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Frankfurt stellt Hans Thoma, den „deutschesten aller Maler“, mit Werken aus dem Eigenbestand zur Diskussion

Verharren in gediegener Glückseligkeit



Hans Thoma, Die Öd. Blick auf den Holzhausenpark, 1883

Hans Thoma, Die Öd. Blick auf den Holzhausenpark, 1883

Steil aufsteigende und abfallende Popularitätskurven sind auch in den Künsten bei weitem keine Ausnahme. Allenfalls einen „biederen Schwarzwaldmaler“ verbinden selbst renommierte Kunsthistoriker heute mit dem Namen Hans Thoma. In „Meyers Konservations-Lexikon“ von 1909 wird er dagegen als „Lieblingsmaler des Deutschen Volkes“ tituliert. Dies verweist auf die als typisch deutsch wahrgenommene Einordnung seines Schaffens in den historischen Kontext. In der Tat: Kaum ein deutscher Künstler erlangte zu Lebzeiten eine derart hohe Popularität. Die Kehrseite der Medaille: Völkisch-nationale Kreise sowie die Machthaber im Dritten Reich vereinnahmten Motive des „zu den wichtigsten Künstlern des Führers“ zählenden Malers durch eine Flut von Ausstellungen und massenhafter medialer Verbreitung, was dessen Ruf belastete und sein Vergessen letztlich beschleunigte.


Von 1877 bis 1899 lebte Hans Thoma in Frankfurt am Main. Diesem Umstand ist es geschuldet, dass das Städel Museum in Frankfurt am Main neben der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe mit über 80 Gemälden und über 400 Arbeiten auf Papier den größten Fundus an Werken Thomas besitzt. 69 Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen ausschließlich aus dem Eigenbestand werden hier nun gezeigt. Die letzte monografische Präsentation fand mit über einhundert Gemälden 1934 am gleichen Ort statt. Nun versuchen die Kuratoren Felix Krämer und Nerina Santorius in der Analyse des eigenen Fundus eine neutrale, unbefangene Annäherung an den Maler.

Doch wie wagt man sich an die Präsentation der vergilbt anmutenden, dunkel abgetönten, düsteren Bilder heran? An der Stelle von klassisch weißen Ausstellungswänden trifft der Besucher in der oberen Ausstellungsetage des Peichl-Traktes auf ein knallig farbiges Arrangement: Wände sind in hellem Violett oder beißendem Orange gefasst; der Boden mit giftgrünem „Kunstrasen“ bedeckt. In der Tat: Die Wahl dieses Hintergrundes nimmt den Sujets viel von ihrer Biedermeierlichkeit. Auf die Reaktion des Publikums darf man gespannt sein.

Zur Welt kommt Hans Thoma am 2. Oktober 1839 im Schwarzwalddorf Bernau. In ärmlichen Verhältnissen auf einem Bauernhof aufgewachsen, startet er in mehreren Lehrberufen, beginnt dann aus der Not heraus lokale Landschaften und Porträts zu malen, ehe er durch Empfehlung schließlich an der neu gegründeten Karlsruher Kunstakademie bei Johann Wilhelm Schirmer als Schüler landet. Nach Schirmers Tod 1863 verschlägt es Thoma 1867 kurzzeitig an die renommierte Akademie nach Düsseldorf. Während eines Paris-Aufenthaltes 1868 lässt er sich von Gustave Courbet anregen und, als er 1870 nach München umzieht und sich im Umkreis von Wilhelm Leibl bewegt, wird er von Arnold Böcklin von dessen allegorisch-mythologischen Themen inspiriert. In den Münchener Jahren gelingt ihm noch nicht der künstlerische Durchbruch, doch nehmen ihn erste Sammler zur Kenntnis.

Ab 1877 in der vermögenden Kaufmannsstadt Frankfurt ansässig, hofft Hans Thoma hier auf Aufträge und wird nicht enttäuscht: Der Arzt Otto Eiser und der Bauunternehmer Simon Ravenstein vermitteln ihm Großaufträge für Ausmalungen von privaten als auch öffentlichen Räumen. Beide begeisterten Thoma dann auch für den Komponisten Richard Wagner, dessen Ehefrau er ebenso kennenlernt wie den mit Cosima Wagners Tochter Daniela von Bülow verheirateten Kunsthistoriker Henry Thode. Als Direktor des Städels und späterer Professor für neuere Kunstgeschichte an der Universität in Heidelberg wird jener zu einem der stärksten Fürsprecher Thomas.

Die Anerkennung seiner Kunst nimmt während der Frankfurter Jahre stetig zu, doch der Durchbruch erfolgt unverhofft in München. Auf einer Überblicksausstellung im dortigen Kunstverein 1890 werden die meisten der 36 präsentierten Gemälde verkauft. Immer mehr zeigen sich allerorten die Schattenseiten der Industrialisierung, während sich das Publikum eine heile Welt wünscht, die Hans Thoma in seinen melancholischen Landschaften festhält. Frei vom Mühsal und sozialer Härte thematisiert er das Leben der Landbevölkerung, das private Glück und die Schönheit der stillen Natur; umstürzlerische und revolutionäre Kräfte fehlen seinen Bildern. Zeitgenössische Fortschrittsbekundungen wie Fabriken sucht man vergebens. War der düster-schwermütige Klang der Bilder sowie seine Herkunft zu Anfang hinderlich, trägt nun genau dies zum kommerziellen Erfolg Thomas bei.

In den 1880er Jahren halten mythologische wie religiöse Szenen Einzug in sein Werkschaffen, auch Kompositionen Richard Wagners animieren ihn zu Motiven. Im Jahr 1899 wechselt Thoma nach Karlsruhe, da der badische Großherzog Friedrich I. ihm die Position des Direktors der Großherzoglichen Gemäldesammlung und eine Professur an der Großherzoglich-Badischen Akademie der Bildenden Künste anträgt. 1901 gründet Hans Thoma in Karlsruhe die Majolika-Manufaktur, und anlässlich seines siebzigsten Geburtstages 1909 wird das vom Großherzog ihm zu Ehren in Auftrag gegebene Hans Thoma-Museum in der Gemäldegalerie eröffnet, ergänzt von einer Hans Thoma-Kapelle mit religiösen Bildnissen. Erst 1919 gibt er die Leitung der Gemäldegalerie aus Altergründen auf. Am 7. November 1924 stirbt Hans Thoma in Karlsruhe.

Ein schon während seiner Frankfurter Jahre geschaffenes Galerienetzwerk und eine treue Sammlerschar sorgt bis zu seinem Tode für wachsende Nachfrage, was Thoma auch dazu animiert, Druckgrafiken anzufertigen. Oft wiederholt er hier eigene Gemälde in hohen Auflagen oder fügt bestehende Ideen zu neuen zusammen. Auch was die Vermarktung angeht, gibt er sich auf der Höhe der Zeit. Die massenhafte Verbreitung von Motiven bis hin zu Abdrücken auf Zigarrenschachteln tragen zur Popularisierung bei, während die Preise für seine Gemälde in die Höhe steigen. Seine Kunst ist für jedermann verständlich und bedient einen breiten Strom gesellschaftlicher Stimmungen zu einer Zeit des rasanten Wandels.

Die Kunst, Sehnsüchte einer Epoche in der ihr eigenen Weise zum Ausdruck zu bringen, mag einst Publikum und Kritiker begeistert haben; heute erscheint Thomas Kunst seltsam antiquiert, kann aber übermorgen schon als spannender Beitrag der Kunstgeschichte wiederentdeckt werden. Somit beleuchtet die Ausstellung ein wichtiges Beispiel deutscher Kunstgeschichte, deren tiefer gehende Intention darin besteht, Diskussionen über die Rolle der Kunst als Spiegel der Gesellschaft anzuregen.

Die Ausstellung „Hans Thoma. ‚Lieblingsmaler des Deutschen Volkes’“ ist bis zum 29. September zu sehen. Das Städel Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs und donnerstags von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro; für Kinder bis zu 12 Jahren ist er kostenlos. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museumsshop 29,80 Euro kostet.

Kontakt:

Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie

Schaumainkai 63

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 60 50 98 0

Telefax:+49 (069) 61 01 63

E-Mail: info@staedelmuseum.de



31.08.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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 1883
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Hans Thoma, Zug der Götter nach Walhall, 1880
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