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Das Städel zeigt in Frankfurt Dürers Kunst im Kontext allgemeiner Strömungen und Neuerungen der Zeit

Sündenfälle, nackte Frauen und garstige Alte



Albrecht Dürer, Bildnis der Elsbeth Tucher, geb. Pusch, 1499

Albrecht Dürer, Bildnis der Elsbeth Tucher, geb. Pusch, 1499

Als Zeichen außergewöhnlicher Wertschätzung ist die Geste Kaiser Maximilians aus dem Jahr 1515 zu werten, Albrecht Dürer eine Leibrente von 100 Gulden zu gewähren. Drei Jahre später erhöhte er die Vergütung um 200 Gulden, ebenfalls zu zahlen vom Rat der Stadt Nürnberg aus Reichssteuern. Als der Kaiser im Januar 1519 verstarb, stand die Zahlung jedoch noch aus. Der Rat verlangte eine Bestätigung der Leibrente durch Maximilians Enkel und Nachfolger, Kaiser Karl V. Also reiste Dürer nach Aachen und sicherte sich sein Privileg mit der verlangten Bestätigung, die allerdings nicht für die zusätzliche Vergütung galt. Da er aber die Reise zu einer Marketingtour bis weit in die Niederlande nutzte und Holzkisten voller eigner Drucke mitführte, dürfte sich die Enttäuschung über die staatliche Hinterfotzigkeit in Grenzen gehalten haben.


Beschäftigt man sich mit Leben und Werk von Albrecht Dürer, begegnen einem viele solcher Umstände. Vielleicht mag das dazu beitragen, dass der geniale deutsche Meister der Renaissance eine Garantie für Besucherstürme abzugeben scheint, sieht man sich derzeit wieder die Warteschlangen vor dem Städel Museum in Frankfurt an. Nachdem das Germanische Nationalmuseum vorletzten Sommer mit einer Schau zum „frühen Dürer“ die Scharen nach Nürnberg lockte, verfolgt nun das Projekt im Städel einen anderen Ansatz. Etwa eigenhändige 200 Werke von Albrecht Dürer werden von rund 80 weiteren Arbeiten seiner Zeitgenossen und Schüler ergänzt. Auf diese Weise intendiert Kurator Jochen Sander, Sammlungsleiter für „Alte Meister“ im Städel, eine Verdeutlichung von Dürers Leistungen vor dem Hintergrund seiner Zeit. Dies geschieht in fast 20 Themenblöcken, die sich grundsätzlich an der Chronologie der Werke und der Biografie des Künstlers orientieren.

Der Spross einer in Nürnberg ansässigen Goldschmiedefamilie wurde hier am 21. Mai 1471 geboren und verstarb ebendort am 6. April 1528 wohl an den Folgen einer Malaria-Erkrankung. Den Einstieg in die Werkszusammenstellung bewältigen Facetten beruflicher wie familiärer Bezüge zur Goldschmiedekunst. Nach einer 1481 begonnenen, aber nicht abgeschlossenen Goldschmiedelehre bei seinem Vater begann er am 30. November 1486 in der Werkstatt des bekannten Nürnberger Malers Michael Wolgemut eine dreijährige Lehre. Danach verschlugen ihn die Wanderjahre bis 1494 in die Oberrheingegend. Hier verdiente er sich mit Holzschnittentwürfen zur Illustration von Büchern seinen Unterhalt und kam darüber hinaus mit neuen künstlerischen Strömungen in Berührung. Während seiner Goldschmiedelehre erlernte Dürer das saubere Zeichnen als Grundlage für alle Entwürfe. Auch andere Fertigkeiten, wie der Umgang mit dem Grabstichel, kamen Dürer bei seinem Schaffen zu Gute; denn jene Kenntnisse setzte er bald für die technische und künstlerische Weiterentwicklung von Kupferstichen ein.

Die Druckgrafik hatte seinerzeit den Status einer unabhängigen Kunstform erreicht, und Dürer verstand es meisterhaft, Bildthemen auszuwählen, die große Nachfrage erwarten ließen. Schlagartig europaweiten Ruhm brachte ihm die 1498 veröffentlichte Holzschnittfolge zur „Apokalypse des Johannes“ ein. Er nutzte die Endzeiterwartungen kurz vor der Jahrhundertwende und verarbeitete die Prophezeiungen in einer Serie aus 15 ganzseitigen ausdrucksstarken Holzschnitten. An der Stelle bisheriger Konturlinien kennzeichnen nun an- und abschwellende Linien die Volumina der Formen. Dunkelheit signalisieren Verdichtungen der Schraffuren, denen weißes Papier als Lichtzone gegenübersteht. Zuvor beim Holzschnitt nicht gekannter Detailreichtum und technische Virtuosität eröffnen dem Medium neue Ausdrucksmöglichkeiten. Sie stehen für Dürers perfektionistische Ansprüche, Gängiges weiterzuentwickeln und bisherige Bildlösungen zu übertreffen. Billig und leicht zu transportieren, fand das Werk in kürzester Zeit den Weg zu den Interessenten. Ehefrau Agnes und Mutter Barbara bewerkstelligten zudem Vertrieb und Verkauf der Drucke auf Messen, ein damals höchst modernes Vermarktungssystem.

Dürers umfassender Ausbildung entsprach die weite Spanne von Disziplinen, auf denen er sich betätigte und die in der Ausstellung vorgestellt werden: Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Buchgestaltungen, eigenhändig illustrierte und formulierte kunsttheoretische Schriften bis hin zu Glasgemälden. Das gemalte, gezeichnete oder gedruckte Porträt verstand er als eine seiner zentralen künstlerischen Aufgaben. Porträtdarstellungen und Selbstbildnisse gehören zu seinen frühesten erhaltenen Arbeiten. Den Menschenbildern widmet sich eine eigene Sektion. Fast alle brillieren aufgrund der feinmalerischen Wiedergabe kleinster Details sowie ihrer äußerst sensiblen psychologischen Erfassung der jeweiligen Persönlichkeit, wobei das Herauskehren des sozialen Status von zentraler Bedeutung ist. Neben den Bildnissen seiner Eltern gehört das im Jahr 1499 gemalte Porträt der Elsbeth Tucher zu den Highlights der Schau. Die von einer Haube bekrönte Dame vor einer kostbaren Wandbespannung aus Goldbrokatstoff zierte von 1961 bis 1992 den 20 DM-Schein in Westdeutschland.

In steter Auseinandersetzung mit der Antike beschäftigte sich Albrecht Dürer mit den Idealvorstellungen des menschlichen Körpers. Er war der erste, der sich auch offensiv dem Weiblichen widmete, wie der bereits 1497 verlegte Kupferstich „Vier nackte Frauen“ vor Augen führt. Das zeitadäquate Interesse an nackten weiblichen Körperdarstellungen belegen vergleichende Studien zum Sündenfall des „Meisters PM“ oder die um 1480 datierten und in Ulm geschnitzten Statuetten „Garstiger Alter“.

Ab 1496 unterhielt Dürer in Nürnberg eine eigene Werkstatt, um die steigende Auftragslage zu bewältigen. Reichsfürsten, Kleriker, Patrizier und gehobenes Bürgertum ließen Dürer für sich arbeiten. Auch wenn er um 1520 zum Anhänger Martin Luthers und seiner Lehre wurde, war sein Schaffen von der Reformation nicht betroffen; wichtige Projekte realisierte er für „altgläubig-katholische“ Kunden. Um auch anspruchsvolle Aufgaben nicht unbedingt selbst erledigen zu müssen, beschäftigte er neben Lehrlingen auch talentierte Gesellen, allen voran Hans Baldung Grien, Hans Schäufelein und Hans Süß von Kulmbach.

Nur noch wenige exklusive Aufträge führte Dürer nun eigenhändig aus. Die Mitteltafel des „Heller-Altars“ mit der Darstellung der „Himmelfahrt und Krönung Mariens“ zählt dazu. Zum Wohl seines Seelenheils gab der vermögende Frankfurter Tuchhändler Jakob Heller 1507 das Altarwerk für die Kirche des Dominikanerklosters in Auftrag. Die herausragende Qualität der Mitteltafel überzeugte auch Maximilian von Bayern. 1614 erwarb er das Gemälde und ließ es durch eine Kopie des Nürnberger Malers Jobst Harrich ersetzen. Bedauerlicherweise ging bei einem Brand in der Münchener Residenz das Original 1729 verloren. 18 erhaltene und größtenteils präsentierte vorbereitende Zeichnungen wie Gewandstudien und Porträts verdeutlichen die Intensität, mit der sich Albrecht Dürer der Aufgabe stellte. Doch beklagte sich der auch sehr merkantil eingestellte Maler darüber, dass der Ertrag in „bescheidenem Verhältnis zu dem stand, den das Stechen einbrachte“. Das im 19. Jahrhundert in unterschiedliche Hände aufgeteilte Gesamtensemble erlebt nun im Städel seine Wiedervereinigung.

Mit den 20 Holzschnitten zum „Marienleben“ landete Dürer erneut einen Bestseller. 1501/02 in Einzelausgaben und 1511 im Folioformat als Buchausgabe gedruckt, zählt es zu den beliebtesten und aufwändigsten Projekten der Dürer-Werkstatt. „Wehe dir, Betrüger und Dieb von fremder Arbeitsleistung und Einfällen, lass es dir nicht einfallen, deine dreisten Hände an diese Werke anzulegen….“ Im Kolophon sah sich der Meister veranlasst, Kopisten zu warnen; denn schon damals hatte er damit zu kämpfen, dass trotz großer offensichtlicher Qualitätsunterschiede hinsichtlich der technischen Umsetzung anonyme Raubdrucke kursierten. Auch Teilkopien sowie Paraphrasen, Variationen und Rezeptionen zeigen bis heute, wie anregend Dürers Kompositionen für Zeitgenossen waren.

Neben den um 1514 geschaffenen Meisterstichen, mit denen Dürers Druckgrafik ihren Höhepunkt erreichte, allen voran seinem wohl meistbesprochenen Werk „Melencolia“, einer ungewöhnlichen Zusammenschau symbolischer Versatzstücke, leiten seine Flugblätter, darunter der noch heute zum Schmunzeln anregende urtypische „Rhinocerus“ von 1515, zum letzten Highlight der Schau über, der Ehrenpforte Kaiser Maximilians I. Der 1518 vollendete, dreieinhalb Meter hohe Holzschnitt gilt als größter jemals hergestellter überhaupt und wurde in 700 Exemplaren mit 195 Druckstöcken produziert. Im Zentrum steht ein überkuppelter Turm mit Hauptportal, auf dem der Stammbaum Kaiser Maximilians zu sehen ist. Auch dieses Werk verdeutlicht Dürers künstlerische Innovation, sein Gespür für aktuelle Themen, die Indienstnahme der Kunst für Propagandazwecke, das Ausnutzen neuer Verbreitungsmöglichkeiten und nicht zuletzt sein Hinarbeiten auf einen finanziellen Ertrag.

Die Ausstellung „Dürer. Kunst – Künstler – Kontext“ ist noch bis zum 2. Februar zu sehen. Das Städel Museum hält seine Pforten für die Ausstellung länger geöffnet: täglich außer montags von 10 bis 20 Uhr, donnerstags und freitags zusätzlich bis 22 Uhr und am 1. Februar von 10 bis 24 Uhr. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, am Wochenende 14 Euro, ermäßigt 12 Euro. Zur Ausstellung sind im Museumsshop ein Katalog zu 39,90 Euro sowie ein Begleitheft für 7,50 Euro erhältlich.

Kontakt:

Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie

Schaumainkai 63

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 60 50 98 0

Telefax:+49 (069) 61 01 63

E-Mail: info@staedelmuseum.de



27.01.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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