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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Ausgewählte Objekte bei Grisebach in Berlin

Der König zeichnet



Jan Frans van Bloemen, Arkadisch-Römische Landschaft mit Kolosseum, um 1730

Jan Frans van Bloemen, Arkadisch-Römische Landschaft mit Kolosseum, um 1730

Seit einiger Zeit schon erfreut die Villa Grisebach ihre Kunden mit einer feinen Zusammenstellung handverlesener älterer Objekte aus dem Bereich des Kunsthandwerks. Diesmal finden sich bei den etwas über vierzig Losnummern auch einige Gemälde und Zeichnungen alter Meister, womit das Berliner Auktionshaus seinen Radius nochmals erweitert. In der unter dem Begriff „Orangerie“ geführten Veranstaltung werden die Grenzen zunehmend fließend; die Erzeugung eines zeitcharakteristischen Panoramas soll zudem die Bieterlaune anregen. So fassen aktuell verschiedene Überschriften die Gegenstände zu geschlossenen Blöcken zusammen. Zunächst geht es auf eine „Grand Tour – Sehnsucht nach antiker Größe und südlicher Sonne“. Dort trifft man auch gleich eines der Hauptlose der Auktion, Jan Frans van Bloemens arkadisch-römische Landschaft mit angelnder, disputierender oder auch einfach nur müßiger Figurenstaffage zwischen antiken Ruinen. In der Ferne eröffnet sich ein Blick auf das römische Kolosseum. 80.000 bis 120.000 Euro möchte Grisebach für dieses Musterbeispiel niederländischer Italiensehnsucht sehen.


Zum Aufruf gelangt am 28. November aber auch die annähernd lebensgroße Bronzebüste eines alten Römers aus der Mitte des dritten nachchristlichen Jahrhunderts. Identifiziert wird der Dargestellte mit Kaiser Gordian III., der 238 gerade einmal als Dreizehnjähriger den in jener Zeit der Soldatenkaiser höchst gefährlichen Thron bestieg, jedoch Anfang 244 – wie so viele andere vor und nach ihm – auch von seinen Prätorianern ermordet wurde, die ihn eigentlich schützen sollten. Mit Blick auf diese Vorgänge dürfte sich die Italiensehnsucht bei vielen Menschen wohl in engen Grenzen halten (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Ein Reisender gen Süden war auch der Franzose Hubert Robert. 1765 hielt er sich im Atelier Bartolomeo Cavaceppis auf und hielt den Bildhauer dabei fest, wie er sich gerade an der „Restaurierung“ einer monumentalen antiken Frauenfigur zu schaffen macht. Für dieses bemerkenswerte Zeitdokument werden 40.000 bis 60.000 Euro erwartet.

Auch der große Antonio Canova hat einen Auftritt in dieser Abteilung mit seiner Büste der jungen schönen Hebe aus den 1810er Jahren. Die feine klassizistische Skulptur aus Carraramarmor misst gut fünfzig Zentimeter und ist eine von mehreren Fassungen, die sich heute zum Teil in großen Museen zu Berlin oder St. Petersburg befinden (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Als Kopist antiker Originale betätigte sich der Engländer John Henning. So schuf er in zwölfjähriger Arbeit eine Kopie des berühmten Parthenonfrieses aus Athen. Was verloren war, ergänzte er mehr oder weniger frei. 1828 brachte er als Frucht dieser Mühen unter anderem Eisengüsse auf den Markt, die heute sehr selten sind und – im vorliegenden Fall – bei 10.000 bis 12.000 Euro gehandelt werden. Kein Geringerer als Friedrich Wilhelm IV. von Preußen schließlich betätigte sich 1848 als Zeichner einer italienischen Ideallandschaft mit großen Baumgruppen an einer Küste. Die Perspektive stimmt nicht ganz, aber die damals zehnjährige Nichte des Königs, Prinzessin Luise, wird das Blatt trotzdem sicher gern in Empfang genommen haben (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Die nächste Abteilung steht unter dem Motto „Ancien régime. Frankreichs Schönheit im Wandel“. Hier gelangen erwartungsgemäß einige Möbel zum Aufruf wie Pierre Migeons IV. Bureau Plat im Stil des Rokoko um 1750 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), aber auch Werke bildender Künstler wie Jean-Honoré Fragonards duftige Tuschezeichnung „Promenade à Cheval“ mit einigen Damen beim Ausritt von circa 1782 (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR), Jean-Baptiste Mallets klassizistische Landschaft mit Badenden um 1790, die ob ihrer italianisierenden Anmutung auch in die erste Abteilung gepasst hätte (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), und nochmals Hubert Robert, der 1767, bald nach seiner Rückkehr aus Rom, das aus der Renaissance stammende Schloss Ermenonville in eine wildromantische Parklandschaft versetzte. In der Tat war Hubert gerade vom Besitzer des Anwesens, René-Louis de Girardin, mit der Mitwirkung an der Neugestaltung des Gartens beauftragt. Das kleine Ölbild ist also mehr als nur eine schöne Vorstellung (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Knapp anderthalb Dutzend Losnummern widmen sich überwiegend dem Kunsthandwerk und seinem Entstehungsprozess vom Entwurf des berühmten Künstlers bis zur Ausführung durch oft anonyme Techniker oder große Manufakturen. Das fängt schon bei einer großen Christusfigur als Salvator Mundi an, die zwar um 1620 der seinerzeit sehr produktiven Weilheimer Bildhauerschule, aber keinem bestimmten Schnitzer zugeordnet werden kann (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Aus späterer Zeit gelangen verschiedene Porzellane wie eine Berliner Punschterrine aus dem Tafelservice für Friedrich Ehrenreich von Ramin aus dem Jahr 1768 (Taxe 22.000 bis 26.000 EUR) oder zwei etwa zwanzig Jahre jüngere Deckelvasen mit Portraits der preußischen Königsfamilie ebenfalls von KPM für 35.000 bis 45.000 Euro zum Aufruf. Gustav Friedrich Amalius Taubert war im frühen 19. Jahrhundert Vorsteher der Figurenmalerei der Königlichen Porzellan-Manufaktur. In dieser Funktion musste er für Vorlagen sorgen, die ein Porzellanmaler dann auf das Endprodukt übertrug, so im Jahr 1820 für die 16 Portraits brandenburgischer Kurfürsten und preußischer Könige im Stil antiker Gemmen, die den Rand einer vergoldeten Schale zierten (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR).

Manches ist aber auch bestimmten Handwerksmeistern zuzuordnen wie ein Paar spätbarocke Terrinen um 1752 dem Berliner Silberschmied Martin Friedrich Müller (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). In Schloss Moritzburg bei Dresden standen früher sechs Stühle mit kostbaren, wenn auch altersbedingt etwas abgängigen Lederbezügen des sächsischen Hoftäschners Samuel Girckhoff, die dank eines Besitzerstempels Augusts des Starken auf das Jahr 1727 datiert werden können. Seit Ende des 19. Jahrhunderts befinden sie sich in Privatbesitz (Taxe 22.000 bis 28.000 EUR). Auch Karl Friedrich Schinkel fehlt nicht, der 1827 den Entwurf für einen Brunnen im Berliner Gewerbeinstitut anfertigte. Über weitere Arbeitsschritte, an denen unter anderem Christian Daniel Rauch beteiligt war, wurde der Brunnen dann bei Johann Dinger in Berlin gegossen. Vier Palmetten davon mit originaler Ölvergoldung listet der Katalog für 30.000 bis 40.000 Euro.

Den Abschluss der Auktion bildet eine kleine Abteilung namens „expressio – Der Blick in die Ferne, auf neue Formen und das Ende“ unter anderem mit Objekten aus Afrika wie der Terrakottaskulptur eines Kopfes der Nok-Kultur, die um die Zeitenwende in Nigeria ihre Hochblüte feierte (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Da sich viele Expressionisten an der einfachen Kunst vieler Eingeborenenstämme erfreuten, listet der Katalog dazu passend ein Schriftstück Hermann Max Pechstein, in dem er um 1922 seine Eindrücke von einem Mondscheintanz auf der Südseeinsel Palau festhielt (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Zu den jüngsten Stücken gehört eine Kommode aus der Villa Zissu in Berlin-Grunewald, die 1929 von dem Ausstattungskünstler Michael Rachlis hergestellt wurde. Die Bildplatte ziert eine surreal anmutende, streng geometrisch gehandhabte Architekturlandschaft in aufwendiger Intarsienkunst einem nach Entwurf des Malers César Klein. Seinen dazugehörigen Werkkarton gibt es inklusive (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Die Auktion „Ausgewählte Werke“ beginnt am 28. November um 11 Uhr. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.villa-grisebach.de.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



27.11.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Beim Ausritt

Kunstwerk:

Michael Rachlis und César Klein, Kommode für die Villa Zissu in Berlin,
 1929
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Kunstwerk:

John Henning, Replik des Parthenonfrieses von der Athener Akropolis, 1828
John Henning, Replik des Parthenonfrieses von der Athener Akropolis, 1828

Kunstwerk:

Hubert Robert, Phantasielandschaft von Ermenonville, 1767
Hubert Robert, Phantasielandschaft von Ermenonville, 1767

Kunstwerk:

Salvator mundi, Weilheim, um 1620
Salvator mundi, Weilheim, um 1620

Kunstwerk:

Punschterrine aus dem Tafelservice für
 Friedrich Ehrenreich von Ramin, KPM, 1768
Punschterrine aus dem Tafelservice für Friedrich Ehrenreich von Ramin, KPM, 1768

Kunstwerk:

Gustav Friedrich Amalius Taubert, 16 Portraits brandenburgischer Kurfürsten und preußischer Könige, 1820
Gustav Friedrich Amalius Taubert, 16 Portraits brandenburgischer Kurfürsten und preußischer Könige, 1820

Kunstwerk:

Karl Friedrich Schinkel, 4 Palmetten von einem Brunnen des
 Gewerbeinstituts Berlin, 1827
Karl Friedrich Schinkel, 4 Palmetten von einem Brunnen des Gewerbeinstituts Berlin, 1827







Samuel Girckhoff, 6 Stühle aus dem Schloss Moritzburg, 1727

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Taxe: 22.000 - 28.000 EURO

Losnummer: 321

Gustav Friedrich Amalius Taubert, 16 Portraits brandenburgischer Kurfürsten und preußischer Könige, 1820

Gustav Friedrich Amalius Taubert, 16 Portraits brandenburgischer Kurfürsten und preußischer Könige, 1820

Taxe: 3.000 - 5.000 EURO

Zuschlag: 5.500,- EURO

Losnummer: 329

Friedrich Elias Meyer, Punschterrine aus dem Tafelservice für Friedrich Ehrenreich von Ramin, KPM, 1768

Friedrich Elias Meyer, Punschterrine aus dem Tafelservice für Friedrich Ehrenreich von Ramin, KPM, 1768

Taxe: 22.000 - 26.000 EURO

Losnummer: 325

Kopf einer Skulptur, Nok-Kultur, Nigeria 500 v. Chr. bis 200 n. Chr.

Kopf einer Skulptur, Nok-Kultur, Nigeria 500 v. Chr. bis 200 n. Chr.

Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

Losnummer: 337

Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, Italienische Ideallandschaft, 1848

Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, Italienische Ideallandschaft, 1848

Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 6.500,- EURO

Losnummer: 311

 Rom, Prinzenportrait von einer Statue (wohl Kaiser Gordian III.), römisch, um 243 n. Chr.

Rom, Prinzenportrait von einer Statue (wohl Kaiser Gordian III.), römisch, um 243 n. Chr.

Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

Zuschlag: 68.000,- EURO

Losnummer: 303

Salvator mundi, Weilheim, um 1620

Salvator mundi, Weilheim, um 1620

Taxe: 15.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

Losnummer: 320

Michael Rachlis und César Klein, Kommode für die Villa Zissu in Berlin, 1929

Michael Rachlis und César Klein, Kommode für die Villa Zissu in Berlin, 1929

Taxe: 20.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 37.000,- EURO

Losnummer: 340

Martin Friedrich Müller, Paar Terrinen mit dem Allianzwappen von Quadt-Hüchtenbrock und von Heiden, um 1752

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Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Losnummer: 323

Hubert Robert, Atelier des Bildhauers Bartolomeo Cavaceppi in Rom, 1765

Hubert Robert, Atelier des Bildhauers Bartolomeo Cavaceppi in Rom, 1765

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 40.000,- EURO

Losnummer: 307

John Henning, Replik des Parthenonfrieses von der Athener Akropolis, 1828

John Henning, Replik des Parthenonfrieses von der Athener Akropolis, 1828

Taxe: 10.000 - 12.000 EURO

Losnummer: 309

Karl Friedrich Schinkel, 4 Palmetten von einem Brunnen des Gewerbeinstituts Berlin, 1827

Karl Friedrich Schinkel, 4 Palmetten von einem Brunnen des Gewerbeinstituts Berlin, 1827

Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

Losnummer: 330




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