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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Alte und Neuere Meister bei Karl & Faber in München

Vorsicht, Pfarrer!



John Martin, Engel blicken auf eine Schlacht

John Martin, Engel blicken auf eine Schlacht

Apokalyptische Visionen waren seine Spezialität. Als John Martin 1821 sein großformatiges Gemälde „Belsazars Fest“ der britischen Öffentlichkeit vorstellte, war das Aufsehen groß. Hatte der im Revolutionsjahr 1789 geborene Maler das alttestamentliche Geschehen doch in eine gewaltige mesopotamische Architektur eingepasst, mit einem riesigen Hof, Tausenden von Statisten, unter einem Himmel, für den die Bezeichnung „gewittrig“ eine lächerliche Untertreibung wäre, und mit im Dunkel des Hintergrundes aufscheinenden Bauten, für deren Errichtung man heute noch Jahre bräuchte. Jede Massenszene auf der Opernbühne wäre dagegen Kinkerlitzchen. Ganz so monumental geht es auf dem Gemälde, das Karl & Faber in München zur Auktion bringen, nicht zu. Doch auch hier schwebt eine Engelsschar auf überwucherten Felsbrocken über dem dräuenden Himmel, während auf Erden gerade zwei Heere aufeinander losrennen. Das knapp einen Meter breite Gemälde ist also ein typischer, surreal-fantastischer Martin. Aus Schweizer Privatbesitz wird es nun eingeliefert, und Karl & Faber bieten es für 25.000 bis 35.000 Euro an.


Martins Gemälde ist eine der bemerkenswertesten Einlieferungen zu dieser Versteigerung am 8. November, die ansonsten einen schönen Querschnitt durch das gängige Programm des Münchner Auktionshauses bietet. Deutsches überwiegt in der Malerei des 19ten Jahrhunderts, doch gelangen mit Wilhelm Buschs fast fotografisch genauer Aufnahme einer Stubentür aus dem Jahr 1877 (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR), Otto Grashofs ungestümer Schlittenfahrt durch die winterliche russische Steppe von 1851 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und Otto Scholderers Stillleben „Kupferkübel mit Pfingstrosen“ für 20.000 bis 30.000 Euro Vertreter ganz unterschiedlicher Länder und Richtungen zum Aufruf. Johann Georg von Dillis beeindruckt wieder mit einer seiner vorimpressionistischen Landschaftsstudien, hier einer Parkanlage im Herbst von circa 1810/20 für 28.000 bis 32.000 Euro.

Altniederländisch gibt sich der 1776 in Den Haag geborene Pieter Gerardus van Os mit einer wilden Landschaft von 1831, in deren Vordergrund an einem rauschenden Wasserfall einige Ziegen weiden (Taxe 9.000 bis 10.000 EUR). In der Tradition seiner älteren Landsleute, aber schon mit romantischer Empfindung steht ebenfalls Abraham Hulks Küstenszene mit Fischerbooten bei aufgewühlter See und dramatischen Lichteffekten (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Für ruhige, ausschnitthafte Landschaftsschilderungen aus dem Süden sind Johann Jakob Freys frühabendlicher stiller Weg in dem Bergen oberhalb von Rom wohl um 1836/39 oder Barthélemy Menns abgebrochene Felskante über einem kleinen Tümpel in der Mittagshitze zuständig (Taxe je 7.000 bis 8.000 EUR). Bei Karl Wilhelm Diefenbachs hochformatiger Mondscheinlandschaft auf Capri von 1900 macht sich dann schon geheimnisvoller Symbolismus breit (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Aus dem Münchner Kreis ragt ferner Carl Spitzweg hervor. Einsam durchstreift sein „Jäger in der Felsenschlucht“ die Lande. Hoffentlich verirrt er sich nicht, das Wetter schaut nicht gut aus, und drohend fliegen einige Krähen über seinen Kopf hinweg (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Gar nicht so allein ist dagegen der Eremit in der Mönchsklause. Ihn freut gerade der Besuch einer jungen Maid, sie stoßen mit Wein an – doch Vorsicht: Im Hintergrund wird schon die schwarze Gestalt des strengen Herrn Pfarrers sichtbar. Gegen Ende seines Lebens um 1875/80 malte Spitzweg diese nur vordergründig heitere Zigarrenkistentafel, die 2001 bei Neumeister in München für 100.000 D-Mark über die Bühne ging und jetzt 60.000 bis 80.000 Euro kosten soll. Zwei österreichische Kunstfreunde trennen sich von Friedrich Gauermanns biedermeierlicher Landschaft im Ausseerland mit Blick auf den Berg Loser aus den 1830er Jahren (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR) und einem nicht minder beschaulichen Bauernhof mit Blick auf die im Dunst liegenden Karawanken des Kärntner Malers Markus Pernhart (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR).

Die älteren Gemälde lassen sich leider oft nicht zuordnen, etwa eine schöne Madonna des 16ten Jahrhunderts mit landschaftlichem Hintergrund, die auf die Schule Bernardino de’ Contis verweist (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), oder das Bildnis einer vornehmen Florentinerin mit ihrem Sohn in prächtiger Renaissancetracht aus dem Umkreis Alessandro Alloris (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Auf den Antwerpener Blumenexperten Jan van Kessel d.Ä. verweist die hohe Qualität dreier prächtiger Blütensträuße, die sich um eine Steinkartusche herum gruppieren. Für die als Relief dahinein gehauene Madonna wird die Mitarbeit Erasmus Quellinus’ II. angenommen (Taxe 22.000 bis 28.000 EUR). Klarer wird es oft erst im 18ten Jahrhundert, etwa mit einem rembrandtschen Kruzifix vor nachtschwarzem Himmel, das auf Januarius Zick hindeutet (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), und natürlich auch dem Hauptlos der älteren Kunst, einem Blick auf die Küste bei Marina di Vietri im Königreich Neapel an der Amalfitana, die von Jakob Philipp Hackerts signiert und auf das Jahr 1775 datiert ist (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Neben der Malerei legt die Auktion, wie bei Karl & Faber gewohnt, auch auf die Zeichnungen großes Gewicht. Bei den Altmeistern reicht es mit dem niederländischen Scheibenrissentwurf einer Fußwaschung Christi aus der Zeit um 1500 bis in die Spätgotik zurück (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Aus der deutschen Renaissance ist Hans Sebald Behams derb vergnügtes „Verliebtes Bauernpaar“ um 1540 zu nennen, das auf eine Zeichnung Dürers zurückgeht und wohl ebenfalls der Erstellung einer Glasscheibe diente (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Barockes findet sich in Form einer 1736 datierten „Vermählung Mariens“ des Cosmas Damian Asam-Schülers Christoph Thomas Scheffler (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) oder einer gegen Mitte des 18ten Jahrhunderts entstandenen Schutzmantelmadonna vor Landleuten von Johann Wolfgang Baumgartner (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Cornelis Dusart, ein Haarlemer Künstler des ausgehenden 17ten Jahrhunderts, machte sich mit expressiven, oft karikaturistisch anmutenden Schilderungen bäuerlichen Lebens in der Tradition seines Lehrers Adriaen van Ostade einen Namen. In diese grobschlächtigen Formen kleidete er in den 1690er Jahren auch eine Anbetung der Hirten (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Noch zwei weitere Hackerts, ein feiner Blick auf die ruinöse Augustus-Brücke bei Narni von 1776 und das 1795 ebenfalls in Tusche gezeichnete, stimmungsvolle Blatt „La Scaffa di Persano“, gibt es für jeweils 7.000 bis 8.000 Euro. Zu den Höhepunkten altmeisterlicher Druckgrafik zählen mit Giovanni Antonio Canals fast impressionistischer Radierung „La torre di Malghera“ von circa 1740 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) und Giovanni Battista Tiepolos fast gleichzeitiger Radierung „Die Familie des orientalischen Bauern“ (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR) zwei signifikante Arbeiten des venezianischen Rokoko. Für 6.000 bis 8.000 Euro kann man sich Albrecht Dürers berühmtes „Rhinozeros“ auf einem Chiaroscuro-Holzschnitt von 1515 ins Haus holen.

Die Zeichnungen der Neueren werden durch eine österreichische Privatsammlung mit Schöpfungen des Klassizismus, der Biedermeierzeit und des Realismus eingeleitet. Thomas Ender, Johann Josef Schindler, Carl Goebel, Joseph Höger, Josef Rebell oder Andreas Roller warten hier mit ihren heimatlichen oder auch italienischen Landschaften und auf Kundschaft, die Schätzpreise liegen im drei- oder niedrigen vierstelligen Bereich. Im Hauptprogramm sieht es ähnlich aus, da steht zum Beispiel Rudolf von Alts in Bleistift gezeichnete Studie zu einer Hochgebirgskette am Königssee aus dem Jahr 1828 – da zählte er gerade zarte 16 Jahre – für 3.000 bis 4.000 Euro zu Gebot. Der Schweizer Johann Heinrich Bleuler erfreut mit der filigranen Gouache „Der Staubbach im Lauterbrunnerthal“ (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR), während Leopold Rottmann, der jüngere Bruder des berühmteren Carl Rottmann, einen Blick auf den Apollotempel im Nymphenburger Park festhielt (Taxe 3.500 bis 4.500 EUR). Die teuersten Grafiken kommen aus dem Ausland: Pierre-Auguste Renoirs 1899 gedruckte Lithografie „Jeune Femme en Buste (Mademoiselle Diéterle)“ für 8.000 bis 10.000 Euro und eine Erstausgabe von Francisco de Goyas „Proverbios“ von 1864 für 15.000 bis 20.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 8. November um 11 Uhr. Die Besichtung ist bis zum 6. November täglich von 10 bis 18 Uhr, am 7. November von 10 bis 14 Uhr möglich.

Kontakt:

Karl & Faber Auktionen

Amiraplatz 3

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 24 22 870

Telefon:+49 (089) 221865

Telefax:+49 (089) 22 83 350

E-Mail: info@karlundfaber.de



05.11.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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