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Objekte der Begierde: Die in Deutschland geborene New Yorker Konzeptkünstlerin Josephine Meckseper wird im Neuen Aachener Kunstverein mit einer Einzelausstellung präsentiert

Die bittersüßen Verlockungen der Warenwelt



„Do you want total war?“ Das Obergeschoss des Neuen Aachener Kunstvereins wird zur Zeit vom durchdringenden Sound des US-amerikanischen Elektro-Musikers Boyd Rice beschallt. Die in Deutschland geborene New Yorker Konzeptkünstlerin Josephine Meckseper benutzt die ohrenbetäubende Musik mit dem einhämmernden, ins Englische übersetzten Zitat aus der Sportpalast-Rede von Joseph Goebbels als Sound-Untermalung ihrer 2008 entstandenen Videoarbeit „0% Down“. Zu sehen sind stakkatohaft geschnittene Sequenzen aus US-amerikanischen Autowerbespots, in denen ganz normale PKWs zusammen mit Kampfjets inszeniert werden. Suggeriert wird der wohlfeile Abglanz des Militärischen für Jedermann – und das ganz ohne Anzahlung.


„0% Down“ wird in Aachen jedoch nicht als autonome Arbeit sondern als integraler Bestandteil der größeren Installation „Sabotage on Auto Assembly Line to Slow it Down“ von 2009 auf einem Monitor präsentiert. Auf einer verspiegelten Plattform steht das Fragment einer Produktionsstraße aus der Automobilindustrie, auf dem wiederum drei hochwertige Autoreifen wie Fetische exponiert sind. Ganz offenbar ist die postfordistische Fließbandproduktion irgendwie ins Stocken geraten. Das jedenfalls deuten der Titel und das stylish-sterile, gleichwohl dysfunktionale Display an. Unter „Slowdown“ versteht man in Amerika eine Arbeitnehmerstrategie der bewussten Drosselung des Produktionstempos, um unter Umgehung eines Streiks Druck auf die Arbeitgeberseite auszuüben.

Josephine Meckseper ist eine politisch denkende Künstlerin, die in ihrer charakteristischen Formensprache immer wieder die Widersprüche der Warenwelt vor dem Hintergrund des global agierenden Kapitalismus, die Ästhetik der Werbung, aber auch den Stellenwert der Moderne in Architektur und Kunst kritisch hinterfragt. „Buying is much more American than thinking“, das wusste schon Andy Warhol. Jetzt zeigt der Neue Aachener Kunstverein unter dem Titel „2X(I)ST“, gesprochen „to exist“, Schaufenster-Installationen, Display-Skulpturen, eine Vitrinenarbeit und Tintenstrahldrucke auf Leinwand der aus einer Worpsweder Künstlerfamilie stammenden Wahl-New Yorkerin.

Die Einzelausstellung von Josephine Meckseper bildet den abschließenden Teil einer Performancetrilogie, mit der der ehemalige Berliner Galerist Ben Kaufmann im September 2013 angetreten ist, den 1986 gegründeten Neuen Aachener Kunstverein programmatisch aufzumöbeln. Nach einer viel beachteten Schau über den deutschstämmigen New Yorker-Performer und Undergroundsänger Klaus Nomi (1944-1983) im September 2013 und dem Gastspiel der 1979 geborenen, in Berlin lebenden polnischen Performance-Künstlerin Patrycja German Anfang 2014 zeigt Kaufmann jetzt mit der Einzelausstellung der im internationalen Museumsbetrieb und auf dem Kunstmarkt erfolgreichen Josephine Meckseper eine viel beachtete Position, die dem kleinen, aber aktiven Kunstverein große Aufmerksamkeit bescheren dürfte.

Im Erdgeschoss des früher als Gartenbauamt genutzten, vollkommen entkernten und um funktionale Anbauten ergänzten Gebäudes im Aachener Kurpark trifft der Besucher auf die extra für die Ausstellung produzierte Vitrinenarbeit „Ich war, ich bin, ich werde sein“ von 2014. Die Glas-Edelstahl-Konstruktion des perfekt gefertigten Schaukastens ist inspiriert von der Formensprache des 1886 in Aachen geborenen Architekten Ludwig Mies van der Rohe. In der Vitrine, die mit gelben und blauen Seitenscheiben und fluoreszierendem Licht versehen ist, befinden sich für Meckseper typische Objekte wie ein in Beton abgegossener Pumpfix, aber auch eine Schwarz-Weiß-Fotografie des „Niedersachsensteins“, eines 1918 vom Architekten Bernhard Hoetger im Stil des Backstein-Expressionismus’ errichteten Monuments für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Worpswede, das heute immer wieder von Neonazis als Versammlungsstätte genutzt wird. Hier bezieht sich Josephine Meckseper wie schon in einigen ihrer früheren Arbeiten einerseits auf ihre eigene biografische Verankerung in der Künstlerkolonie Worpswede, andererseits aber auch auf die ideologische Umdeutung einer ursprünglich avantgardistischen architektonischen Form zu einer nationalistischen Weihestätte.

Der Titel der Ausstellung „2X(I)ST“, verweist zudem auf ein trendiges US-Männer-Unterwäsche-Label, das mit perfekt gestählten Athletenkörpern auf sich aufmerksam macht. Die verfremdende Verwendung solcher der Werbung entnommener Motive ist charakteristisch für die Arbeiten der New Yorkerin. Extrem zugespitzt, thematisiert sie in ihren neuesten Arbeiten den bereits Anfang der 1980er Jahre mit Männerunterwäsche von Calvin Klein einsetzenden Trend zu betont ausgestellter Sexyness statt reiner Funktionalität. Warenverpackungen der entsprechenden Labels dienen ihr dabei als Vorlage. So legt Meckseper über den Torso eines nur mit einer knappen, blütenweißen Ron Chereskin-Shorts bekleideten männlichen Models eine schwarze suprematistische Form, die mit etwas Fantasie aber auch als modifiziertes faschistisches Signum gelesen werden kann. Der perfekt durchtrainierte, von jeglicher Körperbehaarung befreite, metrosexuelle Mann unserer Zeit erscheint da plötzlich als Wiedergänger der makellosen Athleten in Leni Riefenstahls Olympia-Filmen.

In einem mit nahezu chirurgischer Präzision ausbalancierten Spannungsfeld zwischen zynischer Kritik und zynischer Affirmation entwickelt Meckseper Arbeiten, die unseren von der Ästhetik der Werbeindustrie okkupierten Blick durch die Attraktivität der verwendeten Materialien, die perfekte Verarbeitung und Ausleuchtung einerseits in ihren Bann ziehen, uns andererseits aber die Augen öffnen für die subtilen Strategien, mit denen wir als Konsumenten und als politische Subjekte tagtäglich korrumpiert werden. Josephine Meckseper, die ihre kritische, oft mit satirischen Elementen angereicherte Haltung zu politischen und gesellschaftlichen Themen mit einer coolen, überästhetisierten und auf Stereotypen der Moderne rekurrierenden Formensprache verbindet, ist mittlerweile prägend auch für eine jüngere Künstlergeneration geworden.

Die Ausstellung „Josephine Meckseper: 2X(I)ST“ ist bis zum 25. Mai zu sehen. Der Neue Aachener Kunstverein hat täglich außer montags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 2 Euro, ermäßigt 1 Euro. Der Katalog erscheint in Kürze.

Kontakt:

Neuer Aachener Kunstverein

Passstraße 29

DE-52070 Aachen

Telefax:+49 (0241) 53 68 48

Telefon:+49 (0241) 50 32 55



13.04.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


30.03.2014, Josephine Meckseper: 2X(I)ST

Bei:


Neuer Aachener Kunstverein

Künstler:

Josephine Meckseper










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