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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Das Künstlerhaus ist mehr als nur Wohn- und Arbeitswelt. Es ist ein Gesamtkunstwerk: Phantastisch, spleenig, weltabgewandt, visionär, narzisstisch und exzentrisch. Die Villa Stuck in München beleuchtet in ihrer Ausstellung „Im Tempel des Ich“ diesen Typus anhand von zwanzig außergewöhnlichen Orten

Die Villa Stuck und andere Artgenossen



Das Sir John Soane’s Museum in London

Das Sir John Soane’s Museum in London

Es gibt anscheinend keinen besseren Ort, um den Visionen eines Künstlers nachzuspüren, als in seinem selbst erschaffenen Haus. Dort haben sich die Thesen und Theorien, die Fantasien und Konzepte und die große Sehnsucht aller Künstler, der schnöden Wirklichkeit zu entfliehen, in Architektur manifestiert. Eine Welt für sich, in der das Ego der Künstler ganz gewiss keine untergeordnete Rolle spielte. Den Historienmaler Lawrence Alma-Tadema überkam um 1865, nachdem er Pompeji vermessen hatte, das starke Bedürfnis, sein Haus zu entkernen und wie im alten Rom die Räume offen ineinander übergehen zu lassen. Er möblierte sein Haus in einer Mischung aus orientalisch und antik, ganz so wie man es auch auf seinen Gemälden zu sehen bekommt. Das Haus war Statement und natürlich auch Statussymbol, es war Inspiration und Kulisse für die eigenen Bilder, wie man in dem Gemälde „Unter dem Dach des blauen ionischen Wetters“ von 1901 erkennen kann. Die geschwungene, archaische Marmorbank auf diesem Meeresterrassensujet war fester Bestandteil seines Ateliers.


Den Franzosen Jacques Majorelle verschlug es in den 1920er Jahren nach Marrakesch, wo er anscheinend von einer Symbiose aus traditionellem nordafrikanischen Stil und Funktionalismus träumte. Unten ist die Fassade seines Atelierhauses vom klassischen, islamischen Rundbogenstil geprägt, oben sind Balkon, große Fensterfront und ein flaches, weit über die Terrasse hinausragendes Dach nach Art des sachlichen Bauhausstils entworfen. Als Maler liebte Majorelle selbstverständlich die Farben Marokkos, die in seinen Gemälden aufleuchten, über alles. Sein Haus und auch die Gartenelemente wie Brunnen und Pflanzkübel tauchte er in ein Blau von unglaublicher Intensität, so dass dieser Ort erschien, als sei er einem modernen Tausend-und-eine-Nacht-Märchen entstiegen.

Schon lange existiert die Theorie, dass Künstler und ihre Behausungen zu einem ganz eigenen Kosmos verschmelzen. Das Münchner Museum Villa Stuck legt mit seiner Schau „Im Tempel des Ich“ dazu nun den Beweis vor und kann doch ganz bei sich selbst anfangen. Denn auch Franz von Stuck hat um 1900 in seiner Villa Lebensentwurf und ästhetische Positionsbestimmung zu einem übergreifenden Kunstwerk wachsen lassen. Als er seine Villa erbaute, tobte der Kampf zwischen Historismus und Moderne. Stuck sah die Zukunft der Kunst in einer Neuinterpretation der Antike und kreierte einen eleganten, prachtvollen Neoklassizismus, der eines Malerfürsten aber auch dem Anspruch nach Progressivität gerecht wurde. Nicht ohne Eitelkeit bezeichnete er die faszinierende Verschmelzung von Architektur, Raumkunst, Design, Malerei und Plastik als „Inkarnation seiner selbst“. Stucks 150. Geburtstag im Jahr 2013 gab den Anstoß, Künstlerhäuser als „Schatzhäuser der Kreativität“, wie es im Katalog heißt, weltweit in den Fokus zu nehmen.

Künstlerhäusern haftet noch oft genug der Geruch touristischer Attraktionen oder einer geweihten Stätte an. Aber in der etwas distanzierten, dokumentarischen Gegenüberstellung von Fotografien, Einrichtungsgegenständen und Kunstwerken aus etwa 20 zum Teil lebensfernen, individualistischen und herrlich skurrilen Häusern aus der Zeit von 1800 bis 1945 schält sich vor allem das Wesen des Künstlerhauses heraus: Es spiegelt die geistige Welt ihrer Schöpfer und ist Teil seines Werkes. Wer in der Ausstellung „Im Tempel des Ich“ die alles durchdringende Gotik- und Renaissancehuldigung im Red House des großen britischen Reformers William Morris oder den konsequent asymmetrischen, ganz auf geometrischen Flächen basierenden, weißen Kubus eines Theo van Doesburg, des Mitbegründers von De Stijl, betrachtet, erfährt die kreative Kraft, die in diesen manchmal narzisstisch, manchmal ideebesessenen Häusern verborgen ist.

Sie bündeln künstlerische und intellektuelle Projektionen, wie Victor Hortas Wohnhaus in Brüssel, das von der Außenfassade bis zur Stehlampe dem Jugendstil huldigt und wie aus einem Guss erscheint. Hier demonstrierte Horta seine eigene Theorie einer neuen Fusion von Architektur und Kunst. Manchmal aber waren die künstlerisch ambitionierten Lebensräume auch die Bühne einer gewissen Selbstinszenierung. So etwa für den englischen Maler Mortimer Luddington Menpes. In seinen Augen waren Japan und seine Kunst der Gipfel zivilisatorischer Kultur. Sein Haus gestaltete er nach strengen fernöstlichen Dekorationsprinzipien ausschließlich mit japanischen Einrichtungsstücken. Seine Gemälde adaptieren japanische Sujets und Stile. Und der Meister selbst stand selbstverständlich im Kimono vor der Leinwand.

Es handelt sich hier um Orte, an denen die Kunst selbst gelebt wurde und wo man einen Stil zum Lebensprinzip erhoben hat, aber auch das Experiment wagte. Ganz dem Expressionismus und seinen Abwandlungen im Art Déco hatte sich der Baukeramiker und Bildhauer Johann Michael Bossard verschrieben. In und an einer Backsteinkate in der Lüneburger Heide realisierte er seinen Lebenstraum und fügte gezacktes Maßwerk und konstruktive, spitz in den Himmel ragende Giebelfenster in die geziegelte Fassade. Innen erwartet den Besucher noch heute ein esoterisch angehauchter Tempel aus bunter Keramik und über und über mit spätexpressionistischen Friesen überzogenen Wänden. Kurt Schwitters’ Merzhäuser hingegen, in denen er seine avantgardistischen skulpturalen Vorstellungen in eine dekonstruktivistische, verschachtelte Architektur übertrug, existieren heute nicht mehr.

Die Ausstellung „Im Tempel des Ich. Das Künstlerhaus als Gesamtkunstwerk – Europa und Amerika 1800-1948“ ist noch bis zum 2. März zu sehen. Das Museum Villa Stuck hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, freitags von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro und ermäßigt 4,50 Euro, für Besucher bis 18 Jahren ist er frei. Empfehlenswert ist der weiterführende Katalog mit Beiträgen der Ausstellungskuratorin Margot Th. Brandlhuber, Jean-Louis Cohen, Félix Marcilhac und anderen. Der reich illustrierte Band ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet im Museumsshop 48 Euro.

Kontakt:

Museum Villa Stuck

Prinzregentenstraße 60

DE-81675 München

Telefon:+49 (089) 455 55 10

Telefon:+49 (089) 45 55 51 25

Telefax:+49 (089) 45 55 51 24



09.02.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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21.11.2013, Im Tempel des Ich. Das Künstlerhaus als Gesamtkunstwerk – Europa und Amerika 1800-1948

Bei:


Museum Villa Stuck

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Atelierhaus und Garten des Malers Jacques Majorelle in Marrakesch
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Die Vorhalle in Mortimer Luddington Menpes’ Studio House in London, 1902
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aus Mortimer
 Luddington Menpes’ Studio House in London: Chinesischer Klappstuhl, Qing-Dynastie, um 1700/80
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Claude Monet, Der Seerosenteich, Harmonie in Grün, 1899
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Claude Monet vor seinem Haus in Giverny, 1921
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Gustave Moreau, Hesiod und die Muse, 1891
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Das Musée Gustave Moreau in Paris
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Atelierhaus und Garten des Malers Jacques Majorelle in Marrakesch

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Die Vorhalle in Mortimer Luddington Menpes’ Studio House in London, 1902

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aus Mortimer Luddington Menpes’ Studio House in London: Chinesischer Klappstuhl, Qing-Dynastie, um 1700/80

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Claude Monet, Der Seerosenteich, Harmonie in Grün, 1899

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Claude Monet vor seinem Haus in Giverny, 1921

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Gustave Moreau, Hesiod und die Muse, 1891

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Das Musée Gustave Moreau in Paris

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William Morris’ Red House in Bexleyheath bei London

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William Morris und Philip Webb, Wallpaper „Trellis“, 1862/64

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Jacques Majorelle, Le Souk des soieries

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Das Maison Khnopff in Brüssel, 1901

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Fernand Khnopff, Ich schließe mich selbst ein, 1891

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