Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 01.12.2018 Kunstauktion Dezember 2018

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Politisch korrekt – doch ziemlich plakativ: Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt die lange erwartete Schau „Evidence“ mit Arbeiten von Ai Weiwei. Der nach wie vor mit einem Reiseverbot belegte chinesische Künstler musste allerdings zu Hause bleiben

Flaschenpost aus China



Ob „Die Zeit“, „Der Spiegel“, „Weltkunst“, „Art“ oder „Monopol“: Kaum eine Publikation verzichtet in diesen Tagen auf eine seitenlange Reportage aus dem Atelier von Ai Weiwei, den zumindest in Deutschland berühmtesten chinesischen Künstler. Hier hat 56jährige bisher die meisten Ausstellungen gehabt. Und Deutschland erwies ihm im vergangenen Jahr auch die Ehre, ihn als Gastkünstler im deutschen Pavillon auf der Biennale Venedig zu präsentieren.


Lange wurde spekuliert, ob er anlässlich seiner weltweit bisher größten Ausstellung nach Berlin kommen dürfte. Doch nach wie vor ist Ai Weiwei, der 2011 für 81 Tage an einem unbekannten Ort gefangen gehalten wurde, mit einem Ausreiseverbot belegt. Namhafte Persönlichkeiten, darunter der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, haben sich daher zu den „Freunden Ai Weiweis“ zusammengefunden, um uneingeschränkte Reisefreiheit für den Künstler zu erreichen. Offenbar hat aber auch der deutsch-chinesische Gipfel in der vergangenen Woche keine Lösung herbeigeführt. Der Künstler, der angeblich bereits auf gepackten Koffern saß, ist nicht nach Berlin gereist.

Seine Kunst dagegen konnte die Volksrepublik China gleich containerweise verlassen. In China mit einem Ausstellungsverbot belegt, darf Ai Weiwei, unbehelligt von der Zensur, auch regimekritische Arbeiten ins Ausland exportieren. Unter dem Titel „Evidence“ zeigt der Berliner Martin-Gropius-Bau jetzt auf rund 3.000 Quadratmetern eine große Retrospektive mit Arbeiten aus der Zeit von 1987 bis 2014. Der Titel „Evidence“, eigentlich „Beweis“ oder „Beweismittel“ im Zuge eines Strafverfahrens, steht gleichzeitig für den Beweis von Ai Weiweis Existenz und seiner fortwährenden künstlerischen Aktivität.

Vorbei an überall installierten Überwachungskameras aus weißem Marmor, die an die ständige Überwachung Ai Weiweis erinnern, gelangt der Besucher früher oder später zur spektakulärsten Arbeit der über 18 Säle verteilten, materialreichen Schau: Im Lichthof des Gropius-Baus sind 6.000 antike Holzschemel aufgestellt, wie sie seit Jahrhunderten in ländlichen chinesischen Haushalten in Benutzung sind. Scheinbar identisch, sieht jeder jedoch etwas anders aus und trägt die Spuren seines individuellen Gebrauchs. Unterschiedliche Anstriche und Verwitterungszustände ergeben ein pixelartiges Gesamtbild. Für Ai Weiwei stellen diese Hocker die Überbleibsel der Landflucht und den damit einhergehenden Traditionsverlust der modernisierungssüchtigen chinesischen Gesellschaft dar. Eine andere Arbeit hat dieselbe Stoßrichtung. Für „Han-Dynastie-Vasen mit Autolack“ überzog Ai Weiwei acht antike Vasen aus der Zeit zwischen 202 v. Chr. bis 220 n. Chr. mit angesagten Autolacken der Nobelmarken Mercedes Benz und BMW. Aus antiken Artefakten macht er so Lifestyle-Produkte der Konsumgesellschaft und hält dieser den Spiegel vor.

Doch aus eben diesen Arbeiten spricht eigentlich auch das ganze Dilemma seiner Kunst: Alles steht für etwas, ist leicht dechiffrierbar und bedient die westliche Schau- und Kauflust nach plakativ operierender Dissidenten-Kunst chinesischer Provenienz. Geschult ist Ai Weiweis Ästhetik an den Strategien westlicher Kunst, mit der er während seines New York-Aufenthalts zwischen 1981 und 1993 in Kontakt kam. Als Vorbilder nennt er Künstler wie Marcel Duchamp oder Andy Warhol. Und so ist auch der unter die Haut gehende Nachbau seiner Gefängniszelle, der jetzt in der Berliner Ausstellung gezeigt wird, so etwas wie ein hyperrealistisches Environment westlicher Prägung. Ai Weiwei hat den zu seinem Schutz vor Verletzungen komplett mit Schaumstoff überzogenen Raum 1:1 für die Berliner Ausstellung nachgebaut – inklusive der gleißenden Beleuchtung.

„Ich wähle die Themen aus, die den größten gemeinsamen Boden haben, bei denen die öffentliche Meinung einerseits stabil erscheint und zugleich doch wandelbar“, hat Ai Weiwei einmal gesagt. Das klingt nicht gerade nach einer totalen Konfrontation mit den Machthabern. Ist Ai Weiwei also tatsächlich ein regimekritischer Dissident oder eher ein Meister der Selbstinszenierung? Oder ein von westlichen Großsammlern wie dem Schweizer Uli Sigg hofierter Kunstmarktstar, dessen Werke für immer neue Rekordsummen verkauft werden? Oder gar, wie manche Exilchinesen meinen, eine Art Feigenblatt der Partei, das – wohlgemerkt im Westen – einzelne Missstände anprangern darf, ohne jedoch das zutiefst korrupte System, von dem auch er als gut verdienender Künstler und Architekt mit Verbindungen zum Establishment profitiert, in Frage zu stellen?

Gereon Sievernich, der Direktor des Martin-Gropius-Baus, betont jedenfalls die aktuelle Notwendigkeit dieser Ausstellung: „Das ist wie eine Flaschenpost, die aus China kommt. Wir müssen uns mit China beschäftigen, und diese Ausstellung ist eine großartige Gelegenheit dazu.“

Die Ausstellung „Ai Weiwei – Evidence“ läuft vom 3. April bis zum 7. Juli. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr, ab dem ab 20. Mai täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche frei bis 16 Jahre ist er frei. Der 240seitige Katalog aus dem Prestel Verlag kostet im Gropiusbau 25 Euro, im Buchhandel 39,95 Euro.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07

www.freundeaiweiweis.de



06.04.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


03.04.2014, Ai Weiwei – Evidence

Bei:


Martin-Gropius-Bau

Bericht:


Neues von Ai Weiwei

Künstler:

Weiwei Ai










Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce