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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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In seiner respektlos-ironischen Malerei zermalmt der Hamburger Werner Büttner die scheinbaren Gewissheiten der Kunst- und Lebenswelt. Jetzt sind 300 seiner Werke in einer großen Retrospektive in Bremen zu sehen

Selbst vor Bratwurstschnecke



Acht an Husaren erinnernde Reiter stehen etwas verloren in der Landschaft herum. Der Betrachter sieht nur ihre Rücken und die Hinterteile ihrer Pferde. Die Staubwolke hinter ihnen wird sich bald gelegt haben, doch ein neues Ziel, eine neue Stoßrichtung ist nicht auszumachen. Rat- und Orientierungslosigkeit pur. „Die Avantgarde von hinten“, so ist ein 2011 entstandenes, großformatiges Gemälde des im schleswig-holsteinischen Geesthacht lebenden Hamburger Malers und Hochschulprofessors Werner Büttner betitelt. Eine respektlose Abrechnung mit den Altvorderen der Moderne und den in die Jahre gekommenen Heroen der deutschen Nachkriegskunst wie Markus Lüpertz, Georg Baselitz oder Anselm Kiefer vielleicht, aber vielleicht auch ein Sinnbild der eigenen Situation. Das Gemälde bildet den programmatischen Auftakt der Ausstellung „Werner Büttner. Gemeine Wahrheiten“ im Bremer Museum Weserburg.


Rund 300 Bilder, Zeichnungen, Collagen und Skulpturen sind in der Schau zu sehen, die Arbeiten von den frühen 1980er Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart versammelt. Die umfangreiche Retrospektive rückt damit verdientermaßen einen Künstler ins Blickfeld, der angesichts der großen medialen Aufmerksamkeit für seine frühen Weggefährten und Kollegen Martin Kippenberger und Albert Oehlen bislang immer ein wenig im Schatten gestanden hatte. Doch das – darin sind sich Museumsdirektoren wie Peter Weibel, der die Schau bereits im Sommer im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) gezeigt hat, Sammler, wie der Hamburger Büttner-Intimus Harald Falckenberg, Büttner-Schüler und Künstlerkollegen wie Jonathan Meese und Daniel Richter sowie Kunsttheoretiker wie Bazon Brock und Wolfgang Ullrich einig – soll sich jetzt ändern. Sie alle gehören auch zu den Autoren eines jetzt erschienenen umfangreichen Katalogs, der Büttner, den ungestümen Erschütterer des Wahren, Guten und Schönen, geradezu emphatisch feiert.

Werner Büttner, der seit 1989 auch eine Malereiprofessur an der Hamburger Hochschule für bildende Künste bekleidet, hat sich mit seiner oft grobschlächtigen Malweise, seiner raubeinigen Art und seinem ausgeprägten Hang zur Einbeziehung treffsicherer textlicher Elemente in seine Malerei, Zeichnungen und Collagen den Ruf eines gnadenlosen, immer ironischen, manchmal auch zynischen Spötters erworben. Geboren 1954 im thüringischen Jena, kam er mit acht Jahren gemeinsam mit der Mutter nach München, wo er im Problemstadtteil Hasenbergl schon früh mit sozialen Konflikten in Berührung kam. Nach einem abgebrochenen Jurastudium in Berlin beschloss er, Künstler zu werden.

Im Karlsruher ZKM | Museum für Neue Kunst hatte Werner Büttner seine Arbeiten noch selbst in chaotischer Petersburger Hängung arrangiert. Die von Kurator Peter Friese jetzt ganz neu entlang thematischer Schwerpunkte eingerichtete und daher wesentlich klarer strukturierte Bremer Schau zeigt, wie Büttner von Anfang an konstant an seinem Projekt einer gleichwohl humorvollen Demontage sowohl künstlerischer als auch gesellschaftlicher Gewissheiten gearbeitet hat. In schonungslosen Selbstporträts bespiegelt er zudem das eigene Ego. Sein Schlüssel dazu: Die Attitüde des „Bad Painting“, einer Malerei also, die zu Beginn der 1980er Jahre absichtsvoll und provokant gegen alle Konventionen des guten bürgerlichen Geschmacks verstieß und ihre nihilistischen Weltschmerz-Botschaften in schlammig-brauntonige Bilder packte.

Doch die Schau offenbart auch, wie sich aus dieser rebellischen Anti-Malerei aus dem Geiste des Punk nach und nach ein unverwechselbarer, feinsinniger und überhaupt nicht mehr grobschlächtiger Stil herauskristallisiert hat. Insbesondere auf seinen seit Anfang der 2000er Jahre entstehenden Collagen mit so abgründig-mehrdeutigen Titeln wie „Besuch bei Luther“ oder „Selbst vor Bratwurstschnecke“, die eigentlich vollkommen unvereinbare Elemente aus Werbung, Urlaubsprospekten, privaten Fotos und Kunstkatalogen zu grotesken Bild- und Textkombinationen zusammenführen, gelangt Werner Büttner zu einer mit Sprachwitz gepaarten Originalität, die die umfassende Neu- und Wiederentdeckung dieses hintersinnigen Malerphilosophen mehr als rechtfertigt.

Die Ausstellung „Werner Büttner. Gemeine Wahrheiten“ ist bis zum 23. Februar 2014 zu sehen. Die Weserburg hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. An Heiligabend, erstem Weihnachtstag, Silvester und Neujahr bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 5 Euro bzw. 3 Euro. Der 520seitige Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet 49,80 Euro.

Kontakt:

Weserburg Museum für moderne Kunst

Teerhof 20

DE-28199 Bremen

Telefon:+49 (0421) 59 83 90

Telefax:+49 (0421) 50 52 47



03.11.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


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Künstler:

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