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Eine konzentrierte Ausstellung in Nürnberg zu Werk und Wirken von Ernst Neufert ruft einen einflussreichen deutschen Baukünstler und Theoretiker in Erinnerung

Ästhetik mit innovativen Technologien



Ernst Neufert, Großversandhaus Quelle in Nürnberg, 1954-1975

Ernst Neufert, Großversandhaus Quelle in Nürnberg, 1954-1975

Sowohl in fachspezifischen Diskursen als auch in allgemeinen Dialogen über Baukunst stehen Werkschaffen und Laufbahn von Ernst Neufert eher im Hintergrund. Erst in den letzten Jahren rückte er in den Fokus der Forschung. Die Anfertigung einer umfassenden Biografie befindet sich im Anfangsstadium, denn es gilt noch vieles aufzuarbeiten. Doch schon jetzt lassen sich drei auffallende Alleinstellungsmerkmale diagnostizieren, die den Architekten besonders auszeichnen: Die Verbindung von technischen Innovationen mit gestalterischer Qualität, das erfolgreiche Schaffen als Architekt, Hochschullehrer und Fachautor sowie ein einflussreiches Wirken unter drei konträren politischen und gesellschaftlichen Systemen in drei Phasen deutscher Geschichte. In Nürnberg gewinnt die Schau „Ernst Neufert. Leben und Werk des Architekten (1900-1986)“ besondere Aktualität. Nach dem Konkurs der Firma Quelle im Jahr 2009 wird hier nach neuen Nutzungen für das von ihm entworfene, einstige Versandzentrum gesucht. Der gigantische Koloss ist derzeit nach dem Nazi-Seebad Prora auf Rügen und dem Flughafen Berlin-Tempelhof das größte leer stehende Objekt Deutschlands.


Geboren wurde Ernst Neufert 1900 im beschaulichen Städtchen Freyburg bei Naumburg in Sachsen-Anhalt. Nach einer Maurerlehre besuchte er die Weimarer Baugewerkenschule und wurde 1919 einer der ersten Schüler am Bauhaus zu einer Zeit, als es dort noch keine eigene Architekturabteilung gab. Rasch warf Walter Gropius ein Auge auf den talentierten Schüler, der ab Dezember 1921 für sein Büro tätig war. Nach dem Weggang des Büroleiters Adolf Meyer stieg Neufert 1924 zu dessen Nachfolger auf. 1925/26 arbeitete er an der Realisierung der Dessauer Bauhaus-Bauten mit, vor allem dem Schulhaus, den Meisterhäusern und an der von Normierung und Rationalisierung gekennzeichneten Siedlung in Dessau-Törten. Der Ehrgeiz, Professor zu werden, veranlasste ihn 1926, dem Ruf von Otto Bartning als Lehrer für „Schnellentwerfen und Gebäudekunde“ an die Staatliche Bauschule Weimar zu folgen – als seinerzeit jüngster Professor der Weimarer Republik. Als die Schule 1930 vom zuständigen Minister aufgelöst wurde, schlug sich Neufert als Lehrer an der privaten Berliner Kunstschule von Johannes Itten und als freier Mitarbeiter für die Bauwelt durch. Ab 1934 baute er für private Auftraggeber Villen und Fabriken.

Für die Lehre hatte Ernst Neufert über Jahre hinweg aus laufend entwickelten Typenzeichnungen eine Kartei als Hilfsblätter für Studenten zusammengestellt. Sie bildeten die Grundlage für seine 1936 herausgegebene „Bauentwurfslehre“. Die „BEL“, ein bis heute Gültigkeit besitzendes Standardwerk, findet sich in wohl nahezu jedem Architekturbüro. Meist reduziert sich jedoch die Wahrnehmung auf dieses Hauptwerk. Im Gegensatz zu diesem bis heute aufgelegten Buch wurde Neuferts 1943 erstmals publiziertes strenges Regelwerk der „Bauordnungslehre“ nach 1965 nicht wieder aufgelegt. Aufgrund der kriegsbedingt erforderlichen rationellen wie raschen Baubewerkstelligung wurde auch Albert Speer auf den Theoretiker und nachgefragten Industriearchitekten aufmerksam und spannte ihn unter anderem als „Beauftragter für Normungsfragen“ ein.

Ernst Neufert konnte als gefragter Fachmann Distanz zum NS-Regime wahren. Nie Parteimitglied und als „nicht belastet“ eingestuft, standen ihm nach 1945 die Tore offen. Auch seine extrem gute Vernetzung half ihm weiter. 1945 reiste er über Weimar nach Darmstadt, wo er sich in enger Abstimmung mit „alten Bekannten“ in der Landesregierung 1946 die neue Stellung als ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt „zulegen“ konnte. Bis zu seiner Emeritierung 1965 und auch darüber hinaus bis zum Ableben am 23. Februar 1986 realisierte Neufert viele bemerkenswerte Bauwerke.

Den Einstieg in die konzentrierte Auswahl des Neuen Museum in Nürnberg, die die Projekte anhand von Fotografien, Grundrissen und textlichen Erläuterungen vorstellt, bildet sein 1949/50 errichtetes privates Atelier- und Wohngebäude in Darmstadt, der sogenannte „Planerhof“. Der mehrflügelige, sich ideal in die Landschaft fügende Bau erweckt den Eindruck von Weite und Großzügigkeit. Damit folgt Neufert Prinzipien des von ihm hochgeschätzten Amerikaners Frank Lloyd Wright, den er erstmals 1936 in den USA traf. Zu den ästhetisch erstklassigen Bauten zählt das Ledigenwohnheim aus den Jahren 1954/55, einer der vier realisierten Darmstädter Meisterbauten. Ziegel mit unterschiedlichen Farbnuancen vermeiden Monotonie an den großen Wandflächen der mustergültig proportionierten Kuben. Insbesondere besticht das Motiv der plastisch inszenierten Balkone, das Neufert bereits in Gropius’ Auftrag am Studentenhaus des Dessauer Bauhauses umsetzte.

Anfang der 1960er Jahre gelangte das Motiv erneut bei einem leider nicht mehr existenten Wohnheim der Mainzer Glasfirma Schott zur Anwendung. Bereits seit den 1930er Jahren kannte und verstand sich Ernst Neufert sehr gut mit Erich Schott, der seine Unternehmung ab 1945 nach Mainz verlagern musste. Ab 1952 plante Neufert das neue Mainzer Schott-Werk. Von 1952 bis heute ist das markante Verwaltungsgebäude des Technologiekonzerns unverändert in Benutzung. Die gerasterte Starkbetonkonstruktion, ausgefacht mit Hartbrandsteinen, das Staffelgeschoss, die Dachüberstände sowie die repräsentative Vorfahrt mit Flugdach spiegeln den Gestaltungsduktus der 1950er Jahre.

Viele Aufträge resultierten aus engen Beziehungen mit Persönlichkeiten der Wirtschaft. Dies ist auch bei den Dyckerhoff-Werken bei Wiesbaden der Fall, deren Industriepark Neufert ähnlich einer Skulpturenlandschaft entfaltete, oder dem Eternit-Werk in Leimen, bei denen er dessen Produkte gleich werbekräftig verwertete. Nicht vergessen werden sollte die denkmalgeschützte, ab 1953 errichtete Autobahntankstelle und Raststätte Pfungstadt an der A 67 oder die 1955 konzipierte Versuchsanstalt für Wasserbau in Darmstadt, deren grazile Schalenkonstruktion auf das fließende Element augenfällig Bezug nimmt.

In Etappen und fünf Bauabschnitten plante Ernst Neufert ab 1954 bis 1975 das 60 Meter tiefe und 180 Meter bereite Versandzentrum der Quelle AG in Nürnberg. Dem Unternehmer Gustav Schickedanz schwebte dabei eine radikal automatisierte moderne Technik unter Einsatz spezieller EDV-Systeme vor, um kostengünstig mit wenig Personal zu arbeiten. Neufert verstand es geschickt, den Spagat zwischen technischen Anforderungen und hoher Gestaltungsqualität zu bewältigen. Die Spannbetonkonstruktion, die mit ihren extremen Stützweiten eine größtmögliche Flexibilität schafft, besticht äußerlich durch schlichte Eleganz. Mit seinen durchlaufenden Fensterbändern ohne vertikale Unterbrechungen, dezent rhythmisiert mittels Keilsteinen sowie warmgelben Klinker in den Brüstungen, hinterlässt die 250.000 Quadratmeter große Anlage keinesfalls einen kühl anonymen, sondern gefälligen wie gewinnenden Eindruck. Dies war auch der wichtigen Außendarstellung des Versandhauses geschuldet, hatte doch Konkurrent Neckermann bereits Egon Eiermann verpflichten können.

Nach dem Konkurs des Unternehmens Quelle ging die einstige „Versandmaschine“ in den Besitz des portugiesischen Shopping-Center-Entwicklers Sonae Sierra über, der derzeit Optionen für neue Nutzungen des denkmalgeschützten Baus auslotet. Da diesem Objekt exemplarisch Neuferts Streben nach einer Symbiose aus technischer Innovation und gestalterischer Qualität innewohnt, ist ihm eine würdige Nachnutzung zu wünschen.

Die Ausstellung „Ernst Neufert. Leben und Werk des Architekten (1900-1986)“ ist noch bis zum 19. Januar zu sehen. Das Neue Museum in Nürnberg hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 9,90 Euro kostet.

Kontakt:

Neues Museum Nürnberg - Staatliches Museum für Kunst und Design in Nürnberg

Luitpoldstraße 5

DE-90402 Nürnberg

Telefax:+49 (0911) 240 20 29

Telefon:+49 (0911) 240 200

E-Mail: NeuesMuseumNuernberg@t-online.de



10.01.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Ernst Neufert, Ledigenwohnheim, Darmstadt 1954/55
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Die markanten Fensterbänder bei Quelle in Nürnberg
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Ernst Neufert, Das Werksgelände von Schott in
 Mainz mit dem Verwaltungshochhaus, 1953
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Ernst Neufert, Versuchsanstalt für Wasserbau in Darmstadt,
 1956/57
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Künstler:

Ernst Neufert







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Die markanten Fensterbänder bei Quelle in Nürnberg

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