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Unter den jungen deutschen Fotokünstlern ist Jan Paul Evers eine Ausnahme. Denn seine Arbeiten sehen aus wie Bleistiftzeichnungen. Die Villa Stuck im München zeigt die erste Museumsschau des 32jährigen Kölners

Das Konkrete ins Ungewisse transformieren



Geometrische Schattenspiele haben schon Paul Strand und László Moholy-Nagy Anfang des 20. Jahrhunderts zum Gegenstand ihrer Fotografien gemacht – aber nicht in der Art wie der junge Fotokünstler Jan Paul Evers, dessen Arbeiten bereits heute in so renommierten Sammlungen wie dem Fotomuseum Winterthur oder der Julia Stoschek Collection Eingang fanden. Jan Paul Evers übernimmt nicht die durch schräges Licht entstandenen, vorgefundenen Bildrealitäten, er schafft sie selbst und zwar in der Dunkelkammer. Er montiert fotografische Versatzstücke und arbeitet mit Schablonen, um scharfe Linien zu ziehen. Er gestaltet seine Bilder durch konventionelle Belichtung und löscht dabei jegliche Tiefenschärfe aus, bis die Grobkörnigkeit seine Bilder wie Zeichnungen erscheinen lässt. Was dabei herauskommt, hat eine poetische Zugkraft, die vor allem der Irritation, aber auch dem erst mal Undurchschaubaren entspringt. In den flächigen Abstraktionen mit Titeln wie „Meisterhafter Tatendrang“ oder „Der irrationale Überschwang einer leergelaufenen Gesellschaft“ von 2014 glaubt man Architektonisches und Räumliches zu erkennen, das in seiner Unschärfe und in der Summe seiner Formen als dieses dennoch nicht zu fassen ist und als Illusion zerplatzt. Evers führt uns auf eine falsche Fährte.


Die Villa Stuck in München zeigt seit Jahren in ihrer Reihe „Ricochet“ junge künstlerische Positionen. Mit dem 1982 geborenen Jan Paul Evers, dem hier die erste Museumsschau ausgerichtet wird, hat sie einen Künstler in den Fokus genommen, der wohl zu den eigenwilligsten und eigenständigsten seiner Generation gehört. Während andere Fotokünstler die digitalen Möglichkeiten abtasten und doch in einem relativ gleichförmigen Bereich des technisch Machbaren stecken bleiben, ist Evers zu den Wurzeln der Fotografie zurückgekehrt und hat einen eigenen Weg eingeschlagen, der zugleich auch die Frage aufwirft, inwieweit die Grenzen zwischen Fotografie und Grafik hier verwischen. Evers arbeitet konsequent in Schwarz-Weiß, seine Arbeiten leben ausschließlich von den unterschiedlichen Grauwerten. Das rückt ihn in die Nähe jenes Kreises von Künstlern, die vor gut zehn Jahren die Magie der detailgenauen, fein ausgeführten Zeichnung wiederentdeckt haben wie etwa Marcel van Eeden oder Rinus van de Velde.

Auch wenn sich die Belgier vor allem an reale Motive halten, in seinem malerischen Ansatz, in der Hervorbringung dunkler Rätselwerke ist Evers ihnen näher als den Fotografen des „Neuen Sehens“ aus den 1920er und 1930er Jahren. Wie eine Geistergaleere etwa erscheint sein „Segelschiff“ von 2010 dem Betrachter. Der Bootskörper selbst entzieht sich in seinen flachen Grautönen fast der Wahrnehmung. Umso stärker hebt sich die Takelage durch ihre Hell-Dunkel-Kontraste ab und bekommt die Präsenz eines eigenen Bildmotivs, wird zum Vexierbild einer wie mit dem Lineal gezogenen Abstraktion.

Evers’ Fotografien sind der Versuch, das Konkrete ins Ungewisse zu transformieren. Die Realität, die er abbildet, ist nur noch ein schwacher Abglanz ihrer selbst und deshalb umso anziehender und geheimnisvoller. Aber auch trügerisch. Das trifft auch auf seine Landschaften und urbanen Motive zu. Man kennt die mit Hochhäusern übersäten Hänge unter ewig azurblauem Himmel von Monaco. Bei Evers mutieren sie zu schwach erkennbaren Steinburgen. Und der mit Palmen bewachsene Strand einer Südseeinsel wird zu einer verblassten Ahnung eines Touristenidylls. Wahrheit ist in der Kunst eben ein subjektiver Topos und ein Bild von einmaliger Prägung. Evers nimmt die Fotografie davon nicht aus und hat die Konsequenz gezogen: Jede seiner Fotografien ist ein Unikat. Man kann das als Verweigerung gegenüber einem Reproduzierbarkeitswahn in Zeiten digitaler, immer abrufbarer Bilderfluten interpretieren. Aber klar ist auch: so wie Jan Paul Evers arbeitet, kann es kein Bild zwei Mal geben.

Die Ausstellung „Ricochet #8. Jan Paul Evers“ ist bis zum 23. März zu sehen. Das Museum Villa Stuck hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, am ersten Freitag im Monat von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro und ermäßigt 4,50 Euro, für Besucher bis 18 Jahren ist er frei. Zur Ausstellung ist im Kerber Verlag eine Publikation mit Beiträgen der Kuratorin Sabine Schmid und Verena Färber erschienen. Sie kostet im Museum 9,90 Euro.

Kontakt:

Museum Villa Stuck

Prinzregentenstraße 60

DE-81675 München

Telefon:+49 (089) 455 55 10

Telefon:+49 (089) 45 55 51 25

Telefax:+49 (089) 45 55 51 24



09.03.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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Künstler:

Jan Paul Evers










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