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Zwei Bereiche des Dessauer Bauhaus-Gebäudes öffnen nach umfangreicher Restaurierung und Neugestaltung ihre Tore. Weitere Schritte folgen in Etappen bis zum runden Jubiläum im Jahr 2019

Den einhundertsten Geburtstag fest im Blick



Das Bauhaus in Dessau

Das Bauhaus in Dessau

Wie auf einer Schiffskommandobrücke schreitet der Besucher entlang durchlaufender Fensterbahnen zwischen dem Klassenflügel und dem Werkstättentrakt. Der Eindruck täuscht nicht: Hier liegen bis heute die Büros der Direktion des Bauhauses in Dessau. Karge Wände, offen liegende Träger und Pfeiler aus Beton, kleinsprossig von Eisenstegen unterteilte dünne Glasscheiben oder rohrartige Geländer vermitteln eher maritimen Charakter oder den von Industriebauten. 1996 wurde das im Dezember 1926 eröffnete, nach Plänen von Walter Gropius errichtete Dessauer Bauhausgebäude in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Es gilt heute als weltweites Markenzeichen einer Ideenschmiede, die mit dem Anspruch einer umfassenden Reform von Lebensvorgängen über eine adäquat gestaltete Umwelt antrat.


Im April 2019 wird man auf die Gründung vor einhundert Jahren in Weimar zurückblicken. Bis dahin sollen die in den drei Bauhausstädten etablierten sammlungsführenden Institute jeweils neue Gebäude erhalten. Für das Bauhaus-Archiv Berlin mit seiner exzellenten Sammlung sind die Planungen weitgehend abgeschlossen. Auch Weimar hat einen Museumsneubau fest im Blick, und Ende 2013 soll in Dessau ein Wettbewerb Entwürfe für einen Museumsneubau hervorbringen, für den momentan noch drei Standorte diskutiert werden. Die Jahre bis 2019 werden zudem in Etappen von speziellen Pogrammen und Ereignissen begleitet, die mit der „Triennale Moderne“ und einer Neueröffnung in diesen Tagen begonnen haben.

Die drei Bauhaus-Städte haben unlängst eine als Netzwerk angelegte Initiative ergriffen, um dem Welterbe der Architekturmoderne stärkere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Im Dreijahresrhythmus werden sie bis 2019 ein spezielles Pogramm aus Veranstaltungen, Ausstellungen, Tagungen sowie touristischen Attraktionen anbieten. Im Auftaktjahr 2013 hat sich die „Triennale Moderne“ dem Berliner Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“ angeschlossen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Anhalt konnte der Direktor Ludwig Mies van der Rohe ab Oktober 1932 das Bauhaus als privates Institut in einer ehemaligen Telefonfabrik in Berlin-Steglitz weiterführen. Doch nach einer Polizeirazzia am 11. April 1933 war die letztendlich um den 20. Juli jenes Jahres erfolgte Selbstauflösung nur eine Frage der Zeit. Dessau wurde nun zu einer großen Rüstungsfabrik.

Auf einer Veranstaltung wird der amerikanische Architekt Daniel Libeskind daran erinnern ebenso wie Ausstellungen oder Lichtinstallationen, in denen die Künstlerin Darya von Berner mit linearer Beleuchtung emblematische Orte der modernen Architektur in Szene setzt. Im Jahr 2016 wird das 90jährige Bestehen des Bauhaus-Gebäudes zum Ausgangspunkt zahlreicher Vorhaben, bevor dann 2019 zum einhundertjährigen Gründungstag Weimar im Fokus des Interesses steht.

Dessau kann nun mit einem neuen Besucherzentrum im Bauhaus-Gebäude aufwarten. Im Bereich der ehemaligen Tischlerei im Hochparterre wurde neben einer touristischen Information ein Designshop installiert, in dem Bauhaus-Objekte ebenso zum Verkauf angeboten werden wie aktuelle Designentwürfe. In einer Schauwerkstatt „Bauarena“ gibt es Möbel zum Selbstbauen. Gleichzeitig wird das ehemalige, auch als „Prellerhaus“ bezeichnete Ateliergebäude nach umfassender Restaurierung wieder eröffnet. Weithin sichtbar ist noch heute der hochgeschossige Bau, der seinen nach dem Hofmaler Friedrich Preller erlangten Namen in Referenz an den Weimarer Vorgängerbau übernommen hat. Schon im September 1926 konnten hier 28 Wohn- und Arbeitsateliers bezogen werden.

Zahlreiche Fotografien zeigen heute ausdrucksvoll, wie seinerzeit auf den fünf Etagen plus Dachterrasse und Souterrain mit Dusch-, Bade- und Gymnastikraum gelebt, gearbeitet, musiziert und gefeiert wurde. Die zunehmende Internationalisierung der Studentenschaft entwickelte sich ab 1926 gegenläufig zum Nationalisierungsbestreben der politischen Entscheidungsträger. Als „Brutstätten für Rassenschande und Bolschewismus“ wurde dem gemeinschaftlichen Wohnen durch Einbau von Werkstätten und Klassenzimmern schon um 1930 ein Ende gesetzt. Bei der jüngsten Restaurierung hat das Bauhaus nun zwei der 24 Quadratmeter großen Studentenzimmer originalgetreu rekonstruiert. Die übrigen können, angepasst an heutige Standards, von jedermann gemietet werden. Eine Recherche darüber, wer von den Jungmeistern wann und wo gewohnt hatte, führte zu Widmungen einzelner Buden.

In der Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau sind insgesamt rund 10.000 Objekte gebündelt. Im Souterrain des Werkstattgebäudes versammelt eine Ausstellung daraus eine aufschlussreiche Auswahl von Dokumenten bis hin zu Produkten, darunter die ersten Stahlrohrmöbel der Welt, die schon damals in einem Joint Venture mit den Leichtmetallflugzeugwerken von Hugo Junkers produziert wurden. Die Sammlungsabteilung ist neben der Bauabteilung, den Werkstätten und einer Akademie wichtiges Standbein der nach der Wiedervereinigung etablierten Stiftung Bauhaus Dessau, die das Erbe mit Leben erfüllen soll. Dies geschieht auch im Austausch mit den direkt nebenan angesiedelten Fachbereichen Architektur und Design der Fachhochschule Anhalt.

Schon ausgiebig diskutiert wird das nächste Ereignis am 16. Mai 2014. Walter Gropius errichtete 1925/26 in unmittelbarer Nähe die Meistersiedlung für so genannte „Altmeister“ des Bauhauses, die von Weimar nach Dessau mit umgezogen waren. Neben dem freistehenden Direktorenhaus von Gropius entstanden drei Doppelhäuser, und zwar für László Moholy-Nagy und Lyonel Feininger, für Georg Muche und Oskar Schlemmer sowie für Wassily Kandinsky und Paul Klee. Ab 1932 lebten hier Betriebsangehörige der Flugzeugwerke von Hugo Junkers.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Doppelhaushälfte für Moholy-Nagy durch Bombeneinwirkung komplett zerstört. Ab Oberkante Keller war auch das Wohnhaus des Direktors ein Opfer der Bomben. Im Sinne des Heimatstils wurde es mit Satteldach und graubrauner Kratzputzfassade wieder aufgebaut. Die anderen erhaltenen Häuser sind in den letzten Jahren restauriert worden und dienen nun musealen Zwecken. Noch bis zum 13. Oktober ist im Meisterhaus Muche/Schlemmer eine Ausstellung über das Werk des nach Palästina emigrierten Architekten Chanan Frenkel und der ebenfalls am Bauhaus ausgebildeten Kunstgewerbler und Fotografen Ricarda und Heinz Schwerin zu besichtigen.

Nach langen Diskursen einigte man sich darauf, Gropius’ Einzelhaus auf den erhaltenen Kellerräumen in modernen Formen wieder aufzubauen. Auch Moholy-Nagys Doppelhaushälfte entstand neu, wobei die Gebäude in Leichtbeton nicht als exakte Rekonstruktion konzipiert sind, sondern nur Ausmaße und Proportionen der Vorgänger wieder aufnehmen. Das Berliner Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez schuf damit eine Art Erinnerung, die die architektonische Sprache der Jetztzeit klar zu erkennen gibt. Die Aufteilung der Fenster erfolgte ebenso wie die Gestaltung des Inneren mit aufgeschnitteten Decken entsprechend den vorgesehenen neuen Nutzungen.

Gropius’ Direktorenvilla wird derzeit zum Besucherzentrum umgestaltet und damit zum Entree der Meisterhaussiedlung, während das Doppelhaus Moholy-Nagys dem im angrenzenden Haus Feininger bereits residierenden Kurt-Weill-Zentrum eine Raumerweiterung in der Form einer Bibliothek und eines neuen Veranstaltungsbereiches bietet. Geplant ist, dass mit Feier der Vervollständigung des Ensembles am 16. Mai 2014 alle Häuser von der Stadt Dessau an die Stiftung Bauhaus Dessau übertragen und in Ergänzung zum Bauhaus-Hauptgebäude in die Welterbeliste der UNESCO Eingang finden werden.

Kontakt:

Bauhaus Dessau

Gropiusallee 38

DE-06846 Dessau

Telefon:+49 (0340) 650 80

Telefax:+49 (0340) 650 82 26



08.10.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Die Dauerausstellung der Stiftung Bauhaus Dessau

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Der Neubau der Doppelhaushälfte Moholy-Nagy

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In zeitgemäßen Formen neu interpretiertes ehemaliges Direktorenwohnhaus von Walter Gropius

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Blick in ein renoviertes Zimmer im Atelierhaus des Bauhauses

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Blick in ein renoviertes Zimmer im Atelierhaus des Bauhauses

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Das Atelierhaus (Prellerhaus) mit den charakteristischen Austritten

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Das neu aufgeteilte Innere des ehemaligen Direktorenhauses

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Das neue Besucherzentrum des Bauhauses Dessau

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Das Doppelhauses Moholy-Nagy/Feininger

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Das ehemalige Direktorenhaus von Walter Gropius vom Garten

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Ansicht des restaurierten Doppelhauses Muche/Schlemmer

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