Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Zugpferd Expressionismus: Die moderne und zeitgenössische Kunst bei Grisebach schließt mit Millionenwert ab

Beton auf Stahl



Meisterwerke des deutschen Expressionismus erwiesen sich einmal mehr als außerordentlich stark auf der Versteigerung „Ausgewählter Werke“ bei Grisebach. Was nicht alle Tage auf dem deutschsprachigen Kunstmarkt vorkommt, konnte das Berliner Auktionshaus zumindest in einem Fall souverän generieren: einen Millionenzuschlag, und zwar für Karl Schmidt-Rottluffs Ölbild „Watt bei Ebbe“. Das 1912 geschaffene Werk ist ein herausragendes, für die Dresdner „Brücke“-Jahre ungemein signifikantes Werk des jungen Meisters mit seinen großen, monochromen Farbflächen in Rot und Blau-Schwarz, die dem Betrachter kaum Halt zu bieten vermögen. Schon 1913 und 1914 in renommierten Galerien ausgestellt, befand sich das Gemälde zuletzt in nordrhein-westfälischem Privatbesitz. Der Einlieferer hatte die glühende Strandlandschaft 1995 bei Grisebach für umgerechnet 358.000 Euro erworben, das Auktionshaus nun mit 1 bis 1,5 Millionen Euro für die Leinwand gerechnet, doch heraus kamen schließlich 2,3 Millionen Euro. Auf der internationalen Auktionspreisliste steht dieser Schmidt-Rottluff damit auf Platz vier.


Der Dresdner „Brücke“-Künstler war am 28. November noch vier weitere Male erfolgreich, wenn auch seine pastos und in ihrer wilden Gestik fast abstrakt aufgetragene „Vase mit Georginen“ von 1907 schon bei 250.000 Euro einen Abnehmer fand (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Zwar wurde dem Auktionator nicht Alles aus der Hand gerissen, was er zu bieten hatte. So mussten Gabriele Münters „Interieur mit Weihnachtsbaum“ von circa 1912/14 für 350.000 bis 450.000 Euro und Emil Noldes „Figur und Blumenstillleben“ von 1916 für 300.000 bis 400.000 Euro an die Einlieferer zurück. Dafür war das Interesse an Paula Modersohn-Beckers anrührender Kinderszene „Auf einem Stuhl sitzendes Mädchen mit Kind auf dem Schoß vor Landschaft“ umso größer: Statt 250.000 bis 350.000 Euro erzielte das um 1904 geschaffene Ölbild 420.000 Euro. 290.000 Euro erreichte Otto Muellers Kreideaquarell „Zwei Mädchen im Wald“ im charakteristischem Grün und Hellbraun aus der Mitte der 1920er Jahre (Taxe 180.000 bis 250.000 EUR), 500.000 Euro Lyonel Feiningers leicht überzeichneter „Junger Mann aus dem Dorfe (Mühle mit rotem Mann)“ von circa 1916/17 (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR).

Auch die expressionistische Skulpturenofferte wurde mit hohen Preisen honoriert. Ossip Zadkines in einen rund zwei Meter hohen Holzblock gehauene „Jeune fille à la cruche“ von 1920 schaffte die Mitte von 400.000 bis 600.000 Euro und damit einen der international höchsten Preise für den französischen Kubisten, wurde aber ebenso knapp wie überraschend von Gerhard Marcks’ kubufuturistisch anmutender Kastanienholzplastik „Weltangst“ von 1919 für 510.000 Euro überholt – Weltrekord für den 1889 geborenen Grafiker und Bildhauer (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Los ging die Veranstaltung mit teils noch dem Symbolismus und Impressionismus zugehörigen Werken wie Heinrich Vogelers ganzfigurigem Frauenakt, der manieristisch in einer Landschaft steht und den „Kommenden Frühling“ repräsentiert, von 1909 für 90.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Von zwei Gartenbildern Max Liebermanns wurde der „Garten in Noordwijk-Binnen“ ebenfalls aus dem Jahr 1909 zur unteren Schätzung von 500.000 Euro übernommen, die „Blumenterrasse im Wannseegarten nach Nordwesten“ wohl aus dem Jahr 1915 scheiterte dagegen an 350.000 bis 500.000 Euro. Lesser Ury wurde sein charakteristisches Pastell „Nächtliche Straßenszene, Berlin“ von 1889 mit Lichtreflexen auf regennasser Fahrbahn erfolgreich bei 90.000 Euro los (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Die reiche Auswahl an abstrakten Positionen stieß ebenfalls auf große Zustimmung, wie 120.000 Euro für ein kleines hochformatiges Tuscheaquarell Wassily Kandinskys mit geometrischen Formerkundungen aus dem Jahr 1930 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) oder Erich Buchholz’ in Schwarz, Rot und Gold bemaltes Holzrelief „Neue Tafel Nr. 10“ von 1923 belegen. Zwar kam die Tafel nur auf die unteren taxierten 90.000 Euro, doch bedeutet dieser Wert einen Auktionsrekord für den Pionier der ungegenständlichen Kunst in Deutschland. Die Nachkriegszeit konnte mit Max Ernsts entfernt an einen Fisch erinnerndem Ölbild „Ou naissent les nuages?“ von 1960 bei 130.000 Euro aufwarten (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), ebenso mit Emil Schumachers querformatigem rotem „Tebaga“ mit kräftigen schwarzen Furchen von 1961 bei 210.000 Euro (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR).

Willi Baumeisters 1954 datierte Farbflächenkomposition „Mo“ mit großem schwarzem Fleck in der Mitte wechselte zur unteren Schätzung von 250.000 Euro den Besitzer, für sein leicht plastisch wirkendes, aber ausschließlich gemaltes „Relief mit grüner Figur (überarbeitet)“ von 1953/54 waren 400.000 bis 600.000 Euro dagegen zu viel. Zwei weitere hohe Zuschläge gab es bei dem unverwüstlichen Ernst Wilhelm Nay: 280.000 Euro für das aus sphärischen Dreiecken zusammengefügte Formenspiel „Mit gelbem Vogel“ aus dem Jahr 1950 und 220.000 Euro für das 1963 entstandene Scheibenbild „Figuration in Blau und Rot“ (Taxen je 200.000 bis 300.000 EUR). Peter Brünings spannungsgeladene Rhythmen auf der Leinwand „Nr. 47“ von 1960 schlossen taxgerecht bei 55.000 Euro ab.

Teuerste Zeitgenossin wurde Isa Genzken mit einem großen Betonklotz auf Stahlgestell unter dem Titel „Wiese“ von 1990. 255.000 Euro kostete die insgesamt mehr als zweieinhalb Meter hohe konzeptuelle Skulptur (Taxe 200.000 bis 250.000 EUR). Dahinter rangierten bei 170.000 Euro Roy Lichtensteins gerasterte „Nude with blue hair, State I“ auf einem Farbhochdruck von 1994 für 170.000 Euro (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR) und bei 150.000 Euro eine zweiteilige Farbfeldkomposition in Rot auf Bleiplatten von Günther Förg, der wenige Tage nach der Auktion starb (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Auch die Freunde Hermann Glöckners wurden in der Auktion fündig und nahmen dessen spitzwinklige Stahlblechskulptur „Mast mit zwei Faltungszonen“ von 1975 zu oberen Schätzung von 24.000 Euro sowie seine „Zentrale Teilung in Rot und Weiß“ nach Ideen der Konkreten Kunst für unerwartete 25.000 Euro mit (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Auch die Tagesauktion am 29. November hielt manche Überraschung bereit. Bei den Modernen, die mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von knapp 80 ebenso gut abschnitten wie die „Ausgewählten Werke“, ist Karl Hermann Trinkaus ein neuer Liebling der Sammler, der mit seinen collagierten gesellschaftspolitischen Stellungnahmen zur Zeit der Weimarer Republik für Furore sorgt. Seine auseinander berstende Aufsicht auf einen „Stadt“ von 1927/28 sprang schon recht flugs auf 24.000 Euro, erst recht seine treffsicher vorweggenommene Kriegssituation „Gasmaske“ aus dem Jahr 1931 auf 72.000 Euro (Taxe je 8.000 bis 10.000 EUR). Schon zu Beginn der Auktion fanden Hans am Endes abendlich stille „Segelfahrt“ um 1900 mit 17.000 Euro (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR), Ludwig von Hofmanns symbolistischer „Märchengarten“ vor 1892 mit 23.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), Franz Marcs einfühlsamer Farbholzschnitt „Ruhende Pferde“ von 1911/12 mit 55.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) oder Otto Pankoks ausdrucksstarke Kohlezeichnung des alten „Bettlers Marion“ von 1931 mit 20.000 Euro spendable Käufer (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Preislicher Höhepunkt am Tag waren die 165.000 Euro für Franz Radziwills fantastisch-realistisches Spätwerk „Vogelzug über Dangast“ von 1960 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Emil Nolde setzte sich mit seinem kleinen Tuscheaquarell vornehmer Herren „Im Café“ um 1910/11 bei 88.000 Euro an Position 2, gefolgt von dem „Stillleben mit Birnen“ aus der Hand Johann Georg Müllers, dessen treue Fangemeinde das leicht kubistische Gemälde von 1959 auf 82.000 Euro hob (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), und Karl Hofers junge Männer beim Baden „Im Süden“ von 1946 für taxgerechte 75.000 Euro. Immer stärker wird das Interesse der Sammler auch an Werken weniger bekannter Künstler. So setzte sich Karl Kluths „Eingeschlafene“ von 1928, die erste Version zu seinem Gemälde „Eingeschlafene Nutte II“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, bei 16.000 Euro durch (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), Jeanne Mammens Zeichnung „Saftbar“, die um 1930 ebenfalls das großstädtisch-gesellschaftliche Leben der Weimarer Republik einfängt, bei 45.000 Euro, Lotte Lasersteins unsicher blickende „Spanische Frau“ um 1931 bei 52.000 Euro (Taxe je 20.000 bis 30.000 EUR), und Wolfgang Paalens surrealistische Berglandschaft „Les tours de lumiere“ von 1936 durfte sich über 48.000 Euro freuen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Auch bei den Zeitgenossen stand dann eine hohe Verkaufsquote von etwas über 80 Prozent auf der Habenseite. Doch waren die Werte der 122 zugeschlagenen Objekte nicht so hoch. Mit 62.000 Euro war hier das Ende der Fahnenstrange erreicht, die die Käufer für „E 18“, einen der schemenhaften Farbkreise, des 91jährigen Polen Wojciech Fangor bewilligten (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Zudem hatten die Grisebach-Experten die Preise der Arbeiten recht treffsicher kalkuliert. Nur wenige Stücke stiegen deutlich im Wert, darunter am ehesten Pavlos’ aus dichten Lagen von Papierstreifen konstruierter „Bilderrahmen“ von 1982 auf 24.000 Euro (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR), Louise Bourgeois’ neunteilige Grafikfolge „Ode à ma mère“ von 1995 mit Spinnenmotiven auf 34.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) oder Otto Pienes für den derzeitigen Rummel zu günstig taxiertes Feuerbild „Opaque“ von 2002 auf 40.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Bei der jüngeren Generation schlug sich Maria Zerres’ abstraktes „Familienbild“ mit einem Hasen von 1988 bei 40.000 Euro erfolgreich (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR), außerdem Peter Doigs eben aus dem schillernden Wasser steigender „Surfer“ auf einer Farbaquatinta von 2000/01 bei 19.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), Christoph Ruckhäberles schematisiert wiedergegebenes Interieur mit zwei Mädchen beim „Duett“ von 2005 bei 15.000 Euro (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR) oder Jorinde Voigts musikalisch inspirierte Zeichnung „Beat Var. XII“ aus den „Mexico-Series“ von 2009 auf 15.500 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



23.12.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander/Ulrich Raphael Firsching

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Bei:


Grisebach

Bericht:


Betonwiese

Kunstwerk:

Paula
 Modersohn-Becker, Auf einem Stuhl sitzendes Mädchen mit Kind auf dem Schoß vor Landschaft, um 1904
Paula Modersohn-Becker, Auf einem Stuhl sitzendes Mädchen mit Kind auf dem Schoß vor Landschaft, um 1904

Kunstwerk:

Heinrich Vogeler, Kommender Frühling, 1909
Heinrich Vogeler, Kommender Frühling, 1909

Kunstwerk:

Otto Mueller, Zwei Mädchen im Wald, um 1925
Otto Mueller, Zwei Mädchen im Wald, um 1925

Kunstwerk:

Max Liebermann, Garten in Noordwijk-Binnen, 1909
Max Liebermann, Garten in Noordwijk-Binnen, 1909







Heinrich Vogeler, Kommender Frühling, 1909

Heinrich Vogeler, Kommender Frühling, 1909

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 90.000,- EURO

Losnummer: 2

Otto Mueller, Zwei Mädchen im Wald, um 1925

Otto Mueller, Zwei Mädchen im Wald, um 1925

Taxe: 180.000 - 250.000 EURO

Zuschlag: 290.000,- EURO

Losnummer: 13

Paula Modersohn-Becker, Auf einem Stuhl sitzendes Mädchen mit Kind auf dem Schoß vor Landschaft, um 1904

Paula Modersohn-Becker, Auf einem Stuhl sitzendes Mädchen mit Kind auf dem Schoß vor Landschaft, um 1904

Taxe: 250.000 - 350.000 EURO

Zuschlag: 420.000,- EURO

Losnummer: 5

Max Liebermann, Garten in Noordwijk-Binnen, 1909

Max Liebermann, Garten in Noordwijk-Binnen, 1909

Taxe: 500.000 - 700.000 EURO

Zuschlag: 500.000,- EURO

Losnummer: 4




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce