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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Zeitgenössische Kunst bei Lempertz in Köln

Platz da für die Zeitgenossen!



Zeitgenössische Kunst ist nicht nur verdammt teuer, wie gerade erst die großen New Yorker Abendauktionen bei Christie’s und Sotheby’s demonstriert haben, sondern nimmt häufig auch noch sehr viel Platz weg. Auch die Kunden von Lempertz sollten, wenn das Kölner Auktionshaus mit Gegenwartskunst seine Novemberversteigerungen beschließt, neben einem prallen Geldbeutel auch großzügig bemessene Aufhänge- und Stellmöglichkeiten für einige der rund 270 Werke bereit halten. Eine 2005 entstandene zweiteilige Arbeit von Cornelia Schleime beispielsweise, im Untertitel mit „Die Meute“ bezeichnet und im Vordergrund von einer großen Gruppe gleichförmiger Hunde ausgefüllt, hinter denen die Jäger zu Pferde herreiten, misst zusammen nicht weniger als 180 mal 440 Zentimetern. Mehrmals in seiner jungen Geschichte war das in Acryl, Schellack und Asphaltlack auf Leinwand gemalte Bild bereits ausgestellt, zuletzt 2012 in der Luxemburger Dependance der Deutschen Bank. 30.000 bis 40.000 Euro soll es jetzt kosten.


Noch ausladender ist am 27. November ein Triptychon der erst 1977 geborenen Künstlerin Seo von 2004, das sich zu einem dreiteiligen „Paradies“ mit einer herrlichen Seerosenlandschaft formiert, wobei die beiden äußeren Tafeln fast spiegelsymmetrisch sind, während die mittlere im wahrsten Sinne einen Brückenschlag versucht. Insgesamt wird eine Wand von mindestens 250 mal 540 Zentimetern benötigt, und außerdem die stolze Summe von 80.000 bis 120.000 Euro. Den Vogel aber schießt Jonathan Meese mit seiner 370 mal 600 Zentimeter großen Leinwand „Martin von Essenbeck ist Saalgott“ von 2003 ab – allerdings nicht allein im Format, sondern auch in der Motivik. Denn der 1972 geborene Draufgänger unter den jüngeren deutschen Künstlern entfaltet hier ein Panorama des Assoziativen mit deutschen Lieblingsthemen wie Adolf Hitler oder Richard Wagner, das man wohl ebenso als gedankenvoll und witzig wie als infantil bezeichnen könnte. Jedenfalls ist es ein Vorgeschmack darauf, was den Wagnerfreund erwarten dürfte, wenn der Bürgerschreck 2016 in Bayreuth „Parsifal“ inszeniert (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Permanent wird der Auktionsbesucher aber nicht mit solchen riesenhaften Werkmonstren überfahren. Es geht auch ganz brav und klassisch zu, etwa wenn Joseph Beuys mit seiner zweiteiligen, aus grünem Aquarell und schwarzem Holzschnitt bestehenden Papierarbeit „Planting a Coco-nut“ von 1980 auftritt (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) oder der Koreaner Kim Tschang-Yeul mit einem dunkelgrauen Gemälde von 1978, auf dem sich nur ein paar Wassertropfen sanft und bescheiden niedergelassen zu haben scheinen (Taxe 45.000 bis 60.000 EUR). Nur etwas mehr als DIN A4-Größe besitzen die sechzehn Papiere, die Günther Förg 1988 mit verschieden strukturierten, immer aber vertikal gerichteten Farbfeldern in Schwarz und Rot gedeckt hat (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Und nur sechs mal sechs mal sechs Zentimeter misst Yves Kleins blauer Schwamm mit der Nummer SE 301. Einschließlich des Metallständers wird allerdings das „monumentale“ Format von 17,5 Zentimetern erreicht (Taxe 80.000 EUR).

Auch die Informellen der ersten zwei Nachkriegsjahrzehnte beschränkten sich in der Regel auf mittelgroße Formate, so etwa Ernst Wilhelm Nays nur halbmeterhoher „Waldgeist“ von 1948 für 50.000 bis 60.000 Euro oder sein etwas freieres „Crescendo“ aus dem späten Jahr 1963, das mit rund 160 Zentimetern Höhe zumindest etwas über das Kunstkammerformat hinausgeht (Taxe 90.000 EUR). Gut 150 Zentimeter Breite für eine unbetitelte, rhythmisierte Pinselkritzelei in Schwarz-Blau auf Weiß aus dem Jahr 1961 sind für Peter Brüning bereits ein recht stattliches Ausmaß, was sich auch im Preis von 60.000 bis 80.000 Euro niederschlägt. Auf französischer Seite beeindruckt hier Georges Mathieu mit einer seiner unverwechselbaren, in zackigen Bewegungen einander überlagernder Linien auf schwarzem Grund bestehenden „Compositions“ aus dem Jahr 1969 für 90.000 bis 130.000 Euro. Noch etwas ungestümer gibt sich eine unbetitelte Malerei Jean-Paul Riopelles aus dem Jahr 1964, die preislich etwa im selben Bereich rangiert. Überlegter geht es dagegen auf Victor Vasarelys violett-schwarzem Farbfeldpuzzle „Baikal“ von 1954/55 zu (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR).

Groß ist die Auswahl an ZERO-Kunst, etwa mit drei teils kinetischen Metallbildern Heinz Macks von 1969, 1971 und 1974 für bis zu 30.000 Euro. Aus dieser berühmten Künstlergruppen rekrutiert sich auch das Hauptlos der Versteigerung: 300.000 bis 350.000 Euro sollen Günther Ueckers zwei Holzplatten „Gespalten“ von 1987 einfahren, die auf je zwei Metern Höhe ein wogendes Meer aus Nägeln und wilder schwarzer Grundierung entfalten. Für jeweils um die 100.000 bis 150.000 Euro hängen zwei weitere Nagelungen des Meisters bereit, beide auf vierzig mal vierzig Zentimetern, aber mit unterschiedlichen Strukturierungen. Auch Otto Piene ist mit von der Partie, doch gibt es aus seiner Hand nicht nur einige seiner berühmten Feuerbilder für bis zu 35.000 Euro, sondern auch ein Frühwerk von 1954 aus der Vor-ZERO-Zeit, das in kuboexpressionistischer Weise stilllebenartige Motive auf einer roten Platte gruppiert (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Der Op Art-Mechanismen bedient sich der 1970 geborene Amerikaner Jason Martin in seinem bisherigen Gesamtwerk, in das auch das wellenartig bewegte enge Horizontalliniensystem „Ozone“ in Schwarz-Weiß von 1997 gehört (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR).

Als Repräsentant der großen Meister der 1930er- und frühen 1940er-Geburtsjahrgänge gelangt Georg Baselitz mit dem neoexpressiven Ölbild „Gelbe Nase“ auf mittlerem Format von 1992 für 80.000 bis 120.000 Euro zum Aufruf, das ansatzweise an ein auf den Kopf gestelltes Portrait erinnert. Der drei Jahre jüngere Markus Lüpertz schickt seinen lebensgroßen Männerakt „Der Apoll“ aus zart farbig gefasster Bronze von 1989/2002 für 50.000 bis 70.000 Euro in die Auktion, kommt aber auch als Maler zum Zuge, etwa mit dem 1982 datierten „Kanon 3“ in eher abstrakt anmutenden Formen (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Sigmar Polkes gerasterte „Freundinnen II“, ein Offsetdruck von 1967 mit sparsamer Kolorierung in Gouache, sollen marktgerechte 80.000 Euro kosten. Dem bereits 1968 mit nur 23 Jahren verstorbenen Peter Roehr können die Sammler mit 80.000 bis 100.000 Euro für eine serielle Fotomontage aus dem Jahr 1965 ehren, auf dem das etwas schiefe Foto eines wegfahrenden Autos mit Blick gegen die Sonne 35fach wiederholt ist.

Deutsche Malerstars der jüngeren Generationen sind etwa Anselm Reyle mit einem bunten Folienbild von 2006 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) oder Daniel Richter mit dem motivreichen Sinnbild „Beobachte den Verfall der Brote“ von 1999 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Eine Referenz an Jasper Johns erwies Eberhard Havekost, als er 2007 die amerikanische Flagge mit ihren markanten rot-weißen Streifen und den Sternen auf blauem Grund in einer fast beängstigenden Glätte auf Leinwand bannte. „Back to the flag“ ist der provokante Titel dieses Ölbildes, 40.000 bis 60.000 Euro sein Preis. Eine Besonderheit bildet die Offerte von 133 Druckgrafiken Havekosts der Jahre 1999 bis 2007 aus einer deutschen Sammlung: Lempertz hat das bisher umfassendste Grafikangebot des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt in sieben Positionen aufgeteilt und sie zwischen 6.000 und 10.000 Euro bewertet.

In die Welten junger Menschen entführen Andrea Lehmann mit ihrem „Zimmer 5“ von 2004, in dem sich ein junges Mädchen in ihren motivreichen Träumen aufhält (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR), das Duo Markus Muntean und Adi Rosenblum, die 2008 vier Heranwachsende etwa phlegmatisch in ein verfallenes Haus platziert haben (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR), und Julia Oschatz, in deren Urwaldlandschaft eine Menschmaus ein Abenteuer zu bestehen hat. Das Gemälde von 2006 verlangt 2.500 bis 3.000 Euro. Katharina Grosse wendet sich dagegen abstrakten Farbwelten zu, wie in einer hochrechteckigen Aluminiumtafel von 2002, auf der zart wässrige Farben verlaufen (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Carsten Höller ist dagegen ein Forscher unter den Künstlern, was man seinem „Pilzkoffer“ – einem drehenden, mit einem Sonnenkollektor verbundenen Fliegenpilz in einem Aluminiumkoffer von 1997/2001 – ansieht (Taxe 22.000 bis 25.000 EUR).

Der Norweger Bjarne Melgaard stilisiert sich 2006 in seinem „Self Image as Alan Bates“ etwas halluzinatorisch als der drei zuvor verstorbene britische Schauspieler (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Der belgische Künstler Wim Delvoye will den Betrachter gerne etwas überraschen und verwirren; dazu hat bei seiner Holzskulptur „Concrete Mixer Scale Model # 1“ eine Betonmischmaschine 1992 mit Rokokoelementen nach Art der blau-weißen Delfter Fayencen bemalt (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Ein fotografisches Gedächtnis braucht der Käufer von Richard Longs „Small Basalt Ring“ von 1999, um die 39 steinernen Einzelstücke auch in der richtigen Reihenfolge wieder auf den Boden zu legen – es sei denn, er nummeriert sie sich vorher oder verzichtet ganz auf eine strenge Ordnung (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Jeweils um die 40.000 bis 60.000 Euro erwartet Lempertz für zwei Decollagen: Mimmo Rotellas bunt-fröhlicher „Boy“ von circa 1960 und Raymond Hains’ etwas ruhigeres, dreiteiliges „Affichage Giraudy“ aus dem Jahr 1991 – mit insgesamt 183 mal 790 Zentimetern übrigens ein Ensemble, das größenmäßig dem Meese-Bild nur wenig nachsteht.

Die zeitgenössische Fotokunst hat Lempertz passender Weise wieder in Auktion „Zeitgenössische Kunst“ gepackt. Hier listet der Katalog verschiedene Arbeiten aus dem Umkreis der „Becher-Schule“, darunter die großformatige Landschaftsaufnahme „Certosa“ mit zwei abgestorbenen Bäumen von Axel Hütte aus dem Jahr 1989 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) und mit dem Häusermeer „Corso Vittorio Emanuele, Napoli“ von 1989 eines der bekannten menschenleeren Straßenbilder Thomas Struths (Taxe 5.000 EUR). Die Straße interessiert auch Philip-Lorca diCorcia; doch nimmt er immer die Menschen in den Blick, so 1995 einen fein gekleideten Schwarzen in „London“ (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Eine Mischung aus beiden bietet Stephen Shore in seinem Farbfoto „Presidio, Texas“ von 1975; hier bevölkern lediglich ein Hund und älterer Herr mit Cowboyhut eine staubige Vorstadtstraße an der Grenze zu Mexiko (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Freunde aus ihren Lebenszusammenhängen sind die Protagonisten bei Nan Goldins Aufnahmen, so lustvoll lachend „Matt and Lewis on the Bed, Cambridge“ von 1988 (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) oder nachdenklich „Yogo in the Mirror“ von 1992 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Jürgen Klauke ist mit seiner frühen 13teiligen, androgynen provozierenden „Self Performance“ von 1972/73 und einer gut zwanzig Jahre späteren Arbeit aus der Werkgruppe „Desaströses Ich“ vertreten (Taxen zwischen 6.000 und 12.000 EUR). Fast abstrakt wird des bei Hiroshi Sugimotos Portfolio „Time Exposed“ von 1991, das die Horizontlinie über dem Meer in 51 Seascapes differenziert (Taxe 8.000 EUR). Zu den jüngsten Werken der Fotografieofferte gehört die sechsteilige Arbeit „Floating hats“ des südafrikanischen Street Art- und Aktionskünstlers Robin Rhode aus dem Jahr 2004, in der er humorvoll von einem vorübergehenden schwarzen Jugendlichen berichtet (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 27. November um 14 Uhr. Die Besichtigung der Objekte findet bis zum 25. November zu unterschiedlichen Uhrzeiten statt. Der Katalog ist im Internet unter www.lempertz.com einsehbar.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



24.11.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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 Günther Uecker,  Gespalten, 1987 

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Losnummer: 842

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Taxe: 60.000 - 80.000 EURO

Losnummer: 751

 Axel Hütte,  Certosa, 1988 

Axel Hütte, Certosa, 1988

Taxe: 12.000 - 15.000 EURO

Losnummer: 701

 Georg Baselitz,  Gelbe Nase, 1992 

Georg Baselitz, Gelbe Nase, 1992

Taxe: 80.000 - 120.000 EURO

Losnummer: 620




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