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Richard Artschwager wäre in diesen Tagen 90 Jahre alt geworden. Eine Ausstellung im Haus der Kunst München widmet sich in stark konzentrierter Form dem Gesamtwerk des Meisters

Blp!



Es ist eine Jubiläumsausstellung und eine Gedenkausstellung zugleich geworden: Richard Artschwager wäre am 26. Dezember 2013 neunzig Jahre alt geworden. Doch Anfang des Jahres, am 9. Februar, ist er in Albany im Bundesstaat New York an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Da war die erste große Retrospektive auf sein Werk seit 1988 im Whitney Museum in New York gerade wenige Tage zuvor zu Ende gegangen. Bis kurz vor seinem Tod erfreute er sich einer Gesundheit, die es ihm erlaubte, seinen Schaffensdrang in immer neue künstlerische Schöpfungen zu kanalisieren. Die Ausstellung des Whitney Museum hat das Haus der Kunst in München übernommen, und sie stellt einen Künstler vor, der im deutschsprachigen Raum nach wie vor zu den weniger bekannten Großen der amerikanischen Kunstszene des 20. Jahrhunderts gehört.


Richard Artschwager, der in Washington als Sohn eines deutschstämmigen Vaters und einer selbst künstlerisch ausgebildeten russischen Mutter geboren wurde, gelangte erst über Umwege zu Malerei und Skulptur. Zunächst absolvierte er in den 1940er Jahren, unterbrochen allerdings durch seine Teilnahme als Soldat am Zweiten Weltkrieg, ein Studium der Biologie, Chemie und Mathematik. Es mag sein, dass vor allem letzteres Fach ihn später zu seinen strengen, geometrischen Formen inspiriert hat, doch das ist Spekulation – stand doch noch zu diesem Zeitpunkt keineswegs fest, dass er einmal wirklich zum bildenden Künstler werden würde.

1950 nahm er zwar ein rund zweijähriges Kunststudium an der privaten Kunsthochschule des französischen Kubisten und Puristen Amédée Ozenfant in New York auf, schlug dann allerdings wieder einen anderen Weg ein und ließ sich zum Tischler ausbilden. Während der folgenden Jahre verdiente er nicht zuletzt mit den Erzeugnissen dieser handwerklichen Profession den Lebensunterhalt für sich und seine Familie. Erst in den frühen 1960er Jahren – Artschwager ging inzwischen hart auf die vierzig zu – fiel endgültig die Entscheidung, Künstler zu werden. Der spätere Erfolg gab ihm recht; stolze fünfmal beispielsweise nahm er an der Kasseler Documenta teil, zuletzt 1992, was gleichwohl nicht dazu führte, dass er einem breiteren Publikum in Deutschland bekannt geworden ist.

Umso erfreulicher, dass die Ausstellung des Whitney Museum auch ihren Weg nach München gefunden hat. Trotz der großen Fülle von über hundert Exponaten wirkt die Schau ungemein konzentriert, alles andere als vollgestopft. Sicherlich liegt das auch an den riesigen Sälen des in nationalsozialistischer Zeit erbauten Kunsttempels, gegen die Artschwagers Bilder, Zeichnungen und Skulpturen sich behaupten müssen, aber auch können. Den zeitlichen Beginn machen die frühen Gemälde noch vom Anfang der 1960er Jahre, die in ihrer abstrahierenden Landschaftlichkeit fast konventionell wirken, jedenfalls vor dem Hintergrund der älteren amerikanischen Kollegen um Jackson Pollock, Mark Rothko oder Clyfford Still.

Doch mit diesem Tasten in Richtung Abstrakter Expressionismus und Informel hielt sich Richard Artschwager nicht lange auf. Im selben Raum haben die Kuratoren zwei seiner Schlüsselwerke platziert: das aus einer Reihe verschiedenförmiger Bretter zusammengenagelte „Portrait Zero“, das der Künstler 1961 an die Decke hängte, und die aus dem gleichen Jahr stammende „Description Table“, ein einfacher Würfel, der dem Betrachter nur die Illusion oder – um mit Artschwagers Titel zu sprechen – eben nur die „Beschreibung“ eines Tisches einschließlich über Eck gelegter weißer Decke und verschatteter Zone zwischen Beinen und Platte liefert.

Diese Art minimalistischen Herunterbrechens alltäglicher Gegenstände auf grundsätzliche Formen, die den Betrachter mit einer Schein-Wirklichkeit konfrontiert und ihn gleichzeitig auf ziemlich provokante Weise auffordert, sie als skulpturale, künstlerische Schöpfungen und eben nicht als Objekte für den Gebrauch anzusehen, blieb einer der Stränge, die Artschwager sein ganzes weiteres Leben hindurch mit großer Beständigkeit verfolgte. Noch das „Piano Grande“ und das „Piano/Malevich“, beide kurz vor seinem Tod 2012 entstanden, tun – wenn auch auf etwas verspieltere, kritisch betrachtet vielleicht sogar etwas dekorativ wirkende Weise – nicht mehr, aber auch nicht weniger, als „nutzlose Gegenstände“ im Raum zu sein und zu verleiten, dass man sie als Kunst ansieht.

Die Nähe Artschwagers zur Pop Art ist in Werken wie diesen evident, und man mag gerade in einigen seiner späteren Arbeiten wie dem großen gelben „Exclamation Point (Chartreuse)“ von 2008 oder seinen über Eck an die Wand montierten „Fragmentations“ hölzerner Transportkisten und Möbel in der Tat eine starke Anlehnung an Andy Warhol, Robert Indiana & Co. erkennen. Vielleicht hatten sich zu diesem Zeitpunkt manche seiner frühen Ideen auch schon ein wenig erschöpft. Doch das betont Triviale als Wesen der Kunst lag ihm fern. Stets umgibt eine intellektuelle Aura seine Werke, die sich vielleicht nicht immer in klaren Aussagen konkretisieren lässt, manchmal im Vagen bleibt und die Arbeiten im Geistigen genauso sperrig erscheinen lässt, wie sie im Formalen oft sind. Mitunter genügt es aber auch, die verschmitzte Art der akzentuierten Unzweckmäßigkeit seiner „Möbel“ zu erkennen, um Artschwagers Kunst Sympathie entgegenzubringen.

Varianten dieser künstlerischen Haltung zeigt die Ausstellung in einigen ausgewählten Beispielen; Artschwagers „Destruction series“ beispielsweise mit der auf monumentalen Formaten en grisaille gebannten Wiedergabe von Sprengung und Abriss des riesigen Traymore Hotel in Atlantic City 1972 oder seinen aus ähnlicher Konzeption hervorgegangenen Interieurs aus den 1990er Jahren. Eine ganz eigene Erfindung sind seine von ihm selbst so betitelten „Blps“, kleine längliche Punkte, die ihn in den 1960er Jahren zunächst aus rein ökonomischen Gründen interessierten, nämlich um mit möglichst wenigen Strichen möglichst viel zeichnen zu können. Bald verselbständigten sich diese „Blps“, drangen in die Dreidimensionalität als Filzstücke, Hölzer etc. vor und tauchten überall auf, auch im öffentlichen Raum. Artschwager wurde damit dann doch fast ein wenig populär.

Die Ausstellung „Richard Artschwager!“ ist bis zum 26. Januar zu sehen. Das Haus der Kunst hat montags bis sonntags von 10 bis 20 Uhr, donnerstags von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, für Jugendliche unter 18 Jahren 2 Euro, und für Kinder bis zu 12 Jahren ist er kostenlos. Der englischsprachige Katalog kostet 59,80 Euro.

Kontakt:

Haus der Kunst

Prinzregentenstraße 1

DE-80538 München

Telefon:+49 (089) 21 12 70

Telefax:+49 (089) 21 12 71 57



05.01.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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