem kongenialen Zusammenspiel der drei, insbesondere aber dem exzellent vernetzten und umtriebigen Marburger Kunstgeschichtsprofessor verdankt Frankfurt das seinerzeit erste Architekturmuseum überhaupt. Vor genau 30 Jahren, am 1. Juli 1984, konnte es eröffnet werden. Damals herrschte Aufbruchstimmung. Mit dem größten Kulturetat einer deutschen Stadt im Rücken schuf das Gespann Wallmann/Hoffmann ein Museumsufer. Neue Ausstellungshäuser wurden geschaffen und bestehende ausgebaut.


Der 1935 in Worms geborene und ab 1972 an der Uni Marburg Kunstgeschichte lehrende Klotz arbeitete zuvor als Gastprofessor an der amerikanischen Yale University. Hier in den Staaten beobachtete er den Umbruch in der Architektur weg von uniformer Eintönigkeit. Der polyglotte, umtriebige Akteur bewegte und polarisierte. Stets wagte er den Blick über Grenzen seines Metiers. Mit Charme und Charisma vertrat er seine Positionen. In Marburg engagierte er sich für den Erhalt der historischen Altstadt. 1977 rechtfertigte Heinrich Klotz in seinem Buch „Die röhrenden Hirsche der Architektur“ den Kitsch als Reaktion auf gleichförmige Nachkriegsbauten; den Begriff „Postmoderne“ erwähnte er noch nicht. In Amerika interviewte er zahlreiche Architekten und richtete dabei den Fokus auf ihre Erfahrungen vor aktuellem Hintergrund. Fast ständig sprach er Aufzeichnungen in sein Diktafon, nahm etwa 10.000 Dias auf. Zusammen mit präzisen Abfassungen dokumentierte der um die Welt mit Flugzeug, Diktiergerät und forschender Kamera jettende Klotz ein einzigartiges Panorama der zeitgenössischen Baukunst. Für das im Entstehen begriffene neue Architekturmuseum trug der „Vasari der Bewegung“ zahlreiche Objekte zusammen.

Seit 1977 mit dem Aufbau des Institutes befasst, präsentierte ihn die Stadt Frankfurt im Januar 1979 als neuen Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM). Bereits im August 1978 hatte die Main-Metropole die 1912 vom Architekten Fritz Geldmacher konzipierte Doppelvilla am Mainufer erworben. Nach Plänen Oswald Mathias Ungers wurde sie entkernt und gemäß der Konzeption eines „Hauses im Haus“ zum Museum umgebaut. Damals herrschten traumhaft anmutende Zustände: 250.000 Mark Ankaufsetat pro Jahr! Die Eröffnungsausstellung verkörperte ein Statement: „Die Revision der Moderne – Postmoderne Architektur 1960-1980“ wurde von der Kritik zerrissen, der weitaus mehr Beachtung findende Neubau hingegen überschwänglich gelobt. Vor allem mit den Diskussionen um die „Postmoderne“, die Klotz zusammen mit dem Londoner Charles Jencks und Römer Paolo Portoghesi gebar, löste er zahlreiche kontroverse Diskussionen aus. Fortan bildete das Frankfurter Haus mit Ausstellungen und Veranstaltungen die führende Architekturplattform im Land.

Mit der aktuellen Ausstellung würdigt das Deutschen Architekturmuseum seinen Gründungsdirektor und seine überragenden Rolle beim Aufbau des Instituts. Anlass dazu bieten die bisher unveröffentlichten und nun verschriftlichten Tonbanddiktate, auf denen er Details zur Errichtung des Gebäudes, zum Aufbau der Kollektion oder Begegnungen mit den wichtigsten Gegenwartarchitekten wie Frank O. Gehry, Hans Hollein, Rem Koolhaas, Richard Meier, Aldo Rossi oder Robert Venturi festhielt. In der Gartenhalle bringen Themenbereiche Klotz’ Wirken näher und stellen die Museumsbaugeschichte, das publizistische Wirken oder Ankäufe vor. Erstmals fand 1980 in Venedig eine Architekturbiennale statt – für Heinrich Klotz eine weitere willkommene Gelegenheit für Erwerbungen. Dazu gehörte ein raumgreifendes Pappportal von Thomas Gordon Smith. Als Teil der „Strada Novissima“ bietet es in schnulzig anmutenden, neubarock überladenen Formen einen weiteren markigen Verweis auf die Postmoderne.

Nun kommen bildende Künste und der Kunstmarkt ins Spiel. Trotz des Unverständnisses seitens der Kulturpolitik erwarb Heinrich Klotz genreübergreifend Bilder, Plastiken, Architekturtorsi und Designobjekte. „The Modern House of Believing or Not“, ein 1985 von Martin Kippenberger geschaffenes Gemälde mit dem Sujet des New Yorker Guggenheim Museums, erwarb Klotz im Folgejahr für 15.000 Mark. Heute ist es mit einer Million Euro versichert. 48.000 Mark kostete damals Christos „Wrapped Reichstag“. 6.500 Mark zahlte er für eine Zeichnung von Georg Baselitz, 4.000 Mark für ein Blatt von Markus Lüpertz. Ebenfalls 1985 kaufte Klotz Theo van Doesburgs Entwurf zu einem „Haus eines Künstlers“ für rund 27.000 Mark an.

Da ihm der Kulturausschuss nur bis 40.000 Mark eigenmächtige Ausgaben zubilligte, musste der Betrag für das Abendmahl-Triptychon des deutschen Malers Ben Willikens zu drei Tranchen von je 38.000 Mark aufgeteilt werden. 140 Objekte sind im Obergeschoss es Frankfurter Museums zu einer Art Wunderkammer aufgebaut, von der 1913 geschmiedeten kupfernen Kreuzblume des Woolworth-Building zu New York über ein 1935 für Hermann Görings Haus Carinhall gefertigtes Sofa im Stile des Diktatorenklassizismus bis hin zum „Volkssessel“ aus dem Jahr 1903 von Koloman Moser.

Ins Rollen brachte Heinrich Klotz den Kunstmarkt für Architekturkunstwerke. Zunächst gab es noch kein Händler- und Galeriesystem für diese Nische, zu sehr beschränkt war der Interessentenkreis aus wenigen Privatleuten und Instituten. Doch schnell bildete sich in den 1970er Jahren ein Spezialmarkt mit auf dieses Segment konzentrierten Händlern. Architekturausstellungen in Museen und Galerien beförderten eine schnelle Marktentwicklung. Klotz versuchte, den Markt zu umgehen, indem er direkt in Architekturbüros kaufte. In den 1980er Jahren erkannten Architekten die zusätzliche Einnahmequelle. Fortan vertrieben sie Zeichnungen nur noch über Galerien, die jetzt ein Syndikat bildeten. Der freie Markt für Architekturkunst verschwand, bis er schon recht bald wieder zusammenbrach.

Ein abschließender Bereich ruft Klotz’ Ausstellungen in Erinnerung, die immer von einem breit angelegten Diskurs geprägt waren. „Der Hang zur Architektur in der Malerei der Gegenwart“, so der Titel einer Präsentation im Jahr 1988, mag exemplarisch das weit übergeordnete Denken des Direktors versinnbildlichen. Daneben ruft eine Anzahl von Modellen seinen Einfluss bei Frankfurter Bauvorhaben in Erinnerung. Großen Anteil wird ihm an der Realisierung des Messetowers durch seinen Freund Helmut Jahn zugeschrieben. Rund ein Dutzend Modelle Frankfurter Museen stellen eindrucksvoll den maßgeblichen Einfluss des Museumsmannes vor.

Nach seinem letzten Arbeitstag am 31. März 1989 widmete er sich als erster Leiter des neuen Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe neuen Herausforderungen. In der Hauptstadt Badens verstarb der Umtriebige am 1. Juni 1999 im Alter von erst 64 Jahren. Die Rolle des DAM als zentrale Institution der Architektur in Deutschland haben alle seine Nachfolger adäquat unter veränderten Vorzeichen der Zeit originell wie engagiert weiterzuführen verstanden. Zu wünschen wäre dem Haus für die Zukunft vor allem Rückhalt und Wertschätzung seitens Verwaltung und Politik. Dabei geht es weniger um Sahnehäubchen als um die angemessene Gewichtung grundlegender gesellschaftlicher Aspekte. Architektur steht für essentielle Bedürfnisse der Menschen, geistige wie materielle. Da lohnt der Diskurs allemal.

Die Ausstellung „Mission: Postmodern – Heinrich Klotz und die Wunderkammer DAM“ ist bis zum 19. Oktober zu sehen. Das Deutsche Architekturmuseum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis zusätzlich 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Zur Ausstellung ist eine Sonderausgabe der Zeitschrift ARCHT+ Nr. 216 unter dem Titel „Klotz Tapes“ erschienen. Sie kostet an der Museumskasse 29 Euro.

Kontakt:

Deutsches Architekturmuseum

Schaumainkai 43

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 21 23 88 44

Telefax:+49 (069) 21 23 63 86



13.05.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Frei Otto, Lampenstudie für die Bundesgartenschau Köln, 1971
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Abbau der Nike in
 Linz, 1979
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Heinrich
 Klotz im Jahr 1988
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von Heinrich Klotz gesammelte Baufragmente aus New York
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Thomas Gordon Smith, Strada Novissima
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1935 für Hermann Görings Haus Carinhall gefertigtes Sofa
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Das rekonstruierte Direktorenzimmer des Architekturmuseums mit Möbeln des
 Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers
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in der Ausstellung „Mission: Postmodern – Heinrich
 Klotz und die Wunderkammer DAM“
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Frei Otto, Lampenstudie für die Bundesgartenschau Köln, 1971

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Abbau der Nike in Linz, 1979

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Thomas Gordon Smith, Strada Novissima

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1935 für Hermann Görings Haus Carinhall gefertigtes Sofa

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Das rekonstruierte Direktorenzimmer des Architekturmuseums mit Möbeln des Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers

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in der Ausstellung „Mission: Postmodern – Heinrich Klotz und die Wunderkammer DAM“

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Venturi and Short, Vanna Venturi House („Mother’s House“), Philadelphia 1964

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