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Understatement als Geheimrezept: Der Berliner Martin-Gropius-Bau ehrt die renommierte Reportagefotografin Barbara Klemm mit einer großen Retrospektive

Die sanfte Jägerin



Wer schon einmal eine große Pressekonferenz miterlebt hat, kennt das Phänomen: Ganze Heerscharen von Fotografen, oft bis an die Zähne mit mächtigen Kameras und Objektiven ausgestattet, rangeln um die besten Plätze, belagern die Protagonisten und setzen sie einem maschinengewehrartigen Blitzlichtgewitter aus. Frei nach dem Motto: Irgendein brauchbares Bild wird schon dabei sein. Ganz anders Barbara Klemm. Die Grande Dame der deutschen Pressefotografie war in den vergangenen 40 Jahren zwar auch häufig dabei, wenn Staatsmänner aufeinander trafen, Demonstranten auf die Straße gingen, Mauern fielen, große Musiker oder Dirigenten die Bühne betraten oder Künstler wie Andy Warhol oder Joseph Beuys ihre Auftritte hatten. Doch Barbara Klemm verstand es, sich unsichtbar zu machen und selbst intimste Momente wie 1973 die Verhandlung der Ostverträge zwischen Willy Brandt und Leonid Breschnew in Bonn einfühlsam und ohne jeden sensationalistischen Unterton festzuhalten.


Ein Blitzlicht hat sie nie benutzt. Die Pose des Eindringlings hat sie immer vermieden. Um ein gutes Bild zu machen, kam Barbara Klemm entweder etwas früher als die anderen, oder aber sie blieb einfach da, wenn die stets unter Termindruck stehende Meute längst schon wieder abgezogen war. „Ich spiele gerne Regisseurin und warte, bis sich alles ordnet“, hat sie einmal gesagt. Die Bilder, die sie in erster Linie für ihr wichtigstes Medium, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), aufnahm, sind keine unmotivierten Zufallstreffer und frei von jeglicher Beliebigkeit. Von 1959 bis 2004 war Klemm für die FAZ tätig. Zunächst als Fotolaborantin hinter den Kulissen und seit 1970 als Redaktionsfotografin für Politik und Feuilleton mitten im Geschehen. Die 2001 eingestellte Kupfertiefdruckbeilage „Bilder und Zeiten“ war ihr bevorzugtes Forum.

Der Berliner Martin-Gropius-Bau widmet der 1939 als Tochter des Malers Fritz Klemm in Münster geborenen und in Karlsruhe aufgewachsenen Fotografin noch bis Anfang März eine groß angelegte Retrospektive, die rund 320 Arbeiten aus den Jahren 1968 bis 2013 versammelt. Der Berliner Dichter und Essayist Durs Grünbein nennt Barbara Klemm im Katalog der Schau „Die Jägerin“, schränkt diese Etikettierung aber gleich wieder ein, indem er feststellt: „Das Motiv wird von ihr nicht gesucht noch hinterrücks ‚geschossen’, sondern gleichsam mit dem Lasso eingefangen.“

Und Motive fand diese ganz Stille unter den großen Reportagefotografen nahezu überall. Sie war dabei, als Theodor W. Adorno 1969 mit Studentenführern diskutierte. Sie war dabei, als Wolf Biermann 1976 während einer Konzertreise in Köln von seiner Ausbürgerung durch die DDR erfuhr. Und sie war vor Ort, als die letzten Rotarmisten mit dem Zug die DDR verließen. Stets in der Rolle der teilnehmenden Beobachterin. Neben den historischen Momenten der bundesrepublikanischen Geschichte und der deutschen Wiedervereinigung hielt Klemm aber auch immer wieder den Alltag der Menschen fest – in Deutschland und auf der ganzen Welt: eine junge Frau auf der Intensivstation, eine türkische Hochzeit, mongolische Cowboys, einen Moskauer Polizisten vor einer westlichen Schaufensterauslage kurz nach dem Ende der Sowjetunion oder das samstägliche Ritual des Autowaschens.

Was die besondere ästhetische Qualität ihrer Aufnahmen auszeichnet, ist nicht zuletzt das Resultat ihrer akribischen Arbeitsweise. Barbara Klemm, die in jungen Jahren eine klassische Fotografenlehre absolviert hat, fotografiert bis heute analog, sie benutzt Schwarz-Weiß-Filme, und sie fertigt ihre Abzüge auf Barytpapier nach wie vor selbst in der Dunkelkammer an. Anders als viele ihrer Magazin-Kollegen, die es gewohnt sind, in langen Bildstrecken zu arbeiten, war sie als die Fotografin einer Tageszeitung stets dazu angehalten, ein ganzes Geschehen auf einem einzigen ikonischen Bild zu verdichten. Was ihr zweifellos immer wieder gelungen ist.

Die Ausstellung „Barbara Klemm. Fotografien 1968-2013“ ist bis zum 9. März zu sehen. Der Martin-Gropius-Bau hat täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder und Jugendliche frei bis 16 Jahre ist er frei. Der 380seitige Katalog aus dem Nimbus Verlag mit 250 Abbildungen in Duoton kostet im Gropiusbau 29 Euro, im Buchhandel 48 Euro.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07



02.03.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


16.11.2013, Barbara Klemm. Fotografien 1968 – 2013

Bei:


Martin-Gropius-Bau

Bericht:


„Reisenotizen“ von Goethe und Klemm in Bad Homburg

Künstler:

Barbara Klemm










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