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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Siegfried Anzinger im Kunstforum Wien

Frisch, frech und witzig



2012 wurde in der Kölner Kunststation St. Peter eine Ausstellung mit Arbeiten von Siegfried Anzinger abgesagt, nachdem der Beirat befürchtete, dass Bilder des 16teiligen Hieronymus-Zyklus religiöse Gefühle verletzen könnten. Zwei von Anzingers Gemälden zeigten Schweine, die ans Kreuz geschlagen waren. Sie erschienen dem damaligen Kurator anfällig für Missverständnisse, und da Anzinger auf die Präsentation dieser Arbeiten keinesfalls verzichten wollte, fand die Ausstellung nicht statt. Zwei Jahre später richtet das Wiener Kunstforum dem gebürtigen Oberösterreicher und Wahlkölner Siegfried Anzinger eine große Ausstellung aus. Gleich im Entree empfängt die Besucher eines jener Gemälde, die in Köln zur Absage der Ausstellung führten und eine heftige Blasphemie-Debatte auslösten.


Das mit „30.3.2012“ datierte und damit unmittelbar vor den damaligen Osterfeiertagen fertig gestellte Bild zeigt eine Kreuzigungsszene: im Zentrum des Bildes dominiert ein hoch aufgestelltes Kreuz, auf das ein wohlgenährtes rosafarbenes Schwein, mit nach oben gerichteten leeren Blick geschlagen ist. Zwei kleinere Artgenossen balancieren währenddessen ohne sichtliche Gemütserregung auf dem Querbalken des Kreuzes. Eine am linken unteren Bildrand und auf einer felsigartigen Erhöhung hockende Gestalt hält in ihrer Rechten, ähnlich dem römischen Hauptmannes Longius, der mit seiner Lanze den Tod Jesu überprüfte, einen Stab, dessen Spitze sie in die Brust des Tieres bohrt. Das Schwein ist in der christlichen Ikongraphie bekanntes Attribut des heiligen Antonius. Es steht dort für die zahlreichen Versuchungen, die er zu bestehen hatte.

Sexuelle Versuchungen, Erinnerungen, Erwartungen und Sehnsüchte sind die häufig wiederkehrenden Themen, die Siegfried Anzinger auch in seinen aktuellen Heiligen und Wild-West-Parodien variiert. Mit unbändiger Erzählfreude geht er dabei zu Werke und arbeitet sich an den klassischen Themen der Kunstgeschichte ab: die Bibel, die Geschichte der Heiligen, Kirchenväter wie zum Beispiel Hieronymus und Antonius, Mutter und Kind, Adam und Eva. Madonnen tummeln sich auf den Leinwänden, Hieronymus zieht mehrfach seine Runden. Faust hängt am Kreuz, und die Auferstehung gelingt nur mittels einer Ente, während schrullige Squaws alternden Indianerhäuptlingen am Marterpfahl einen Blowjob verrichten.

Wenn Anzinger 2013 eine Madonna malt, die trotz der kleinen „Engelstrompete“, die auf ihrem Schoß brüllt, gelassen in sich ruht und den Betrachter mit versonnenen Grinsen anstrahlt, dann bricht er mit dem Darstellungstypus der schönen Madonna. Maria mutiert zur sinnlichen, großbrüstigen Matrone, ihr jungfräulicher Glanz ist weggewischt. Auf anderen Werken heftet Anzinger Christus mit Knollnase und Bluejeans ans Kreuz oder er lässt Maria Magdalena, die gemeinsam mit Lieblingsjünger Johannes unter dem Kreuzesstamm trauert, mittels Digitalkamera den Tod Jesu Christi dokumentieren. In „Selbstbildnis als Madonna“ steigert er das Comichafte und Groteske, indem er sich selbst als Schmerzensmadonna portraitiert. Der Grad zwischen provokanter Parodie und ernsthafter Malerei ist schmal.

Die Schau im Bank Austria Kunstforum will keine Retrospektive sein. Auch wenn ein eigener Ausstellungsraum den Arbeiten gewidmet ist, mit denen Anzinger 1988 den österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielte, entstand der Großteil der Werke in den vergangenen zwei Jahren. Der kleine geschichtliche Exkurs zu einem der ersten Höhepunkte in Anzingers Schaffen ermöglicht den Vergleich mit Heutigem. Zurückgedrängt ist der expressiv, gestische Habitus und die dunkle, erdfarbene Farbigkeit, die Anzingers frühe Arbeiten bestimmten, zugunsten heller, lichtdurchfluteter, in hauchdünnen Schichten mittels Leimfarbe komponierter Szenen.

Die meisten Arbeiten zeigen Frauen und Männer. Den meist älteren Herren, schrägen Typen, Heiligen, oft auch der Künstler selbst, begegnen Mütter, Madonnen, Squaws und Huren. Karikaturhaft entstellt, entlarvt Anzinger seine Protagonisten in ihrer Schwäche und verlorenen Leidenschaft. Er zeigt sie ekstatisch, berauscht, traurig, versonnen mit geschlossenen Augen, immer ein wenig müde und lässt sie in gebeugter Haltung auf Boden oder Pferdrücken harren, mit verrenkten Gliedern in Bäumen hängen, auf allen Vieren über die Leinwände kriechen oder losgelöst durch den Bildkosmos fliegen.

Souverän lotet Siegfried Anzinger aus, was Malerei und Zeichnung vermögen, lässt Bilder „passieren“, arbeitet in Serien und hält lange an den einmal gefundenen Motiven fest. Er behandelt, wie Pablo Picasso in seinen späten Arbeiten, Leinwände wie Skizzenblocks und inszeniert ohne Vorzeichnung ein Arsenal von Vitalitätsbeschwörungen: monströse Geschlechtsorgane, Schwanznasen und erigierte Arme, über die die tragikkomischen Helden und Heldinnen wohl selbst am meisten verwundert sind. Im steten Rückgriff auf kunstgeschichtliche Motive entwirft Siegfried Anzinger einprägsame, humorvolle, direkte Bilder, die die erträumte, groteske sexuelle Komponente als Werkkonstante etablieren. Schmunzelnd nimmt man zur Kenntnis, wie sehr Anzinger sein intimstes Innenleben dem Tragikkomischen preisgibt.

An der persönlich forcierten „permanenten Schmerzgrenze zur Illustration“ ist Anzinger „der Witz, den zwei Farben miteinander treiben“ jedoch stets wichtiger, als jener der Erfindung und so legt Siegfried Anzinger im 62. Lebensjahr einen frischen, frechen, witzigen und facettenreichen Werkstattbericht hin. Launig, mit viel Ironie und Sarkasmus präsentiert sich der Maler in seinen jüngsten Arbeiten.

Die Ausstellung „Siegfried Anzinger“ ist bis zum 27. April zu sehen. Das Bank Austria Kunstforum hat täglich von 10 bis 19 Uhr und freitags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8,50 Euro, 6 Euro bzw. 4 Euro. Der Katalog zur Ausstellung kostet 29 Euro.

Kontakt:

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 557 33 26

Telefax:+43 (01) 557 33 27

E-Mail: office@kunstforumwien.at



30.03.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


13.02.2014, Siegfried Anzinger

Bei:


Bank Austria Kunstforum

Künstler:

Siegfried Anzinger










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