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Die Sayner Hütte bei Koblenz ist für ihren Eisenkunstguss berühmt. Die wegweisende Fabrikarchitektur wird nun museal neu erschlossen

Formvollendet, zugleich kantig, hart und sicher



Die Sayner Hütte

Die Sayner Hütte

Schmuck, Gebrauchsobjekte oder Bauteile aus schwerem Gusseisen sind ein spezielles Sammelgebiet. Ausschließlich dieser Nische gewidmete Anbieter machen auf Messen wie der Cologne Fine Art ihre Aufwartung. Aber auch auf Flohmärkten oder bei Antikhändlern abseits der Zentren sind kunstvoll gestaltete Eisenobjekte für erschwingliche Summen zu erstehen. Zeitweise erfreute sich der Schmuck aus Eisen großer Beliebtheit und wurde sogar höher als Gold geschätzt. „Gold gab ich für Eisen“ war zu Beginn der Befreiungskriege 1813 bis 1815 die Parole, mit der Frauen aufgerufen wurden, ihren Goldschmuck für den Krieg gegen Napoleon zu spenden. Die hohe gesellschaftliche Wertschätzung des Eisenschmucks gründete sich aber auch in der Identifizierung mit technischen Neuerungen. Manchmal findet man auf der Unterseite eines Gussstücks die Buchstaben „SH“, die Gießmarke für die Sayner Hütte. Mit dem 1. Juli 1815 gelangte sie in den Besitz der Preußischen Krone. Neben der ab 1796 im schlesischen Gleiwitz etablierten, bis heute tätigen und der von 1804 bis 1874 in Berlin aktiven Eisengießerei war Sayn am Rhein der dritte bedeutende Standort preußischen Eisenkunstgusses.


Gegründet wurde die nahe Koblenz gelegene Eisenhütte 1769 vom letzten Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen. Die Gegend war ideal: Wasserläufe boten gute Bedingungen für Kraftausnutzung und Transport, Waldgebiete dienten der Holzkohlenherstellung und Erzgruben sicherten die Rohstoffgewinnung. In der Anfangsphase wurden vor allem Röhren für Wasserleitungen sowie Band-, Roh- und Stabeisen gefertigt. Technische Güsse wie die Fertigung von Kanonen oder Munition für den Ausbau der Koblenzer Festungen, Schienen oder Auftragsarbeiten für Maschinenteile beherrschten danach die Fabrikation.

Ab 1817, kurz nach der Übernahme durch Preußen, wurde die Produktpalette um den Eisenkunstguss erweitert. Von 1819 bis 1865 hergestellte Neujahrsplaketten sorgten sofort für Furore. Populäre Bau- und Kunstdenkmale sind auf ihnen dargestellt. Medaillons mit Porträts berühmter Persönlichkeiten und Statuetten von Scharnhorst, Bülow und Blücher und weiteren Helden der Befreiungskriege folgten. Künstlerischer Anerkennung und weiter Bekanntheit erfreute sich das vom Modelleur Heinrich Zumpft 1828 entworfene Modell der Igeler Säule. Zumpfts Schaffensjahre in Sayn von 1822 bis 1835 werden heute zur Blüte des Sayner Eisenkunstgusses gezählt.

Die Meisterschaft der Sayner Erzeugnisse gründet in ihrer extremen Dünnwandigkeit, der Exaktheit des Gusses und ihrer materialgerechten Gestaltung. Meist erscheinen die feinen Oberflächen wie geprägt. Auf Akademieausstellungen oder auf der Pariser Weltausstellung 1855 wurden die „harten“ Kunstwerke prämiert. In den Jahren 1823, 1846 und 1870 erschienen Musterbücher. Hier wurden Leuchter, Briefbeschwerer, Schreibzeug, Teller, Uhrhalter, Tisch- und Altarkreuze bis hin zu feingliedrigem Schmuck zur Bestellung angeboten. Neben Büsten und Bildnissen produzierte man auch plastisch in Eisen umgesetzt Gemälde wie das Abendmahl von Leonardo da Vinci. Ein reger Modellaustausch unter den Hütten Gleiwitz, Berlin und Sayn beförderte den Absatz.

Ab 1840 nahm dann die Nachfrage nach Eisenkunstguss merklich ab. Als 1842 Wilhelm Samuel Weigelt als Chefmodelleur an die Sayner Hütte kam, erweiterte er daher die Produktpalette um Baueisen wie Zäune, Wendeltreppen oder Öfen, die sich noch heute in Schlössern der Umgebung finden. Hinzu kamen Geländer, Gitter und Tore, Brunnen, Ziervasen, Kreuzwegstationen oder Grabmäler. Aber auch Gebrauchsgüter wie Töpfe, Pfannen und Bügeleisen fanden Abnehmer. Selbst Karl Friedrich Schinkels 1825 für das preußische Königshaus entworfener gusseiserner Gartenstuhl wurde auf Anfrage gefertigt.

Im Januar 1865 erwarb der Essener Industrielle Alfred Krupp die Sayner Hütte. Die Krisenzeit nach dem Ersten Weltkrieg traf auch sie schwer. 1927 stellte Krupp den Betrieb ein, und die Bauten gingen an die Stadt Bendorf über. Teile dienten fortan Firmen als Lagerfläche. Der weltweit erste Industriehallenbau in tragender Gusseisenkonstruktion litt unter Verfallserscheinungen, so dass bereits 1929 der Provinzialkonservator den Denkmalschutz aussprach. Wegen angeblicher Einsturzgefahr erfolgte 1973 die Genehmigung des Abbruchs, der jedoch aus Geldmangel und aufgrund des Engagements einer Bürgergruppe unterblieb. Zum Glück erwarb 1976 ein anliegendes Unternehmen die Anlage und leitete die Restaurierung ein. 2003 ging das Ensemble wieder in den Besitz der Stadt Bendorf über.

Am 1. Januar 2013 nahm die „Stiftung Sayner Hütte“ ihre Tätigkeit auf. Sie wird die Restaurierung vollenden, das Areal museal erschließen und später betreiben. Bereits am 27. August 2010 wurde das Herzstück, die historische Gießhalle, in die Reihe der „Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“ aufgenommen. Neben der zur kurfürstlichen Zeit um 1770 erbauten Organisationszentrale, dem Comptoir, dem um 1865 entstandenen Direktorenwohnhaus, der 1908 in Klinker gemauerten Krupphalle und den von gusseisernen preußischen Adlern seit 1846 gekrönten Zufahrtspfosten steht die ehemalige Hochofen- und Gießhalle im Fokus aller Maßnahmen.

Der auf Pläne des damaligen Hütteninspektors Carl Ludwig Althans zurückgehende Bau wurde 1828 von der Berliner Oberbaudeputation genehmigt. Ende 1830 fand die Inbetriebnahme der filigranen, wegen des Feuerschutzes aus gusseisernen Elementen montierten Gießhalle statt. Die Sayner Hütte hatte sich quasi selbst gegossen: In Formsand angefüllt und dann abgeschliffen, war hier der erste seriell aus vorgefertigten Teilen zusammengesetzte Industriehallenbau überhaupt entstanden. Angelehnt an das Schema mittelalterlicher Kirchen, verteilen sich auf einer Fläche von 24 mal 29 Metern in basilikaler Anordnung 18 sechseinhalb Meter hohe, dem antiken Kanon nach gestaltete dorische Hohlsäulen mit Wulst und Platte. 7,85 Meter beträgt die Spannweite im Mittelschiff. Die Konstruktion aus Bindern in Längs- und Querrichtung wurde ohne statische Berechnung entwickelt. Gotisch anmutende leichte Korbbogenbinder tragen die ausladenden Dächer der Seitenschiffe.

Im Innern haben sich noch auf Kugeln gelagerte, schwenkbare Auslegerkräne erhalten, die den Transport der Eisenteile bewerkstelligten. Vor allem besticht die westliche gläserne Giebelfront mit ihren zu zartgliedrigen Spitzbögen geformten Eisenrippen. 1832 samt zurückspringenden Mittelteil vollendet, verdeutlichen die neugotischen Formen augenfällig das mit David Gilly, Carl Gotthard Langhans und Karl Friedrich Schinkel verbundene Aufblühen der Neugotik in Preußen; Schinkels „Sammlung architektonischer Entwürfe“ diente Althans als Muster. Erstmals wurde hier Gusseisen und Glas in großem Maßstab miteinander verbunden. Die Konzeption hatte fortan für Markt- und Weltausstellungshallen, Bahnhöfe oder Gewächshäuser Vorbildfunktion. Produkt und Produktionsstätte verschmolzen in Sayn bereits vor 200 Jahren zu einer wegweisenden Symbiose, deren Nachwirkungen bis heute Architektur und Design maßgeblich prägen.

Sayner Kunstguss besitzt noch heute weltweiten Ruf und findet sich in vielen nationalen wie internationalen Sammlungen. Im wieder aufgebauten neugotischen Schloss Sayn eröffnete im Juni 2000 das Rheinische Eisenkunstguss-Museum, das neben Produkten der unmittelbar benachbarten Hütte auch Gießtechniken und Arbeitsbedingungen der um 1815 rund 70, in den 1850er Jahren rund 170 Mann starken Belegschaft präsentiert.

Das Rheinische Eisenkunstguss-Museum in Bendorf-Sayn hat täglich von 10 bis 18 Uhr, ab Oktober bis 17 Uhr, im November von 11 bis 16 Uhr und von Dezember bis Februar auf Anfrage geöffnet. Der Eintritt beträgt 4,50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.

Vom 19. bis 22. September 2013 findet die Tagung „200 Jahre Gold gab ich für Eisen“ im Märkischen Museum in Berlin statt. Das 3. Internationale Treffen der Freunde des Eisenkunstgusses bietet an diesen Tagen Vorträge und Exkursionen rund um das Thema Eisenkunstguss. Zur Tagung haben ein gutes Dutzend deutscher Kunsthändler eine Verkaufschau zum Eisenguss im Lempertz-Showroom in der Poststraße 22 im Berliner Nikolaiviertel organisiert. Das Angebot reicht vom Eisenofen über Taschenuhrständer, Briefbeschwerer, Kerzenleuchter, Büsten bis hin zum Schmuck aus verschiedenen Gießereien.

Kontakt:

Rheinisches Eisenkunstguss-Museum

Abteistraße 1

DE-56170 Bendorf-Sayn

Telefon:+49 (02622) 902 913

Telefax:+49 (02622) 902 917



22.09.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Seitenansicht der Sayner Hütte
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Neujahrsplakette 1819 der Sayner Hütte
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Kollier, Ohrringe und Gürtelschließe aus der Sayner Hütte
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Diadem
 aus der Sayner Hütte
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Im Schloss Sayn ist das Rheinische Eisenkunstguss-Museum
 untergebracht
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Die Sayner Hütte illuminiert bei Nacht
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Die Dachkonstruktion in der Gießhalle der Sayner Hütte
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Detail von der Westfront der Gießhalle
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Die Sayner Hütte wird restauriert

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Eisenöfen aus der Sayner Hütte

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Die Dachkonstruktion in der Gießhalle der Sayner Hütte

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Seitenansicht der Sayner Hütte

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Die Sayner Hütte illuminiert bei Nacht

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Diadem aus der Sayner Hütte

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Blick in das Rheinische Eisenkunstguss-Museum im Schloss Sayn

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Neujahrsplakette 1819 der Sayner Hütte

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Im Schloss Sayn ist das Rheinische Eisenkunstguss-Museum untergebracht

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Blick in das Rheinische Eisenkunstguss-Museum im Schloss Sayn

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Detail von der Westfront der Gießhalle

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Preußische Adler aus Eisenguss aus dem Jahr 1846

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Kollier, Ohrringe und Gürtelschließe aus der Sayner Hütte

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