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Den meisten ist er nur als Maler des Informel bekannt – zu Unrecht. Im Berliner Martin-Gropius-Bau ist jetzt das grandiose fotografische Werk von Wols zu entdecken

Ein Fotograf von Profession



Als Maler war Alfred Otto Wolfgang Schulze, der 1913 in Berlin geboren wurde und sich später den Künstlernamen Wols gab, auf den ersten drei Documenta-Ausstellungen prominent vertreten. 1958 wurde er auf der Biennale Venedig ausgestellt. Bis heute gilt der 1951 mit nur 38 Jahren an einer Fleischvergiftung verstorbene Künstler als einer der wichtigsten und geheimnisvollsten Vertreter des Informel, und das, obwohl sein malerisches Œuvre mit nur rund 80 Werken sehr schmal geblieben ist. Mit Ausstellungen zum 100. Geburtstag im letzten Jahr ist es in der Kunsthalle Bremen und im Museum Wiesbaden ausführlich gewürdigt worden. Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau konzentriert sich nun ganz auf das von der Rezeption bisher zu Unrecht vernachlässigte fotografische Werk.


Unter dem Titel „Wols Photograph. Der gerettete Blick“ versammelt die sehenswerte Schau in Berlin das fotografische Gesamtwerk von Wols. Präsentiert werden zahlreiche, teils intime Porträts von Mitgliedern der Pariser Boheme, Modeaufnahmen, Selbstporträts, Ansichten von der Stadt an der Seine, Stillleben und Fotogramme. Neben selten gezeigten Vintage Prints, also historischen Handabzügen, sind postume Abzüge und Kontaktbögen zu sehen. Alle Aufnahmen sind ausnahmslos schwarz-weiß.

Für einen künstlerisch motivierten jungen Mann, der 1932 in Deutschland alle Brücken hinter sich abbricht und mit einem Empfehlungsschreiben des Bauhaus-Lehrers László Moholy-Nagy, voller Ambitionen nach Paris geht, um dort, in der damaligen Hauptstadt der Avantgarde, künstlerisch Fuß zu fassen, lag es nahe, sich zunächst mit Fotoarbeiten finanziell über Wasser zu halten. Der Bedarf in der Stadt der Mode und der Weltausstellung 1937 war groß. Und so konnte auch Wols davon profitieren. Zumal er das Metier in seiner Heimatstadt Dresden bei der angesehenen Porträtfotografin Genja Jonas erlernt hatte. Er fotografierte für internationale Modemagazine und vertrieb, jedoch unter anderem Namen, etliche Motive auch als Postkarten.

Schon seine Porträts sind jedoch alles andere als gewöhnlich. Wols nähert sich seinen Modellen bis auf extrem kurze Entfernung mit der Kamera und provoziert so unkonventionelle Posen. Er fertigt seriell anmutende Mehrfachaufnahmen derselben Person, variiert das Licht, lässt die Modelle in verschiedene Richtungen blicken, die Augen schließen, zeigt sie rauchend oder trinkend. Daneben entstehen aber auch zahlreiche experimentelle Stillleben mit Obst, Gemüse, Fleisch oder Fischen, die in ihrer existenzialistischen Mixtur aus Härte und Sensibilität weit über das bloß surrealistische Arrangement seiner Zeitgenossen hinausweisen, so etwa ein zutiefst anrührendes, auf die Jahre 1938/39 datiertes Stillleben mit einem abgezogenen Kaninchen, einem Kamm und einer Mundharmonika.

Doch Wols’ herausragendes fotografisches Werk entstand nur während der kurzen Periode zwischen 1932 und 1939. Im Jahr des Kriegsausbruchs wurde seine Pariser Wohnung aufgebrochen und die gesamte Fotoausrüstung geplündert. Aufgrund der widrigen Lebensumstände gelang es ihm nicht, sich Ersatz zu besorgen. Anfang der 1940er Jahre als „feindlicher Ausländer“ klassifiziert, verbrachte er ein Jahr in verschiedenen südfranzösischen Internierungslagern. Nach 1945 war er dann vornehmlich mit Malerei beschäftigt.

Dass sein beachtenswertes fotografisches Werk jetzt vollständig und wissenschaftlich perfekt aufbereitet in Berlin besichtigt werden kann, darf als Glücksfall für Fotoenthusiasten gewertet werden. „Wols ist in seiner Ästhetik schon viel weiter als die Fotografen, die ihn umgeben. Sein Werk weist im Grunde bereits auf die Nachkriegsmoderne hin“, so Michael Hering, der Kurator der ursprünglich am Dresdner Kupferstich-Kabinett entwickelten Schau.

Die Ausstellung „Wols Photograph. Der gerettete Blick“ ist bis zum 22. Juni zu sehen. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche frei bis 16 Jahre ist er frei. Der 448seitige Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag mit 802 Abbildungen kostet im Gropiusbau 33 Euro, im Buchhandel 68 Euro.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07



23.03.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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