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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Aktuellzum Archiv:Museumsportrait

Dank einer Stiftung bereichert nun ein kleines Museum erlesener Miniaturen das Neue Schloss in Bayreuth. Deren Sujets eröffnen erstaunliche Korrespondenzen zu Ausstattung und Leben des Hofes

Mehrdeutige Gesten und feine Verführungsspiele



Venus von Urbino, Emailminiatur nach Tizian, um 1800

Venus von Urbino, Emailminiatur nach Tizian, um 1800

Venus schlummert, ihre gesamte Schönheit unverhüllt darbietend, mit angezogenen Beinen auf einer Wolke. Und schon hat sich Amor neugierig zwischen den Beinen der Liebesgöttin durchgeschlichen. Angebracht wurde das Motiv vom Hofstuckateur Adam Rudolph Albini um 1754/55 in einem intimen Ruhezimmer des Neuen Schlosses zu Bayreuth im Auftrag von Markgraf Friedrich III. Fast als Pedant zum „Venuskabinett“ könnte ein anderer Raum im Schloss bezeichnet werden, in dem ein schöner Jüngling auf einer Wolke ruht, während Amor zielgerichtet einen Pfeil auf ihn abschießt. Aber nicht nur private Gemächer schmücken Darstellungen mit freizügigen Anspielungen. Auch in den sommertags genutzten Grottenräumen ist die Liebe wichtigstes Ausstattungsthema. Mehr naturalistisch und weniger spielerisch unter Markgraf Alexander 1771/72 eingerichtet, zieren hier brünstige Muschelgesichter und lächelnde Putten die Wände, zusammengesetzt aus wertvollen Südseemuscheln. Auch in den angrenzenden Gärten, die von jeher für paradiesische Vorstellungen stehen, greifen Skulpturen und Steinvasen mit Liebesszenen antiker Mythologien Erotisches auf. Lasziv lehnt sich Voluptas, der Sohn von Amor und Psyche, zurück und bringt seine sexuelle Lust expressiv zum Ausdruck.


Der galante Geist des 18ten Jahrhunderts erfährt im Neuen Schloss seit wenigen Tagen eine feine Ergänzung. In einer ehemals als Schlafappartement genutzten Zimmerfolge ist nun sinnigerweise die exquisite Miniaturensammlung Dr. Löer zu bewundern. 88 der teils in schmucker Goldrahmung sitzenden kleinen Gemälde versinnbildlichen in ihrer Virtuosität die Epoche des Rokoko, kamen sie doch in Motiv und Format dem Geschmack der Zeit entgegen. Die kleinen Kabinette im Neuen Schloss und deren Ausstattung bilden dazu einen idealen Hintergrund; denn sie reflektieren ebenso wie die Miniaturmalereien die im 18ten Jahrhundert an vielen absolutistischen Höfen vorherrschenden ungezwungenen Sitten, Lebensformen und Atmosphäre.

Das 18te und das beginnende 19te Jahrhundert gelten als Höhepunkt der Miniaturenmalerei, bevor die Fotografie sie verdrängte. Sprachlich abgeleitet aus dem Lateinischen von dem roten Mineralfarbstoff „Minimum“, entzogen sich die Werke repräsentativer Zurschaustellung. Sie gehörten in den Bereich des Privaten. Üblicherweise zeigten Miniaturen Porträts oder Familienbildnisse. Die oftmals ovalen Darstellungen von nahestehenden Menschen konnte man bequem bei sich tragen und zu scheuen Blicken hervorziehen. Mann und Frau, Liebe und Leidenschaften sind zentrale Themen, Götter und ihre Metamorphosen dienen dazu meist als Vehikel. So begegnen dem Betrachter lüsterne Mönche oder ungezwungenes Schäferleben in ländlicher Natur, deren Freiheit nicht frei von erotischen Anspielungen ist. An die niederländische Malerei des 17ten Jahrhunderts anknüpfende Bauern- und Wirtshausszenen sollen als moralische Warnung verstanden werden.

Bedeutungs- wie anspielungsreich üben symbolische Tiermotive in der Miniaturmalerei eine wichtige Rolle aus. Affen stehen für Begierde, Schwäne spielen auf Seitensprünge an, weiße Katzen vermitteln Sehnsüchte nach Liebhabern dann besonders, wenn ihr Schweif steil erhoben steht. Freie Vögel mit spitzen Schnäbeln stehen für verlorene Jungfräulichkeit. Die Themenvielfalt der Minigemälde zeigt sich ebenso bereit gefächert wie der Reichtum an zwischenmenschlichen Emotionen und Leidenschaften, Sinnlichkeit und Tragik. Dabei gelang es der Miniaturmalerei auch, die Darstellung der nackten Frau aus der Mythologie zu lösen. Sie musste nun nicht mehr als Göttin verbrämt auftreten, sondern konnte als weibliche Gestalt an sich stehen.

Andere Themenfelder wie landschaftliche Sujets ergänzen den Reigen der Kollektion. So blickt der Betrachter auf einer Miniatur aus einer Kirchenruine heraus in eine vom Vollmond beschienene Landschaft. Viele dieser eigenständigen Kunstwerke wurden gern als Geschenke gereicht. Geschaffen wurden sie von Spezialisten. Die Farbpigmente mussten möglichst fein gerieben werden, um für den gestrichelten Farbauftrag geeignet zu sein. Holz, Elfenbein, Leinwand, Porzellan oder Pergament dienten ebenso wie Metall als Malgrund. Eine beliebte Technik war das Email, bei dem auf eine Metallplatte weißes Grundemail aufgetragen und dann weitere Emailfarben bei hoher Temperatur eingeschmolzen wurden. Die Preise dieser kleinen Kunstwerke bewegten sich zu ihrer Entstehungszeit auf dem Niveau großformatiger Gemälde.

Die in drei Anschnitte gegliederte Zusammenstellung leitet ein mit Werken von Joachim Henné, einem Hofmaler der preußischen Könige. Dessen flächige Malweise besticht durch den Schwung einzelner Pinselzüge, wie es bei dem Motiv von „Mönch und Magd“ aus dem Jahr 1710 zu beobachten ist. Weltweiter Anerkennung erfreute sich der Schwede Carl Gustav Klingstedt mit galanten Motiven, deren Markenzeichen die in einer Farbe abgetönte Grisailletechnik ist. Jacques Charlier ist bekannt für seine samtig dargestellten Hautpartien, die er so zart zur Wirkung brachte, weil er den Ton des Elfenbeins geschickt mit einzubeziehen verstand. Pierre Victor Nicolas de Malliée steuert eine Ballettszene vor den Toren eines Schlosses bei. Die minutiös im Stil der holländischen Malerei des 17ten Jahrhunderts von Leopold Parmann gemalten Blumenbilder sind schon vom beginnenden Biedermeier geprägt. Auch weitere Meister der Miniaturenmalerei des 18ten Jahrhunderts sind in Bayreuth vertreten, darunter Peter Adolf Hall oder Rosalba Carriera.

Viele Motive sind beeinflusst von bekannten Malern des ausgehenden 18ten Jahrhunderts, insbesondere von François Boucher. Am Ende der Schau demonstriert dies eindrucksvoll ein Gemälde aus Bouchers Werkstatt aus den Jahren nach 1749. „Vertumnus und Pomona“ zeigt den als alte Frau verkleideten den Gott der Jahreszeiten Vertumnus, wie er sich der Göttin des Baumobstes zu nähern versucht. Die Darstellung bezieht sich auf eine Ballettaufführung in Versailles, in der Madame de Pompadour als Pomona auftrat. Die glanzvolle Geliebte und Beraterin Ludwigs XV., die in den letzten Segmenten der Ausstellung eine dominante Rolle spielt, bekleidete das Hofamt der Mätresse, das zu Zeiten des Absolutismus dem Amt der Ehefrau des Fürsten folgte, und auf gleicher Ebene wie der Premierminister angesiedelt war.

Das im westfälischen Münster lebende Arztehepaar Hans-Ullrich und Eva Löer hat in dreißig Jahren die Sammlung zusammengetragen. Ausgestattet mit großer Fachkenntnis und untrüglichem Sinn für Qualität sowie eingebunden in ein Netzwerk internationaler Händler, gelang dem Laborarzt die Zusammenstellung einer Kollektion, die Experten in Umfang und Vielfalt als einmalig bewerten. Nach seinem kürzlich gefeierten 80sten Geburtstag stiftete er die Miniaturen nun dem Freistaat Bayern zur dauerhaften Präsentation im Neuen Schloss in Bayreuth. Der Ort ist passend gewählt und erweitert den Geist der Erbauungszeit des Schlosses um eine Nuance. Damit sind Bayreuths Museen nun um eine Attraktion reicher.

Die neue Dauerausstellung „Galante Miniaturen – Schönheit und Verführung“ im Neuen Schloss ist bis Ende September täglich von 9 bis 18 Uhr zu sehen, von Oktober bis März täglich von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt beträgt 5,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Zur neuen Dauerausstellung soll in absehbarer Zeit ein Katalog erscheinen.

Kontakt:

Schloss- und Gartenverwaltung Bayreuth-Eremitage

Ludwigstraße 21

DE-95444 Bayreuth

Telefon:+49 (0921) 759 690

Telefax:+49 (0921) 759 69 15

E-Mail: sgvbayreuth@bsv.bayern.de



22.09.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Venus von Urbino, Emailminiatur nach Tizian, um 1800
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Das Ehepaar Löer bei der Übergabe der König Ludwig I.-Medaille
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in der neuen Dauerausstellung „Galante
 Miniaturen – Schönheit und Verführung“
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Hans-Ullrich und Eva Löer mit Museumsreferent Peter O.
 Krückmann
Hans-Ullrich und Eva Löer mit Museumsreferent Peter O. Krückmann

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Das Neue Schloss in Bayreuth beherbergt die Miniaturensammlung Dr.
 Löer
Das Neue Schloss in Bayreuth beherbergt die Miniaturensammlung Dr. Löer

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Venus und Adonis, 18. Jahrhundert
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Venus und Adonis, 18. Jahrhundert

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in der neuen Dauerausstellung „Galante Miniaturen – Schönheit und Verführung“

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Das Ehepaar Löer bei der Übergabe der König Ludwig I.-Medaille

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Das Neue Schloss in Bayreuth beherbergt die Miniaturensammlung Dr. Löer

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Hans-Ullrich und Eva Löer mit Museumsreferent Peter O. Krückmann

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