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Die Sammlung Jan Krugiers bereichert die Impressionisten und Moderne bei Sotheby’s in London

Ein Kunsthändlerleben



Edgar Degas, Femme s’essuyant les pieds, um 1893

Edgar Degas, Femme s’essuyant les pieds, um 1893

Ein bedeutender Kunsthändler war er, der 1928 in Polen geborene und 2008 in Genf gestorbene Jan Krugier, der als Jude nur mit knapper Not die Nazizeit überlebte, zunächst selbst als Maler tätig war und erst 1962 eine Galerie in seiner Schweizer Wahlheimat eröffnete. Wichtige zeitgenössische Künstler gehörten zu seinem Ausstellungsrepertoire, den großen Sprung auf die internationale Bühne schaffte er spätestens in den 1970er Jahren, als er die umfangreiche Sammlung Marina Picassos unter seine Fittiche nahm und auch als Kurator in institutionellen Einrichtungen in Erscheinung trat. Dass er als Sammler auch seine privaten Bestände ständig erweiterte und so über Jahre hinweg eine erlesene Kollektion insbesondere an Papierarbeiten zusammentrug, zeigt sich jetzt erneut an der Versteigerung von Impressionisten und Modernen Anfang Februar bei Sotheby’s in London. Dort nämlich sind allein auf der Abendauktion am 5. Februar schon fast vierzig Losnummern mit Krugier-Provenienz besetzt, mehr als achtzig weitere Positionen folgen in der Tagesauktion am 6. Februar.


Hielt sich der Run auf die erste Tranche der Krugier-Sammlung bei Christie’s im vergangenen November in New York doch sehr in Grenzen, hofft Sotheby’s nun in London auf die Zugkraft der Künstler. Da finden sich französischen Impressionisten wie Edgar Degas’ pastellierte „Femme s’essuyant les pieds“ von circa 1893 für 1 bis 1,5 Millionen Pfund, Georges Seurats Kreidesilhouette eines stehenden Mannes mit Hut „Fort de la Halle“ von etwa 1882 (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP) oder Paul Cézannes aquarellierte „Femme assise“ von 1902/04, wohinter sich niemand Anderes verbirgt als die Ehefrau des Künstlers (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP). Als teuerstes Werk geht allerdings eine Skulptur an den Start: Alberto Giacomettis überschlanker „Homme traversant une place par un matin de soleil“ von 1950/51 steht für 3 bis 5 Millionen Pfund bereit. Großzügig hat Sotheby’s auch einige Blätter älterer Meister aufgenommen, etwa von Jean-Auguste-Dominique Ingres drei Bleistiftstudien eines stehenden Frauenaktes mit nachdenklich auf die Hand gestütztem Kopf (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP), Théodore Géricaults aquarellierte Tuschezeichnung „Vue de Tivoli“ von 1817 (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP) und drei Studienblätter Francisco de Goyas für bis zu 800.000 Pfund.

Zu Krugiers Favoriten gehörte offenbar auch Paul Klee, der vier Losnummern besetzt. Mit jeweils 300.000 bis 500.000 Pfund am höchsten bewertet sind davon sein hochovaler „Vollmond in Mauern“, ein kubistisch beeinflusstes Aquarell aus dem Jahr 1919, und die aus vielen kleinen Punkten und einigen größeren Flächen zusammengesetzte Hochhauslandschaft „Mit dem Eingang“ von 1931. Und natürlich Pablo Picasso tritt häufig auf, gleich achtmal sogar, die stärksten Arbeiten davon aus den 1930er Jahren: die Gouache „Composition (Composition au Minotaure“, der eben von einem Schwert durchbohrt dahin siecht, von 1936 für 1,8 bis 2,5 Millionen Pfund und die Aquatintaradierung „La femme qui pleure I“ von 1937. Ein Blatt dieser Grafik, allerdings in einem anderen Zustand, war erst im November für 1,5 bis 2,5 Millionen Dollar bei Christie’s im Angebot, scheiterte aber. Sotheby’s hat für Krugiers Version vergleichbare 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund angesetzt.

Über die Sammlung Krugier hinaus könnte Sotheby’s in dieser Auktionsrunde eher von seinem Erzrivalen Christie’s lernen, denn das Angebot dort ist doch etwas hochpreisiger als bei Sotheby’s. Keinen Kandidaten für einen zweistelligen Millionenpreis hat der einige Jahre ältere Auktionsriese im Angebot, sieht man einmal von Camille Pissarros imposanter Großstadtimpression „Le Boulevard Montmartre, matinée de printemps“ aus dem Jahr 1897 ab, die in Form der oberen Schätzung an 10 Millionen Pfund knabbert. Das gut achtzig Zentimeter breite Gemälde ist ein Restitutionsfall, es gehörte einst dem jüdischen Unternehmer Max Silberberg, der jedoch seit 1933 systematisch seines Vermögens und seiner bedeutenden Kunstsammlung beraubt wurde und zusammen mit seiner Frau 1942 schließlich im Konzentrationslager endete. Pissarros Bild landete 1935 bei Graupe in Berlin auf dem Auktionspult, wanderte von da aus in amerikanischen Privatbesitz und wurde erst 2000 an die Nachfahren zurückgegeben.

Graupe war Ende Mai 1939 auch an der Vermittlung von Vincent van Goghs „L’homme est en mer“ aus dem Jahr 1889 in die USA beteiligt. Die dösende Mutter mit ihrem Kind auf dem Schoß, die das erste und bislang einzige Mal 1905 im Pariser Salon des Indépendants ausgestellt gewesen zu sein scheint, in der Literatur aber gut bekannt ist, ging zuletzt 1989 auf einer Auktion bei Sotheby’s in New York für 6,5 Millionen Dollar über den Tresen und soll jetzt 6 bis 8 Millionen Pfund kosten. Henri de Toulouse-Lautrec hat sich mehr in den verruchten Orten von Paris herumgetrieben und im Jahr 1900 Madame Poupoule mit ihrem langen braunen Haar bei ihrer „Toilette“ beobachtet (Taxe 1,5 bis 2 Millionen GBP). Züchtiger geht es bei Pierre-Auguste Renoirs „Jeune femme au chapeau de paille“ zu, die um 1890 ob ihrer großen Hutes ein wenig aufgetakelt erscheint (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP). Claude Monet zog es 1895 in den hohen Norden, wo er in seinem unspektakulären Seestück „Au bord du fjord, près Christiania“ das fahle Licht der Gegend verewigte (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP). Preislich gleichauf mit der Giacometti-Skulptur von Krugier liegt unter den Plastiken ein „Petit modèle“ von Auguste Rodins berühmtem „Denker“ in einem Lebzeitguss von etwa 1905.

Die jüngere Pariser Moderne ist mit Henri Matisses hochformatigem Damenbild „Boléro violet“ aus dem Jahr 1937 für 6,5 bis 8,5 Millionen Pfund prominent vertreten, das zuletzt im Entstehungsjahr bei Rosenberg in London und Paris öffentlich ausgestellt war und bislang auch nur einmal, 1990 bei Christie’s in New York für 2,3 Millionen Dollar, ein Auktionshaus von innen gesehen hat. Pablo Picasso taucht nach der Krugier-Session nur noch zweimal auf. Zu haben sind das nachimpressionistische Frühwerk „Jardin public“ von 1901 (Taxe 1,8 bis 2,5 Millionen GBP) und das späte, schnell dahingemalte Doppelbildnis „Le peintre et son modèle“ von 1963 für 2,8 bis 3,5 Millionen Pfund. In ausgeklügeltem Kolorit hat Pierre Bonnard in seinem Ölgemälde „Le gant de crin“ 1942 eines seiner Lieblingsmotive, die nackte Frau beim Waschen, festgehalten (Taxe 1,5 bis 2 Millionen GBP). Tsuguharu Foujita hat es diesmal in eine große Abendauktion geschafft und dafür seine zerbrechlich wirkende, fast nur aus Grautönen gearbeitete „Nu au chat“ von 1930 eingesetzt (Taxe 550.000 bis 750.000 GBP). Unter den fünf Arbeiten Marc Chagalls ragt sein früher „Violoncelliste“ von 1939 heraus, eine mehrgesichtige, fantastische Verschmelzung von Mensch und Musikinstrument vor der verschneiten Dorflandschaft seiner weißrussischen Heimat (Taxe 3 bis 4 Millionen GBP). Ohne den Menschen kommt Fernand Léger in seinem kubistisch verfestigten Stillleben „Grappe et poisson“ von 1927 aus (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP).

Die kleine, ein knappes Dutzend Werke umfassende Surrealistenofferte wird von René Magritte angeführt. Seine mit duftigen Wolken verschränkten Vorhänge in „Le beau monde“ von 1962 werden bei 4 bis 6 Millionen Pfund gehandelt. Dazu gesellen sich etwa vier Entwurfszeichnungen von Paul Delvaux für Claude Spaaks „Le Laid“ von 1949/50 (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP), eine mit amorphen, schwebenden Formen bestückte Landschaft von Yves Tanguy aus dem Jahr 1931 (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP) oder Joan Mirós sparsame „Peinture“ auf mittelbraunem Grund von 1926 (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP). Als Überraschungsgast hat Tanguy seine Ehefrau Kay Sage mitgebracht, die eine halbnackte Frau in Rückenansicht über eine geometrische Landschaft blicken lässt. „Le Passage“ von 1956 fordert nur 70.000 bis 90.000 Pfund.

Stattlich ist die Offerte deutscher Expressionisten der ersten Generation. Wassily Kandinskys „Studie für Improvisation 10“, eine frühe abstrakte Landschaftsanmutung von 1910, hängt für 4 bis 6 Millionen Pfund bereit und wurde vom Vater des Einlieferers bereits anfangs der 1960er Jahre erworben. Aus amerikanischem Privatbesitz fand Alexej von Jawlenskys farbsprühendes Frauenportrait „Roter Hut“ von 1912 den Weg nach London (Taxe 2,8 bis 3,5 Millionen GBP), ergänzt um den „Mystischen Kopf: Profil“ von 1917 aus dem Besitz von Greta Garbo für 250.000 bis 350.000 Pfund und den „Abstrakten Kopf: Wasser und Licht“ von 1928 für 500.000 bis 700.000 Pfund, an denen man Jawlensky Weg in die Ungegenständlichkeit gut studieren kann. Auf Dresdner Seite steht Ernst Ludwig Kirchner mit dem um 1911 geschaffenen, von Grüntönen bestimmten „Stillleben mit Lampe“ (Taxe 1,6 bis 2 Millionen GBP) und dem ebenso farbenprächtigen wie flächigen Spätwerk „Waldinneres“ aus dem Jahr 1937 (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen GBP).

Eine hässliche Geschichte verbindet sich wieder mit Max Liebermanns wunderbar flockig gemaltem „Sommerabend an der Alster“ von 1910. Seit 1914 im Besitz von Gustav Kirstein, Mitinhaber des Leipziger Verlags E. A. Seemann, ging es nach seinem Tod 1934 in das Eigentum seiner Witwe Clara über. Diese kam ihrer Deportation nach Theresienstadt durch Selbstmord zuvor, das Bild wurde von den Nazis konfisziert, 1943 bei Fischer in Luzern versteigert und dann noch einmal 1977 bei Lempertz in Köln. Erst im vergangenen Jahr wurden die Paare und Einzelpersonen, die sich vergnüglich auf der Alster in ihren kleinen Ruderbooten umhertreiben, den Kirstein-Erben zurückgegeben. Mit einer Schätzung von 750.000 bis 1,2 Millionen Pfund erwartet Sotheby’s eine voderen Platz in Liebermann-Ranking.

Kontakt:

Sotheby’s London

34-35 New Bond Street

GB-W1A 2AA London

Telefax:+44 (020) 72 93 59 24

Telefon:+44 (020) 72 93 51 84



02.02.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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