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Vor 350 Jahren starb Francisco de Zurbarán. Das Bozar in Brüssel widmet dem zu unrecht weniger bekannten spanischen Barockmaler eine Ausstellung

Lichtgestalten aus der Finsternis



Francisco de Zurbarán, Agnus Dei, um 1635/40

Francisco de Zurbarán, Agnus Dei, um 1635/40

Wie von einem Spotlight bestrahlt steht der heilige Gregor der Große vor tiefschwarzen Wänden, die durch einen leichten Schattenwurf angedeutet sind. Monströs von der Tiara bekrönt, beugt er den Kopf leicht zur aufgeschlagenen Heiligen Schrift, die er in roten Handschuhen hält. Aber auch die füllige Pontifikalkleidung scheint den Kirchenfürsten zum leichten Bücken zu zwingen. Die vor der Brust zusammengehaltene Kasel imponiert durch über und über mit Goldfäden durchsetzten sowie Perlen bestückten Stickereien. Teils überdeckt von der purpurroten Stola entfaltet das hellweiße Untergewand ein dominantes Eigenleben. Vertieft sich der Betrachter in den Furchen von Fransen und Falten, verliert er sich rasch in eine Vielfalt von Abstufungen zwischen kaltem Kreideweiß bis geblichen Strohweiß. Dieser Kniff durchzielt mal mehr, mal weniger offensiv das Werkschaffen von Francisco de Zurbarán. Die aktuelle Ausstellung im Brüsseler Palais des Beaux-Arts unterstützt diese Imagination durch gezielte Spots in stark abgedunkelten Sälen bis zur bitteren Neige.


Neben dem 1626 für die Sakristei des Dominikanerkonvents St. Paul in Sevilla geschaffenen Schlüsselbild, das den Auftakt zu einer erhellenden Schau bildet, führen weitere großformatige Ölgemälde pointiert in wesentliche Charakteristika von Zurbaráns Malweise ein. Etwa zeitgleich schuf er für dasselbe Kloster ein Porträt des heiligen Dominikus. Zurbarán stellt ihn auf einer schräg im Bild inszenierten Malerei vor, gehalten und betrachtet von vier im Dreieck angeordneten Personen. Zum weiß abgetönten Spiel der Gewandfalten treten hellblasse Farben in den Gewändern hinzu, vor allem Rosa, Rot und Blau. Das Spiel mit den Abtönungen dieser vier bevorzugten Farben und der kulissenhaft anmutende Aufbau der Bilder lässt ans Theater denken, wo gleichfalls Tiefe suggeriert wird. Dies gilt auch Zurbaráns die Lichtinszenierung, mit denen er die Gestalten plastisch hervortreten lässt.

Überragender Auftraggeber Zurbaráns war die katholische Kirche, vertreten hauptsächlich durch Orden und Klöster, die ihm schon recht früh wichtige großformatige Arbeiten anvertrauten. Profane Malerei, darunter Stillleben oder Porträts, schuf er nur in sehr beschränktem Maße. In der 52 Ölgemälde umfassenden Brüsseler Ausstellung besitzen sie singulären Charakter.

Francisco de Zurbarán kam am 7. November 1598 in der zwischen Madrid und Lissabon in der Extremadura gelegenen Kleinstadt Fuente de Cantos zur Welt. 1614 wechselte er zum Studium in die reiche Handelsstadt Sevilla, wo er zu kräftigen, auf starke Hell-Dunkel-Wirkungen gestützten Ausdrucksform fand. Bereits ab 1625 durfte er an den großen Gemälden für das Altarretabel des heiligen Petrus im Dom in Sevilla arbeiten. Insbesondere Dominikaner, Karthäuser und Franziskaner ersuchten Zurbarán um Aufträge für Porträts von Mönchen, Heiligen- und Andachtsbilder sowie Legendenzyklen.

Seine Malweise entsprach dem in Spanien vorherrschenden asketisch-religiösen Zeitgeist. Seine Zeitgenossen und Konkurrenten Diego Velázquez, Jusepe de Ribera und Bartolomé Esteban Murillo pflegten einen weniger harten Malstil. Obgleich oft als „Spanischer Caravaggio“ beschrieben, kannte Francisco de Zurbarán dessen Gemälde lediglich durch Inaugenscheinnahme im Königlichen Palast zu Madrid; Italien hat er nie betreten. Darüber hinaus boten ihm Stiche weiterer Künstler, darunter von Albrecht Dürer, malerische wie stilistische Orientierungen. 1634 ernannte König Philipp IV. Zurbarán zum Hofmaler. Ab 1658 in Madrid ansässig, verstarb er ebendort vor 350 Jahren am 27. August 1664. Doch sein Renommee steht weit hinter dem anderer Zeitgenossen zurück. Zuletzt fand 1988 in New York eine umfassende Ausstellung seiner Werke statt.

Die chronologisch wie thematisch gegliederte Ausstellung in Brüssel versammelt Werke, die sich durch klare, direkt dargebotene sowie einfach greifbare Botschaften in geschlossenen thematischen Rahmen auszeichnen. Immer wieder fasziniert das Spiel mit der Tiefe nachtdunkler Hintergründe, vor denen sich leuchtend weiße Stoffe in voluminösen Faltenwürfen und feinen Farbabstufungen ausbreiten. Glanz und Stille ausstrahlend, fordern die frommen Sujets zur Konzentration auf die Personen auf. Dies kommt in nahezu lebensgroßen Porträts von Ordensbrüdern zum Ausdruck, aber auch beim immer wieder variierten „Sterbenden Christus am Kreuz“, dessen bleicher Körper farblich vom extrem faltigen sowie gleißend weißen Lendenschurz noch deutlich überboten wird. Ein ganz besonderes Meisterstück ist das Bildnis des zwischen 1635 und 1649 geschaffenen Opferlamms, dessen überaus detailreich gekräuselte Wolllocken fast schon zum Hinlangen animieren. Hier zeigt sich, dass Zurbarán aus größeren Gemälden Sujets extrahierte und als Einzelmotive ausarbeitete.

Neben der persönlichen katholischen Prägung im Zeitalter der Gegenreformation und der damit verbundenen führenden Rolle der Kirche als Auftraggeber wurde Zurbarán auch von gewissenhaft katholisch ausgerichteten Herrschern unterstützt. Nur wenige profane Bilder hält sein Œuvre bereit, die die Zusammenstellung in Brüssel vervollkommnen. Neben dem Porträt eines Prinzen sind vor allem Gefäßstillleben hervorzuheben, deren meditative Anmutung selbst Giorgio Morandi inspiriert haben soll. Zwei nebenbei präsentierte Stillleben mit Apfelkörben stammen von Franciscos Sohn Juan de Zurbarán. Diese epigonalen Gemälde erfüllen die Funktion, das Gespür für die Könnerschaft des Vaters zu schärfen.

Im Juni 1634 beauftragte König Philipp IV. Zurbarán mit der Dekoration seines Buen Retiro Palastes in Madrid, wo er erstmals und ausnahmsweise mythologisch-historische Motive ausführte. Neben dem „Triumph des Bacchus“ oder „Apoll auf dem Vulkan“ widmete sich Zurbarán den „Arbeiten des Herkules“. Letztere zeigen in der Schau, wie schwer Zurbarán hier die hintergründige Ausarbeitung fiel. Erfrischend muten dagegen die gestalterisch wie farblich apart ausgearbeiteten Serienbilder der schwebenden Maria Immaculata an, auch wenn ihre Kolorierungen manchmal in allzu liebreizende, ja plakative Auswüchse abgleiten. Um 1635 führte der Zurbarán zusammen mit seiner prosperierenden Werkstatt eine Reihe weiblicher Heiliger aus, bei der anstelle des hellen Weiß die Beschreibung aufwendig gestalteter Kleidungsstoffe dominiert.

Die letzte Schaffensdekade kennzeichnet eine deutliche Steigerung der Plastizität. Stiche etwa von Raphael oder Bilder flämischer Meister zeigten bei Zurbarán ihre Wirkung. „Maria mit Kind und dem kleinen Johannes“ von 1662 versucht unter abermaliger Akzentuierung mit hellweißen, kobaltblauen und seicht roten Gewändertönen alle technischen wie motivischen Komponenten zu einem Ganzen zu vereinen. Werke zeitgenössischer Künstler überführen Zurbaráns barockes Theater in die Jetztzeit. Im Ausstellungsfoyer greift ein Labyrinth aus Gitterwänden der Künstlerin Cristina Iglesias Zurbaráns dunkle Schattierungen auf, während in der Eingangshalle Craigie Horsfield auf einem raumhohen Wandbehang das Treiben weiß gewandeter und von hohen spitzen Zipfelmützen bedeckter Gestalten in Santa Monica in Sorrent vorstellt.

Die Ausstellung „Zurbarán. Meister aus Spaniens Goldenem Jahrhundert“ ist bis zum 25. Mai zu sehen. Das Bozar – Palais des Beaux-Arts hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro beziehungsweise 6 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog in niederländischer und französischer Sprache erschienen. Er kostet im Museum 49 Euro.

Kontakt:

Palais des Beaux-Arts

23, rue Ravenstein

BE-1000 Brüssel

Telefax:+32 (02) 513 21 65

Telefon:+32 (02) 507 84 44



21.04.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Palais des Beaux-Arts

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Ein pompöses Maltheater

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Francisco de Zurbarán, Agnus Dei, um 1635/40
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Francisco de Zurbarán, Stillleben mit Krügen, um 1658/64
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Francisco de Zurbarán, Heiliger
 Lukas als Maler vor dem Gekreuzigten, um 1650
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Francisco de Zurbarán, Fray Jerónimo Pérez, um
 1632/34
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Francisco de Zurbarán, Angel Gabriel, um 1631/32
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Francisco de Zurbarán, Heiliger Franz von Assisi in seinem Grab, um
 1635
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Francisco de Zurbarán, Heilige Casilda, um 1635
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Francisco de Zurbarán, Stillleben mit Krügen, um 1658/64

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Francisco de Zurbarán, Heiliger Lukas als Maler vor dem Gekreuzigten, um 1650

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Francisco de Zurbarán, Fray Jerónimo Pérez, um 1632/34

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Francisco de Zurbarán, Angel Gabriel, um 1631/32

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Francisco de Zurbarán, Heiliger Franz von Assisi in seinem Grab, um 1635

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Francisco de Zurbarán, Heilige Casilda, um 1635

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Francisco de Zurbarán, Ein Becher Wasser und eine Rose, um 1630

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Francisco de Zurbarán, Heiliger Petrus Nolascus: Vision des Himmlischen Jerusalem, 1629

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Francisco de Zurbarán, Die Jungfrau und das Kind mit Johannes dem Täufer, 1662

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