Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 29.11.2018 Nachverkauf Auktion 69

© Galerie Auktionshaus Hassfurther

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

In Karlsruhe gewährt das Institut für Auslandsbeziehungen erstmals Einblicke in seine umfangreiche Sammlung

Hauptwege und Nebenwege der deutschen Kunst



„Was wächst, macht keinen Lärm“. Diese Redensart mag das auf den Punkt bringen, was vielen Ausstellungsbesuchern beim Besuch der Karlsruher Ausstellung des Institut für Auslandsbeziehungen in den Sinn kommt. Im Schatten medial teils lautstark kommunizierter Kunstankäufe wichtiger öffentlicher Einrichtungen und Privatkollektionen etablierte sich in Etappen eine Sammlung deutscher Kunst, die im Inland weithin unbekannt ist, sich in anderen Staaten aber veritabler Reputation erfreut. Stringent entwickelt das Institut für Auslandsbeziehungen seit sechzig Jahren Ausstellungen; seit vierzig Jahren erwirbt es dazu Kunstwerke zeitgenössischer bildender Künstler. Oft direkt aus den Ateliers angekauft, sollen sie ein zeitgemäßes Deutschland-Bild im Ausland über das Medium aktueller Kunst transportieren. Auf diese Weise gelangte die stolze Zahl von über 23.000 Werken von rund 2.000 Künstlern in den Besitz des Instituts.


Erstmals versucht nun eine große Ausstellung einen Überblick über die Gesamtbestände zu geben. Die Kuratoren Matthias Flügge und Matthias Winzen wurden mit der Sichtung der Sammlung und der Zusammenstellung einer repräsentativen Auswahl beauftragt. 428 Exponate von 111 Künstlern wählten beide Experten für die mit „Weltreise“ überschriebene Überblicksschau aus. Der Auftakt der Ausstellungstournee findet zur Zeit im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) statt, bevor sie von April bis Oktober nach Moskau und von da aus rund um die Welt zieht.

Das 1949 gegründete Institut für Auslandbeziehungen (ifa) agiert in der Rechtsform eines eingetragenen gemeinnützigen Vereins als öffentlich-rechtliche Körperschaft mit Sitz in Stuttgart und Berlin im Auftrag des Auswärtigen Amtes als wichtiger Akteur in der deutschen „Außenkultur“. In Zusammenarbeit mit renommierten Kuratoren inszeniert es weltweit tourende, monografische als auch thematische Ausstellungen zu zeitgenössischer Kunst, Design, Fotografie, Film und Architektur aus Deutschland. Allein 2012 wurden 88 Ausstellungen deutscher Kunst im Ausland arrangiert. Zwei eigene Galerien in Stuttgart und Berlin oder die Betreuung des deutschen Beitrags auf der Biennale in Venedig fallen gleichfalls in die Zuständigkeit des ifa. Im Jahr 1991 wurde der Kunstbestand mit großen Teilen der zentralistischen Sammlung „staatsnaher Kunst“ des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR vereinigt. Einzelwerke sind auch als Leihgaben an Botschaften, Konsulate oder Goethe-Institute vergeben.

Die Ausstellung in Karlsruhe thematisiert, welches Bild von Deutschland in den zurückliegenden Jahrzehnten vermittelt wurde. Was ist deutsche Kunst? Welche Kunst repräsentiert Deutschland anderswo? Wie kann sie das Handeln der Politik beeinflussen? Welche Resonanz ergibt sich hinsichtlich Rezeption und Wirkung der im Ausland vorgenommenen Ausstellungspraxis? Die Aktivitäten des ifa konzentrieren sich vornehmlich auf den Austausch, weniger auf das „Sendungsbewusstsein“. Bei der Auswahl der Arbeiten durch die beiden unabhängig agierenden Kuratoren erweisen sich oft subjektive Kriterien als ausschlaggebend. Festzuhalten bleibt: Gekennzeichnet durch die Nähe der Auswählenden zum Künstler und nicht im Mainstream verhaftet, wird ein sehr spezifisches Bild deutscher Kunst im Ausland vermittelt.

Schreitet man durch die chronologisch und nach Themenfeldern gegliederte Schau, fällt einerseits der große Anteil an Papierarbeiten in einem insgesamt breit gefächerten Crossover medialer Gattungen auf. Andererseits wird deutlich, wie sich seit den 1950er Jahren die Fotografie zur autonomen Bildkunst entwickelt. Danach gewinnt die Videokunst an Bedeutung. Immer stärker werden in der Folge Arbeiten mit sozialen und politischen Themen aufgeladen. Als gemeinsames Merkmal der Ankaufspolitik beider deutscher Staaten tritt zudem die Abgrenzung zur Kulturpolitik der NS-Zeit deutlich zu Tage.

Der lange Parcours visualisiert Nachkriegskunst, Pop Art, Fluxus bis hin zu den „Pixelwelten“ von Corinne Wasmuht. „Pferde auf der Weide“, ein Farbholzschnitt von Ewald Mataré aus dem Jahr 1935, steht als ältestes Werk am Anfang. Ebenfalls dunkel abgetönte grafische Blätter von HAP Grieshaber, organische Form- und Farbewelten von Willi Baumeister und Fritz Winter oder schon scharfkantigere abstrakte Figuren von Hans Uhlmann repräsentieren die 1950er Jahre. Immer wieder lassen die beiden Kuratoren als Pedant zu den Vertretern der Bundesrepublik ostdeutsche Künstler zu Wort kommen. In diesem Falle bestreitet den Part der Dresdner Hermann Glöckner mit geometrischen, gleichfalls abgetönten Konstruktionen.

Schon rasch kommt die Fotografie ins Spiel. Ein wichtiges Entwicklungsstadium auf dem Feld fotografischer Editionen repräsentiert der Bildband „Unter Krahnenbäumen“ von 1958. Schwarzweißaufnahmen von Karl Heinz Hargesheimer alias Chargesheimer und Arno Fischer zeigen Alltagssituationen in der jungen Bundesrepublik und der DDR von Fronleichnamsprozessionen über Trümmerwüsten bis zur Kundgebung. Joseph Beuys setzt in der Folge einprägsame Akzente. Hier sind es vor allem die frühen Werke, Kleinplastiken wie das „Wutkreuz“ von 1952 oder die Maggiflasche nebst Abhandlung von Immanuel Kant. „Ich kenne kein Weekend“, so das Multiple von 1972, wurde im Entstehungsjahr für die Wanderausstellung „Fluxus in Deutschland“ erworben. Mit Carlfriedrich Claus, Bernard Schultze, Gerhard Altenbourg, Emil Schumacher, Karl Otto Götz, Fred Thieler, Norbert Kricke, Nam June Paik, Dieter Roth oder Wolf Vostell breiten sich dann Fluxus und das Informel erschöpfend aus.

Dann beleuchten Matthias Flügge und Matthias Winzen ZERO und sein Umfeld mit den nach wie vor allseits präsenten Vertretern Otto Piene, Heinz Mack, Günther Uecker, Adolf Luther oder „Lichtkissenkünstler“ Gotthard Graubner. Gegenstandslose konstruktivistische Malerei von Rupprecht Geiger oder Günter Fruhtrunk leitet über zu Arbeiten von Hanne Darboven und Jochen Gerz aus den 1970er und 1980er Jahren, mit deren Werke die Reflexion über Aufgaben des Künstlers in der Gesellschaft und über die künstlerischen Mittel ins Zentrum rücken. Das Performative und Ephemere gewinnt bei Franz Erhard Walther, Reiner Ruthenbeck, Rebecca Horn, Ulrike Rosenbach und Michael Morgner an Bedeutung, bei denen der Augenblick und die aktive Rolle des Betrachters das Werkschaffen erst erfahrbar werden lassen.

Immer wieder lassen die Kuratoren Positionen der Fotografie einfließen. Überraschend prägnant formen der approbierte Arzt und Amateurfotograf Otto Steinert, Klaus Rinke, Jürgen Klauke, Dieter Appelt, Anna und Bernhard Blume sowie die ebenfalls eine Ausbildung zur Medizinerin absolvierende und dann zur Beuys-Schülerin gewordene Künstlerin Katharina Sieverding Realitäten und binden sie nicht mehr ab. Mit je rund 20 Arbeiten, vorwiegend auf Papier, sind mit Sigmar Polke und Gerhard Richter als führende Vertreter des Kapitalistischen Realismus stark präsent, ergänzt von Wolfgang Mattheuer, Thomas Bayrle, Achim Duchow oder Hans-Peter Feldmann. Klaus Staeck, Robert Rehfeld, Manfred Butzmann, Wolfgang Petrick, aber auch Wolf Vostell verkörpern die Kunst im Spannungsfeld politischer Agitation in den 1970er Jahren.

Barbara Klemm und ihre Ostberliner Kollegin Sibylle Bergemann bilden den Auftakt zur immer stärker auftretenden Fotografie, bestritten unter anderem von Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky, Candida Höfer, Thomas Struth, Jörg Sasse, Ulrich Wüst und Matthias Hoch, dessen dialektische Fotografie „Dresden-Neustadt“ von 1988 aus der Serie „Bahnhöfe“ zum Titelmotiv der Ausstellung auserkoren wurde. Thomas Florschuetz, Günther Förg und Herlinde Koelbl setzen das Genre fort. Fast schon in der Gegenwart angekommen, schließen Imi Knoebel, A.R. Penck, Max Uhlig, Strawalde (Jürgen Böttcher), Markus Lüpertz, Trak Wendisch, Walter Libuda, Christiane Möbus und Rosemarie Trockel den Rundgang ab, flankiert von Akzenten aus dem Bereich der Plastik von Katharina Fritsch, Asta Gröting, Hermann Pitz, Martin Honert, Thomas Schütte, Georg Herold, Isa Genzken und Olaf Metzel. Wolfgang Tillmans und Julian Röder leiten abschließend über zu einer zu unrecht etwas an den Rand gedrängten Videoinstallation von Marcel Odenbach, dem herausragenden Pionier unter den Videokünstlern in Deutschland.

Was ist nun das „Bild“ von Deutschland? Das Vorgestellte bietet ein Geflecht weit ausufernder Haupt- und Nebenspuren deutscher Kunstentwicklung. Die Kuratoren haben die sichere Seite gesucht im Bemühen, innerdeutsche Dialoge zu schaffen. Doch hätte der Zusammenstellung mehr entschlossene Courage gut getan, falsche Wege, auch endende Sackgassen, spritzige, aneckende Positionen oder fulminante Fehltritte aufzuzeigen. Stattdessen scheinen persönliche Vorlieben tonangebend. Dass mit Hans Haacke, Jörg Immendorff, Brigitte Matschinsky-Denninghoff, Otto Herbert Hajek oder dem einst im deutschen Biennalepavillon gefeierten und heute vergessenen Günter Haese maßgebliche Vertreter deutscher Kunst fehlen, mag bei kundigen Besuchern eine gewisse Leere und unbeantwortete Fragen hinterlassen.

Die Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“ ist noch bis zum 2. März zu sehen. Das ZKM – Museum für Neue Kunst hat täglich außer montags und dienstags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Kontakt:

Museum für neue Kunst

Lorenzstraße 9

DE-76135 Karlsruhe

Telefon:+49 (0721) 81 00 13 25

Telefax:+49 (0721) 81 00 13 09

E-Mail: mnk@zkm.de



17.02.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


26.10.2013, Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 − heute

Bei:


Zentrum für Kunst und Medien

Variabilder:

in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“
in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“

Variabilder:

in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke
 aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“
in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“

Variabilder:

in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“
in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“







in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“

in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“

in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“

in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“

in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“

in der Ausstellung „Weltreise. Kunst aus Deutschland unterwegs. Werke aus dem Kunstbestand des ifa 1949 bis heute“




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce