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Die Albertina holt mit „Matisse und die Fauves“ die französische Avantgarde nach Wien und stellt die erste Strömung in der Kunst der klassischen Moderne vor

Wilde Lust an der Farbe



In Wien sind zurzeit Anzeigen zu sehen, die mit dem Slogan „So eine Schmiererei“ eine Ausstellung in einem der renommiertesten Kulturinstitute der Stadt bewerben. Die Aufmerksamkeit erheischenden Worte gelten der Schau „Matisse und die Fauves“, die derzeit in der Albertina präsentiert wird und ganz im Gegenteil eine Augenweide ist. Einen Sturm der Entrüstung verursachten einige der die hier gezeigten Bilder jedoch im Jahr 1905, als die Malerfreunde um Henri Matisse ihre Bilder im Pariser Kunstsalon und unmittelbar danach in der kleinen Galerie der französischen Kunsthändlerin Berthe Weill zeigten. Als „Fauves“, als „wilde Tiere“, wurden Matisse und seinen Kollegen diffamiert, und Kritiker reagierten mit Häme und boshaften Kommentaren auf deren Gemälde: „Ein Topf Farbe, dem Betrachter ins Gesicht geschüttet“. Da hatte sich das Pariser Publikum gerade erst mit dem Impressionismus angefreundet und schon bedrohte eine noch radikalere Malerei den Klassizismus und konservative Einrichtungen wie die Académie des Beaux-Arts und den von ihr eingerichteten Salon de Paris.


Im Rückblick kann die nur etwa drei Jahre währende Periode des Fauvismus als die erste Avantgardebewegung der Moderne betrachtet werden: Henri Matisse war der „Chef“ der Truppe. Um ihn sammelten sich André Derain, engster Weggefährte von Matisse auf dem Weg zum Fauvismus, Henri Manguin und Albert Marquet, mit denen er im Atelier von Gustave Moreau studiert hatte, und Maurice de Vlaminck. 1906 sollten dann noch Georges Braque, Emile Othon Friesz und Raoul Dufy zu ihnen stoßen.

Die Fauves verwendeten reine ungebrochene Farben, die sie in vereinfachter Zeichnung, ohne Licht- und Schattenmodellierungen nebeneinander setzten. Mit willkürlich gewählten und intensiv leuchtenden Farben, skizzenhaften Pinselstrichen und unmodellierten Farbflächen hielten die Maler ihre Motive fest. Ihr radikaler Bruch mit jeglicher Form von Realismus, ihr Verzicht auf Raumkonstruktion und anatomische Richtigkeit stellte eine völlig neue Wendung in der Kunstgeschichte dar.

Rund 160 Werke von 50 internationalen Leihgebern konnten die Kuratoren Heinz Widauer von der Albertina und Claudine Grammont aus Paris für die Ausstellung in Wien zusammentragen. In sieben Stationen geben sie Einblick in die frühen Jahre der sich entwickelnden Avantgarde. Die Schau beginnt um 1900 und demonstriert mit Gemälden wie „Notre Dame“ von 1899 und „Straße von Arcueil“ von 1903/04, wie Henri Matisse versucht, sich von der impressionistischen Malerei des Augenblicks loszusagen. Die zweite Station widmet sich Collioure, dem kleinen Fischerdorf in Südfrankreich und eigentlichen Geburtstort des Fauvismus. Hier vollziehen Matisse und Derain im Sommer 1905 den Übergang vom Pointillismus zu jener neuen Malerei, die die Geburtsstunde der Moderne werden sollte. Matisse beginnt, die Farbe in strahlenden Kontrasten von Rot-Grün und Blau-Orange teppichartig nebeneinander zu setzen und lässt die unbearbeitete Leinwand als Farbwert mitsprechen. Mit seinem 1905 entstandenen Gemälde „Das offene Fenster“ gelingt ihm eine bravourös gesetzte harmonisch-dekorative Verteilung der Farben, deren Intensität die Aufmerksamkeit stärker auf sich zieht, als das dargestellte Motiv.

Flächig, bunt und kontrastierend, so präsentieren sich fortan auch die Gemälde des Autodidakten André Derain, der Matisse nach Collioure folgt. Die pittoreske Topographie des Ortes ist für beide jedoch zweitrangig. Es geht ihnen darum, die Form aus der Farbe entstehen zu lassen. Der Natureindruck soll mit dem größtmöglichen gefühlsmäßigen Ausdruck verschmolzen werden. Begeistert berichtet Derain an Maurice de Vlaminck, den in Chatou, einem Vorort von Paris, zurückgebliebenen Freund, dass im Süden selbst die Schatten klare und transparente Farben hätten.

Maurice de Vlaminck ist der Einzige aus der Künstlertruppe, der sich vorerst nicht nach Südfrankreich begibt. Er bleibt in Chatou und malt mit kräftigen Farben Szenerien an der Seine: Landschaftsformationen, Hügelketten und Flussverläufen gilt seine Aufmerksamkeit, wobei er die Komposition vereinfacht, reine Farben verwendet und mit energischem Pinselstrich eine intensive Farbmalerei auf der Leinwand entwirft.

Über den Impressionismus finden Raoul Dufy und Emile Othon Friesz zu den Fauves und stellen im Frühjahr 1906 gemeinsam mit ihnen im Pariser Salon des Indépendants aus. Im selben Jahr entdecken Vlaminck und Derain die afrikanische Skulptur für ihre Malerei. Matisse lässt sich von ihrer Begeisterung anstecken. Die Freunde erwerben ihre ersten afrikanischen Figuren, von denen einige bemerkenswerte Beispiele in der Wiener Schau zu sehen sind, darunter mehrere Masken aus der Sammlung Vlamincks oder eine Reliquienfigur aus dem Gefolge des Oba in Benin und Nigeria, die einst André Derain gehörte. Die Formensprache der afrikanischen Stammeskunst ermutigte Henri Matisse zu plastischen Deformierungen und Übertreibungen, wie er sie etwa in seinem „Großen kauernden Akt“ von 1909/10 und in der gleichaltrigen „Schlangenförmigen“ erarbeitet hat.

Neben herausragenden Arbeiten von Matisse, darunter das erwähnte „Offene Fenster“ von 1905 und „Stillleben mit rotem Teppich“, gehört die Suite von Derains London-Bildern zu den Höhepunkten der Ausstellung. Erweitert wird der Kreis der Fauves durch Georges Braque und Georges Rouault, dessen dunkel-luminöse Malerei in einem eigenen Kabinett präsentiert wird. Eine große Zahl von Gemälden des aus Holland stammenden Kees van Dongen mit Zirkusszenen, Aktbilder und melancholischen Frauenportraits beschließt den eindrucksvollen Ausstellungsbogen über die erste und zugleich kürzeste Avantgardebewegung des 20sten Jahrhunderts.

Die Ausstellung „Matisse und die Fauves“ ist bis zum 12. Januar 2014 zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Museum beträgt regulär 11,90 Euro mit verschiedenen Ermäßigungsstufen. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei. Der Katalog kostet 29 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



13.10.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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