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Mit den Ausstellungen „Reading Andy Warhol“ und „Andy Warhol – Zeichnungen der 50er Jahre“ begibt man sich in München im Museum Brandhorst und in der Pinakothek der Moderne auf die Suche nach den frühen Indikatoren einer Kunst-Ikone des 20sten Jahrhunderts

Als Warhol noch kein Superstar war



Etwa zehn Jahre trennen die einfachen, linearen Zeichnungen, die derzeit in der Pinakothek der Moderne zu sehen sind, von Warhols Gemälde „The Silver Car Crash“. Das Bild von 1963 soll bei Sotheby’s am 13. November mindestens 60 Millionen Dollar einspielen soll. Keine Frage, dass man bei dieser Bewertung durchaus mit einem neuen Warhol-Rekord kokettiert. Mit Aufgeld würde dieser Zuschlag den derzeitigen Höchstpreis knacken: 2007 hatte der „Green Car Crash“ 71,7 Millionen Dollar erzielt. Auch Christie’s ist in seiner Preisgestaltung nicht zimperlich. Einen Tag vor der Konkurrenz ruft man hier eine auf Leinwand manifestierte Coca-Cola-Flasche des schillernden Künstlers für 40 Millionen Dollar auf. Das Œuvre des Pop Art-Erfinders hat in den letzen Jahren eine der steilsten Preiskurven gezeichnet, spektakuläre Arbeiten wechselten nicht selten im zweistelligen Millionenbereich die Besitzer.


Wenn ein Künstler den Status einer nie mehr fallenden Aktie erreicht hat, wenn er in der Kunstwelt als einer der bedeutendsten des 20sten Jahrhunderts gefeiert wird, wird nicht nur alles interessant, sonder es schwebt auch die Frage durch den Raum, ob der Warholsche Genius sich bereits in den frühen Jahren angekündigt hat. Nicht ganz 200 Zeichnungen aus den 1950er Jahren hängen derzeit dicht an dicht, als wolle man ja nichts auslassen, im Schauraum der Graphischen Sammlung innerhalb der Pinakothek der Moderne. Die Skizzen, Vignetten, zeichnerischen Fingerübungen machen klar, dass Andy Warhols Größe nicht im grafischen Vermögen seiner frühen Jahre liegt, sondern in seiner späteren konzeptuellen Kühnheit. Wenn die Zeichnungen etwas erhellen, dann vielleicht Warhols Sinn für das Banale bis Unspektakuläre.

Reklamehefte und Magazinillustrationen gaben ihm die Vorlage für diese karg gezeichneten Blätter. Mit ruhigem, in einem Akt durchgezogenen Umrisslinien, zum Teil durchgepaust von Vorlagen, hält er von Handschellen umschlossene Gelenke fest, zeichnet junge Männer und Frauen in Posen, die ein bisschen an Nicholas Rays Film „Denn sie wissen nicht, was sie tun“, die Geburtsstunde der Jugendrebellion, erinnern. Die Binnenzeichnung ist unerheblich, nur mit wenigen Strichen akzentuiert Andy Warhol Details. Das wirkt professionell und zugleich auch pedantisch. Als sei der damals nicht ganz 30jährige auf der Suche nach Zeichen und Versatzstücken der Realität, die dem Gebrauchsgrafiker letztendlich als Material und Zettelkastensammlung dienen könnten. Für manch einen mag darin schon der Nukleus für die „Campbell’s Soup“-Bilder liegen. In der Summe aber lässt sich die Ausstellung auf derartige Kaffeesatzleserei nicht ein. Das ist gut so. Denn die Schau folgt der entwaffnenden Logik des Zufallsfundes, auf der sie größtenteils fußt.

Im Jahr 2011 hat der Münchner Galerist Daniel Blau in der Warhol Foundation angeblich einen noch nie inspizierten Karton mit Warhol-Zeichnungen entdeckt und erwerben können. Ein Überraschungsei aus der Zeit, als Warhol noch kein Superstar war. Unsortiertes Material mit Nebensächlichem, das eher Archivare als Sammler interessiert, und mit suggestiven Blättern wie die 1954 entstandenen „Five Boys“, aus denen wohl auch eine Graphic Novel hätte werden können. Häppchenweise hat Blau kleine Sequenzen daraus auf der TEFAF 2012 und 2013 präsentiert, das ganze Füllhorn durfte er zuerst im Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark und nun in der Pinakothek der Moderne ausschütten. Etwas besserer hätte dem Kunsthändler nicht passieren können: Die Graphische Sammlung als kommerzieller Steigbügelhalter. Wer will es Daniel Blau verübeln, dass er in seiner Galerie bis vor kurzem die merkantile Fortsetzung der Ausstellung betrieb. Die Blätter kosteten zwischen 18.000 Euro und 90.000 Euro. Die Grafische Sammlung argumentiert, dass man so eine Sensation der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wolle. Doch schon vor zehn Jahren hat es Ausstellungen in Galerien zu dieser Œuvre-Phase Warhols gegeben, auch bei Daniel Blau.

Den Weg Warhols zum Pop Art-Künstler kann man um so deutlicher in der nur ein paar Schritte weiter, im Museum Brandhorst gezeigten Ausstellung „Reading Andy Warhol“ nachvollziehen. Warhol als Buchillustrator und Buchgestalter – das ist ein Kapitel für sich, aber auch ein Gebiet, das Big Andy bis ans Lebensende interessiert hat und nie zuvor in einer Schau aufgearbeitet wurde. Dass auch der spätere Factory-Star einmal Jobs zum Broterwerb annehmen musste, belegen die vielen Titelillustrationen und Vignetten aus den späten 1940er und frühen 1950er Jahren, die sich vom damals gängigen Stil kaum unterscheiden. In Warhol aber schlummert schon damals ein schöpferischer Geist. Das Buch war auch Experimentierfeld und Freiraum des studierten Gebrauchsgrafikers. Für seine Auftraggeber fertigte er zum Jahresende Bücher als kleine Kundengeschenke. Eines der frühesten ist „A is an Alphabet“ von 1953. Mit zartem Strich und etwas Ironie illustrierte er die Sinnsprüche seines Freundes Ralph T. Ward. Schon ein Jahr später entstand der legendäre Katzen-Band „25 Cats name(d) Sam and one Blue Pussy“. Er ist bis heute neben dem „Schuh-Werk“, das Warhol als Nebenprodukt einer über drei Jahre laufenden Werbekampagne der Firma I. Miller in der New York Times fertigte, seine bekannteste Arbeit vor der „Erfindung“ der Pop Art.

Andy Warhol blieb trotz lukrativer Werbeaufträge der Buchillustration treu. Fast schon im Stil von Bildgeschichten lieferte um 1960 für den Verlag Doubleday Illustrationen zu Kindergeschichten. Und während er 1959 noch einmal mit Suzie Frankfurt, einer damals gut beschäftigten Innenausstatterin und legendären Partygastgeberin, unter dem Titel „Wild Raspberries“ ein klassisches Künstlerbuch mit farblich schrillen, schwungvoll getuschten Essensarrangements in einer Auflage von 200 Stück herausgab, berührte kurz danach mehr und mehr die Pop Art Warhols bibliophile Neigungen. Die Galerie Kornfeld gab 1964, nachdem Warhol mit seinen Coke-Flaschen und den aufgestellten Brillo-Boxes die Aufmerksamkeit einiger Galeristen auf sich gezogen hatte, das Buch „1 Cent Life“ mit Warhols frühesten Drucken zum Thema Marilyn heraus.

Noch etwas später stellte er seinem Assistenten Gerard Malanga für dessen Gedichtbände Fotos seiner „Disaster“-Serie, zu der auch die oben erwähnten Car Crash-Arbeiten gehören, zur Verfügung. Warhols Kunst und seine Buchprodukte rückten Stück für Stück näher aneinander. So wie man in Europa die Druckpresse als künstlerisches Medium wieder entdeckt hatte, realisierte Andy Warhol mit Textbögen von Philip Green in der Racolin Press sein Projekt „Flash November 22, 1963“ – elf Siebdrucke nach Fotografien rund um die Ermordung J. F. Kennedys. In den letzen Lebensjahren waren seine buchgestalterischen Arbeiten Teil einer Selbstvermarktung: eigene Fotobücher, Bucheinbände zu den Katalogen der eigenen Ausstellungen. Doch da waren sich der Factory-Star und der Buchgestalter am nächsten.

Die Ausstellung „Andy Warhol – Zeichnungen der 1950er Jahre“ ist noch bis zum 17. November in der Pinakothek der Moderne zu sehen. Sie hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Einritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro und sonntags für alle 1 Euro. Der Katalog, herausgegeben von Daniel Blau, erschien im Hirmer Verlag und kostet 39,90 Euro.

Die Schau „Reading Andy Warhol“ läuft bis zum 12. Januar 2014. Das Museum Brandhorst täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro und sonntags 1 Euro. Der von Kuratorin Nina Schleif im Hatje Cantz Verlag herausgegebene Katalog kostet 39,80 Euro.

Museum Brandhorst
Theresienstraße 35 a
D-80333 München

Telefon: +49 (0)89 – 23 80 52 286
Telefax: +49 (0)89 – 23 80 51 304

Kontakt:

Pinakothek der Moderne

Barer Straße 40

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 23 805 360

E-Mail: info@pinakothek.de



03.11.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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