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Nicht nach dem „was“, sondern nach dem „wie“ fragt der Würzburger Kulturspeicher mit seiner Ausstellung zu Wilhelm Leibl und seinem Kreis und greift damit die zentralen künstlerischen Beweggründe der Realisten auf. Neben der umfassenden Bearbeitung eines bedeutenden Forschungsfeldes rund um den Maler wird auch eine wegweisende künstlerische Entwicklung des späten 19. Jahrhunderts beleuchtet

Rein malerisch



Wilhelm Leibl, Bildnis der Frau Apotheker Rieder, 1893

Wilhelm Leibl, Bildnis der Frau Apotheker Rieder, 1893

Der bewusste Bruch mit der akademischen Malerei ist unverkennbar. Wilhelm Leibls Münchner Akademiezeit in den 1860er Jahren schildert die Bewunderung für die alten Meister, und seine Technik verrät den handwerklichen Ehrgeiz des jungen Studenten. Pathetisch aufgeladene Historienbilder, weich und filigran, teils mit etwas Hochmut umgesetzte Szenen literarischen Inhalts und damals unentbehrliche Genrethemen bildeten das Hauptaugenmerk in der begehrten Meisterklasse von Carl Theodor von Piloty, der Leibl ab 1868 angehörte. Doch bereits kurz nach der Aufnahme in diese Eliteausbildung in Deutschland deutete sich Leibls Entwicklung zu eigenen malerischen Vorstellungen an. Vernehmlich formulierte er bereits kurz danach: „Ich möchte lieber meine eigenen Ideen zum Ausdruck bringen und glaube auch nicht, dass ich mich in die Art und Weise eines anderen finden kann“. Mit der Herausbildung einer eigenen Handschrift zählt Leibl noch heute zu den bedeutendsten Realisten des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum.


Nach rund drei Jahrzehnten Abstinenz im deutschen Ausstellungswesen widmet sich nun das Würzburger Museum im Kulturspeicher wieder diesem Erneuerer der Malerei in Deutschland, der mit seinem Schaffen den Weg in die Moderne gewiesen hat. Henrike Holsing, stellvertretende Museumsdirektorin und Kuratorin der Schau, verfolgt hierbei nicht allein das Ziel, die künstlerische Entwicklung und das Gesamtwerk des 1844 in Köln geborenen Wilhelm Leibl aufzuzeigen. Berechtigt geht sie auch auf „seinen Kreis“ ein. Wer war dieser Kreis und warum ist dessen Präsentation für die Vollständigkeit einer Leibl-Schau unabdingbar? Schon als der charismatische Wilhelm Leibl noch die Münchener Akademie besuchte, reihte er eine Gruppe gleichgesinnter Künstler um sich. Theodor Alt, Karl Haider, Rudolf Hirth du Frênes und Johann Sperl waren Freunde, die nicht nur das Zwischenmenschliche, sondern auch künstlerische Belange verbanden. Als Leibl 1869 nach Paris reiste, lernte er Otto Scholderer kennen, wieder zurück in Deutschland schloss er Freundschaft mit Hans Thoma, Wilhelm Trübner und Carl Schuch.

Leibl suchte nach neuen Zielen in der Malerei und wurde von seinem Kreis in der Suche unterstützt. So teilte man kunsttheoretische Ansätze, suchte den offenen, freien Blick auf die Natur und entwickelte neue Ausdrucksweisen, die Farbe, Form sowie dessen Umsetzung ins Malerische ins Zentrum künstlerischen Interesses rückten. Dabei entstand jedoch nie eine „Leibl-Schule“. Vielmehr formierte sich ein Wirkungskreis mit gemeinsamen künstlerischen Interessen: Die Bewunderung für den französischen Realisten Gustave Courbet, die Abwendung vom Idealismus und die bedingungslose Hinwendung zur Natur. Die gegenseitigen Portraits der jungen Künstler, wie das „Bildnis des Malers Carl Schuch“ von Wilhelm Trübner oder selbiges Motiv von Wilhelm Leibl dokumentieren die freundschaftliche Bindung, die in den Jahren ab 1871 zwischen Leibl und seinem Kreis entstand.

Der von Wilhelm Leibl und seinem Umfeld entwickelte Realismus stieß bei ihrem Publikum zunächst auf Kritik und Unverständnis. Leibl zog seine Konsequenzen aus der negativen Resonanz und suchte ab dem Jahr 1873 die Einsamkeit auf dem Land in Graßlfing in Dachauer Moos und Unterschondorf am Ammersee. Dort befasste er sich erstmals mit der Technik der Radierung, wobei ihm alsbald eine individuelle Handschrift gelang. In dieser Zeit entstanden jene von Lebhaftigkeit und Bewegtheit geprägten Blätter, wie „Der Raucher (Bildnis des Malers Horstig)“ oder „Der Trinker (Bildnis des Wirts Rauecker)“. Immer bewusster wendeten die Künstlerfreunde den Blick von der sorgfältigen Wahl des Sujets fort, hin zu der Konzentrierung auf dessen Umsetzung. Beispielhaft dafür ist das Motiv der Schmiede in Weßling. Wilhelm Trübner und Carl Schuch suchten dieses unspektakuläre Sujet im Jahr 1876 mehrfach auf, um sich ausschließlich dessen rein malerischer Umsetzung zu widmen. Bedeutend war der Umgang mit feinsten Tonwerten, mit reizvollen Komplementärkontrasten und mit der Wiedergabe der deutlich verwitterten Balkenstruktur der Architektur. Dies zeigt ihre ernsthafte Auseinandersetzung mit der reinen Malerei, das Thema wird zur Nebensache.

Wie Schuch und Trübner bewunderte auch Wilhelm Leibl die handwerkliche Perfektion in der Kunst. Der Umzug aufs Land ließ Sujets solide und sachlich werden. Bauern, Landschaften und verwitterte Architekturen waren Inhalt des nüchternen Realismus, die sogenannte Phase des „Holbein-Stils“ erreicht. Er bezog sich auf die Ursprünglichkeit und Einfachheit des Menschen. Leibls „Mädchen mit der Nelke“ aus dem Jahr 1880/81, das er aus Zweifel an seinem Können selbst in Stücke teilte, mag dafür ein prominentes Beispiel sein. Besonders die perfektionistische Feinheit in den Details und die enorme Nüchternheit der Gesamtausstrahlung der Malerei spiegeln seine Ablehnung gegen künstliche Effekte oder idealisierte Oberflächlichkeiten.

Den künstlerischen Bestrebungen entsprechend, entstanden im Leibl-Kreis vorwiegend Portraits, Landschaften, Stillleben und Gemälde mit einfachen Menschen. Das hohe Ideal des „Reinmalerischen“ forderte die Künstler aber ebenso heraus, wie es sie antrieb. Johann Sperl beispielsweise war letztlich darauf angewiesen, die im Publikum beliebten Genredarstellungen ländlichen Milieus zu malen, da er aus ärmlichen Verhältnissen stammte und finanziell auf zahlungskräftige Käufer angewiesen war. Sein „Kindergarten“ aus dem Jahr 1882 schildert dieses dem Modetrend entsprechende Thema, umgesetzt durch spielende Kinder im Garten und Kindergärtnerinnen beim Aufhängen der Wäsche. Die weiche, heitere Art der Wiedergabe entsprach dem Geschmack der Zeit. Rudolf Hirth du Frênes hatte ebenfalls Schwierigkeiten, dem reinmalerischen Ideal des Künstlerkreises standzuhalten. Auch er widmete sich zunehmend publikumswirksamen Darstellungen süßlich anmutender Kinder und junger Mägde, wie zum Beispiel in seiner „Jungen Magd am Fenster eines Bauernhauses“.

Ab Mitte der 1880er Jahre entfernte Leibl sich zunehmend von seinem „Holbein-Stil“ und suchte einen bewegteren, lockeren, teils fast peitschenden Pinselstrich. Kraft, Lebendigkeit und Wirkung sollten zunehmend ins Zentrum seiner Malerei rücken. 1892 zog Leibl mit Johann Sperl in das Bauerndorf Kutterling und kam so zu neuer Antriebskraft und Inspiration. Es stellte sich eine neue Unbefangenheit ein, die dem Maler Erfolg und damit einhergehend wirtschaftliche Sicherheit gab. Die neue Leichtigkeit und Souveränität in dem 1893 entstandenen Ölgemälde „Bildnis der Frau Apotheker Rieder“, dem Hauptmotiv der Würzburger Ausstellung, schildern einerseits Leibls persönliche Weiterentwicklung, andererseits die fortbestehende Bewunderung für die alten Meister wie Rembrandt.

Der umfassenden Schau im Kulturspeicher gelingt es, die künstlerischen Anfänge des 1900 in Würzburg gestorbenen Wilhelm Leibl, die Formierung seines Kreises, sowie die Neuformulierung und Weiterentwicklung malerischer Ziele und Intentionen zu schildern. Dank umfangreicher Bemühungen um wertvolle Leihgaben aus anderen Museen finden sich zahlreiche Arbeiten des Leibl-Kreises, die unabdingbar für das Gesamtverständnis dieses Künstlergeflechts und letztlich dieser kunsthistorisch bedeutenden Strömung nötig sind. Für sie zählte nicht mehr das „Was“ des Bildes, sonder das „Wie“; so trat erstmals in der deutschen Kunstgeschichte die Malerei selbst in den Vordergrund. Mit ihrer Hinwendung zu malerischen Aspekten haben Wilhelm Leibl und seine Freunde die Tür zur Kunst der Moderne aufgestoßen.

Die Ausstellung „Rein malerisch – Wilhelm Leibl und sein Kreis“ ist noch bis zum 23. März zu sehen. Das Museum im Kulturspeicher hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, dienstags erst ab 13 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 4,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Der Katalog zur Ausstellung aus dem Verlag Michael Imhof kostet 24,90 Euro.

Kontakt:

Museum im Kulturspeicher

Oskar-Laredo-Platz 1

DE-97080 Würzburg

Telefon:+49 (0931) 322 250

Telefax:+49 (0931) 322 25 18



16.03.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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14.12.2013, Rein malerisch. Wilhelm Leibl und sein Kreis

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Museum im Kulturspreicher Würzburg

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Rudolf Hirth du Frênes, Bildnis eines kleinen
 Mädchens, 1873
Rudolf Hirth du Frênes, Bildnis eines kleinen Mädchens, 1873

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Wilhelm Leibl, Rechte Hand des „Mädchens mit der Nelke“, um 1880/81
Wilhelm Leibl, Rechte Hand des „Mädchens mit der Nelke“, um 1880/81

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Wilhelm Leibl, Das Mädchen mit der Pelzhaube (Die Wab’n),
 1900
Wilhelm Leibl, Das Mädchen mit der Pelzhaube (Die Wab’n), 1900

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Otto Scholderer, Blumenbinderin, um 1869
Otto Scholderer, Blumenbinderin, um 1869

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Carl Schuch, Rosen, Keksteller und Orange, um 1884
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Wilhelm Leibl, Jugendliches Selbstbildnis, um 1861
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Johann Sperl, Blühender Apfelbaum
Johann Sperl, Blühender Apfelbaum







Rudolf Hirth du Frênes, Bildnis eines kleinen Mädchens, 1873

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Wilhelm Leibl, Rechte Hand des „Mädchens mit der Nelke“, um 1880/81

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Wilhelm Leibl, Das Mädchen mit der Pelzhaube (Die Wab’n), 1900

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Otto Scholderer, Blumenbinderin, um 1869

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Carl Schuch, Rosen, Keksteller und Orange, um 1884

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Wilhelm Leibl, Jugendliches Selbstbildnis, um 1861

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Johann Sperl, Blühender Apfelbaum

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Johann Sperl, Kindergarten, 1882/83

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Wilhelm Trübner, Ave Caesar, morituri te salutant, um 1877/78

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Theodor Alt, Leibl im Kreis seiner Freunde, um 1867

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Wilhelm Trübner, Bildnis des Malers Carl Schuch, 1871

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