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Das Amsterdamer Stedelijk Museum zeigt eine überbordende Ausstellung mit Werken von Kasimir Malewitsch im Kontext der damaligen Avantgarde

Der Donnerhall des schwarzen Quadrates



Nachbildung des Arrangements der Ausstellung „0.10“ in der Petrograder Galerie Dobytschina von 1915

Nachbildung des Arrangements der Ausstellung „0.10“ in der Petrograder Galerie Dobytschina von 1915

St. Petersburg vor genau einhundert Jahren: Am 3. Dezember wurde im Lunapark-Theater die futuristische Oper „Sieg über die Sonne“ uraufgeführt. Vier Künstler bezweckten mit dieser Gemeinschaftsproduktion die Abkehr vom romantisch schwelgerischen Duktus hin zu einer klaren, reinen und logischen Sprache. Einer von ihnen war Kasimir Malewitsch. Er kreierte geometrisch geformte Kostüme aus einfachen Materialien, die wie Roboter oder Kinderspielzeuge anmuteten. Der Bühnenvorhang zeigte ein schwarzes Quadrat. „Als ich 1913 den verzweifelten Versuch unternahm, die Kunst vom Gewicht der Dinge zu befreien, stellte ich ein Gemälde aus, das nichts mehr war als ein schwarzes Quadrat auf einem weißen Grundfeld. … Es war kein leeres Quadrat, … sondern vielmehr die Empfindung der Gegenstandslosigkeit.“


Das Werk wurde als Affront gegenüber der akademisch-realistischen Malweise empfunden. Kritiker sprachen vom „toten Quadrat“ und „personifizierten Nichts“. Malewitsch setzte die Idee in Form eines mehrmals homogen schwarz übermalten Craquelés um, dessen feine Haarrisse sich in dem Schwarz schon bald abzeichneten und die Farbe bewusst von unten hell aufbrechen sollten. 1914 vollendet, wurde das Gemälde „Das Schwarze Quadrat“ erstmals am 7. Dezember 1915 auf der letzten futuristischen Ausstellung „0.10“ in der Petrograder Galerie Dobytschina gezeigt. Das im Katalog als „Viereck“ bezeichnete Werk hing an der höchsten Stelle der Raumecke, leicht schräg nach unten befestigt, umgeben von anderen Bildern des Künstlers. Damit nahm das Gemälde die Position religiöser Ikonen in einer traditionellen russischen Wohnung ein.

Historische Fotografien halten diese beeindruckende Präsentation Malewitscher Kunstwerke fest und dienten nun den Kuratoren im Amsterdamer Stedelijk Museum als Vorbild. Dass hier die seit langem größte Ausstellung des bedeutenden russischen Suprematisten ihren Auftakt nimmt, hat maßgeblich mit Deutschland zu tun. Im Jahr 1927 erhielt der Künstler ein Visum und reiste samt großem Gepäck über Warschau nach Berlin, wo er auf Ausstellungen 70 Gemälde, Gouachen, Gipsmodelle seiner Architekturentwürfe und pädagogische Tafeln zeigte. Wichtiges Anliegen war ihm der Besuch im Dessauer Bauhaus in der Hoffung, dort eine Anstellung zu finden, um in Deutschland blieben zu können. Doch er hatte sich getäuscht. Sein Gespräch mit Walter Gropius war kurz.

Die Lehre am Bauhaus stand der des Konstruktivismus und einer in Diensten praktischer Zwecke stehender Kunst nahe. Dieser Funktionalismus war mit Malewitschs Kunstphilosophie unvereinbar. Enttäuscht reiste er wieder nach Russland zurück. Seine Werke aber blieben in Deutschland. Nach mehreren Stationen nahm der mit dem Künstler befreundete Architekt Hugo Häring den Fundus in seine Obhut. In dessen Heimatstadt Biberach sah der Stedelijk-Direktor Willem Sandberg die Malewitsch-Sammlung und erwarb sie auf Intervention von Ludwig Mies van der Rohe und Naum Gabo für das Museum. Daher kann sich heute das Stedelijk glücklich schätzen, das größte Konvolut an Arbeiten Malewitschs außerhalb Russlands zu besitzen.

Neben diesem Trumpf gelang es jetzt, für die Ausstellung im Rahmen des „Russland-Jahres“ außer hochkarätigen internationalen Leihgaben die Kollektionen zwei wichtiger Sammler russischer Kunst der Avantgarde heranziehen zu können. Der russischen Jurist, Literat und Sonderling Nikolai Khardzhiev (1903-1996), ein Vertrauter von Malewitsch, konnte auf verschlungenen Wegen bei seiner Ausreise nach Amsterdam 1993 ebenso seine Kunstbestände in den Westen bringen wie George Costakis (1913-1990). Der Spross einer griechischstämmigen Diplomatenfamilie gab sie in großen Teilen an das Staatliche Museum seiner Heimatstadt Thessaloniki, während die 1600 Werke von Khardzhiev nach seinem Tod in eine vom Stedelijk Museum verwalteten Stiftung aufgingen.

Beide widmeten sich mit beispiellosem Engagement der Avantgarde zu einer Zeit, in der abstrakte Kunst in der Sowjetunion verboten war. Dies eröffnete nun die Möglichkeit für die Zusammenstellung von insgesamt weit über 500 Arbeiten von zusammen 22 Künstlern der russischen Moderne. Allein 300 Werke stammen von Malewitsch. Zwei der insgesamt 13 Säle der Präsentation widmen sich ausschließlich den Sammlern und ihrer Sammelleidenschaft. In etwas abgespeckter Form wird die Schau „Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde“ dann bei veränderten Gewichtungen von März bis Juni 2014 in der Bonner Kunsthalle und von Juli bis Oktober 2014 in der Tate Modern zu London zu sehen sein.

Naturdarstellungen in frischem Kolorit mögen viele Besucher gleich zu Beginn der chronologisch in zwölf Abschnitte gegliederten Auswahl erstaunen. Als Malewitsch 1904 Werke von Claude Monet sieht, wird er sogleich zum Impressionisten. Hellfarbene, teils stark pointillistisch ausgearbeitete Gemälde werden jedoch alsbald abgelöst von stark vereinfachten, flächigeren Formen. Besonders ein Selbstporträt von 1910 dokumentiert den Wandel Malewitschs zu einem geschlosseneren Farbauftrag mit expressiverer Formgebung. Neben den Kunstbewegungen der Zeit, darunter dem Symbolismus, dem Primitivismus und dem Fauvismus, fließen in nahezu allen Schaffensperioden Elemente bäuerlicher, farbenfroher russischer Volkskunst und spiritueller russischer Ikonenmalerei in sein Werkschaffen ein. Mit dem Anbrechen des Kubismus kombiniert Kasimir Malewitsch die Grundformen aus Kugel, Kegel und Zylinder mit Merkmalen des italienischen Futurismus zu einem plastischen Kubofuturismus.

In den Jahren vor 1915 entstehen zahlreiche Werke von eindrucksvoller Poesie, die zu den Highlights der Ausstellung zählen. Selbst hier reißt die Verbindung zum Religiösen nicht ab, wie das Gemälde „Ein Engländer in Moskau“ zeigt, in dem Malewitsch neben dem Gesicht eine Kuppelkirche einarbeitet. Immer wieder widmet sich der Künstler den roboterhaft anmutenden russischen Bauernfiguren. Ihr Aufbau aus schematischen Bauklötzen entfaltet durch farbliche Abtönungen eine eigene Dynamik. Diese Kunstwerke gruppieren sich um die Rekonstruktion der Skandalschau von 1915, deren Anordnung einige der seinerzeit 39 neuen abstrakten Gemälde Malewitschs in überlieferter Position bietet. Doch der Donnerhall von 1915, der Durchbruch zur gegenstandslosen Kunst, verhallt mangels Beachtung im kriegsführenden Europa weitgehend im Nichts.

Gemälde und Arbeiten auf Papier zeigen in nachfolgenden Segmenten Varianten suprematistischer Malerei. Deutlich wird dabei, in welch auffallender Weise kosmische Tendenzen mit tiefer innerer religiöser Verortung ihren Ausdruck in einer Zusammenziehung von Kreuzen und Kreisen finden. In einer abschnittweise doch ermüdenden Masse der vielen Exponate – weniger wäre hier mehr gewesen – stellen weitere Abschnitte Malewitschs Wirken als charismatischer Lehrer oder sein Schaffen auf den Gebieten der Architektur und Produktgestaltung vor. Seine „Architektone“, räumliche Gipsmodelle in suprematistischer Form aus den Jahren um 1923, waren bei Bauhaus-Meistern nicht auf Gegenlieben gestoßen. Bekannt wurde ferner seine Porzellangestaltungen mit konstruktivistischen Malereien und Formen. Nach 1927 kehrte Kasimir Malewitsch gelegentlich zu impressionistischen Motiven zurück, schuf im Westen zurückgelassene Arbeiten neu und überraschte in den Jahren vor seinem Tod am 15. Mai 1935 in Leningrad mit Porträts im altmeisterlichen Stil.

Die Ausstellung „Kasimir Malewitsch und die russische Avantgarde“ ist bis zum 2. Februar 2014 zu besichtigen. Das Stedelijk Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 20 Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog in niederländischer und englischer Sprache für 29,90 Euro erschienen.

Kontakt:

Stedelijk Museum Amsterdam

Museumplein 10

NL-1071 DJ Amsterdam

Telefon:+31 (020 ) 57 32 911

Telefax:+31 (020) 67 52 716

E-Mail: info@stedelijk.nl



06.11.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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 die Oper „Sieg über die Sonne“, 1913
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Kasimir Malewitsch, Ein Engländer in Moskau, 1914

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