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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Beim Auktionshaus Schmidt in Dresden ragen exemplarische Beispiele sächsischer Kunst vor allem aus dem 20. Jahrhundert hervor

Von Bleyl zu Wolf zu Schmidt



Erschrocken schaut das Kind drein, nachdem es wohl gerade erst die seltsame Zeichnung an der schieferschwarzen Mauer entdeckt hat: Gespenstisch weiß schimmernde Totengerippe führen dort ihren grotesken Tanz auf, heben die klappernden Beine und schlagen die Trommel dazu. Mit leerem Blick und erstarrten Gesichtszügen wendet sich das Kind von der Zeichnung ab und dem Betrachter zu. Der Frevler, der sich mit seinem Grafitto an der Mauer verewigt hat, hat sein zweifelhaftes Kunstwerk sogar signiert und datiert: Otto Herbig schuf das Werk 1928, und mit ihr auch den Knaben, die Mauer und den tristen Vorstadtwinkel gleich dazu. In Öl auf Leinwand ist dieser „Totentanz“ gemalt, spätexpressionistischen im Stil und typisch für die von den einen als golden, für die anderen nur als politisch und gesellschaftlich instabil empfundenen 1920er Jahre. Abgesehen davon aber machte der Künstler auch persönlich gerade schwerste Zeiten durch, waren doch innerhalb kürzester Zeit erst seine Frau und dann sein Sohn gestorben. Bei Schmidt in Dresden kommt dieses erschütternde künstlerische Dokument am 8. März für 7.000 Euro zur Auktion.


Mit einer bunten Mischung startet Schmidt in die neue Saison. Wie immer sind zahlreiche Künstler der engeren sächsischen Umgebung vertreten und dementsprechend auch einige Dresden-Ansichten. Von Fritz Beckert beispielsweise gibt es den berühmten Canaletto-Blick bei sonnig-diesigem Licht, ansonsten aber fast im Stil des alten Meisters mit impressionistischen Zutaten, aus dem Jahr 1928 für 3.000 Euro. Von der anderen Seite, vom Ständehaus elbabwärts gesehen ohne Frauenkirche, dafür aber mit der Semperoper im Hintergrund, näherte sich Siegfried Klotz 1997 dem Panorama von Elbflorenz. Die pastos aufgetragene und in Pastelltöne gehüllte Malerei soll 7.200 Euro kosten und vielleicht sogar noch etwas mehr, denn ein ähnliches, allerdings etwas größeres Bild brachte es im vergangenen Herbst bei Schmidt sogar auf 14.000 Euro.

Zwischen diesen beiden Polen von Zwischenkriegs- und Nachwende-Zeit liegen die vierzig Jahre DDR, in denen die Künstler zwischen Streben nach offizieller Anerkennung und autonomer künstlerischer Form ihren Weg suchten. Hans Körnigs blumengeschmückter Frauenkopf „Flora“ von 1953 ist in seinem bunten, kraftvollen Zugriff ein typisches Werk der Aufbruchstimmung nach dem Krieg (Taxe 9.500 EUR). Etwas verhaltener gibt sich Bernhard Kretzschmars Dresden-Ansicht von vor 1967, die sich den Erwartungen nach dem gängigen Motiv strikt verweigert und stattdessen die zerstörte Carolabrücke in den Blick nimmt (Taxe 4.800 EUR). Mit scheinbar festem, aber doch auch unbestimmtem Blick schaut uns Volker Stelzmanns „Selbstportrait mit Schiebermütze“ aus dem Jahr 1980 an (Taxe 6.500 EUR). Einer der wenigen Abstrakten seiner Generation in Ostdeutschland war Max Uhlig, unverwechselbar durch die kurzen schwarzen Pinselstriche, die sich auch auf seiner „Georgshöhe bei Penzlin“ von 1980 über ein buntes Farbengewaber ausbreiten (Taxe 4.800 EUR).

In Richtung Neuer Sachlichkeit tendiert Gussy Hippold-Ahnerts „Ateliereck“ aus dem Jahr 1927. Der Fokus des stilllebenhaften Motivs liegt auf dem schlanken Gladiolenstrauß, der nebst drei Kaktussen vor einer Fensterbank steht und von sanftem Licht umhüllt wird. Für die damals etwa siebzehnjährige angehende Malerin und spätere Otto Dix-Schülerin ist das Gemälde eine höchst eindrucksvolle Leistung (Taxe 3.200 EUR). Ganz schlicht auf einer ornamental geschmückten braunen Tischdecke, aber vor kräftigem türkisfarbenem Hintergrund, stellte Karl Kröner 1922 seinen Strauß von Glockenblumen und Rittersporn auf (Taxe 2.800 EUR). Stärker an den Expressionismus erinnert Emil Orliks Stillleben mit Katze und Vase von 1920 auf und vor einer bunten Decke mit stilisierten Pflanzenmotiven. Ein bisschen fühlt man sich allerdings auch den Jugendstil erinnert angesichts des ornamentalen Linienspiels, das diesem Bild innewohnt. Der 1870 geborene Orlik kam ja auch eher aus dieser künstlerischen Richtung (Taxe 3.000 EUR).

1938 malte Hans Jüchser einen „Bauernhof Mecklenburg“. In der gedeckten Farbigkeit und der fast leblos erscheinenden Szenerie schlägt vielleicht die Traurigkeit durch, die Jüchser angesichts der Zeitumstände und der Beschneidung seines eigenen künstlerischen Schaffensdrangs durch die Nationalsozialisten befallen haben muss (Taxe 9.500 EUR). Gewohnt vielfältig ist einmal mehr das Angebot an Arbeiten Hermann Glöckners. Abstrahiert gegenständliche Malerei bietet sein „Frauenkopf“ in Gelb-Braun mit weißer Brosche wohl aus den frühen 1930er Jahren (Taxe 5.000 EUR), gänzlich abstrakte Positionen bestimmen dagegen die zweite Hälfte seiner Schaffenszeit, etwa die rinnsalartigen „Vertikalen Bahnen in hellem Grund“, ein Abdruck in Tempera auf Velin von 1973 (Taxe 2.000 EUR). Schließlich tritt Glöckner auch noch als Bildhauer auf mit seinen „Zwölf Leisten auf einer Achse“, die sich seit 1966 in schwarz-weißem Wechsel um einen Edelstahlstab drehen (Taxe 1.800 EUR).

Neusachlich wird es noch einmal mit dem Portrait eines sitzenden Mädchens im Profil nach links, das der Suhler Maler Alexander Gerbig 1931 in Pastell schuf (Taxe 550 EUR). Dass Theo Garvé bei Max Beckmann in Frankfurt studiert hat, scheint man seinen kräftigen Holzschnitten oder auch der mit schwarzen Konturlinien durchzogenen Dünenlandschaft in farbige Wachskreiden von 1969 anzusehen (Taxe 1.000 EUR). Auch Eduard Bischoff kommt aus der expressionistischen Schule; das machen seine beiden Holzschnitte „Ausblick auf das Meer“ und vor allem der kantige „Mann mit Brot“ von 1964 deutlich (Taxe je 240 EUR). Zur Münchner Künstlergruppe „Scholle“ zählt Walter Georgi, was sich schon auf seiner aquarellierten Kohlezeichnung in der Wahl des Motivs ausdrückt. Kernig hat er dort 1918 einen muskulösen Bauern mit Pferdegespann dargestellt (Taxe 360 EUR). Ins niederländische Ausland wendet sich Schmidts Offerte mit Armand Boutens Aquarell „Stehender Akt mit Katzen auf der Veranda“ in karikaturhaften Zügen (Taxe 1.500 EUR).

Bei den Zeichnungen verdient ein Blatt noch aus dem 18. Jahrhundert erhöhte Aufmerksamkeit: In einer außerordentlich fein ausgearbeiteten Tuschzeichnung hielt Johann Philipp Veith 1788 einen Fernblick auf Dresden von der Anhöhe des Waldschlösschens aus fest (Taxe 2.500 EUR). Unter den Druckgrafiken liegen bei Schmidt mehrere Holzschnitte großer Expressionisten der Dresdner „Brücke“ bereit: Karl Schmidt-Rottluffs „Akte im Freien“ von 1913 für 7.000 Euro sowie vier Blättern Ernst Ludwig Kirchners, allesamt symbolistisch-jugendstilige Frühwerke aus dem Jahr 1905 wie „Die Vereinigung“, „Versuchung“ oder „Kettenschlepper“. Früherer Besitzer war der Zwickauer Museumsdirektor Richard Wolf, und davor Kirchners kurzzeitiger „Brücke“-Gefährte Fritz Bleyl, dessen Erbe 1966 zum Teil an die Kunstsammlungen Zwickau, zum Teil aber auch in private Hände wie eben Richard Wolf ging (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 8. März um 10 Uhr. Die Besichtigung der Objekte ist bis zum 7. März täglich außer sonntags von 10 bis 20 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.schmidt-auktionen.de.

Kontakt:

Schmidt Kunstauktionen Dresden

Bautzner Straße 99

DE-01099 Dresden

Telefon:+49 (0351) 81 19 87 87

Telefax:+49 (0351) 81 19 87 88

E-Mail: mail@schmidt-auktionen.de



02.03.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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