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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Eine Doppelausstellung in Paderborn widmet sich dem Glas-Maler Peter Gallaus

Meister auch in zweiter Reihe



Nicht immer müssen es weltbekannte Künstler sein, um Bedeutendes zu entdecken. Auch in der zweiten und dritten Reihe insbesondere in der Kunst des 20. Jahrhunderts finden sich immer wieder Positionen, die es verdienten, einer breiteren Öffentlichkeit näher vorgestellt zu werden. So ein Künstler ist der schlesisch-westfälische Maler, Grafiker und Glasmaler Peter Gallaus. Anlässlich von dessen hundertstem Geburtstag veranstaltet die Stadt Paderborn derzeit eine umfangreiche Werkschau mit rund hundert Arbeiten aus allen verfügbaren Schaffensphasen und Gattungen, die der Meister bedient hat. Orte der Schau sind die beiden Ausstellungshäuser der Städtischen Galerie Am Abdinghof im Schatten des Paderborner Domes sowie in der Reithalle im Vorort Schloß Neuhaus. Mag man zunächst denken, dass diese Aufspaltung ein wenig übertrieben ist für einen solch wenig bekannten Künstler, der bislang nicht einmal einen Artikel im Internetlexikon „wikipedia“ vorweisen kann. Doch zeigt sich bei der Durchsicht des präsentierten Bestandes rasch, dass dieses Werk doch zu viele Facetten hat, um es mal eben so abhandeln zu können.


Schon die künstlerische Biografie Peter Gallaus’ offenbart beachtliche Stationen. 1913 in Schlesien geboren, absolvierte er zwischen 1928 und 1931 ein Kunststudium an der damals hochangesehenen Akademie in Breslau, an der bis zu ihrer rüden Schließung im Frühjahr 1932 so bekannte Meister wie Carlo Mense, Georg Muche, Oskar Schlemmer und als Direktor Oskar Moll lehrten. Gallaus’ wichtigster Lehrer hier war der frühere Dresdner „Brücke“-Expressionist Otto Mueller. 1932 setzte er sein Studium an der Kunstgewerbeakademie in Dresden fort. In der renommierten Galerie Kühl hatte der etwas über Zwanzigjährige zwei Jahre später seine erste Ausstellungsbeteiligung. Wie bei so vielen Kollegen seiner Generation erfuhr die künstlerische Entwicklung und Karriere jedoch einen tiefen Einschnitt durch die nationalsozialistische Kunstpolitik. Gallaus wurde mit Berufsverbot belegt, wich zunächst ins französische Ausland aus, nahm jedoch schon ab 1939 am Weltkrieg teil und konnte keine Ausstellungen mehr beliefern. Sein Atelier und damit ein Großteil seines bisherigen Werkes gingen beim großen Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 unter.

Aus diesen ersten Jahren können die Kuratoren der Paderborner Ausstellung nur eine Handvoll Werke nachweisen und ausstellen. Es sind aquarellierte Landschaften im Winter, die in ihrer Weiträumigkeit, ihrer Stille und elegischen Beschaulichkeit ein wenig an die große Tradition der Dresdner Romantiker und an den Otto Dix der 1930er Jahre erinnern. Altmeisterlich zudem in ihrer Technik sind auch die ersten Arbeiten der Nachkriegszeit, so einige in Öl gemalte Stillleben im Stil der Neuen Sachlichkeit, die fast malerische Ansicht des ausgebrannten Dresdner Zwingers mit der später abgeräumten Ruine der Sophienkirche oder die „Neuhäuser Mühlenwerke“. Mit letzterem, fast gemäldehaft ausgearbeitetem Blatt finden wir Gallaus bereits in Westfalen. Hier gelang ihm eine Ansiedlung in der Senne nahe Paderborn, hier fand er bald neue Aufgaben, Aufträge und mit seiner Heirat genau ein Jahr nach dem verheerenden Angriff auf Dresden am 13. Februar 1946 auch neues persönliches Glück.

Den Pfad der mehr oder weniger rein abbildenden Funktion der Malerei verließ Gallaus bald, mehr und mehr abstrahierte er seine Motive, schöpfte sie nicht nur aus dem Sichtbaren, sondern ebenso aus den eigenen Vorstellungen und Visionen. Anregungen dazu dürfte er in vielfältiger Weise durch seine umfangreichen Kontakte in die junge Kunstszene Westdeutschlands, insbesondere des Rheinlands erhalten haben, denn der Wahlwestfale war hier fest verankert. Beteiligungen an Gruppenausstellungen der Künstlervereinigung Junger Westen in Recklinghausen, weitere Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland, seine Funktion als Vorsitzender im Berufsverband bildender Künstler Ostwestfalen-Lippe seit 1952 zeugen von einer regen, keineswegs nur in das eigene Schaffen versunkenen Tätigkeit und den damit verbundenen Erfolgen.

Bunt ist seine Malerei in diesen letzten, schaffensreichen gut zwei Jahrzehnten seines bereits 1971 infolge eines Herzinfarkts geendeten Lebens. Bilder wie „Sümpfe“ von 1953, „Kristallblumen“ von 1954 oder die exotisch angehauchte „Revue Orientale“ von 1956 belegen Gallaus’ Lust an reichen Formclustern, die er rasch in ganz abstrakte Kompositionen zu übersetzen begann. Dass sich fremde Einflüsse mitunter tiefer niedergeschlagen haben, als es einem völlig eigenständigen schöpferischen Prozess vielleicht gut täte, lässt sich nicht ganz verleugnen. Fritz Winter, Ernst Wilhelm Nay, auch die Abstrakten Expressionisten jenseits des Atlantiks wie etwa Adolph Gottlieb oder – wenn man seine hübschen Mobiles betrachtet – Alexander Calder mögen bei einigen von Gallaus’ Arbeiten Pate gestanden haben. Besonders die Malereien der letzten Jahre erhalten überdies einen Zug ins dekorativ Surreale, wobei aber auch hier immer wieder unvermutete Wendungen ein Abrutschen des Gesamtwerkes ins Banale verhindern.

Großen Raum, insbesondere im Ausstellungsteil in der Städtischen Galerie im Paderborner Zentrum, nimmt seine Tätigkeit als Glasmaler ein. Für kirchliche Bauten überwiegend im Erzbistum Paderborn schuf Peter Gallaus meist kleinteilige abstrakte Kompositionen, die den Betrachter naturgemäß in kontemplative Haltung versetzen sollten. Größere genuin künstlerische Kreativität offenbaren seine Entwürfe für profane Zwecke, insbesondere zwei Arbeiten für den Neubau des Gebäudes der Paderborner Stadtverwaltung aus dem Jahr 1956. Der hochformatige „Phönix“ gewinnt in seinem Kontrast zwischen großen weißen, schwarzen und violetten Flächen mit einem kleinteiligen Gewirr kristalliner Felder sowie seiner schwungvollen Linienführung eine Kraft, die den besten Arbeiten deutscher Informeller jener Jahre kaum nachsteht. Ausgeführt wurde dann ein Rundbild gleichen Titels, das den konservativen Stadtvätern wohl nicht ganz so avantgardistisch erschienen sein mag, die gestalterischen Qualitäten seines Schöpfers auf der Höhe der Zeit jedoch ebenfalls eindrucksvoll belegt.

Die Ausstellung „Peter Gallaus - Zum 100. Geburtstag“ in Paderborn läuft bis zum 2. März. Geöffnet sind die Städtische Galerie in der Reithalle Schloß Neuhaus und die Städtische Galerie Am Abdinghof dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 2,50 Euro, ermäßigt 2 Euro. Der Katalog kostet 19,80 Euro.

Kontakt:

Städtische Galerie Am Abdinghof

Am Abdinghof 11

DE-33098 Paderborn

Telefon:+49 (05251) 88 12 47

Telefax:+49 (05251) 88 21 41

E-Mail: staedtische-galerien@paderborn.de



09.02.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


07.12.2013, Peter Gallaus - Zum 100. Geburtstag

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07.12.2013, Peter Gallaus - Zum 100. Geburtstag

Bei:


Städtische Galerien Paderborn

Künstler:

Peter Gallaus










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