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Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum stellt die Kollektion des französischen Malers Jean-François Gigoux vor

Der unsterbliche Nimbus eines gefügigen Nutznießers



Jean-François Gigoux, Die letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci, 1835

Jean-François Gigoux, Die letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci, 1835

Imperial sind allein die Ausmaße des Gemäldes. Auf fast dreieinhalb mal fünf Metern sind „Die letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci“ beeindruckend wiedergegeben. Der vollbärtige, bleiche Leonardo sinkt vor seiner Bettstatt leicht nach rechts versetzt auf einem Kissen nieder, gestützt vom hoheitsvoll inszenierten König Franz I. und einem Diener. Links vor einer sich öffnenden Galerie steht der Altar. Von hier aus nähert sich ein Priester, flankiert von zwei Kerzen tragenden Ministranten, um dem Heimgehenden das Sterbesakrament zu reichen. Über der Szene hängt die Felsgrottenmadonna Leonardos. Ganz am linken Bildrand nimmt der Maler des Monumentalbildes selbst an dem 300 Jahre vor seiner Zeit zugetragenen, der Legendenbildung Nahrung gebenden Ereignis teil: Jean-François Gigoux. Gleichberechtigt stellt er sich damit in die Reihe großer und anerkannter Historienmaler seiner Zeit.


Heute mag man es kaum für möglich halten, aber dieses sicherlich von vielen despektierlich als „Salonschinken par excellence“ eingeschätzte Ölgemälde brachte seinem Autor auf dem Pariser Salon 1835 einen Triumph ein. In der Kategorie Historienmalerei erhielt er dafür die „Medaille erster Klasse“, die zusätzlich mit dem Ankauf des Gemäldes durch das Innenministerium noch vergoldet wurde. Fast 50 Jahre lag es gerollt im Depot des Musée des Beaux-Arts et d’ Archéologie in Besançon und ist nun erstmals wieder frisch restauriert in Wuppertal zu besichtigen, neben einer zeitgenössischen Kopie und einer Umsetzung als Grafik.

Von der Kritik als „Meisterwerk der Romantik“ in den Himmel gehoben, machte es den Maler auf einen Schlag berühmt. Fortan bewegte sich Jean-François Gigoux in Kreisen der ganz Großen seiner Zeit. Vordem eher belächelt, avancierte sein Atelier nun zum Treffpunkt gesellschaftlicher Eliten, Künstler, Schriftsteller, Kunstliebhaber, aber auch Vertreter aus Politik, Militär und Wissenschaft kamen hier zusammen. Staatstreue und Verlässlichkeit zahlten sich darüber hinaus aus: Ab 1838 wurde er mit zahlreichen Aufträgen des Staates und der katholischen Kirche sowie einer Reihe von Ankäufen belohnt. Gigoux wurde ein ausnehmend vermögender Zeitgenosse, wozu ferner geschickt eingefädelte Immobilienspekulationen beitrugen.

Finanziell abgesichert, begann er ab 1840, wie besessen Kunst zu sammeln. Dies geschah weniger aus Repräsentations- oder Wertanlageaspekten, sondern um Anregungen für die eigene Arbeit zu gewinnen. Rasch setzte sich der Gedanke fest, die im Laufe der Jahre immens angewachsene und enzyklopädisch als eine in alle Richtungen der Kunstgeschichte verzweigte Kollektion dem Kunstmuseum seiner Geburts- und Heimatstadt Besançon zu stiften. Abgesehen von drei dem Louvre gestifteten Arbeiten gelangten über 450 weitgehend erstrangige Gemälde und viele Hundert Zeichnungen an das Musée des Beaux-Arts et d’ Archéologie. Da es zur Zeit umgebaut und erweitert wird, konnten rund 100 Gemälde und zirka 80 Zeichnungen an das Von der Heydt-Museum für die exquisite Schau „Von Cranach bis Géricault“ ausgeliehen werden, die den selbst in Frankreich nahezu vergessenen und in Deutschland gänzlich unbekannten Jean-François Gigoux aus der Versenkung der Geschichte hebt.

Wer war dieser einst so bekannte Salonmaler und Sammler Jean-François Gigoux? Als Sohn eines Hufschmieds 1806 in Besançon geboren und zunächst als Privatschüler in seiner Heimatstadt unterrichtet, weilte er ab 1828 in Paris, wo er in die École des Beaux-Arts eintrat. Als Grafiker und talentierter Illustrator verdiente er seinen Lebensunterhalt bereits selbst. 1832 hatte er seinen ersten Auftritt im „Salon“, der stattlichen, von konservativen Akademieprofessoren prämierten Mammutschau des Jahres, die bis zu 5.000 Gemälde versammeln konnte. Bereits ein Jahr später erhielt Gigoux den zweiten Preis für ein Historiengemälde.

Mit dem großen Erfolgsgemälde von 1835 hatte er den Geschmack des finanzkräftigen Pariser Groß- und Bildungsbürgertums exakt getroffen. Von nun an mit sicherem Gespür dem breiten Strom des Mainstreams angepasst, schwebte der anerkannte und geschätzte Salonmaler frei jeglicher Innovationen auf einer Welle des Erfolgs. Kontinuierlich war er über Jahrzehnte im Salon vertreten, 1855 sogar auf der Pariser Weltausstellung. Weite Reisen führten ihn nach Italien. Bereits der Junirevolution 1830/31 wich er durch einen Reise nach England aus. Ab 1860 stiftete er regelmäßig Werke aus seiner Sammlung an das Museum in Besançon. Im Alter von 88 Jahren verstarb er am 11. Dezember 1894 in Paris.

Das Besondere an der Sammlung Gigoux ist die Auswahl durch einen Künstler und zugleich Kenner, der – weniger geleitet von eigenen Vorlieben – mit geübtem Auge und Fachkenntnissen und die Erwerbungen tätigte. Experten loben diverse Bilder als „Einzelstücke von Weltklasse“. So breitet sich in Wuppertal ein sattes Panorama erstrangiger Stücke aus, die noch nie in Deutschland zu sehen waren. Nach dem Auftakt mit eigenen Bildern von Gigoux spannt sich der Parcours von Werken aus der Renaissance früher Italiener bis hin zum französischen Klassizismus. Wie der allgemeine Geschmack der Zeit war auch Gigoux empfänglich für die düstere und zurückhaltende Schönheit der so genannten „Italienischen Primitiven“.

Überhaupt bildet die italienische Schule nach der französischen Malerei den Schwerpunkt der Schau, allein in vier Sälen werden Werke von Italienern vorgestellt. Angeregt durch seinen großen Erfolg 1835 reiste Gigoux ein Jahr später mit einigen Schülern nach Mailand, Venedig, Rom und Florenz. Besonderer Fokus seiner Sammeltätigkeit lag auf venezianischer und florentinischer Malerei. Der weichen, warmen, vor allem unkonventionellen Malweise venezianischer Meister wie Giovanni Bellini, Tizian, Tintoretto sowie den Traumwelten von Giorgione war Gigoux recht zugeneigt. Religiösen Bildnissen aus dem 15. und 16. Jahrhundert folgen herausragende Gemälde wie die Darstellung des heiligen Rochus von Giovanni Domenico Tiepolo um 1730/35, Giovanni Bellinis „Die Trunkenheit Noahs“ aus den Jahren um 1515 sowie zahlreiche Porträts von Tintoretto. Sie werden von Zeichnungen ergänzt, darunter zwei von erlesener Schönheit ausgezeichnete männliche Porträtstudien Andrea Mantegnas, des beutenden Meisters der Frührenaissance. Über ein Dutzend Zeichnungen von Tiepolo sowie weitere von Annibale Carracci, Federico Barocci, Alessandro Casolani oder Benvenuto Cellini dokumentieren den Faible Gigoux’ für die Schönheit der Italiener.

Zu den wenigen deutschen Werken gehören fünf Gemälde Lucas Cranachs d.Ä. sowie großartige Porträts von Heinrich Aldegrever. Hinzu kommen Zeichnungen, darunter Albrecht Dürers Fledermaus und der „Kopf eines Greises“ von Hans Baldung Grien. Entgegen eigenen Aussagen verkaufte Gigoux hin und wieder auch Konvolute von Zeichnungen. Zwei Blätter von Dürer gelangten auf diese Weise als Neuerwerbungen in das Kupferstichkabinett der Berliner Museen. Davon einmal abgesehen, ist ein Aufenthalt Gigoux’ in Berlin ist ebenso dokumentiert wie Besuche in holländischen und belgischen Museen. Der nordische Realismus gefiel dem Sammler. So erwarb er Werke von Jacob Jordaens, Rembrandt, Peter Paul Rubens, die ebenfalls mit Arbeiten die Wuppertaler Schau bereichern, darunter auch Anthonis van Dyck mit seinem ausdrucksvollen „Kopf eines Greises“. Sensibilisiert für das neu erwachende Interesse an spanischer Malerei fand Gigoux etwa auch Gefallen an Gemälden von Eugenio Lucas Velázquez.

Eine Vorrangstellung genoss natürlich die französische Kunst, deren Realismus und strenge Pinselführung Gigoux besonders lagen wie auch das Phantastische und Bizarre. Französische Zeichnungen des 17. und 18. Jahrhunderts unterstreichen Gigoux’ besondere Neigungen für das Sonderbare, für Gewalt sowie starke Kontraste. Zum Ausdruck kommt dies insbesondere in Gesichtern, die aus dunklen Hintergründen auftauchen. Zum Schluss läuft die Ausstellung mit wunderbaren Akt- und Porträtdarstellungen von Jacques-Louis David, Eugène Delacroix, Théodore Géricault und Jean-Auguste-Dominique Ingres zur Hochform auf. Gigoux’ Begeisterung für Farben sowie auch für die Schule von Barbizon ist nicht zu übersehen. Die Auswahl macht sein Streben deutlich, sich die Kunstgeschichte durch seine Sammlung zu erschließen. Dies reichte Gigoux für den Status der Unsterblichkeit, die er mit seiner gewerbsmäßigen eigenen Malerei nie erzielt hätte.

Die Ausstellung „Von Cranach bis Géricault – Sammlung Gigoux. Meisterwerke aus dem Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie de Besançon“ ist noch bis zum 23. Februar zu sehen. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museumsshop 25 Euro kostet.

Kontakt:

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

DE-42103 Wuppertal

Telefon:+49 (0202) 56 36 23 1

Telefax:+49 (0202) 56 38 09 1

E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de



09.02.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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15.10.2013, von Cranach bis Géricault. Sammlung Gigoux - Meisterwerke aus dem Musée des Beaux-Arts et d’ Archéologie in Besançon

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Von der Heydt-Museum

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Théodore Géricault, Männliches Porträt, vermutlich Mustafa, um 1819/21
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Jacques-Louis David, Porträt Pierre
 Louis’, des Priesters von der Marne, um 1791
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Lucas Cranach d.Ä., Selbstmord der Lukrezia, um 1537
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Lucas Cranach d.Ä., Kurtisane und Greis, um 1530
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Léon Joseph Florentin Bonnat, Porträt Jean-François
 Gigoux, 1880
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Jean-François Gigoux, Das Atelier des Künstlers, 1853
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Jean-François Gigoux, Die
 letzten Augenblicke im Leben von Leonardo da Vinci, 1835
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Théodore Géricault, Männliches Porträt, vermutlich Mustafa, um 1819/21

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Jacques-Louis David, Porträt Pierre Louis’, des Priesters von der Marne, um 1791

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Lucas Cranach d.Ä., Selbstmord der Lukrezia, um 1537

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Lucas Cranach d.Ä., Kurtisane und Greis, um 1530

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Léon Joseph Florentin Bonnat, Porträt Jean-François Gigoux, 1880

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Jean-François Gigoux, Das Atelier des Künstlers, 1853

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Paul de Vos, Zwei junge Seehunde am Ufer, um 1650

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