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Die Albertina in Wien präsentiert eine Retrospektive zum Schaffen Gottfried Helnweins

Ästhetik des Schreckens



Ausgestreckt liegt er auf dem Boden: der Körper einer jungen Frau. Sie ist beinahe noch ein Kind, ein Mädchen, blutjung, mit heller Haut und nackt unter der Soldatenuniform, die ihre Blöße nur spärlich bedeckt. Ihre weit geöffneten Augen schauen fassungslos. Nur die kleine Träne an ihrem rechten äußeren Lid verrät, dass das was geschehen ist, gerade erst vorbei ist. Die Gewissheit über den hoffnungslosen Zustand des Mädchens wird immer sicherer. Ihr Mund wirkt auf einmal erstarrt, der Blick leer. Das stille Entsetzen angesichts des eigenen Todes ist dem Kind ins Gesicht geschrieben. „Modern Sleep“ nennt Gottfried Helnwein sein 2005 entstandenes Gemälde, das derzeit im Rahmen einer Personale in der Wiener Albertina zu sehen ist. Es gehört zu jener großen Gruppe hyperrealistischer Darstellungen, in denen der österreichische Künstler sein bevorzugtes Sujet, das verletzte Kind, einmal mehr thematisiert.


Anlässlich des 65sten Geburtstages von Gottfried Helnwein widmet ihm die Albertina, sieben Jahre nach seiner großen Werkschau im Linzer Kunstmuseum Lentos, eine Retrospektive. Über 150 Werke aus allen Schaffensperioden geben Einblick in Helnweins Werk, das von der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, deren Reiz- und Tabuthemen geprägt ist.

Schmerz, Verletzung und Gewalt sind wiederkehrende Motive in Helnweins beunruhigenden Arbeiten. Bekannt wurde der Künstler als Provokateur. Seine frühen Bildnisse misshandelter und gequälter Körper schockierten und sicherten ihm immer wieder große Aufmerksamkeit in den Massenmedien. Helnweins Titelbilder für Zeitungen und Magazine und sein 1992 entstandener Coverentwurf für die Hard Rock-Band Scorpions machten ihn populär, sorgten aber gleichzeitig auch dafür, dass der Blick auf sein umfangreiches Œuvre von einem bandagierten, mittels Gabeln in den Augenhöhlen malträtierten und schreienden Selbstportrait verstellt wurde. Angesichts seiner künstlerischen Weiterentwicklung, verbunden mit neuen Bildfindungen und dem Einsatz neuer Medien, von digitaler Fotografie und Video, bietet die Wiener Ausstellung nun die Möglichkeit, die Entwicklung seines Werks umfassend zu betrachten.

Den Beginn machen die kleinen, ab Ende der 1960er Jahre entstandenen Papierarbeiten. Helnweins erstes Aquarell trägt den Titel „Osterwetter“ und entstand 1969 für seine Aufnahmeprüfung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Auf einer Frühlingswiese sind zwei Mädchen in weißen Kleidern zu sehen. Das eine liegt mit geschlossenen Augen im Gras. Blut läuft aus seinem Mund. Das andere Kind steht daneben und blickt den Betrachter ernst und mit großen Augen an. Es hält ein blutverschmiertes Messer in seiner rechten Hand. Augenscheinlich hat es soeben sein neben ihm liegendes Ebenbild erstochen.

Bereits in diesem frühen Werk thematisiert Gottfried Helnwein das Motiv des verwundeten Kindes, ein Sujet, das für seine späteren Arbeiten charakteristisch werden wird. Helnwein schildert die Existenz des Schreckens in einer scheinbaren Idylle. Indem er das Kind, das traditionell Unschuld und Reinheit verkörpert, als Opfer und zugleich auch als Täter darstellt, thematisiert er die Fehlentwicklungen und Exzesse der Gesellschaft.

Das Kind erscheint bei Helnwein als Stellvertreter für den wehrlosen, abhängigen und ausgelieferten Menschen. In den Zeichnungen und Aquarellen seiner frühen Schaffensphase zeigt Helnwein Kinder meist entstellt, mit Verstümmelungen und Wucherungen, mit Narben und Nähten, so in „Peinlich“ und „Der Eingriff“ von 1971 oder „Beautiful Victim“ von 1974. Zu einem Zeitpunkt, als Otto Muehl und Günter Brus ihre Phase des Aktionismus bereits wieder für beendet erklärten, inszeniert Helnwein bevorzugt kleine Kinder in einer Opferrolle, ab 1981 auch seine eigenen Kinder. Schwarzweiß-Fotografien dokumentierten ihre bandagierten Köpfe, ihre Fesselungen oder wie sie für die Aufnahmen mit chirurgischen Instrumenten malträtiert wurden.

Erinnerung und Verdrängung sowie Konstellationen von Macht bleiben auch in Helnweins Bildern der 1980er Jahre thematisierte Sujets. Die verstörende Wirkung der Bilder provoziert Helnwein nun vor allem durch eine Mischung aus Groteske und Erschrecken, eine Beunruhigung und Beklemmung, die dem Umstand geschuldet ist, das der Künstler Heterogenes in einem Bild miteinander verbindet: Manga-Figuren und Kriegsfotografie, Donald Duck und Hitler, die Jungfrau Maria und Nazi-Schergen. Arbeiten wie „Das Lied“ aus dem Jahr 1981 oder „Ali“ von 1991 sind umso beunruhigender, je ruhiger sie werden und je weniger Helnwein die Ursache der Gewalt zu erkennen gibt.

Mit dem aktualisierten Blick auf seine Arbeiten gelingt es der Schau, Gottfried Helnwein als einen Künstler vorzustellen, der sich sozialen und gesellschaftspolitischen Motiven verpflichtet fühlt. Irritierend sind vor allem die neuen, nun monumentale Ausmaße einnehmenden Arbeiten, denen die Ausstellung viel Platz einräumt. Momente nationalsozialistischer Ikongrafie in „Epiphanie I (Anbetung der Könige 3) von 2013 irritieren gleichermaßen wie solche der Manga- und Anime-Ästhetik, die Helnwein in Dialog mit bewaffneten Kindern treten lässt, so in „The Disasters of War“ von 2007/08.

Bei aller Verschwommenheit und malerischen Unschärfe, die die neuen, monumentalen Arbeiten prägen, haben die rätselhafte Ungewissheit und Eindringlichkeit, die Helnweins Werke fast immer vermitteln, sogar noch an Intensität gewonnen. Auch wenn man einwenden könnte, dass der Künstler mit seinen Arbeiten eine „Ästhetik des Schreckens“ auf hohem Niveau kultiviert, führt die Ausstellung doch eindringlich vor Augen, was seine Kunst mit der Realität und dem Leben verbindet: ihr fantastischer Sinn für das Grausige und Grausame. Das Paradoxon der Kunst und des Kunstgenusses verkörpert Gottfried Helnwein par excellence.

Die Ausstellung „Gottfried Helnwein. Retrospektive“ ist bis zum 13. Oktober zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Museum beträgt regulär 11,90 Euro mit verschiedenen Ermäßigungsstufen. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei. Der Katalog kostet in der Ausstellung 25 Euro.

Kontakt:

Albertina

Albertinaplatz 1

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 53 37 69 7

Telefon:+43 (01) 53 48 30



25.08.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


25.05.2013, Gottfried Helnwein. Retrospektive

Bei:


Albertina

Künstler:

Gottfried Helnwein










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